Treibt man die Durchsetzung von „Diversität“ und die Political Correctness auf die Spitze, zerfällt die deutsche Sprache dabei zu Staub und eignet sich kaum mehr für den Transport irgendeiner Information, weil sich hinter jeder Redewendung eine sogenannte Mikro-Aggression verbergen kann, an die nur noch keiner gedacht hat. Geschlecht zuweisende Substantive, patriarchale Verben, sexistische Adjektive, ausgrenzende Pronomen … kein Stein bleibt auf dem anderen, wenn man mit dem Hammer dieser Ideologie auf einer gewachsenen, lebendigen, vieldeutigen Sprache herumprügelt. Es kommt immer nur darauf an, die Mikro-Aggressionen als erster zu entdecken und lauthals anzuprangern und wenn man die Urheber auf dem falschen Fuß erwischt, behält man bei der Deutung immer die Oberhand. Vor solchen Angriffen sind selbst die professionellsten Gleichstellungsbeauftragten und Diversitätsexperten nicht sicher, weil man nie gewiss sein kann, genug getan zu haben und andere nicht noch korrekter formulieren. Dazu jetzt ein kleines Experiment.
An der Einladung zur Fachtagung „Critical Whiteness, Powersharing und Empowerment in der Jugend(sozial)arbeit“, die großzügig vom Familienministerium NRW unterstützt wird (logisch, sonst käme so etwas ja gar nicht zu Stande), haben sich mit Sicherheit mehrere Vier-Gendersternchen-General*innen die Äuglein aus den Köpfen geguckt, bis sie das Elaborat textlich so flach gefeilt hatten, dass sich niemand mehr einen Benachteiligungssplitter daran einziehen konnte. Und dennoch findet schon das flüchtige Auge des Spötters leicht weitere Mikroaggressionen, die natürlich per Definition nicht so stehen bleiben dürfen. Benachteiligungen aller Art sind abzuschaffen, auch die gefühlten.
Wollen wir doch mal sehen, ob ich Sprache und Erklärmuster der Gender Studies glaubwürdig imitieren kann.
Dann diversifizieren wir mal drauf los!
In der Einladung steht zum Veranstaltungsort, Zitat:
„Das LVR-Horion-Haus ist von den folgenden Haltestellen des ÖPNV fußläufig zu erreichen …“
Achtung, Mikro-Aggression! Das ausgrenzende Wort „fußläufig“ diskriminiert Rollstuhlfahrende und andere benachteiligte Gruppen. Auch die implizierte Einschätzung, welche Strecke Teilnehmende der Fachtagung ohne Hilfsmittel zu bewältigen in der Lage sein sollten, stellt möglicherweise einen unnötigen sozialen Druck dar. Anstatt durch Body-Positivity zu empowern, wird diskriminiert! Teilnehmende können sich zum Laufen genötigt fühlen, wodurch sie sich unbeabsichtigt einer Gefahr aussetzen. Ein ergänzender Hinweis in der Einladung, wie vor Ort Hilfe und Beratung für die Anreise zu erlangen sind, ist dringend nötig!
Diversitätsfeinden in die Hände spielen
Auch sollte man besser auf die Schreibweise der Organisationen achten, die Referent*innen zur Veranstaltung entsenden:
Tsepo Bollwinkel „Brauner Mob & Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.“
Achtung, Micro-Aggression! PoC* können sich durch die politisch aufgeladene Bezeichnung „Brauner Mob“ diskriminiert fühlen. Die Bedeutungszusammenziehung beziehungsweise Gegenüberstellung von Braun und Schwarz ist irreführend, ausgrenzend und diskriminierend und kann von den Diversitätsfeinden von der AfD benutzt werden, um harmlose Gruppen jugendlicher Menschen mit Migrationshintergrund zu diffamieren, nur weil diese ein „südländisches Aussehen” haben und nicht so critical white sind, wie alle Nazis. PoC, die sich selbst als „braun“ definieren oder Menschen, die zwar keine PoC sind, ihre Critical Whiteness aber überwinden wollen, dürfen durch irreführende Begriffe nicht stigmatisiert und ausgeschlossen werden!
Auch führt die Verwendung des Symbols „&“ dazu, dass hier eine Gruppe von Tätern mit einer Gruppe von Opfern zusammengedacht werden kann, wo doch eine klare Ausgrenzung das politische Ziel sein muss. Eine Umbenennung des Vereins in „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland gegen patriarchal-weiße Nationalistennazis und ‑nazissen e. V.“ muss vorgenommen werden.
Es kommt natürlich nicht nur darauf an, eine Benachteiligung oder Diskriminierung zu erkennen, man muss auch angemessen darunter leiden! Dazu bin ich bei all meiner Toxic Masculinity und Critical Whiteness jedoch nicht in der Lage. Vielleicht sollte ich mal eine Fachtagung besuchen.
