Von Wolfgang Sofsky.
Wer die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung kritisiert, wird als Phobiker abgestempelt. So werden Verbotszonen errichtet und die Grenzen des Sagbaren festgesteckt.
Zu den aktuellen Techniken der politischen und sozialen Ächtung gehört die Stigmatisierung als „phobisch“ oder „feindlich“. Wer an der Tatsache festhält, dass es biologisch lediglich zwei Geschlechter gibt, es aber mancherlei sexuelle Orientierungen und Desorientierungen gibt, gilt als „trans“- oder „queerphob“. Wer andere, ihm unbekannte oder fremde Personen nicht als seine Freunde betrachtet und seine Feinde sogar als Feinde erkennt, gilt als „xenophob“. Wer Anhänger Allahs für leichtgläubig oder bigott hält und die Millionen radikaler Muslime weltweit nicht zu seinen besten Freunden zählt, gilt als „islamophob“.
Wer die miserablen Zustände in einigen Ländern des Südens auch nach vielen Jahrzehnten nicht für das Ergebnis des europäischen Imperialismus hält, gilt als „Spätkolonialist“ oder „Rassist“. Wer nicht alle Flüchtlinge dieser Welt im eigenen Land aufzunehmen wünscht, gilt gleichfalls als xenophob, rassistisch oder „unmenschlich“. Wer etliche Subjekte, welche zurzeit die Straßen, Plätze, Bühnen und Bildschirme bevölkern, nicht für die klügsten Exemplare der Tierart Mensch hält, gilt generell als „menschenverachtend“.
Die Diskreditierung benutzt stets dieselbe Methode: Sie stigmatisiert denjenigen, der nicht der eigenen Meinung oder Gesinnung folgt, als psychisch, moralisch oder politisch krank. Er ist ein Extremist, ein Faschist, ein Nazi (was im Übrigen nicht dasselbe ist), jedenfalls ein Feind der Demokratie. Nur wer der eigenen Gesinnung entspricht – und die eigene Partei wählt, ist ein wahrer Demokrat. Alle anderen sind es nicht. Sie gehören beobachtet, notiert, geächtet, eingesperrt.
„Phobie“ als politisches und soziales Stigma
Der Vorwurf der Phobie entspringt vollständiger Ahnungslosigkeit. Phobien sind bekanntlich unbegründete und unberechtigte Ängste vor bestimmten Objekten oder Situationen. Dies können offene oder geschlossene Räume, weite Flächen oder steile Abgründe sein, es können Plätze, Brücken, Gassen, Flugzeuge oder Eisenbahnen, leere Orte oder dichte Menschenansammlungen sein, Tiere aller Art, seien es Schlangen, Spinnen, Käfer oder Eichhörnchen. Phobien können einer Konditionierung entspringen, einem einmaligen Trauma oder einer unbewussten Verschiebung des Angstobjekts. Sie können limitiert sein oder die Seele überschwemmen und das Leben massiv einschränken. Im besten Falle tut die Zuschreibung einer Phobie nur so, als fürchte der Betreffende eine völlig harmlose Sache.
Abgesehen davon, dass sich unter Fremden auch Feinde oder Kriminelle befinden, unter Muslimen auch Islamisten, unter sexuell Desorientierten auch Pädophile oder sadistische Gewalttäter. Doch in Wahrheit dient der pseudoklinische Begriff der „Phobie“ als politisches und soziales Stigma. Es soll den Betreffenden als unzurechnungsfähig, idiotisch, bösartig, hass- und hetzerfüllt an den Pranger stellen und für die allgemeine Empörung und Verfolgung freigeben.
Es ist nicht überraschend, dass bei der Ächtung und Verfolgung psychiatrische Zuschreibungen eine wichtige Rolle spielen. Abweichende Meinungen als Ausgeburt des Wahnsinns zu klassifizieren und unliebsame Dissidenten in psychiatrische Anstalten wegzusperren, war schon immer eine bevorzugte Taktik totalitärer Repression. So errichtet man Verbotszonen, eliminiert das freie Denken und erzeugt einen Zwangskonsens, der alles überdeckt, vor allem aber die gefährliche Illusion der Harmonie nährt. Diese Illusion kann nämlich ziemlich rabiat werden. Nur der geringste „Misston“ ruiniert die Fantasie des heiligen Gleichklangs. Er ruft sofort Entrüstung, Wut, ja Hass hervor.
