Bundesinnenminister Dobrindt führt auf Ministergipfeln und an der EU-Ostgrenze zwar ein beeindruckendes Illusionstheater auf, aber Deutschland verweigert das entscheidende Umsteuern. Auch deshalb gibt es Bürgerwehren und Demonstrationen in Polen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt gibt gerade den entschlossenen Politiker. Die Unionsparteien verdanken viele ihrer Wählerstimmen -– das weiß der Minister ebenso wie sein Kanzler – der Hoffnung, sie würden ihr Wahlversprechen des Umsteuerns in der Migrationspolitik ernst nehmen. Aber diese klare Abkehr vom Kurs der seinerzeitigen CDU-Langzeitkanzlerin Angela Merkel – damals selbstverständlich unter beifälliger Begleitung aller linken und grünen Parteien im Lande – fällt offensichtlich sehr schwer. Wer aus ihrer einstigen Gefolgschaft will schon offen bekennen, dass ein wesentlicher Teil der Merkel-Politik nach zehn Jahren krachend gescheitert ist und nicht nur Deutschland weiterhin vor riesige ungelöste Probleme stellt.
Die bleiben auch bestehen, wenn es Deutschland und der EU gelänge, die illegale Einwanderung nachhaltig zu bremsen. Aber das wäre immerhin ein entscheidender Schritt, denn jetzt wachsen sie noch tagtäglich.
Ungeachtet solcher Gedanken muss die Merz-Regierung nun wenigstens den Anschein einer neuen Migrationspolitik erwecken. Heute trifft sich der Bundesinnenminister mit seinen EU-Kollegen in Kopenhagen, um über dieses Thema zu beraten. Zuvor hatte er am Wochenende fünf Amtskollegen aus den Nachbarländern zu einem Asylgipfel auf die Zugspitze geladen. Und zwischendurch reiste der Minister nach Polen, um einen Konflikt zu überspielen, denn Deutschland hatte bekanntlich mit Kontrollen und Rückweisungen an der deutsch-polnischen Grenze begonnen, worauf Polens Regierung ebenfalls mit Kontrollen reagierte. Die Bürger sollten glauben, dass die aus Deutschland Abgewiesenen gegebenenfalls wiederum zurückgewiesen würden. Immerhin war die Stimmung in Polen bekanntlich so aufgeheizt, dass sich schon Bürgerwehren zu Grenzkontrollen bildeten.
Um trotz dieses Grenzkonflikts etwas Harmonie zu demonstrieren, reiste Dobrindt mit seinem polnischen Amtskollegen Tomasz Siemoniak an die polnisch-weißrussische Grenze. Dort zeigt Polen mit ausgebauten Grenzanlagen, wie ernst das Land den Schutz dieser EU-Außengrenze nimmt. Dafür fand Dobrindt anerkennende Worte und sein polnischer Kollege forderte eine finanzielle EU- und deutsche Beteiligung am aufwändigen Grenzschutz.
Kein Blick auf das eigentliche Problem
Doch allen Gipfeln und aller Harmonie zum Trotz geht Deutschland ein entscheidendes Problem der illegalen Migration nicht an: Die sogenannten Pull-Faktoren, also der lockende Umstand, dass jeder, der es über die deutsche Grenze schafft, quasi lebenslang in ein Sozialversorgungssystem aufgenommen wird, das er nur in seltenen Ausnahmefällen wieder verlassen muss. Und begründet wird der Versorgungsanspruch durch Anwesenheit und Asylantrag. Auch nach dessen Ablehnung und einer theoretischen Ausreisepflicht kümmert sich der deutsche Staat weiter um Kost und Logis. Nach weiteren Einnahmequellen kann derweil jeder suchen.
Natürlich ist der Asyl-Alltag dann für viele desillusionierend und alles andere als schön, aber dennoch ist die vom deutschen Staat verheißene grundlegende soziale Absicherung, inklusive einer medizinischen Versorgung, für die man in anderen Ländern bezahlen müsste, und das geringe Risiko einer Abschiebung verlockend. Und die Schleuser schmücken das noch mit allerlei Erzählungen aus.