* People of Color (PoC), ein Fachbegriff aus dem Arsenal der gruppenbezogenen Menschenbezeichnungen (teile und herrsche). BPoC zieht die Gruppe „Black” noch hinzu. Den Begriff „Mensch” als Gruppenbezeichnung für alle zu verwenden, kommt nicht in Frage, weil er Weiße und Männer miteinschließt – und das will ja nun wirklich niemand riskieren!
Dieser Artikel erschien zuerst auf Roger Letschs Blog Unbesorgt.
Beitragsbild: Stefan-Xp CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Grandios, verehrter Roger Letsch! Zu diesem Thema fallen mir etliche Beispiele von sprachlichen Absurditäten ein, die eine Fortsetzungen nahelegen. Sie wissen schon ...
Wenn unser neues Wörterbuch fertig ist wird es weniger Missverständnisse geben. Der grosse Bruder hat es schon in Auftrag gegeben...
Nun ist es ja so, daß schon Karl Marx ein bekennender Menschenfeind und Rassist war. Er teilte die Menschheit willkürlich und hetzte sie aufeinander. Nicht er persönlich natürlich, aber seine tausenden von Gläubigern und Priestern. Seine besten Schüler Lenin, Stalin, Liebknecht, Thälmann, Hitler, Pol Pot, Castro und viele andere wurden Meister seines Faches. Sie perfektionierten seinen Glauben der " Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit." Da nun dieser Glaube ,der MARXISMUS, immer noch sehr lebendig ist,- es ist die drittgrösste Religion nach Islam und Christentum,wird es natürlich immer viele Menschen geben, die weiter emsig an seiner Vervollkommnung,Verbesserung und Wirkung bis in die kleinsten Zellen des Lebens arbeiten. Darum haben wir die Grünen. Und PoC. Und "Das Kapital". Und die "Soziale Gerechtigkeit". Und Maybrit Illner. Und ........................ muss ich noch weiter machen ?
Lieber Herr Letsch, Sie haben diese Sprachverwirrer, die allesamt gewaltig einen an der Klatsche haben, wunderbar persifliert und mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Allerdings möchte ich doch sehr bezweifeln, dass Leute mit einem dermaßen begrenzten Horizont Ihre satirischen Bemerkungen überhaupt verstehen. Lieber @Volker Kleinophorst, in der Regel lese ich Ihre Kommentare hier auf der Achse recht gern. Aber hier und heute schießen Sie doch etwas über das Ziel hinaus, wenn Sie verallgemeinernd von der "dummen weißen Frau" sprechen, deren "schlaumeierisches Leben im Wesentlichen vom weißen Mann finanziert wird." Sicherlich gibt es genug Evastöchter dieser Sorte. Ich selbst und viele Frauen aus meinem Kreis gehören jedoch nicht zu dieser Spezies. Wir sind tatkräftig und von keinem Mann finanziell abhängig. Ich bin keineswegs beleidigt ob Ihrer Äußerungen, möchte aber doch um etwas Mäßigung bitten. Und denken Sie doch auch an die dämlichen Männer, die an dem von Herrn Letsch beschriebenen Irrsinn maßgeblich beteiligt sind. Dabei fällt mir gerade das Maasmännchen ein, das jeden Tag irgendwelchen Schwachsinn absondert und es sogar zum Ministerchen gebracht hat. Zum Großteil finanziert von weißen Männern u n d Frauen. ich wünsche ein schönes Wochenende.
Aktuell haben 41 % der unter 5-jährigen einen Migrationshintergrund. Glauben Sie wirklich, dass in 10 oder 20 Jahren sich noch ein Schwein für die deutsche Sprache interessieren wird? Bis dahin kann gern von den Geschwätzwissenschaftlernden noch etwas gegendert werden.
Ich verweise hier nur Mal auf das Bild weiter oben von Pixaday. Die Zähne sind richtig weiss.
Ich habs mir mal richtig gegeben und die Einladung angeschaut. Wissen unsere Politiker eigentlich, für was für eine gequirlte Sch... das Geld der Steuerzahler verschleudert wird. Anscheinend ist ja zuwenig Geld da für die Schulen, für die Infrastruktur, für die Pflege usw. Für Themen wie "Mein Weißsein in der Sozialen Arbeit", übrigens nur für weiße "Teilnehmende" oder "Powersharing: Macht intersektional gedacht und geteilt", vorgetragen durch eine "Frauen*beauftragte" (ja, mit Sternchen) ist die Schatulle also noch gut gefüllt. Hunderte Millionen € jährlich für Gender"wissenschaften", und Schul-WCs sind nicht mehr benutzbar. So stelle ich mir die Zukunft vor.