Peter Grimm / 25.07.2016 / 12:24 / Foto: Tim Maxeiner / 7 / Seite ausdrucken

Die Zuwanderung einer neuen Gewaltkultur

Der eine Anschlag ist noch nicht verdaut, da kommt schon der nächste. Der islamistische Angriff eines jungen Afghanen in der Regionalbahn nach Würzburg ist gerade mal eine Woche her und schon von drei neuen Ereignissen überlagert. Der neunfache Mord eines jungen Deutsch-Iraners in München war wenigstens keine islamistische Tat und der Mörder auch kein „Flüchtling“. Regierungsmitglieder konnten endlich mal wieder vollmundig auftrumpfen, denn hier konnte kein noch so böswilliger „Rechtspopulist“ eine Verbindung der Mordtat zu ihrer „Flüchtlingspolitik“ herstellen. Eigentlich hatten sich die politischen Verantwortungsträger übers Wochenende gerade erst warmgelaufen. Wäre es jetzt ruhig geblieben, dann hätte es mindestens noch eine Woche lang mit Debatten über Waffenrechtsverschärfungen und die Mitschuld gewaltverherrlichender Computerspiele weitergehen können.

Doch dann zog am Sonntag ein junger syrischer Asylbewerber in Reutlingen mit einer Machete los, brachte eine Frau um und verletzte mehrere Menschen. Nur Stunden später sprengte sich in Ansbach ein Selbstmordattentäter vor dem Eingang zu einem Musikfestival in die Luft. Dass es „nur“ drei Schwerverletzte und insgesamt 12 Verletzte gab, war großes Glück. Hier blieb es wie eine Woche zuvor in Würzburg wieder allein dem bayerischen Innenminister vorbehalten, der Öffentlichkeit zu erklären, dass der Täter ein abgelehnter syrischer Asylbewerber war und ein islamistisches Motiv nicht auszuschließen sei. In Reutlingen, so teilten die dortigen Behörden mit, soll es sich hingegen um eine Beziehungstat gehandelt haben. Das hat doch dann wenigstens „nichts mit dem Islam zu tun“, auch wenn der Täter syrischer Asylbewerber war, oder?

Es hat auf jeden Fall mit einer zugewanderten Gewaltkultur zu tun. Beide Täter, der aus Reutlingen und der aus Ansbach, waren polizeibekannt, u.a. wegen verschiedenen Körperverletzungsdelikten. Spürbare Konsequenzen gab es für sie offenbar nicht. Bei dem Selbstmordattentäter aus Ansbach wird auch von früheren Selbstmordversuchen berichtet. Inwiefern dies ernsthafte Versuche waren oder ob sie eher demonstrativen Charakter hatten, um irgendeine Forderung durchzusetzen, wie es manche Asylbewerber tun, ist gegenwärtig noch nicht bekannt.

Aber es zeigt sich nun immer stärker, dass schon durch die kaum beherrschbare Größe der zeitweise völlig unkontrollierten Zuwanderung eine neue Gewaltkultur Einzug halten konnte, weil deren Ausbreitung niemand mit Bordmitteln zu verhindern vermag. Natürlich sind notorische Gewalttäter auch unter Asylbewerbern eine Minderheit, doch bei Zuwanderung in Millionenstärke kann selbst eine kleine Minderheit schnell eine gefährliche Größe erreichen.

Seit Anfang 2015 über 30 getötete Asylbewerber - von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt

Bislang konnten viele Einheimische diese Gewalt noch problemlos ignorieren. Die schlimmsten Massenschlägereien gab es meist unter Zuwanderergruppen und oft in den Asylbewerbereinrichtungen. Auch die Gewalttaten gegen vermeintliche „Ungläubige“ oder wegen „unislamischen Verhaltens“ betrafen bisher zumeist andere Asylbewerber und nur selten die Einheimischen. Dass seit Anfang letzten Jahres bestimmt mehr als 30 Asylbewerber in Deutschland getötet wurden, blieb von der deutschen Öffentlichkeit jedenfalls weitgehend unbemerkt, denn die Täter waren ebenfalls Zuwanderer. Aufmerksamkeit und Anteilnahme gönnt die deutsche Gesellschaft umgebrachten Zuwanderern eigentlich nur, wenn als Tatverdächtige rechts motivierte Landsleute in Frage kommen.