Kleinere Schikanen, wie die zeitweise Umstellungen von Geldzahlungen auf Bezahlkarten ändern daran nichts. Noch mehr als vor zehn Jahren lohnt es sich für sehr viele Menschen, als angeblich Schutzsuchende viele sichere Länder zu durchqueren, um dann in Deutschland anzukommen. Andere EU-Länder in ähnlicher Lage haben ihre einst großzügigen Versorgungsangebote für Asylbewerber in den letzten zehn Jahren drastisch reduziert und/ oder an Anforderungen geknüpft, die Antragsteller zu erfüllen hatten.
Dass Deutschland zudem jedem Zuwanderer, der ohne Papiere kommt und seine wahre Identität verschleiert, den ungehinderten Zugang in das Asyl-Versorgungssystem gewährt und in der Strafverfolgung gegenüber Migranten meist Milde walten lässt, lockt zudem überproportional viele Menschen aus Milieus an, die nirgends erwünscht sind.
Nun ist es zunächst ein deutsches Problem, wen Deutschland alles willkommen heißen will. Etliche Nachbarn sind zwar als Transitländer betroffen und wollten diese Migranten nicht haben, aber die wollten meist auch nicht bleiben und sind in ihr Zielland weiter gezogen. So ging auch Polen in den letzten zehn Jahren mit der deutschen Willkommenspolitik um. Auf EU-Ebene lehnte das Land die Aufnahme eines Teils der vielen arabischen, afghanischen und afrikanischen Migranten ab. Wer es nach Polen schaffte, sollte bitte weiterziehen, was die Zuwanderer ohnehin vor hatten.
Wahlsieg nach Merkels Steilvorlage
Ein Problem tritt für die Nachbarn aber ein, wenn Deutschland versucht seine Grenze zu schließen, aber jeden, der es dennoch über diese Grenze schafft, weiterhin mit der Aufnahme ins Sozialsystem belohnt. Dann machen sich zwar weiterhin Migranten auf den Weg, aber bleiben mitunter an der Grenze stecken. Wer Polen nicht mehr einfach nur durchqueren kann, wird wohl eine Weile bleiben. Diese Art der Zuwanderung ist unter Polen aber weitgehend unpopulär. Die Veränderungen, die das letzte Massenmigrations-Jahrzehnt in deutschen Städten mit sich brachten, haben da durchaus abschreckende Wirkung. Wer will schon eine rasante Zunahme von Messerangriffen und anderen Gewalttaten in seinem Land haben? Polen hat schließlich schon hunderttausende ukrainische Flüchtlinge aufgenommen.
Kanzler Merz und Innenminister Dobrindt hatten sich die Kontrollen an der polnischen Grenze sicher vor allem als gut vermittelbares Zeichen für eine vermeintliche Politikwende vorgestellt. Vielleicht hatten sie gehofft, dass die Polen deutsche Grenzkontrollen nicht allzu ernst nehmen, weil die ohnehin höchstens zu vereinzelten Zurückweisungen führen würden.
Mancher wunderte sich in Deutschland darüber, dass die polnische Regierung dann ihrerseits mit Grenzkontrollen reagierte, nachdem Bürgerwehren aus Polen eigene Aktionen ankündigten. Doch für Polen ist die Zuwanderungsfrage ein Politikum. Die Angst, dass ein Teil der Zuwanderer, die Merkel-Deutschland einst gerufen hat, in größerer Zahl in Polen stranden und bleiben könnten, ist groß. Und gerade Premierminister Donald Tusk hat das bitter erfahren müssen.
2015 war er auch Premierminister und befand sich genau vor zehn Jahren gerade im Wahlkampf, denn im Oktober wurde ein neues Parlament gewählt. In dem sollte es nach seiner Vorstellung eigentlich um wirtschaftliche und soziale Themen gehen. Doch dann kam der Willkommensruf von Angela Merkel, mit der Verheißung offener Grenzen für alle und die Debatte in der EU, wer jetzt bitte dem deutschen Vorbild folgend, auch bereit wäre, Migranten auf zu nehmen. Dazu war die damalige Tusk-Regierung zwar nicht bereit und lehnte Merkels-Migrationspolitik auch klar ab, aber dennoch war Merkels Grenzöffnung eine Steilvorlage für die konservative PiS-Partei, die seinerzeit bei der Wahl eine absolute Mehrheit einfahren konnte.
