Wer andere im Westen öffentlich als „sexistisch“, „homophob“ oder „faschistisch“ an den Pranger gestellt hat, der sollte sich nicht aus der Affäre ziehen können, wenn sich zeigt, dass er selbst ideologisch zur Legitimation eines Regimes beigetragen hat, das Frauen unterdrückt und Homosexuelle aufhängt.
Als im Jahr 1979 die islamische Revolution im Iran ihren Lauf nahm und der Schah gestürzt wurde, jubelten viele westliche Intellektuelle. Linke und Antiimperialisten sahen in der Revolution einen Befreiungsschlag gegen westliche Dominanz, Kapitalismus und Diktatur. Doch eine feministische Stimme erhob sich früh gegen diese Euphorie: Alice Schwarzer. Sie erkannte schon in den ersten Wochen nach der islamischen Machtübernahme, dass sich hier alles andere als eine emanzipatorische Befreiung vollzogen hatte. In den folgenden Jahren nach der Revolution dokumentierte sie Verhaftungen, Hinrichtungen, Folter und prangerte nicht nur das Mullah-Regime an, sondern auch die Blindheit vieler westlicher Intellektueller.
Mit der islamischen Theokratie kamen Zwangsverschleierung, Unterdrückung und die brutale Verfolgung von Homosexuellen, religiösen Minderheiten und Intellektuellen. Die vermeintlich progressiven und linken Kreise kritisierten jedoch nicht diese Brutalität, sondern Alice Schwarzer. Sie warfen ihr „kulturelle Arroganz“ vor, unterstellten ihr einen „westlichen Universalismus“ und sogar Islamophobie, lange bevor dieser Begriff seine breite Verwendung finden sollte. Ihre Verteidigung der Frauenrechte wurde als Angriff auf eine nichtwestliche Kultur gedeutet. In den Augen vieler galt jede Kritik an der Revolution als Ausdruck einer reaktionären, prowestlichen Haltung, die angeblich den antikolonialen Befreiungskampf verkenne.
Kommt uns das bekannt vor?
Auch heute sind viele linke und vermeintlich progressive Bewegungen blind gegenüber dem offenen Hass auf Frauen, auf Homosexuelle und auf Andersdenkende, wenn dieser Hass von islamischen Regimen oder Gruppen ausgeht. Stattdessen richtet sich die Kritik dieser Kreise nach wie vor gegen jene, die diese Gewalt beim Namen nennen. Wer heute darauf hinweist, dass in islamischen Regimen Frauen eingesperrt, gefoltert und öffentlich hingerichtet werden, weil sie ihr Haar nicht bedecken oder tanzen, gilt schnell als islamfeindlich oder als „Rassist“.
Die Blindheit hat geradezu groteske Formen angenommen, wie zum Beispiel „Queers for Palestine“. Hier versammeln sich westliche Aktivisten, die sich selbst als queer und progressiv bezeichnen, hinter einem politischen Kampfbegriff, der sich gegen Israel richtet, den einzigen Staat der Region, in dem Homosexuelle frei leben können, in dem es Pride-Paraden gibt, offene Debatten, feministische Ministerinnen und Rechtsstaatlichkeit.
Auch in deutschen Universitäten findet man mehr kritische Stimmen zu Israel als zu den iranischen Revolutionsgarden. Die Angst, als „kulturimperialistisch“ zu gelten, scheint größer zu sein als das Interesse an universellen Menschenrechten. Die kritischen Studenten an deutschen Universitäten wissen dabei viele Professoren auf ihrer Seite. Die Theoretikerin Judith Butler zum Beispiel bezeichnete die Hamas und die Hisbollah als Teil der „globalen Linken“. Möglich werden solche geistigen Verrenkungen nur durch ein ganz simples Weltbild: Die USA und Israel sind die Aggressoren, und ihre Gegner werden als Opfer und somit als Verbündete angesehen, ganz gleich, wie brutal und frauenfeindlich sie agieren.