Diese Gewalt verlässt nun nach und nach das Reservat der Asylbewerberunterkünfte. Jetzt wird auch auf deutschen Straßen und in Zügen mit Äxten, Macheten, Messern und Bomben zugeschlagen – mal im Namen des Propheten, mal im Zeichen der verletzten Ehre, aber immer lebensgefährlich. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), hatte es uns schon im September 2015 angekündigt:

„Wir stehen vor einem fundamentalen Wandel. Unsere Gesellschaft wird weiter vielfältiger werden, das wird auch anstrengend, mitunter schmerzhaft sein. Unser Zusammenleben muss täglich neu ausgehandelt werden. Es liegt an uns, ob wir darin dennoch eher die Chancen sehen wollen oder die Schwierigkeiten. Eine Einwanderungsgesellschaft zu sein heißt, dass sich nicht nur die Menschen, die zu uns kommen, integrieren müssen. Alle müssen sich darauf einlassen und die Veränderungen annehmen.“

Hat Frau Özoguz nicht recht behalten? Es ist gerade schmerzhaft und anstrengend. Unser Zusammenleben wird gerade täglich überraschend neu gestaltet und beim Aushandeln der neuen Regeln verhandeln manche eben mit Machete, Axt und Sprengstoff. Welches Argument uns die Integrationsbeauftragte wohl im Gegenzug empfiehlt? Versuchen wir doch, sie richtig zu verstehen. Wir sollen, wie Genossin Özoguz, die Chancen statt der Schwierigkeiten erkennen und die Veränderungen annehmen. Das ist gar nicht so schwer und nicht einmal teuer: Macheten sind bei e-bay schon für weniger als sieben Euro zu haben. Für Leser die zu Missverständnissen neigen sei angemerkt, dass es sich um eine ironische Bemerkung handelt und mitnichten eine Aufforderung darstellt, sich mit Macheten zu bewaffnen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Peter Grimms Blog Sichtplatz hier.

Aktualisierung: Bei der Waffe handelte es sich wohl nicht um eine Machete im strengen Sinn, sondern ein großes Dönermesser

Foto: Tim Maxeiner

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Leserpost

netiquette:

Thomas Kammerer / 26.07.2016

“Unser Zusammenleben wird täglich überraschend neu gestaltet.” Ja, so kann man es auch ausdrücken. Der heutige Tag ist allerdings kaum noch zu übertreffen. Wie wäre es mit Steinigen? Das fehlt noch zu unserer Bereicherung. Das hatten wir die letzten 2500 Jahre in Europa nicht mehr.

B.Kröger / 26.07.2016

Hallo Herr Driesel, wieso wissen Alle immer mehr voneinander? Was wissen denn die Zuwanderer von Europa oder Deutschland? Was wissen denn unsere “Eliten” vom Nahen Osten, oder dem Islam? Ich habe den Eindruck, unsere Zeit ist gekennzeichnet durch Wollen, aber gerade nicht durch Wissen.

Caroline Neufert / 25.07.2016

... da können wir uns in Berlin mit dem bißchen Bambule in der Rigaer Str ganz glücklich schätzen ... ;-.)

Helmut Driesel / 25.07.2016

Die ganze Welt rückt zusammen, durch Handel und Internet, Reisemöglichkeiten, Fernsehen, Sport und durch Zunahme der Bevölkerung. Auch durch Krieg und Flucht. Alle wissen immer mehr voneinander. Und die sozialen Verhältnisse streben in allen Ländern dem globalen Mittelwert zu. Weiter nichts. Es ist überflüssig, vor Fehlern zu warnen und unheilvolle Prophezeihungen zu machen. Das tun besorgte Autoren seit zweitausend Jahren, die Regierenden haben sich daran gewöhnt, dass jede Schmach einst von irgendwem vorausgesagt wurde. Man weiß ja auch nie, welche Orakel als nächstes recht behalten werden. Also glaubt eine gute Regierung am besten an das, was sie selber vermutet. Was sonst? Dieses Prinzip hat bereits der letzten Regierung der DDR zum größtmöglichen Fortschritt verholfen. Warum also sollte man es heute aufgeben?

Matthias Schenzinger / 25.07.2016

Nizza,  Würzburg, Reutlingen, Ansbach. Fast möchte man “Bingo” rufen, allein, es bleibt einem im Halse stecken.

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