Ausweg aus der Zeichensetzerei im Grenzgebiet?
Wen wundert es da, dass Donald Tusk politisch sensibel auf die Art deutscher Migrationspolitik reagiert. Am letzten Wochenende gab es in Polen zahlreiche Demonstrationen gegen die Aufnahme von Migranten. Deutsche Medien verwiesen darauf, dass diese Proteste von der Rechtsaußen-Partei „Konfederacja“ organisiert worden seien und dass es auch Gegenproteste gegeben hätte. Das soll vielleicht suggerieren, dass es die Ablehnung einer Zuwanderungs-Politik nach deutscher Art nur am rechten Rand gäbe. Das ist grundfalsch. Weil Donald Tusk das weiß, hatte er mit seinen Gegengrenzkontrollen auch ein Zeichen setzen wollen.
Nun stehen deutsche und polnische Politiker vor dem Problem, wie sie aus der jeweiligen Zeichensetzerei im Grenzgebiet wieder herauskommen. Die Regierung in Warschau sagt klar, dass sie die Kontrollen einstellt, wenn Deutschland sie einstellt. Für Polen mag der Fall dann erledigt sein, aber können es sich Dobrindt und Merz leisten, auf dieses Symbol einer irgendwie veränderten Migrationspolitik zu verzichten? Sie haben – bis auf vielleicht noch diesen einen Abschiebeflug - sonst diesbezüglich nicht allzu viel zu bieten.
Wenn man die Probleme dort nicht anpackt, wo sich die Lösungsansätze finden, weil das immer auch mit dem Eingeständnis eines Jahrzehnts grundlegender politischer Fehler einhergeht, führt einen das irgendwann in merkwürdige politische Grenzbereiche. Aber die deutschen Verantwortungsträger mögen an dieser Stelle, an der sie mit Höchstmoral glänzen wollten, kein Fehlereingeständnis. Zumal sie nicht denen recht geben wollen, die schon vor einem Jahrzehnt vor dem unkontrollierten Zustrom gewarnt haben. Auch im Interesse von jenen Verfolgten, die wirklich dringend politisches Asyl brauchen und denen es nicht hilft, wenn im Asylland auch ihre Verfolger ganz offenherzig Aufnahme finden. Aber das ist noch ein ganz anderer Aspekt.
Peter Grimm ist Journalist, Autor von Texten, TV-Dokumentationen und Dokumentarfilmen und Redakteur bei Achgut.com

@Winston Smith: Sie haben in wenigen Sätzen das ganz bewusst und durch bodenlose Dummheit „herbeiregierte“ Desaster beschrieben und auch einleuchtend begründet, warum auch eine Union/AfD-Regierung nicht in der Lage sein wird, unseren einst funktionierenden Staat wieder in rechtsstaatliche und wirtschaftlich erfolgreiche Bahnen zu lenken. Unsere sogenannten „Politiker“ müssten erst einmal erkennen, dass sie selbst wieder die „Schuldigen“ sind und bereits daran hapert es und wenn wir uns dazu Parteien leisten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, „Krieg“ gegen die eigenen noch leistungsbereiten Bürger zu führen und niemand hindert sie daran, dann ist der „Untergang auf Raten“, wie Armin Mitter und Stefan Wolle das Siechtum der DDR beschrieben haben, nicht mehr aufzuhalten.
So verschleiert heute die Polizei die Herkunft des Täters (Dreifachmord): „Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich weder um einen deutschen noch um einen österreichischen Staatsbürger handeln.“ Ja, woher ist er denn???
Bei den Umfragen scheint es nicht zu helfen, die CDU sackt ab. Ziel für nächstes Jahr, zwei Bundesländer unter AfD-Regierung. Der Normalisierung- und Gesundungsprozeß für Deutschland erfordert dies, der rotgrünen Selbstzerstörung muß ein Bremsklotz in den Weg gelegen werden!