Indoktrination
Es ist nicht nur so, dass die politische Herrschaftsform der Demokratie hier mit der sozialen, emotionalen und habituellen Gleichförmigkeit gestützt werden soll. Vielmehr soll das Regime einer Minderheit durchgesetzt werden. Dadurch verwandelt sich die Demokratie in eine Gesinnungsdiktatur. Ihr größter Vorteil, die Schurken gewaltlos durch Wahlen wieder loswerden zu können, ist dahin. Gesittung und Seele werden Gegenstände der Überwachung, Moral zu einer Waffe der Macht.
Nicht umsonst sind die staatlich verfassten Erziehungsanstalten Schwerpunkte der Indoktrination. Dies liegt keineswegs nur an der Verwechslung von Wahrheit und Rechthaberei. Von der Kita bis zur Akademie reicht das Feld der ideologischen Macht. Wie auch sonst geht es in den Systemen der Kultur um Posten, Pfründe und Pensionen, um Geld und Macht. Zuletzt will man alle Einrichtungen zu moralisch-politischen „Erziehungsanstalten“ umwandeln: das Theater, die Sprache, die Musik, die bildenden Künste, den Film, den Sport, die Show, die Vereine, Redaktionen, Behörden, Parteien und Parlamente.
Wie einstmals die Kleriker der Kirche in alle gesellschaftlichen Bereiche einzudringen suchten, um das christliche Weltbild mit leeren Versprechen, Drohung, Zwang oder Gewalt durchzusetzen, so sind gegenwärtig unzählige staatliche, parastaatliche und private selbsternannte Aufpasser am Werke. Höchste Zeit, sie alle in ihre Schranken zu weisen und den Trägern, Zuträgern, Claqueuren und Duckmäusern der Diffamierung und Denunziation mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten.
Wolfgang Sofsky ist ein deutscher Soziologe, Autor und Essayist.
Beitragsbild: Pixabay
Nichts Neues in der Diktatur. In der DDR wurde man Asozialer, Element, Subjekt, Schädling genannt.
Volle Zustimmung. Der Missbrauch des psychiatrischen Begriffs „Phobie“ gehört zu den vielen Mitteln einer Minderheit, eine den demokratischen Verfassungsstaat aushebelnde Haltungs- und Gesinnungsdiktatur zu errichten.
Ein Soziologe ist definiert als ein Hohepriester der Gottlosigkeit, ist also per Definition ein ungerechter Richter. ++ Ihr letzer Absatz beweist eindeutig Ihre scharfe, böswillige Ignoranz und zerstört Ihre scheinbar „guten“ Absichten. ++ Lassen wir doch mal harte Fakten und die heilige unantastbare Wissenschaft zu Wort kommen: Im protestantischen Nürnberg gab es mehr Hinrichtungen als von Spanischer und Römischer Inquisition zusammen. ++ Einem verzerrten Geschichtsbild entspricht auch ein dunkle Vorstellung von der Römischen Inquisition. Auch dazu konkrete Zahlen: Die Römische Inquisition ließ zwischen 1542 und 1761 exakt 97 Personen hinrichten, wobei die meisten sich schwerer Verbrechen schuldig gemacht hatten, die auch nach heutigen Strafgesetzbüchern mit der Höchststrafe geahndet würden. ++ Und die Hexenverbrennungen? Die Päpste haben dies strikt abgelehnt, die Inquisition hat praktisch keine Hexenprozesse durchgeführt und im 17. Jahrhundert, wo besonders in den protestantischen Gebieten nördlich der Alpen eifrig die Feuer brannten, überhaupt keinen Hexenprozeß durchgeführt. Die Schätzung der Opfer beläuft sich für Deutschland auf etwa 25.000 Frauen. Im Vergleich dazu wird die Zahl der Hexenverbrennungen in Spanien auf insgesamt 300 und beispielsweise im katholischen Irland auf zwei geschätzt. ++ Die oft kolportierte Zahl von 9 Millionen Opfern stammt übrigens von SS-Chef Himmler, der damit die antikatholischen Reflexe fördern wollte. Tatsächlich hat seine Recherche-Gruppe nicht mehr als 30.000 Opfer auffinden können. ++ Der Autor macht also im Grunde genau das Gleiche, was er dieser gottlosen Ampelregierung vorwirft. Können Sie das mit Ihrem Gewissen vereinbaren? Ein echter Christ ist also in Ihren Augen der letzte Dreck? Die gottlosen Messerstecher sehen das auch so. Die Ampel erst recht. ++ Wieso prüfen Sie obige Aussage nicht mal knallhart nach? Wieso hat Soziologie rein gar nichts mit echter Wissenschaft zu tun?
