Saskia Esken ist inzwischen einfache Bundestagsabgeordnete ihrer Partei, die es nur noch selten schafft, für bundesweite Schlagzeilen zu sorgen. Danach hat sie vielleicht große Sehnsucht, denn als sie noch SPD-Vorsitzende war, wurden ihre Textbausteine immer wieder gern von Medienschaffenden verbreitet. Dennoch war scheinbar jeder froh, als sie den Spitzenposten räumen musste. Der von ihr in ihrer Vorsitzenden-Amtszeit tatkräftig beförderte Schrumpfungskurs ihrer Partei wurde allerdings auch von ihren Nachfolgern kontinuierlich fortgesetzt. Dennoch muss sich die Genossin Esken als normale Bundestagsabgeordnete ihrer Schrumpf-Partei schon anstrengen, um wahrgenommen zu werden.
Vielleicht dachte sie sich, dass der „Kampf gegen rechts“ immer geht, um ein paar zustimmende Kommentare aus den gewogenen Redaktionen zu ernten. Dann nahm sie wahr, dass es einen Podcast mit dem programmatischen Titel „ungeskriptet“ gibt - der auch „ungeschnitten“ heißen könnte - in dem sich die Gesprächspartner von Podcaster Ben Berndt ohne Zeitdruck stundenlang ausbreiten können.
Dass ein solches Format überhaupt erfolgreich sein kann, ist durchaus beachtlich, denn allein eine Länge von mehreren Stunden galt eigentlich bislang als tödlich für breiten Zuspruch. Jeder Medienschaffende hört doch allenthalben, dass seine Produkte möglichst kurz sein sollten, da bei immer mehr Menschen die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer werde.
Dennoch hat Berndt mit seinem XXL-Gesprächsformat offenbar Erfolg. Es gibt anscheinend mehr Interessenten als man glaubt, die sich in voller ungeschnittener Länge die Aussagen von bekannten Menschen anhören wollen. Das ist im Grunde auch gut nachvollziehbar: Wenn man sie einfach reden lässt, dann neigen die meisten Menschen dazu, auch öffentlich unfreiwillig mehr von sich preiszugeben, als es ihr PR-Konzept vorsieht. Doch wer hätte erwartet, dass sich so viele Menschen die Zeit nehmen, solange zuzuhören, bis sie auf solch besondere Passagen stoßen?
„Blacklisting hilft“
Saskia Esken störte sich nun daran, dass Björn Höcke, der AfD-Star aus Thüringen, vier Stunden lang reden durfte und dann auch noch ein Publikum zuhörte. Ihr hat freiwillig womöglich noch niemand vier Stunden am Stück zugehört. Sie hat jedenfalls zum Werbeboykott gegen diesen Podcast aufgerufen. Nicht spontan im Interview, sondern in einem eigenproduzierten Auftritt vor der Kamera im Bundestag auf Facebook. Ihre Worte:
„Einem Faschisten wie Björn Höcke vier Stunden lang eine Bühne zu bieten, „ungeskripted“ und unwidersprochen - damit kann man im Netz in kurzer Zeit Millionen von Aufrufen und ziemlich gute Werbeeinnahmen erzielen.
Übrigens: Unternehmen, deren Werbung in einem solchen Podcast ausgespielt wird, sollten mal schauen, wie sich das abstellen lässt. Man muss das nicht ertragen, dass ein Faschist - finanziert durch den Werbeetat des eigenen Unternehmens - unwidersprochen vom geplanten Mord am deutschen Volk fabulieren darf. Oder was er da noch alles ausgebreitet hat. Ich sag mal: Blacklisting hilft.“
Ja, Blacklisting, also die Aufnahme in schwarze Listen für digitale Werbung, hilft in der Tat nachhaltig, um auf diese Weise boykottierte Medien oder Publizisten um einen Großteil der Werbeeinnahmen zu bringen, die sie mit ihrer Reichweite hätten erzielen können. Achgut.com musste und muss diese Erfahrung seit zehn Jahren immer wieder machen. Agenturen und Firmen, die direkt zum Blacklisting aufgefordert werden, folgen der Forderung lieber, als lange darüber zu diskutieren. Auf einer schwarzen Liste ist man deshalb schnell, nur gelöscht wird man dort nicht einfach wieder.
