Wenn man ihren unbelehrbaren Apologeten glaubt, ist die Energiewende auf einem guten Weg. „Das Jahr 2025 sticht durch eine außergewöhnliche Aufwärtsentwicklung sowohl bei den Inbetriebnahmen als auch den erteilten Genehmigungen für neue Windenergieanlagen (WEA) an Land hervor. Die neu installierte Windenergieleistung wuchs um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr, womit 2025 das zweitbeste Zubaujahr der bundesdeutschen Historie ist“, heißt es in einer Bilanz der Fachagentur „Wind und Solar“, eines „gemeinnützigen“ Lobbyvereins der Erneuerbaren-Branche. Der Umfang der neu genehmigten Windenergieleistung habe sogar ein „neuerliches Allzeithoch“ erreicht.
Schon das Jahr 2024 sei „von einer beispiellosen Entwicklung der Genehmigungszahlen für neue Windenergieanlagen“ geprägt gewesen. „Rund 2.400 Anlagen mit gut 14.000 Megawatt (MW) Leistung wurden bundesweit von den Behörden neu zugelassen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Steigerung um 85 Prozent“. In erster Linie zu verdanken ist der Genehmigungsboom den diversen Beschleunigungsgesetzen der Ampelregierung und ihres unseligen grünen Wirtschaftsministers Robert Habeck, der den Ausbau der Windkraft zum „überragenden öffentlichen Interesse“ erklärt hatte. Der Natur-, Arten- und Landschaftsschutz wurde fast vollständig geschleift, die Genehmigungswege „entbürokratisiert“, die juristischen Einspruchsmöglichkeiten beschnitten. Die Folgen dieses Deregulierungsfurors werden jetzt sichtbar.
Unterdessen winken die für die Genehmigung von Wind- und Solarkraftwerken zuständigen Landratsämter Bauanträge im Akkord durch. In Bayern vergehen vom Antrag bis zur Genehmigung mittlerweile nur noch neun Monate. Noch einmal ein Stück einfacher wird es für die Wind- und Solarbarone, wenn bundesweit und flächendeckend sogenannte Regionalpläne in Kraft getreten sind, in denen nach den Vorgaben des Wind-an-Land-Gesetzes Vorrangflächen für Wind und Solar mehr oder weniger gerichtsfest festgeschrieben sind. Bis Ende 2032 müssen auf diese Weise bis zu zwei Prozent der Landesfläche für Windräder zur Verfügung gestellt werden, mit einem Zwischenziel von 1,4 Prozent bis 2027.
Trotzdem mag in der Branche derzeit keine Goldgräberstimmung aufkommen. Noch vor wenigen Jahren lockten extrem niedrige Zinsen, üppige Subventionen und hohe Stromeinspeisevergütungen über lange Laufzeiten die Investoren in Scharen an. Doch mittlerweile ist nicht nur die Niedrigzinsphase zu Ende. Infolge zahlreicher über den Erdball verteilter Konflikte – der neue Nahostkrieg, der sich zum Flächenbrand ausweiten könnte, ist noch gar nicht eingepreist – sind auch die Rohstoffpreise inklusive der Energiekosten stark gestiegen, was manche Kalkulation ins Wanken bringt. Auch die Banken sind vorsichtiger geworden, verlangen mehr Eigenkapital, um nicht in den drohenden Abwärtssog mit hineingerissen zu werden.
Immer häufiger Minusgeschäft
Und dann hat auch noch die neue CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche der Energiewende vorsichtig etwas mehr Markt verordnet. Anders als Habeck versucht sie, die ausgeschriebenen Mengen von Windkraft- und Solarkapazitäten wirklich zu begrenzen. Ihr Vorgänger hatte dagegen die zu versteigernden Mengen stets mit den Geboten ausgeweitet, was die Auktionen eigentlich zur Farce machte. Rhetorisch bekennt sich die Merz-Regierung zwar noch zur „grünen Transformation“ und zum Klimaschutz, doch drohen die Kosten vor allem für den Netzausbau, Speicher, Netzstabilisierungsmaßnahmen („Redispatch“) und den Bau eines Parks regelbarer Kraftwerke dermaßen aus dem Ruder zu laufen, dass die Politik mittelfristig gar nicht anders kann, als auf die Bremse zu treten.
