Henryk M. Broder / 16.07.2016 / 20:55 / 15 / Seite ausdrucken

Die Welt ist aus den Fugen geraten - der “Islamexperte” Lüders auch

Man muss wirklich das Gemüt eines Pit Bulls, den Verstand einer Amöbe und den klaren Blick eines Maulwurfs haben, um den Anschlag von Nizza mit den Zuständen in den Banlieus (in denen mitnichten nur Migranten leben), der Arbeitslosigkeit und den "sozialen Verwerfungen in diesem Land" zu erklären, wie es der "Politik- und Islamwissenschaftler" Michael Lüders tut, der eigentlich ein Anlage- und Unternehmensberater ist, der deutschen Firmen hilft, im Nahen Osten "Fuß zu fassen". Sein absolutes Meisterstück ist und bleibt die Analyse der Körpersprache von Osama Bin Laden, die er 2003 in der kulturzeit auf 3sat (wo sonst?) abgeliefert hat. Und jetzt labert der "promovierte Etappenhase" darüber, es werde "auch weiterhin Anschläge dieser Art geben", der Terror sei eben "ein Phänomen, mit dem wir lernen müssen zu leben", er habe "komplexe und schwierige Ursachen", die Welt sei "aus den Fugen geraten". 

Dabei schafft es der "Islamwissenschaftler", das Wort "Islam" kein einziges Mal in den Mund zu nehmen, nur ganz zum Schluss spricht er beiläufig vom "Erstarken radikaler islamistischer Bewegungen" im Zusammenhang mit dem "Erstarken des Rechtsextremismus". 

Und das alles nach Charlie Hebdo, nach Bataclan, nach Nizza und ein paar anderen Bagatelldelikten, bei denen viel Blut geflossen ist. Wenn es etwas gibt, wovon der "Politik- und Islamwissenschaftler", der "Nahostexperte" und Unternehmensberater wirklich etwas versteht, dann ist es das Klein- und Schönreden des Terrorismus, der keine Folge der Ausbreitung des Islam, sondern eine Folge der "sozialen Verwerfungen" ist. Ein "Phänomen", mit dem wir lernen müssen zu leben. Noch schlimmer ist nur, dass wir lernen müssen, mit Geistheilern und Schwadlappen wie Lüders zu leben. Das kann einem wirklich die Laune versauen.

PS. Auch sehr schön: Ein "Islamexperte", den Spiegel online ausgegraben hat: Ich habe die Radikalisierung von französischen Muslimen lange erforscht, auch in Haftanstalten. Unter etlichen echten Radikalen waren auch psychisch Kranke, die sich für Terroristen hielten. Es gab dort viele Leute, die sagten, sie seien Mohamed Merah - das war der Täter, der in Südwestfrankreich im März 2012 sieben Leute umbrachte, vier davon Juden. Sie gaben vor, ein Mann zu sein, der längst tot war, erschossen von der Polizei. Hier

 

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Rainer David W. Früh / 18.07.2016

Die internationale Liga der medialen Dummschwätzer müssen sich schon spätestens nach dem islamischen Bataclan-Massenmord abgesprochen haben, was sie nach dem nächsten islamischen Massenmord unisono absondern: In der Nacht des Nizza-Anschlages, um ziemlich genau 4:30 Uhr MEZ, die Leichen von 84 Menschen, darunter zehn Kinder waren noch warm, über 200 Menschen, darunter 54 Kinder lagen im Krankenhaus und kämpften mit dem Tod, sonderte ein mieser, kleiner, empathieloser französische “Experte” auf France 24 in englischer Sprache und mit der eiseskalten Abgeklärtheit eines sibirischen Wattwurms das Folgende ab: “Attentate wie dieses werden in Zukunft zu unserem Alltag gehören, das ist der Preis für Freiheit und Freizügigkeit, alles andere, der Versuch also, dies für die Zukunft vermeiden zu wollen, würde nichts anderes als den Polizeistaat bedeuten. Also müsse man für Frankreich in Zukunft mit 300-400 Anschlagsopfern jährlich leben lernen, das seien aber immer noch weniger, als jährlich bei häuslichen Unfällen ums Leben kämen”.

Alexander Rostert / 18.07.2016

“Der Westen” ist an allem schuld, vermutlich hat er schon Mohammed erfunden und dann die Wüstensöhne bereits im Jahre 732 unter die Mauern von Tours und Poitiers gelockt, damit Karl Martell sie dort mal so richtig einseifen kann. Siehe auch Michael Lüders, “Wer den Wind sät - was westliche Politik im Orient anrichtet”. Zur Veröffentlichung des Elaborats bereit erklärt hat sich immerhin der Verlag C.H. Beck.