Durch die islamische Revolution im Iran wurden tausende, zehntausende, hunderttausende Homosexuelle, Juden, Frauen, Dissidenten, Andersgläubige gefoltert, gesteinigt, vergewaltigt, öffentlich erhängt, erschlagen, verbrannt, aus dem Leben gejagt. Diese Gewalt wurde nicht nur von den Ayatollahs und ihren Revolutionswächtern verübt. Sie wurde mitgetragen, mitfinanziert, mitideologisiert von jenen Kreisen im Westen, die sich selbst als „progressiv“ bezeichnen.
Es sind linke Intellektuelle, postkoloniale Professoren, feministische Theoretikerinnen, queere Aktivistengruppen und antirassistische Bündnisse, die seit Jahrzehnten alles daran setzen, die islamische Revolution als „antikolonial“, als „antikapitalistisch“, als „Widerstand gegen den Westen“ umzudeuten. Sie haben das Morden, Steinigen und Foltern nicht nur übersehen. Sie haben es gedeckt. Sie haben es legitimiert. Und sie haben versucht, diejenigen mundtot zu machen, die den Mut hatten, es beim Namen zu nennen.
„Ausdruck kultureller Vielfalt“
Diese Komplizenschaft der westlichen Linken mit dem islamischen Totalitarismus hat eine konkrete, blutige Bilanz. Viele haben die Ermordung von tausenden Homosexuellen und Juden ideologisch versiert weginterpretieren wollen. Wer in westlichen Universitäten, in linken Kulturzentren, in „progressiven“ Redaktionen das islamistische Regime verharmloste, wer die verschleierten Frauen als „Ausdruck kultureller Vielfalt“ feierte und dabei die Peitschenhiebe auf dem Marktplatz ignorierte, der hat mitgemacht.
Prediger politischer Korrektheit suchten die Nähe der Mörder, Wokeness-Verkünder die der Folterer, Ideologen waren sanftmütig mit den Vergewaltigern. Mit ihrem Schweigen, mit ihrer Rhetorik, mit ihrer Feigheit, Gewalt beim Namen zu nennen, wenn sie von den „falschen“ Tätern ausgeht, machten sie sich zu Komplizen. Vor allem aber mit ihrem Hass auf sich selbst, auf den Westen.
Es ist an der Zeit, dass diese „Fortschrittlichen“ dafür zur Rechenschaft gezogen werden, denn wer sich jahrzehntelang als moralische Instanz inszeniert hat, wer andere im Westen öffentlich als „sexistisch“, „homophob“ oder „faschistisch“ an den Pranger gestellt hat, der darf sich nicht aus der Affäre ziehen, wenn sich zeigt, dass er selbst ideologisch zur Legitimation eines Regimes beigetragen hat, das Frauen unterdrückt und Homosexuelle aufhängt. Es wird Zeit für eine echte Aufarbeitung.
Gerd Buurmann. Als Theatermensch spielt, schreibt und inszeniert Gerd Buurmann in diversen freien Theatern von Köln bis Berlin. Er ist Schauspieler, Stand-Up Comedian und Kabarettist. Im Jahr 2007 erfand er die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Mit seinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und den von ihm entwickelten Begriffen des „Nathan-Komplex“ und des „Loreley-Komplex“ ist er in ganz Deutschland unterwegs. Seit April 2022 moderiert er den Podcast „Indubio“ der Achse des Guten. Sein Lebensmotto hat er von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!“
Beitragsbild: Matt Hrkac from Geelong / Melbourne, Australia - Solidarity with Iranian Protests, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

„Keine soziale Klasse hat die anderen unverschämter ausgebeutet als die, die sich heute selbst Staat nennt.“ (Nicolás Gómez Dávila) Gegen diese linksgrünschwarze Klasse gibt es nur eine einzige Chance: sie muss ihren Gang vor bürgerliche Richter antreten, sie muss zahlen für den Unsinn, den sie verbrochen hat. Wir müssen diesen Shitbürgern ab sofort täglich vermitteln, wie wir sie verachten. Ich bin seit einiger Zeit soweit, es ihnen auch direkt ins Gesicht zu sagen. Diskussionen mit diesen Moralungeheuern? So unmöglich wie eine Diskussion mit Muslimen. Beiden glauben knallhart den größten Unsinn.