Insofern kann die Empörung über Eskens Aufruf nicht groß genug sein. Zwar wird niemand Werbung canceln, weil es ein Statement von Genossin Esken gibt, aber für das staatlich geförderte Netzwerk aus Denunziationsorganisationen ist Eskens Ruf natürlich ein Signal, tätig zu werden und die Firmen und Agenturen, deren Werbung sie auf der inkriminierten Seite entdecken, gezielt anzusprechen und zum „blacklisten“ aufzufordern.
„Demokratie in Reinform“
Das weiß Genossin Esken natürlich ganz genau. Doch ob sie jetzt die ihr zuteil werdende Medienöffentlichkeit wirklich genießen kann? Kritik an ihrem Aufruf wurde schneller laut als früher. Und „ungeskriptet“ dürfte dadurch deutlich an Reichweite gewinnen. Zumal viele Medienkonsumenten sehr schnell mitbekommen dürften, dass Podcaster Ben Berndt keine politische Schlagseite erkennen lässt. Bei ihm dürfen gesinnungsübergreifend alle lange reden. Saskia Esken erntete denn auch bei Facebook auf ihren Aufruf Kommentare wie diesen:
„Jan van Aken konnte sich dort ebenfalls präsentieren. Wenn alle politischen Richtungen die gleichen Möglichkeiten zur Darstellung erhalten, dann ist dies Demokratie in Reinform.“
Ob nun heutzutage der Boykottaufruf einer unbeliebten Politikerin („mit dem Charme der Direktorin einer Gefängniswäscherei“, wie ein Kollege mal schrieb), die Reichweite so stark anwachsen lässt, dass das Blacklisten in den Agenturen doch auf zögerliche Reaktionen stößt? Auch die Macht der Boykotteure kann ja irgendwann an Grenzen stoßen.
Für Zuschauer mit hinreichend Zeit und Muße kann Berndts Format wirklich erhellend sein, weil – wie gesagt – Gesprächspartner mit viel Zeit oft mehr von sich preisgeben als geplant. Ob das bei Höcke gelungen ist, weiß ich nicht, da fehlte mir die Zeit, mir das Gespräch vor dem Schreiben dieser Zeilen anzuschauen. Aber jüngst hatte ich einmal interessiert dem langen Gespräch mit dem Vater der als linksextremer Gewalttäter bekannt gewordenen „nonbinären Person“ Maja T. zugehört.
Ob Saskia Esken wirklich selbst den vier Stunden Höcke gelauscht hat? Möglicherweise war für sie ja allein der Umstand, dass einer den Höcke reden ließ, boykottwürdig genug. Vielleicht hat ihr auch jemand eine Sammlung der schlimmsten Zitate zukommen lassen.
Vielleicht ist Saskia Esken aber auch nur neidisch, weil mit ihr keiner vier Stunden lang reden bzw. ihr so lange zuhören will. Am Ende ist die Wut der Boykotteuse, die Ben Berndt die Werbeeinnahmen nehmen will, noch nicht einmal die Höchststrafe. Man stelle sich vor, sie hätte stattdessen gefordert, auch vier Stunden Podcast-Sendezeit bei „ungeskriptet“ zu bekommen? Hätte der Podcaster da „Nein“ sagen können? Wahrscheinlich nicht. Aber vier Stunden Saskia Esken, das wünscht man doch niemandem, oder?

