Roger Letsch / 30.08.2019 / 14:00 / Foto: Stefan-Xp / 17 / Seite ausdrucken

Diversität – wir zerreiben unsere Sprache zu Staub

Treibt man die Durchsetzung von „Diversität“ und die Political Correctness auf die Spitze, zerfällt die deutsche Sprache dabei zu Staub und eignet sich kaum mehr für den Transport irgendeiner Information, weil sich hinter jeder Redewendung eine sogenannte Mikro-Aggression verbergen kann, an die nur noch keiner gedacht hat. Geschlecht zuweisende Substantive, patriarchale Verben, sexistische Adjektive, ausgrenzende Pronomen … kein Stein bleibt auf dem anderen, wenn man mit dem Hammer dieser Ideologie auf einer gewachsenen, lebendigen, vieldeutigen Sprache herumprügelt. Es kommt immer nur darauf an, die Mikro-Aggressionen als erster zu entdecken und lauthals anzuprangern und wenn man die Urheber auf dem falschen Fuß erwischt, behält man bei der Deutung immer die Oberhand. Vor solchen Angriffen sind selbst die professionellsten Gleichstellungsbeauftragten und Diversitätsexperten nicht sicher, weil man nie gewiss sein kann, genug getan zu haben und andere nicht noch korrekter formulieren. Dazu jetzt ein kleines Experiment.

An der Einladung zur Fachtagung „Critical Whiteness, Powersharing und Empowerment in der Jugend(sozial)arbeit“, die großzügig vom Familienministerium NRW unterstützt wird (logisch, sonst käme so etwas ja gar nicht zu Stande), haben sich mit Sicherheit mehrere Vier-Gendersternchen-General*innen die Äuglein aus den Köpfen geguckt, bis sie das Elaborat textlich so flach gefeilt hatten, dass sich niemand mehr einen Benachteiligungssplitter daran einziehen konnte. Und dennoch findet schon das flüchtige Auge des Spötters leicht weitere Mikroaggressionen, die natürlich per Definition nicht so stehen bleiben dürfen. Benachteiligungen aller Art sind abzuschaffen, auch die gefühlten.

Wollen wir doch mal sehen, ob ich Sprache und Erklärmuster der Gender Studies glaubwürdig imitieren kann.

Dann diversifizieren wir mal drauf los!

In der Einladung steht zum Veranstaltungsort, Zitat:

„Das LVR-Horion-Haus ist von den folgenden Haltestellen des ÖPNV fußläufig zu erreichen …“ 

Achtung, Mikro-Aggression! Das ausgrenzende Wort „fußläufig“ diskriminiert Rollstuhlfahrende und andere benachteiligte Gruppen. Auch die implizierte Einschätzung, welche Strecke Teilnehmende der Fachtagung ohne Hilfsmittel zu bewältigen in der Lage sein sollten, stellt möglicherweise einen unnötigen sozialen Druck dar. Anstatt durch Body-Positivity zu empowern, wird diskriminiert! Teilnehmende können sich zum Laufen genötigt fühlen, wodurch sie sich unbeabsichtigt einer Gefahr aussetzen. Ein ergänzender Hinweis in der Einladung, wie vor Ort Hilfe und Beratung für die Anreise zu erlangen sind, ist dringend nötig!

Diversitätsfeinden in die Hände spielen

Auch sollte man besser auf die Schreibweise der Organisationen achten, die Referent*innen zur Veranstaltung entsenden:

Tsepo Bollwinkel „Brauner Mob & Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.“ 

Achtung, Micro-Aggression! PoC* können sich durch die politisch aufgeladene Bezeichnung „Brauner Mob“ diskriminiert fühlen. Die Bedeutungszusammenziehung beziehungsweise Gegenüberstellung von Braun und Schwarz ist irreführend, ausgrenzend und diskriminierend und kann von den Diversitätsfeinden von der AfD benutzt werden, um harmlose Gruppen jugendlicher Menschen mit Migrationshintergrund zu diffamieren, nur weil diese ein „südländisches Aussehen” haben und nicht so critical white sind, wie alle Nazis. PoC, die sich selbst als „braun“ definieren oder Menschen, die zwar keine PoC sind, ihre Critical Whiteness aber überwinden wollen, dürfen durch irreführende Begriffe nicht stigmatisiert und ausgeschlossen werden!

Auch führt die Verwendung des Symbols „&“ dazu, dass hier eine Gruppe von Tätern mit einer Gruppe von Opfern zusammengedacht werden kann, wo doch eine klare Ausgrenzung das politische Ziel sein muss. Eine Umbenennung des Vereins in „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland gegen patriarchal-weiße Nationalistennazis und ‑nazissen e. V.“ muss vorgenommen werden.

Es kommt natürlich nicht nur darauf an, eine Benachteiligung oder Diskriminierung zu erkennen, man muss auch angemessen darunter leiden! Dazu bin ich bei all meiner Toxic Masculinity und Critical Whiteness jedoch nicht in der Lage. Vielleicht sollte ich mal eine Fachtagung besuchen.

