
Erhard hin oder her, was mich wirklich interessiert ist, wie der Deutsche Bundestag samt Regierung und deren Chefin die Ökonomischen Gesetze auszuhebeln vermag, soweit die Zeit gekommen ist. Ich meine so was wie Zypern-Fall, wo das Land Bankrott wird und seine Gläubiger enteignet. Da ist meine Neugierde aber groß.
Es läuft immer auf das Gleiche hinaus: man muss mehr Kapitalismus wagen - einschließlich des Risikos zu scheitern - und nicht etwa weniger. Statt dessen könnte etwas weniger Europa nicht schaden.
Man muss eigentlich nur ein paar Seiten in dem Buch “Freiheit statt Kapitalismus” von Sahra Wagenknecht lesen, um Folgendes zu greifen: Erstens schützt Bildung und Intelligenz nicht vor idealistischen Illusionen (bei Frauen noch weniger als bei Männern), und zweitens sind die sanften Flintenweiber Kipping und Wagenknecht durchaus in der Lage, propagandistische Mittel einzusetzen, z.B. eine Ludwig-Erhard-Büste als Überraschungs-Blickfang. Diese gebildeten und intelligenten Damen sind einfach im sozialistischen Idealismus zuhause und sehen keinen Grund, die Wohnung zu wechseln.
Leider ein irreführender Artikel. 3% Wachstum bedeutet den DURCHSCHNITT aus allen wirtschaftlichen Aktivitäten. Von dem selbständigen Zeitungsausträger über den lokalen Bäcker über den Mittelständler bis zu Daimler AG & Co, also auch über alle Branchen. Studien zeigen aber bspw., daß größere Firmen - vor allem Marktführer - eine erheblich höhere Rendite als der Durchschnitt erwirtschaften. Pensionsfonds und andere institutionellen Anleger werden regelmäßig einen großen Teil ihres Portfolios in den Marktführern der jeweiligen Branche investiert haben. Der obige Teil bezieht sich auch erst einmal nur auf Aktieninvestments. Pensionsfonds legen auch in Private Equity- uind Hedge Fonds an (sog. Fund of Fund Investments). Private Equity Gesellschaften steigern ihre Rendite zum einen über den Leverage, zum anderen über operativen Einfluss, der größer und kompetenter als durch Aktionäre bei börsennotierten Gesellschaften ist. (Ja, es gibt auch noch die “Multiple Expansion”, sprich relativ “billiger kaufen als verkaufen”, das ist aber sehr abhängig vom Marktzyklus und kann kaum den Gesellschaften zugeordnet werden). Hedge Fonds setze u.U. auch Leverage ein und haben inzwischen eine unüberschaubare Vielzahl von Strategien, die eine Überrrendite erwirtschaften können. Wenn man jetzt glaubt, wie der angelsächsische Banker, daß die totale Efficient Market Hypothesis zutreffend ist (der Markt weiß alles und man kann den Markt nie schlagen) so sollte doch darauf hingewiesen sein, daß die EMH an unzähligen Einzelbeispielen falsifizierbar ist. Es handelt sich folglich nicht um “Diebstahl im Kapitalismus”.
Wer das Geld hat, hat die Macht. Und das sind nun mal die Banken, weil wir ja imner mehr unsere Industrie abschaffen. Natürlich sollte man auch die Verluste privatisieren. Aber wer setzt das durch?
Ach, da hat die Wagenknecht also Recht mit ihrer Kritik, sie müsste nur statt den Kapitalismus die “globale Finanzwelt” attackieren? Geht der Autor den Linken auf den Leim oder wechselt er gerade die Seiten? Was kann der von ihm geschmähte “Repräsentant einer angelsächsischen Investmentbank” dafür, dass die herrschende Bürokratenkaste des Westens sich bei ihm Unmengen Geld borgt (das er nicht mal hat), um mit Schulden ihre angeblichen Segnungen fürs Volk zu finanzieren und ihn dann nicht Pleite gehen lassen kann (oder will), wenn er seinen Job macht und auf der Jagd nach Geld selbst in Schwulitäten kommt. Wer ist die Henne, wer das Ei? Irre ich mich, oder ist die Wagenknecht nicht selbst Teil dieser Bürokratenkaste? Wo aber steht Oswald Metzger?
Herr Metzger, Mit Ihrem Landsmann Schiller und ganz ohne Häme: Sonderbarer Schwärmer!
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