Dr. Michael Blume, der berühmte Antisemitismusbeauftragte aus dem deutschen Südwesten, fühlt sich von Achgut.com „antisemitisch markiert“ und will diesen „medienethisch fragwürdigen Vorgang auch weiterhin öffentlich thematisieren“. Bitte, da machen wir mit.
Der Antisemitismus-Beauftragte des Landes Baden-Württemberg, Dr. Michael Blume, fühlt sich wieder einmal von der Achse schlecht behandelt, unverstanden und verleumdet. Der Anlass seines Zorns ist ein Artikel, „das Blume-Prinzip“, am 12. Juli 2024 auf der Achse erschienen, in dem Dr. Blume und sein Wirken als „Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben“ in Baden-Württemberg ausgewogen, fair und sachlich gewürdigt wurde. Für Blume allerdings nicht ausgewogen, nicht fair, nicht sachlich genug.
Ganz besonders übel angetan hatte es ihm die Illustration des Beitrags (oben im Bild). Sie zeigt Dr. Blume als Superman im Weltall, mit einem großen gelben Davidstern auf der Brust. Man habe ihn, so Blume, „mit einem gelben Stern auf der Brust markiert“ und symbolisch ins All geschossen, was wohl heißen sollte, es sei ihm das gleiche Unrecht angetan worden wie den Juden im Dritten Reich. Dazu schrieb er, es sei schon öfter vorgekommen, dass sein Name auf X „als jüdisch interpretiert wurde“, aber „diese Bildmontage“ wäre „noch einmal eine Stufe heftiger“, nach seiner Auffassung sei er „antisemitisch markiert“ worden. Ganz „bewusst“ habe er „dem Blogportal… mehrere Tage Zeit gegeben, diese Bildmontage mit meinem Gesicht und gelbem Stern zu entfernen“, das sei „nicht geschehen“, deswegen habe er „nun in einem Brief an unsere Landtagspräsidentin Muhterem Aras über diesen digitalen Übergriff… informiert“ und werde diesen „medienethisch fragwürdigen Vorgang auch weiterhin öffentlich thematisieren“.
Unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen
Blumes Stellungnahme, die er auf einer obskuren Seite online stellte, war so verquast und so verschwurbelt, wie man es von ihm inzwischen gewohnt ist. Unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, schwankt er zwischen Größenwahn und Selbstmitleid hin und her; obwohl er aus dem Hamas-Umfeld „schon mit Mord und Folter bedroht wurde“, werde er sich „weiterhin nicht einschüchtern“ lassen. Und „nein“, er rechne „nicht mehr mit Schutz durch die deutsche Justiz“.
Ein seltsames Bekenntnis für einen deutschen Beamten, die Funktionsfähigkeit von Justiz und Rechtsstaat in Abrede zu stellen und deswegen an die amtierende Landtagspräsidentin zu schreiben, die für sein Anliegen eher unzuständig ist. Eigentlich müsste er jetzt seinen Dienst quittieren und als Grund „Verlust des Vertrauens in die Judikative“ angeben. Aber das würde ihn seinen Job, die schönen Dienstreisen und am Ende auch die Pension kosten. Und ein Antisemitismusbeauftragter a. D. ist so begehrt wie ein Tamagotchi ohne Batterie.
Dr. Blume könnte, wenn er wollte, juristisch gegen die Achse vorgehen. Wenn es den Tatbestand „Entzauberung eines selbstverliebten Banausen im Staatsdienst“ denn gäbe. Es gibt ihn aber nicht, und deswegen muss sich Dr. Blume damit begnügen, Solidaritätsadressen seiner Leser zu initiieren und sie ins Netz zu stellen. Wobei die sich so lesen, als hätte sie der hyperaktive Antisemitismus-Beauftrage an sich selbst geschrieben.
Vielen Dank für die Solidarität!