* People of Color (PoC), ein Fachbegriff aus dem Arsenal der gruppenbezogenen Menschenbezeichnungen (teile und herrsche). BPoC zieht die Gruppe „Black” noch hinzu. Den Begriff „Mensch” als Gruppenbezeichnung für alle zu verwenden, kommt nicht in Frage, weil er Weiße und Männer miteinschließt – und das will ja nun wirklich niemand riskieren!

Dieser Artikel erschien zuerst auf Roger Letschs Blog Unbesorgt.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Andreas Rochow / 30.08.2019

Grandios, verehrter Roger Letsch! Zu diesem Thema fallen mir etliche Beispiele von sprachlichen Absurditäten ein, die eine Fortsetzungen nahelegen. Sie wissen schon ...

Rainer Hinkel / 30.08.2019

Wenn unser neues Wörterbuch fertig ist wird es weniger Missverständnisse geben. Der grosse Bruder hat es schon in Auftrag gegeben…

sybille eden / 30.08.2019

Nun ist es ja so, daß schon Karl Marx ein bekennender Menschenfeind und Rassist war. Er teilte die Menschheit willkürlich und hetzte sie aufeinander. Nicht er persönlich natürlich, aber seine tausenden von Gläubigern und Priestern. Seine besten Schüler Lenin, Stalin, Liebknecht, Thälmann, Hitler, Pol Pot, Castro und viele andere wurden Meister seines Faches. Sie perfektionierten seinen Glauben der ” Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.” Da nun dieser Glaube ,der MARXISMUS, immer noch sehr lebendig ist,- es ist die drittgrösste Religion nach Islam und Christentum,wird es natürlich immer viele Menschen geben, die weiter emsig an seiner Vervollkommnung,Verbesserung und Wirkung bis in die kleinsten Zellen des Lebens arbeiten. Darum haben wir die Grünen. Und PoC. Und “Das Kapital”. Und die “Soziale Gerechtigkeit”. Und Maybrit Illner.  Und ........................ muss ich noch weiter machen ?

Uta Buhr / 30.08.2019

Lieber Herr Letsch, Sie haben diese Sprachverwirrer, die allesamt gewaltig einen an der Klatsche haben, wunderbar persifliert und mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Allerdings möchte ich doch sehr bezweifeln, dass Leute mit einem dermaßen begrenzten Horizont Ihre satirischen Bemerkungen überhaupt verstehen. Lieber @Volker Kleinophorst, in der Regel lese ich Ihre Kommentare hier auf der Achse recht gern. Aber hier und heute schießen Sie doch etwas über das Ziel hinaus, wenn Sie verallgemeinernd von der “dummen weißen Frau” sprechen, deren “schlaumeierisches Leben im Wesentlichen vom weißen Mann finanziert wird.” Sicherlich gibt es genug Evastöchter dieser Sorte. Ich selbst und viele Frauen aus meinem Kreis gehören jedoch nicht zu dieser Spezies. Wir sind tatkräftig und von keinem Mann finanziell abhängig. Ich bin keineswegs beleidigt ob Ihrer Äußerungen, möchte aber doch um etwas Mäßigung bitten. Und denken Sie doch auch an die dämlichen Männer, die an dem von Herrn Letsch beschriebenen Irrsinn maßgeblich beteiligt sind. Dabei fällt mir gerade das Maasmännchen ein, das jeden Tag irgendwelchen Schwachsinn absondert und es sogar zum Ministerchen gebracht hat. Zum Großteil finanziert von weißen Männern u n d Frauen. ich wünsche ein schönes Wochenende.

G. Schilling / 30.08.2019

Aktuell haben 41 % der unter 5-jährigen einen Migrationshintergrund. Glauben Sie wirklich, dass in 10 oder 20 Jahren sich noch ein Schwein für die deutsche Sprache interessieren wird? Bis dahin kann gern von den Geschwätzwissenschaftlernden noch etwas gegendert werden.

armin wacker / 30.08.2019

Ich verweise hier nur Mal auf das Bild weiter oben von Pixaday. Die Zähne sind richtig weiss.

Werner Geiselhart / 30.08.2019

Ich habs mir mal richtig gegeben und die Einladung angeschaut. Wissen unsere Politiker eigentlich, für was für eine gequirlte Sch… das Geld der Steuerzahler verschleudert wird. Anscheinend ist ja zuwenig Geld da für die Schulen, für die Infrastruktur, für die Pflege usw. Für Themen wie “Mein Weißsein in der Sozialen Arbeit”, übrigens nur für weiße “Teilnehmende” oder “Powersharing: Macht intersektional gedacht und geteilt”, vorgetragen durch eine “Frauen*beauftragte” (ja, mit Sternchen) ist die Schatulle also noch gut gefüllt. Hunderte Millionen € jährlich für Gender"wissenschaften”, und Schul-WCs sind nicht mehr benutzbar. So stelle ich mir die Zukunft vor.