Schickt das nicht integrierbare Asyl Pack, darauf liegt die Betonung zurück nach Brüssel und streicht alle Sozialleistungen. Es werden auch integrierte Migranten, die ihren Beitrag leisten bestraft. das ist untragbar. Doch dann könnten Grüne Schleuserbanden und NGO Pro Asyl kein Geld aus der Staatskasse ab fassen, die Schulden bleiben an anständigen Bürgern und integrierten Migranten hängen. Doch das trauen sich unsere feigen Politiker nicht, aus Angst durch Jahre lang geförderten aus der Staatskasse Antifa vor dem zu erwartenden linksradikalen Terror, anstatt mal durch zu greifen. D. ist zum Land im Kriegszustand geworden, wo nachts die Bordsteinkante hochgeklappt wird. Wo Zugreisende selbst im ICE ihrem Kultur sensiblen Axtmörder ausgeliefert sind, oder wie in Würzburg der Buschmann mit Machete Menschen nieder metzelt. Man kann schon nicht mehr auf traditionelle Volksfeste gehen, ohne Angst von Gold Stücken Kultur sensibel niedergemetzelt zu werden, die Freibäder sind zu Nahkampfzonen für Beutejäger geworden… Zumindest hat Dobrindt noch ein schwaches Rückgrat, Merz hat keins.
Was können unsere neunmalklugen Unionisten denn machen, außer großmäulig die „Politikwnde“ zu verkünden? Das erste von vielen Koalitionsgeboten lautet: Verärgere nie deinen roten Koalitionspartner. Weitere Gebote verpflichten die Union, die Rolle von Grünen und Linken als Mitregenten zu akzeptieren – war schließlich alles schon vor der Regierungsbildung im Hinterzimmer ausgekungelt. Österreich hat schon vor Monaten, als unsere Politikernden nur leise einmal das Thema „lückenbehaftete Grenzkontrollen“ andachten, laut und vernehmlich verkündet: Wir schenken euch ganz viele sog. Schutzsuchende, und es gehört sich nicht, ein Geschebk zurück zu gebem. Die Österreicher haben die Polen einfach nur auf dumme Gedanken gebracht. Also muss großes Theater her, um der Plebs Handlungsfähigkeit vorzugaukeln. Und ein jeder des hartherzigen Volkes wird noch das Geschrei der Grünen und Linken im Ohr haben, als Tausende (in Worten: 81) Afghanen in den Flieger Richtung Heimat gesetzt wurden. Und jetzt auch noch Iraker! Mehr geht auf keinen Fall. Sollte es beim Staatlichen Theater auch noch Syrer, Libanesen oder gar „Clans“ treffen, gibt’s im ÖRR Brennpunkte und Sondersendungen und die diversen Magazine überschlagen sich. Also, lieber Herr IM, spaarn Sie Herosin und ersparen uns die albernen und nutzlosen Grenzgipfel!
„Die Angst, dass ein Teil der Zuwanderer, die Merkel-Deutschland einst gerufen hat, in größerer Zahl in Polen stranden und bleiben könnten, ist groß“. Bürgerwehren gegen Remigranten auf’m Rückweg nach Belarus – köstlicher Slawenhumor deluxe !
Was in dem Beitrag zu kurz kommt, ist die Unverschämtheit Polens (als mit der größte Nettozahlungsempfänger der EU), nochmal Geld von der BRD zu verlangen. Das showmäßig gesicherte Grenzstück ist doch im übrigen nicht repräsentativ, dazu gibt es auf 416 km Grenzlänge noch genügend viel an sumpfigem und unwegsamem Gelände. Natürlich sind die Ansagen von Merz und Dobrindt lächerlich, sie trauen sich aber nicht, den EU-„Partnern“, darunter wohlgemerkt auch Frankreich, Spanien, Niederlande, Österreichm Dänemark und Schweden, dafür auf die Füße zu treten, die Wirtschaftsflüchtlinge viel zu lange durchgewinkt zu haben. Ungarn hat sich diesbezüglich ggü. Österreich erheblich robuster verhalten.