Die m.E. viel interessantere Frage bleibt offen: Warum tummeln sich Politiker und C-Promis in einem Podcast, in dem auch ein in den USA zu lebenslanger Haft verurteilter brutaler Doppelmörder eine Bühne bekommt, ohne kritische Nachfrage durch den Podcaster trotz faktenwidriger und völlig widersprüchlicher und unlogischer Schilderung von Tathergang und Flucht? Noch dazu, wo sich der deutsche Ex-Bundespräsident Christian Wulff für dessen Freilassung auf Bewährung engagierte, was doch Fragen aufwirft, meine ich. Stundenlanger Podcast, kaum Inhalt.
@K.Schönfeld, „Gibt es nicht ein Gesetz, was Hass und Hetze unter Strafe stellt? Höcke als Nazi zu bezeichnen, dürfte darunter fallen, weil als Nazi ist Höcke nicht verurteilt worden.“ –
Genau lesen: Weder hat Esken Höcke als Nazi bezeichnet, noch hat Höcke Esken als Nazi bezeichnet. Und Herr G. ist mutmaßlich volljährig.
Ich bin Saskia-Hardcore-Fan der allerersten Stunde.
Und möchte die bezaubernde Saskia als nächste Bundespräsidentin vorschlagen.
(Angenehmer Nebeneffekt: Nach nur zwei oder drei griesgrämig vorgetragenen „Was ich alles verbieten lasse – Reden“ wird ein Meinungs-Tsunami auf die umgehenden Abschaffung dieses 2026ff. wirklich überflüssigen Amtes drängen).
Je eher die totalitäre Partei SPD durch Wählerboykott auf dem Müllhaufen der Geschichte landet, desto besser für dieses Land und uns alle.
Die Markierung der AfD als „rechts“ ist für viele eine unüberwindliche Hürde und führt dazu, daß man nirgendswo offen sagen kann, die AfD gewählt zu haben. man kann keine reklame dafür machen, ohne in Gefahr zu geraten, körperlich attackiert zu werden. Wenn man es trotzdem tut, muß man mit Geschrei rechnen: Waaas, die Nazis? Man muß mit Rauswurf rechnen und gemieden zu werden. Das ist keine Nachbetrachtung, das war von vorne herein klar! Auch die nervigen Verbotsdebatten waren von vorne herein klar!
Die Markierung führt zu eine unglaublichen Zähigkeit und Verschleppung, um die Partei durchzusetzen. Damit hat man dem Parteienkartell genug Zeit gegeben, millionen Ausländer einzubürgern und die Macht abzusichern.
Alle die aggressiven Nazi-Kampagnen, Holocaust-Mahnmale und Kranzniederlegungen sind auch ein Produkt dieser Rechts-Markierung!
Die Brandmauer sowieso. Damit sind Jahrzehnte verschenkt worden!
Weder hat man das 3. Reich und die KZs hinterfragt, noch die Sowjetunion. Man ist wie der Lemming der Vorgabe des Mainstreams geführt. Man hat sich de facto an der eigenen und der Gehirnwäsche der Bürgerlichen beteiligt.
Zu dieser „Dame“ ist eigentlich alles gesagt… Dennoch: Mit 20 hat man das Gesicht, das einem von Gott gegeben wurde… mit 40 das Gesicht, das das Leben geformt hat, und ab 60 das Gesicht, das man verdient. (Haß macht häßlich…)
Esken kennt das wohl eben aus eigener Erfahrung. Wenn die Leute einen einfach nicht so gerne wählen wollen, weil viele einen überhaupt nicht mögen, völlig unverständlich. Und dann kann es sicher nicht sein, dass jemand anderes plötzlich auch noch viel mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommt, als man selbst für seine eigenen grandiosen Beiträge zur gesellschaftlichen Debatte, die reinste Frechheit. Ich stelle mir vor, wie sie sich mit von der Leyen im Hausfrauendebattierclub trifft und dort mit ihr gemeinsam den Clubsong singt: „Zensieren, verbieten, boykottieren, bestrafen, ausschließen, rausdrängen, dagegen marschieren…schubidu….zensieren, verbieten…“