Marc Blenk / 30.08.2019

Lieber Herr Letsch, weiße Männer haben bei den Identitätsideologen etwa den Status wie Menschen, welche die Nazis als Untermenschen bezeichnet haben. Nur weiße Männer können Rassisten sein. Näheres erklären ihnen die Oberrassimusdefinierer von Kahanes Stasistifung. D.h. man ist von Geburt an als Weißer Mann in Gefahr, Rassist zu sein, als Nichtweißer durch Geburt und genetischer Absicherung dagegen grundsätzlich ein Nichtrassist. Das schreit doch nach neuen Progromen und Ausrottungsphantasien… Linke Identitätspolitik ist Faschismus.Lieber Herr Letsch, weiße Männer haben bei den Identitätsideologen etwa den Status wie Menschen, welche die Nazis als Untermenschen bezeichnet haben. Nur weiße Männer können Rassisten sein. Näheres erklären ihnen die Oberrassimusdefinierer von Kahanes Stasistifung. D.h. man ist von Geburt an als Weißer Mann in Gefahr, Rassist zu sein, als Nichtweißer durch Geburt und genetischer Absicherung dagegen grundsätzlich ein Nichtrassist. Das schreit doch nach neuen Progromen und Ausrottungsphantasien… Linke Identitätspolitik ist Faschismus.

Bernart Welser / 30.08.2019

Schon die Verwendung gleich dreier englischsprachiger Begriffe im Titel einer in Deutschland stattfindenden und vom Familienministerium des Landes Nordrhein-Westfalen großzügig (mit dem Geld der Steuerzahlerin und des Steuerzahlers) unterstützten Veranstaltung stellt eine knallharte Benachteiligung und Diskriminierung aller Deutsch-Muttersprachler dar, die in ihrem bisherigen Leben keine Gelegenheit hatten, Englisch zu lernen. Vielleicht sollte einmal eine Fachtagung veranstaltet werden, die sich dieses Personenkreises annimmt…

Volker Kleinophorst / 30.08.2019

Es gibt ca 8% Weiße auf der Welt, schon lange rückläufig. Wer ist die Minderheit? Und ein “Konstrukt” aus dieser Minderheit kämpft wie besessen für den Quatsch. Die dumme, weiße Frau, die ja einfach schwer beleidigt ist, dass sie trotz maximaler Förderung, den Männern in der Masse niemals das Wasser reichen kann und die nicht begreifen will, dass sie ohne den weißen Mann, der ihr schlaumeierisches Leben im Wesentlichen finanziert, alleine dasteht.  Nützliche Idiotinnen. Versteht man doch auch ohne Sternchen. Was war in der Büchse (ist ja eigentlich schon sexistisch) der Pandora? Der Feminismus. (Ich würde ja so gerne Satire hinter schreiben, aber “leider” meine ich das ernst.)

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Roger Letsch / 03.08.2021 / 14:00 / 14

Auf deinen Platz, Politiker!

Aus der Politik mehren sich die Rufe nach einem zumindest indirekten Impfzwang. Zurück auf deinen Platz, Politiker! Führe, verführe, aber entführe nicht! In „Dornröschen“, einem der…/ mehr

Roger Letsch / 28.07.2021 / 16:00 / 17

Willkommen im Zeitalter des E‑Rasens!

„Komm schon, Du kannst dem Fortschritt nicht ewig im Weg stehen!“, meint zumindest mein Freund Klaus. In der Tat will ich schon seit einer ganzen Weile…/ mehr

Roger Letsch / 26.07.2021 / 10:00 / 55

Fluthilfe-Kritik von Friedrich Merz: Haarscharf vorbei

Friedrich Merz war stets bereit, als Kai aus der Kiste zu springen, wenn man ihn nur riefe. Doch niemand rief, oder die Falschen zur falschen…/ mehr

Roger Letsch / 22.07.2021 / 06:00 / 101

Die Übermorgenretter sind Heuteschläfer

Ein Land, dessen Regierung zwei Grad Erderwärmung in hundert Jahren verhindern will und dabei die Warnung vor 200 Liter pro Quadratmeter für den nächsten Tag ignoriert,…/ mehr

Roger Letsch / 16.07.2021 / 12:30 / 73

Die Kubanisierung der EU

Das neue EU-Programmpapier „Fit for 55“ will der EU bis 2050 gänzlich das CO2 austreiben, koste es, was es wolle. Hüten wir also unsere ausgedienten…/ mehr

Roger Letsch / 11.07.2021 / 14:00 / 9

Die Tribunalisierung des Alltags

In einem Essay für die NZZ beschreibt Alexander Grau wie blinde Staatsgläubigkeit die Religiosität ersetzt hat und sich billiger Opportunismus als Nachfolger der Aufklärung aufspielt. Es gibt Texte,…/ mehr

Roger Letsch / 04.07.2021 / 16:00 / 43

Schweiz und EU im Luftkampf

Ganz Europa ist von der Brüsseler Bürokratie besetzt. Ganz Europa? Ein von unbeugsamen Helvetiern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Oder,…/ mehr

Roger Letsch / 01.07.2021 / 14:00 / 23

Einem Genossen ist die SPD nicht links genug

Der Parteiaustritt des bayrischen SPD-Genossen Professor Dr. Henning Höppe ist ein ziemliches Konvolut, und zu den Stichpunkten, in denen er seine zur SPD konträre Haltung darlegt, entspricht…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com