Verkauft wird dieser Kurswechsel einstweilen mit dem Argument, die Energiewende müsse wirtschaftlicher und besser auf die vorhandenen Netzkapazitäten abgestimmt werden. Dies kommt zwar der Quadratur des Kreises gleich, doch eine echte Kehrtwende mit dem Eingeständnis eines völligen Scheiterns der „Dekarbonisierungspolitik“, wäre angesichts von Brandmauer, auf die „grünen Energien“ eingeschworener Medien und allseits wachsamer, oft staatsfinanzierter NGOs, die den Holzweg nötigenfalls mit Unterstützung willfähriger Gerichte bis ans bittere Ende beschreiten wollen, derzeit nicht durchzusetzen.
All dies führt dazu, dass immer häufiger zum Minusgeschäft wird, was bisher als bombensicheres Geschäft galt, mit Renditen weit über marktüblichen Konditionen. Es hagelt Wertberichtigungen, immer mehr grüne Vorzeigeunternehmen geraten in Schieflage. Der pseudo-grüne Staatskapitalismus ist zwar noch nicht am Ende, steckt jedoch in seiner ersten, ernsthaften Krise.
Schon länger schwelt der beispiellose Niedergang des bayerischen Agrarunternehmens Baywa, deren auf Erneuerbare Energie spezialisierte Tochter Baywa r.e. AG sich vor allem in den USA dermaßen verspekulierte, dass der Konzern 2024 in eine existenzbedrohende Lage schlitterte, die unter anderem der Strauß-Tochter Monika Hohlmeier einen gut dotierten Aufsichtsratsposten kostete. Seit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten laufe das US-Geschäft deutlich schlechter als erwartet, eigentlich zugesagte Steuergutschriften für Erneuerbare Energie seien gestrichen worden, hieß es. Allein 2024 verbuchte der Konzern mit weltweit rund 25.000 Mitarbeitern einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro, zudem belastet die Firmenkasse ein milliardenschwerer Schuldenberg.
Kaum weniger gravierend ist die Schieflage des auf ökologisch korrekt getrimmten baden-württembergischen Energiekonzerns EnBW. Während einst hoch rentable Kernkraftwerke geschleift wurden, muss das Unternehmen 1,2 Milliarden Euro aus einem gescheiterten Engagement in zwei gemeinsam mit British Petroleum (BP) geplanten Offshore-Windparks vor der Küste Großbritanniens abschreiben. Steigende Kosten in der Lieferkette, gesunkene Großhandelspreise auf dem Strommarkt, höhere Zinsen und „Projektumsetzungsrisiken“ hätten die Wirtschaftlichkeit zerstört, heißt es. Nach mehreren Auktionen ohne Zuschlag zog EnBW die Reißleine. Jetzt fehlt das Geld nicht nur dem Konzern, sondern auch regionalen und lokalen Akteuren im „Ländle“, bei denen EnBW sich zum Teil frisches Geld besorgt hatte. Rückschlag für die EnBW: Unternehmen muss 1,2 Milliarden Euro abschreiben
Angst vor Firmensterben, Projektstopps und Arbeitsplatzverlusten
Ein paar Nummer kleiner ist der Fall von Abo Energy in Hessens Landeshauptstadt Wiesbaden, wo in Gestalt des Turnschuhministers Joschka Fischer einst der grüne Regierungsirrsinn begonnen hatte. Abo gilt als einer der größten Windkraftprojektierer Europas und hatte in den Jahren 2022 bis 2024 zwei Anleihen begeben, die sich auch an Kleininvestoren richteten. Die zweite Anleihe war mit 7,75 Prozent Zinsen ausgestattet, ein stattlicher Köder, mit dem Geld für neue Projekte eingesammelt worden war. Dass die Anleihe nachrangig besichert ist, was sie im Falle einer Schieflage praktisch wertlos macht, war wohl vielen Anlegern nicht wirklich bewusst. Darin ähnelt sie übrigens vielen sogenannten „Bürgerenergieprojekten“. Die Genussscheine der Firma Prokon Prokon: Was wurde aus der Pleitefirma? – DER SPIEGEL und Münchens Green City AG Insolvenzverfahren Green City Energy – Gläubiger stimmen Insolvenzplänen zu | Windkraft-Journal, die sich schon in wesentlich einfacheren Zeiten verzockt haben, lassen grüßen.