Ein „Tom aus S.“ stellt fest: „Was die angebliche ‚Achse des Guten‘ betreibt, ist das bewusste Spiel mit Nazi-Symbolen, um die Stimmung gegen Michael Blume aufzuheizen. Dass sich auch ein jüdischstämmiger Schreiber für diese ekelhafte Aktion hergibt, erschließt sich mir nicht. Das Hetzportal darf gerne ebenso wie sein Geistesverwandter Compact vom Markt verschwinden, ich würde es nicht vermissen.“
Worauf Dr. Blume antwortet: „Vielen Dank für die Solidarität, @Tom aus S.“, ohne zu merken, dass er damit antisemitischen Dreck absegnet.
Es gab und es gibt auf der Achse keine Nazi-Symbole. Ein Antisemitismus-Beauftragter müsste in der Lage sein, einen Davidstern von einem Nazi-Symbol zu unterscheiden, es sei denn, er heißt Dr. Blume und huldigt am liebsten sich selbst. Damit ist er am Ziel seiner Tagträume angekommen, er wurde Opfer einer antisemitischen Attacke, ausgeführt von einem „jüdischstämmigen Schreiber“. Für einen Antisemitismus-Beauftragten der ultimative Ritterschlag. Nur: Wie verwirrt, geistig abwesend und emotional instabil muss ein Anitisemitismus-Beuftragter sein, der einen David-Stern für ein Nazi-Symbol hält, das ehrverletzend ist? Einen David-Stern, das Symbol des jüdischen Staates, der israelischen Armee, des israelischen Roten Kreuzes (Magen David Adom)?
Dazu würde allerdings passen, dass der promovierte Wirrkopf Blume einen christlichen Zionisten, der maßgeblich am Aufbau der israelischen Armee beteilgt war, Orde Wingate, einen "Kriegsverbrecher" und "britischen Mörder" genannt hatte. In Israel wird Wingate als Held und Retter gefeiert – ähnlich wie Oskar Schindler und Gustav Schröder, der Kapitän der St. Louis –, für Blume gehört er exhumiert und vor ein Kriegsgericht gestellt.
Ende Mai gab Dr. Blume seinem Heimatsender, dem SWR, ein Interview, in dem er „die israelische Regierung im Zusammenhang mit dem andauernden Krieg im Gazastreifen scharf“ kritisierte. „Seiner Meinung nach schade Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit seinem Verhalten dem Kampf gegen Antisemitismus“. Netanjahu und seine Regierung „benutzen den Antisemitismus-Vorwurf inflationär und instrumentalisieren ihn“; und „das hilft uns überhaupt nicht, wenn wir Antisemitismus ehrlich bekämpfen wollen“.
Den Antisemitismus ehrlich bekämpfen!
Dass die Juden mit ihrem Verhalten den Antisemitismus erst hervorbringen und dann „instrumentalisieren“, ist eine Behauptung, die seit ewigen Zeiten zum Standard-Programm eines jeden Antisemiten gehört, Dr. Blume macht da keine Ausnahme. Der Antisemit findet immer einen Grund, den Juden zu hassen. Seit Oktober letzten Jahres ist es Israels Intervention in Gaza, es könnte aber ebenso gut die „Politik der Apartheid“ gegenüber den Palästinensern sein, Israels Rolle als „Brückenkopf des US-Imperialismus“ oder – derzeit sehr aktuell – Israel als „letztes europäisches Kolonialprojekt“. Die Antisemiten und Antisemitinnen – von Roger Waters über Judith Butler und Antonio Guterres bis zu den Hamas-Verstehern und Unterstützern im deutschen Kulturbetrieb – finden immer eine rational anmutende Begründung für ihre als „Israelkritik“ getarnte Judeophobie.
Wenn Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit seinem Verhalten dem Kampf gegen Antisemitismus Schaden zufügt, dann ist es natürlich die Pflicht eines deutschen Antisemitismus-Beauftragten, dem israelischen MP die rote Karte zu zeigen. So nicht! Wir wollen den Antisemitismus ehrlich bekämpfen!
Irgendwie muss ja der Witz, dass es in Deutschland inzwischen über zwei Dutzend amtlich bestellte Antisemitismus-Beauftragte gibt, mit Leben gefüllt werden.