Tom Hess / 17.07.2016

Fakt ist, wenn jeder Attentäter der letzten Monate aufgrund seiner strafrechtlichen Historie ausgewiesen worden wäre, hätte es kein einziges dieser Attentate in dieser Form gegeben. Außerdem müsste Antisemitismus in jeder Form ebenfalls strafrechtlich verfolgt werden, das würde nicht nur das Feld radikaler Moslems weiter lichten, sondern auch ideologisch völlig auf einem anderen Planeten lebende Linke mundtot machen. Es st nur noch beschämend, was hierzulande und in ganz Europa abgeht.

Xaver Pixel / 17.07.2016

Warum kann es keine Islamwissenschaft geben? Gibt ja auch allgemeine Religionswissenschaft. Und ich rede hier nicht von Theologie.

Robert Wenger / 17.07.2016

IS heisst nun mal ganz einfach “Islamischer” und nicht “Islamistischer” Staat.

Dr. Christian Rother / 17.07.2016

Wer wie Lüders keinen Zusammenhang zwischen Islam und Islamismus sieht, der muss dann auch zu Einschätzungen wie der folgenden kommen: “Ich möchte mit dem Vergleich niemandem zu nahe treten, doch halte ich die Islamophobie in gewisser Hinsicht für eine Neuauflage des Antisemitismus unter anderen Vorzeichen”, so Lüders in “Allahs langer Schatten”, Freiburg 2011, S. 13. Als hätte der Antisemitismus die gleichen (nämlich nachvollziehbare) Gründe wie die sogenannte “Islamophobie” sie hat.

Philipp Richardt / 17.07.2016

Lüders, Prantl & Co. legen zum Hohn der Opfer den relativierenden Mehltau entmenschlichter Gemeinplätze über das Leid ebenjener.

Dirk Jungnickel / 17.07.2016

Was die “Islamexperten”  vom Schlage eines M. Lüders auszeichnet ist eine Grundlüge den Islam betreffend: Der Islam sei weder mit dem Islamismus zu verwechseln noch gleichzusetzen. Dabei unterschlagen sie die Tatsache, dass der Islam von Anfang an nicht nur eine Religion war (und ist) sondern gleichermaßen eine politische Ideologie , ein Staatsverständnis ist, das die Sharia als gesellschaftliches Rechtssystem einschließt. Dies in der sogenannten Umma durchzusetzen ist ein mit allen Mitteln anzustrebendes Ziel des Islam. Davon die “Islamisten” abzusetzen ist ein Pfeifen im Walde. Jeder gläubige Muslim nämlich hat das verinnerlicht, was natürlich nicht bedeutet, dass jeder Muslim bereit oder in der Lage sei, Gewalt anzuwenden. Entscheidend ist eine reformunfähige, rückwärtsgewandt Ideologie, auf die sich theoretisch jeder Muslim berufen könnte und mit der wir z.Z. vor allem durch die   Mörderbande “I.S.” konfrontiert sind. Auch bei Politfiguren wie Erdogan, der die Islamisierung nunmehr weiter vorantreiben dürfte,  sollte deutsche Politik diese Aspekte nicht aus dem Auge verlieren.   

Thomas Schmied / 17.07.2016

Das bedrückende Gefühl einer latenten, sehr konkreten Bedrohung überlagert bei mir derzeit selbst den Ekel vor den unfassbaren Relativierungen, den Beschwichtigungs- und Abwiegelungsversuchen, die gerade wieder von deutschen Qualitätsmedien multiplizierend in die Welt getreufelt werden - und das will was heißen.  Es ist wie ein unsichtbarer, ein dicker Teppich, der über alldem liegt und der einen überallhin begleitet. All die Banalitäten, die Grinser auf den Werbeplakaten, das dumme TV, die Eitelkeiten der Mitmenschen kommen einem unter diesem “Teppich” noch viel intensiver, noch viel dämlicher vor. Sehr viele Mitmenschen weichen politischen Gesprächen aus, wollen “davon nichts mehr hören”.  In diesem Irrsinn dreht man noch völlig ab! Bei der Achse zu lesen, tut gut, es verschafft kurzweilig Linderung - aber keine Heilung. Es ist wichtig, dass es Medien wie die Achse gibt. Andere Menschen sind ebenfalls besorgt. Auch Kommentare zu schreiben, hilft etwas. “Allways look on the bright side of life!” - ja, ausser dieser Art Humor fällt einem gerade aber kaum noch etwas Positives ein. Eigentlich schrecklich…

David / 17.07.2016

Hier noch so eine Expertin: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article157084478/Was-einen-Menschen-zu-einem-Terroristen-macht.html Komplett irre.

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