Im vergangenen November gab das Unternehmen Abo Energy eine erste Gewinnwarnung heraus, es drohe für das Geschäftsjahr 2025 ein Verlust von 95 Millionen Euro. Im Januar teilte Abo mit, dass der Fehlbetrag wohl auf 170 Millionen Euro steigen werde. Ein Faktor für die drohenden Verluste seien die überzeichneten Wind-an-Land-Auktionen, die zu deutlich reduzierten Einspeisevergütungen geführt hätten, teilte das Unternehmen mit. Der Börsenwert des 1996 gegründeten Unternehmens rutschte in den Keller. Ob eine Sanierung gelingt, ist ungewiss.
Unterdessen geht in der Branche die Angst um vor Firmensterben, Projektstopps und Arbeitsplatzverlusten, ganz abgesehen von Privatanlegern, die mit sinkenden Renditen, möglicherweise Totalverlusten rechnen müssen. Brancheninsider wie Heiko Wuttke, CEO des Cuxhavener Windkraftprojektierers PNE, warnen bereits vor einer „Konsolidierung“, was im beschönigenden Unternehmersprech von harten Zeiten kündet.
Vor allem an windschwachen Standorten ist bei den derzeitigen Stromerzeugerpreisen kaum noch wirtschaftlich zu kalkulieren, was Windkraftgegner in Süddeutschland trotz Genehmigungsbooms etwas Hoffnung schöpfen lässt, dass nicht auch so pittoreske Landstiche wie das oberbayerische Voralpenland auch noch „unter die Räder“ kommen. Bei der letzten EEG-Ausschreibung für Windenergie durch die Bundesnetzagentur mit Gebotstermin zum 1. November 2025 lag der „durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert“ bei nur noch 6,06 Cent pro eingespeister Kilowattstunde, was meilenweit von jenen bis zu 11,39 Cent einschließlich der Standortzuschläge entfernt ist, die noch zu besten Habeck-Zeiten erreicht wurden.
Leichter Luftzug eines echten Marktes
Von 905 Geboten mit einer Gebotsmenge von 8.155 Megawatt installierter Leistung wurden überdies nur 415 mit einer Leistung von 3.456 Megawatt zugeschlagen. Immer mehr genehmigte Projekte stauen sich mittlerweile in der Pipeline, was hohe laufende Kosten für die betroffenen Projektierer bedeutet bei ungewisser Möglichkeit der Refinanzierung.
In Bayern wurden allein im vergangenen Jahr Windräder mit einer Gesamtleistung von 21.000 Megawatt genehmigt, was mehr als 4.000 neuen Monsterwindrädern zusätzlich zu den 1.100 bereits bestehenden entsprechen würde. Von diesen erhielten allerdings bislang nur 11.000 Megawatt eine Förderzusage über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Nun will ausgerechnet Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der neuerdings dabei ist, die Grünen auf ihrem ureigenen Feld zu überholen, über den Bundesrat eine Sonderausschreibung durchsetzen. So solle der „Rückstau genehmigter Anlagen abgebaut und „Druck vom Kessel“ genommen werden, wie man in der Süddeutschen Zeitung (SZ) lesen konnte. CSU-Kommunalpolitiker und die EE-Lobby freut es, die unionseigene Bundeswirtschaftsministerin, die ihre Pläne für mehr Wirtschaftlichkeit bei der Energiewende durchkreuzt sieht, eher nicht.