Henryk M. Broder ist Herausgeber der Achse des Guten.
Beitragsbild: Staatsministerium Baden-Württemberg

Bei Deutschlands Blumes ist Kampfgegenantisemitismus mehr ein „Format“, so wie Kampfgegenrechts. Im verdrängunspolitischen Kasperletheater geht es um den Machtausbau der Clubgenossen von Unsererdemokratie, etwa in dem man unerwünschte Akteure fix mit dem Nazi-Krokodil abserviert. Mit Juden, deren zunehmend prekärer Situation in The Länd und andernorts in Unsererdemokratie oder gar noch unerwünschten, irgendwie „jüdischstämmigen Schreibern“ hat das nur am Rande zu tun. Trotzdem geht Blume beim monatlichen NS-Relativierungs-Lotto diesmal leer aus, da Ex-Bundespräsident Gauck just wieder die Auferstehung des Ewigen Führers in den USA beobachtet haben will. Rien ne vas plus.
Toll, „antisemitisch markiert“! Neben „männlich/weiblich/??? gelesen“ eine neue Wortkombination, das lädt geradezu zu interessanten Interpretationen ein. Die sicher auch juristisch ausgequetscht werden können. Wobei das Markieren eher etwas mit dem Abstecken von Revieren bei Hunden, Katzen und Wildschweinen zu tun hat. Ist es ein Fall für den Staatsanwalt oder wenigstens für eine stellvertretende Bundestagspräsidentin, wenn jemand, der sich weiblich liest, von einem (oder einer) anderen männlich markiert wird? Ich frage für einen männlich markierten Freund, der sich männlich liest.
Ich verfolge die Causa Blume nur am Rande. Was ich mich aber schon länger frage: wodurch zeichnet sich Dr. Blume eigentlich als besonders geeignet aus für das Amt des Antisemitismusbeauftragten?
Etwa dass es schon öfter vorgekommen sei, dass sein Name auf X „als jüdisch interpretiert wurde“? Was ist da passiert? Etwas, das Juden häufiger passiert, aber doch bitte nicht IHM. Meint er, er sei zwar Antisemitismusbeauftragter, aber deshalb noch lange kein Jude! Gott bewahre! Will er sich dagegen verwahren, auch nur im entferntesten als Jude wahrgenommen zu werden? Oder geht es ihm, wie Broder vermutet, doch um das Altbertraute, seinen Job, die schönen Dienstreisen und am Ende auch die Pension.
Da hilft denn auch kein Aufstampfen in Form eines Briefes an die Landtagspräsidentin Muhterem Aras, die mutmaßlich in höchstem Maße dem Antisemitismus entgegentreten würde, wenn es dazu Gelegenheit gäbe.
Auffällig ist, dass es bei Michael Blumes Twitter-Profil nur zustimmende (und daher sehr wenige) Antworten auf seine Tweets gibt. Zeitgenossen mit kritischen Antworten scheint er allesamt zu blockieren. Fazit: gemessen, gewogen und für zu seicht befunden.
Und zum Blume wäre zu sagen :
Was wollt ihr eigentlich alle ?
Er ist doch ein hervorragender Antisemitismusbeauftragter !!!
Im WAHRSTEN Sinne des Wortes ….
zu Armin_Ulrich :
1.ist bekannt ,das Wikipedia von zumeist Linken in derem Sinne stark manipuliert,will
sagen korrigiert wird…
Den Feind zersetzen,wie es uns die Grünlinken vormachen !
Dafür steht Wikipedia heute !
Und 2..will man ein terroristisches Lager infiltrieren um es auszuheben sollte man ein ähnliches Aussehen wie
der Feind anstreben und auch ähnlich riechen-also sich nicht waschen,,rasieren und wohl auch nach Knoblauch
stinken um nicht aufzufallen -
Eine ratsame Strategie im (damaligen) arabischen Raum
Ein sehr lustiger Artikel, lieber Herr Broder. Kann man aus dem Blume „Antisemitismus-Man“ nich‚ mal einen weiteren Running-Gag machen?