Vielen Dank, Herr Sofsky
Bis zum letzten Absatz ist Ihr Artikel gut. Es fällt jedoch auf, dass Sie sich nur beschweren und den Leser völlig im Unklaren lassen, wer denn die heutigen Täter wirklich sind, die das Ihrer heiligen Demokratie antun. Sie verschweigen den Grund, warum es Ihrer Demokratie so lange „gut“ ging und jetzt nicht mehr. Im letzten Absatz schiessen Sie den Vogel der Dummheit und Frechheit treffsicher ab. ++ Lassen wir doch mal eine andere kompetente Frau, eine jüdische Wissenschaftlerin, eine sehr fähige, zu Wort kommen. Und warum? Weil Sie die Wahrheit nicht nur liebt, sondern diese auch ausspricht und beruflich danach handelt! Es handelt sich um die jüdische [!!] Historikerin Anna Foa, Professorin für Geschichte der Neuzeit an der Universität La Sapienza in Rom. Da ein Hohepriester der Gottlosigkeit keine Ahnung haben kann, was dass Wort „Sapienza“ bedeutet, hier die Auflösung: Weisheit, Wissen. ++ Ein Zitat der jüdischen Autorin: „Das Bild der Römischen Inquisition als Reich der Folter und des Bösen führt heute ein Eigenleben und ähnelt den Fake News, über die heute viel gesprochen wird.“ ++ Die heutigen Mainstream-Medien, so Foa 2018, gingen fälschlicherweise davon aus, daß die katholische Kirche mit der Öffnung des Zentralarchivs des ehemaligen Heiligen Offiziums im Jahr 1998 den angeblich abscheulichen und blutigen Charakter der Inquisition endlich anerkennen und eingestehen würde, die in der kollektiven Vorstellung immer noch als „bewaffneter Arm der Kirche gegen Ketzerei, freies Denken und Gewissensfreiheit“ gilt. „In den Augen der Medien und der sogenannten historiographischen Vernunft war die Inquisition der Feind des modernen Denkens schlechthin“, so Foa. ++ Nichts von alledem trifft jedoch zu, so die Historikerin. Das ist natürlich eine große Enttäuschung für Journalisten und Antiklerikale, aber sicher nicht für Fachleute. ++ Ergo? Der Autor ist ein Märchenerzähler, aber niemeals ein kompetenter Wissenschaftler.
Herr Sofsky bringt es auf den Punkt. Nur wer soll organisiert und mit voller Entschlossenheit diesem Wahnsinn entgegentreten? Denn wie der Autor bereits bemerkte: „ …die Schurken gewaltlos durch Wahlen wieder loswerden zu können, ist dahin.“
Das ist aber nett, Herr Sofsky, daß endlich ein bekennender Ablehner des antiken Hollywood & seinen Kutten tragenden Marvel-Helden aus dem Morgenland schreibt. Sonst schlage ich mich häufig mit katholischen Intellektuellen aus Schnellroda oder der Tichys-Fraktion herum, bei denen die Freiheit anhand von unangenehmen Bibelzitaten schnell aufhört. Natürlich sind die Mehrheit der Deutschen mittlerweile als Nazis klassifiziert (inklusive Broder & Abramovych). Als Eigentümer einer eigenen Meinung wurde der Terminus „Nazi“ nun zum Ritterschlag mutiert, quasi das Eiserne Kreuz für Totimpf-Gegner & Waffenlieferungsverweigerer. Ob sich das Einstige aus dem Widerstand so gewünscht hätten? Ehrlich gesagt, brauchen wir doch diese ganze woke Mischpoke nicht. Da es sich hierbei mehr oder weniger um Goodharts Anywheres handelt, können die doch in ein Landziehen, deren Bevölkerung mehr ihren Vorstellungen entspricht. Gerade Staaten, wie Nigeria oder Peru werden auf 1 Mio. schmarotzende Grüne, Sozis & sonstige Woke dringlichst warten.