Vielleicht schielen Bayerns Politiker ja auch auf die schönen Pachten, die vor allem den Bayerischen Staatsforsten zugutekommen sollten. Mit Windkraftanlagen konnte man im Wald halt viel mehr verdienen als mit dem mühseligen Holzgeschäft. Allerdings dürften die Verpächter neben den Projektierern nun unter den ersten sein, denen der bislang noch leichte Luftzug eines echten Marktes ins Gesicht bläst, was bei dem durch jahrelange Subventionen geschwächten Immunsystem der Branche tatsächlich schon eine Grippe verursachen könnte.
Auch die Kommunen werden wohl sehr bald begreifen, dass die Projekte mit Erneuerbaren Energien längst nicht mehr die fetten Hühner sind, die goldene Eier legen. Im Gegenteil, bei manchem grünen Energieunternehmungen mit kommunaler Beteiligung könnte bei drohender Unwirtschaftlichkeit die Frage der Übernahme der nicht unerheblichen Rückbaukosten in ein paar Jahren den Kämmerern noch erheblich Kopfschmerzen verursachen.
Kaum erwähnenswert, dass „das Klima“ von diesem Mega-Milliarden-Monopoly zulasten von Umwelt und Steuerbürgern keine Notiz nimmt. Einer von der DIHK in Auftrag gegebenen Studie zufolge wurden seit 2019 rund 500 Milliarden Euro an „Energiewendekosten“ aufgewendet Die damit erreichte CO2-Reduktion betrug ganze 1,5 Prozent pro Jahr. Zudem hatte nach 2017 die Anzahl der Windkraftanlagen praktisch keinen Einfluss mehr auf die Menge des damit produzierten Stroms. Viel hilft viel – diese Rechnung geht schon lange nicht mehr auf. Fragt sich, wie viele Unternehmen, nicht nur der EE-Branche, noch pleitegehen müssen, bis es jemand merkt. Oder wann den bislang so geduldigen deutschen Steuerbürgern das Wasser wirklich bis zum Hals steht und ihnen der grüne Kragen platzt.
Ich danke Thomas Schürmann (München) für seine hilfreichen Beiträge zu diesem Artikel.
Beitragsbild: Oliver Hihn / Unsplash

Der Wind, der Wind, das nächste Pleitekind.
Bin froh, daß ich die Finger von den Wind- und Solarfirmen gelassen habe.
Der eigentliche Boom war bis 2010. Ein Traum für Insider.
Waren nicht auch die erwartbaren Windstärken in Süddeutschland „schöngerechnet“ worden? Wir wissen schon wer die Zeche dereinst begleichen muss…
Der von den Netznetzbetreibern ermittelte und veröffentlichte Bedarf an Steuergeldern nach dem EE-Gesetz für das Jahr 2026 beträgt 16,152 Mrd. Euro. In den Jahren davor waren es 17 Mrd. und 10 Mrd. Euro. – Das reicht eigentlich, damit uns der „grüne Kragen“ platzt.
Zur Einordnung der schönen Megawatt-Zahlen „installierter Leistung“, speziell für Bayern, das in weiten Teilen zu den windschwächsten Gebieten Deutschlands zählt: Ein in unserer Nähe vor etlichen Jahren an einem topographisch eigentlich günstigen Platz aufgestelltes Windrad liefert im Mittel gerade mal 17% seiner installierten Leistung – bei der aktuellen Hochdrucklage meistens eher gar nichts.
Und nach wie vor gilt, die Menge macht das Gift. Bei meiner ca. 2000 km Fahrt vom Wochenende quer durch die Republik (besonders BW und BY) kam mir der Gedanke, die Frage, wieviele Unternehmen mit den Solarpanelen auf dem Dach, werden noch schwarze Zahlen schreiben, wenn die Einspeisevergütung mangels Steuergelder abgeschafft wird, abgeschafft werden muss? Wer trägt die Entsorgungskosten? Wann und wie schlimm platzt diese Blase?