Zum Glück gab es bei dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund keine Toten. Wenn man dem Bekennerschreiben glauben kann, waren Todesopfer geplant. In holprigem Deutsch beziehen sich die Autoren des Schreibens, das die dpa am Tag nach der Tat zuerst publizierte, zuerst an den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz im Dezember des vergangenen Jahres: "Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen, 12 ungläubige würden von unseren Gesegneten Brüder in Deutschland getötet“, beginnt der kurze Text.
Es waren also schon wieder islamideologisch motivierte Täter, die hier Menschen ermorden wollten, um ihrer kruden Weltanschauung mit Terror und Gewalt Respekt zu verschaffen. Es ist nichts Neues. Wieder kommen die routinierten Reaktionen der verantwortlichen Politiker zum Einsatz. Die eingeübten Floskeln lagen ihnen ja fast noch vom Anschlag in Stockholm am letzten Freitag auf der Zunge.
Aber manche Dinge verändern sich im Umgang mit dem alltäglicher werdenden radikalislamischen Terror doch. Die politischen Verantwortungsträger, die bei früheren Anschlägen umgehend vor Islamophobie und Generalverdacht warnten, um dann zu sagen, dass die Tat nichts mit „dem Islam“ zu tun habe, verkneifen sich diesen Satz mittlerweile. Sie würden damit auch nur noch Hohn und Spott ernten. Also wird weitgehend über die Motivation der Täter geschwiegen, damit der Ruf ihrer Religionsideologie nicht noch weiter beschädigt wird.
Wie schon nach dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz, wurde erst nach Stunden und scheibchenweise eingeräumt, dass hier augenscheinlich im Namen Allahs und seines Propheten gemordet werden sollte, obwohl das dazugehörige Bekennerschreiben schon lange vorlag. Angeblich aus ermittlungstaktischen Gründe warteten die Behörden mit dem Hinweis auf den politisch unbeliebtesten Teil der Botschaft. Vielleicht helfen ja die kommenden Feiertage und die Ferien, dass dieser Anschlag bald wieder aus Schlagzeilen und Bewusstsein verschwindet.
Dass gezielt eine Mannschaft angegriffen wird, ist neu
Dabei gäbe es doch etwas zu sagen, das sowohl originell als auch zutreffend ist: Dieser Anschlag auf Borussia Dortmund hat nichts mit Fußball zu tun! Es ist doch eigentlich eine beruhigende Nachricht, dass das Spiel auf dem Feld nicht durch Sprengfallen auf der Bus-Route ergänzt wird. Die Beunruhigung durch radikalislamische Umtriebe ist in der Bevölkerung ohnehin vorhanden und wächst mit jedem prominenten Anschlag oder unbekannten Übergriff. Das große Beschweigen fördert diese Beunruhigung. Eine Chance zur Beruhigung böte die offene Auseinandersetzung mit der Ideologie, der solche Attentäter folgen und welche auch in Vereinen genährt wird, die hierzulande eher Förderung als angemessenen Argwohn erfahren. Doch Ansätze dazu sind leider kaum zu erkennen.
Doch zurück zu dem Anschlag, der nichts mit Fußball zu tun hat. Es gab schon früher Anschlagspläne auf Fußballspiele. Aber die zielten vor allem auf das volle Stadion. Dass gezielt eine Mannschaft angegriffen wird, ist neu. Mögen die Dortmunder Attentäter auch ein paar Schwierigkeiten mit der deutschen Schriftsprache haben, ihre Opfer wählten sie mit Bedacht. Im Bekennerschreiben wenden sie sich mit einer entsprechenden Bemerkung direkt an die Bundeskanzlerin, von der sie nach dem radikalislamischen Anschlag von Berlin wohl etwas mehr Unterwerfung und Rückzug erwartet hatten:
„Aber anscheinend scherst du dich Merkel nicht um deinen kleinen dreckigen Untertanen. Deine Tornados fliegen immer noch über dem Boden des Kalifats, um Muslime zu Ermorden. Jedoch wir bleiben standhaft durch die Gnade Allahs.
Ab sofort stehen alle ungläubigen Schauspieler, Sänger, Sportler und Sämtliche prominente in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen auf Todesliste des Islamischen Staates.
Und das solange die folgenden Forderungen nicht erfüllt werden:
- Tornados aus Syrien abziehen.
- Ramstein Air Base muss geschlossen werden."
Eigentlich ungerecht. So viele der nun bedrohten ungläubigen deutschen Schauspieler, Sänger, Sportler und Prominenten haben doch oft genug öffentlich gegen Islamophobie und die Angst vor massenhafter muslimischer Einwanderung Position bezogen. Und im Ernstfall wird das kein radikalislamischer Attentäter zu würdigen wissen.
Dieser Beitrag erschien auch in Peter Grimms Blog Sichtplatz hier
Beitragsbild: thierry ehrmann Flickr , CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Mal sehen, ob sich dieses neue islamistische Konzept gegen "Promis" durchsetzt? Über was dann die Promis in den Talkshows reden? Über die neueste Sicherheitsanlagen für ihre Häuser? Oder wie man einen Waffenschein bekommt?
Vielen Dank Herr Grimm! Endlich meldet sich jemand in den Nicht-Mainstreammedien zu diesem "Vorfall"! Was gestern im Heute-Journal "berichtet" wurde, von "drei Knallern" war die Rede und einem "leicht Verletzten" übertrifft alles an Fehlinformation und Relativierung, was ich bislang in den ÖR gehört habe. Es wurde sogar die Hypothese aufgestellt, es könnte sich um einen dummen Witz handeln! Wenn man weiß, dass bereits kurz nach ca. 19:00 Uhr die Bomben am Bus detonierten, ist es kaum vermittelbar, dass die "Qualitätsmedien" erst gegen 21:45 zwar darüber informierten, es aber vom ZDF praktisch als Lappalie erklärt wurde. Herr Grimm, machen Sie bitte weiter!
Ihr letzter Satz hat es in sich. Den muß man zwemial lesen. Richtig. So ist es.