Offenbar sehnen sich woke MenschInnen nach Kopftuch, Zwangsheirat und Peitsche, weil das ihr Männerproblem löst. Oder eben das Frauenproblem. Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei und Zwangs-Kopftuch ist eben Emanzipation. Na gut, Mao wurde in diesen Kreisen ja auch verehrt und der gehört zu den drei besten Massenmördern des 20. Jahrhundert und wenn der Führer ausfällt, wird eben einer Ersatzfigur gehuldigt. Mit überlegener kolonialer Gesinnung, des Best,-, Gut- und Übermenschen, kann man über die paar Millionen Chinesen schon mal übersehen. Das gleiche Muster gilt dann auch für die Kopftuchfrau oder die Kinderbraut, dass hat ja nichts mit uns zu tun, sondern spielt sich ja nur im kolonialen Reservat ab und gehört da eben zu Folklore. Wir sind ja so tolerant, dass uns solche Feinheiten scheißegal sind..Alle Menschen sind gleich, manche eben gleicher. Merke: der Egoist und der Narzisst, beachtet sich nur selbst, findet aber allzeit die richtigen Worte um gut auszusehen. Prinzipien, Logik, Fairness? Fehlanzeige! Das erklärt den Doppeldenk, die Dialektik der Linken, die Schaugesinnung und den Gratismut. Wenn morgen eine NSDAP an die Macht gelangen würde, wären gerade solche Leute wieder mit Elan dabei.
@ Marcel Seiler Es gibt keine universell gültigen Menschenrechte. „Wir“ mögen „unsere“ Menschenrechte als universell gültig empfinden, aber „andere“ eben nicht (Stichwort „Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam“/1990). Die Frage ist lediglich, wie gehen wir und die anderen damit um, dass es keine universellen Menschenrechte gibt? Müssen wir unsere Menschenrechte bei „uns“ relativieren (lassen)? Ich würde sagen: Nein! Können wir erwarten, dass die „anderen“ bei sich ihre Menschenrechte in unserem Sinne relativieren? Wenn ja, mit welcher Berechtigung? Wenn ja, dürfen wir sogar intervenieren,, um die Gültigkeit „unsere“ Menschenrechte bei den „anderen“ durchzusetzen? Schwierige Fragen, von denen man das zentrale Problem multikultureller Gesellschaften ableiten kann.
Jeder,der seine Meinungsfreiheit mißbraucht,muß unerbittlich zur Rechenschaft gezogen werden! Natürlich auch unterhalb der Strafbarkeitsschwelle,versteht sich,denn sonst nötzt es nechts…
Geht es jetzt eigentlich beim Angriff Israels auf den Iran um die akute Annihilierungsgefahr Israels durch bis auf weiteres nicht existente iranische Nuklearwaffen, um einen Regimewechsel im Iran zur Befreiung der iranischen Bevölkerung von einem tyrannischen Gesellschaftssystem, die gezielte moralisch motivierte Tötung des shiitischen Religionsoberhaupts durch den Staat Israel oder gar um die Verhinderung der (für die USA und Israel potentiell betrüblichen) geopolitischen Folgen des China-Iran railway corridor´s, der justament zum Zeitpunkt des Beginns der israelischen Angriffe auf den Iran eingeweiht wurde (was natürlich reiner Zufall ist)?
Iranische Frauen- und Schwulenrechte zu instrumentalisieren erscheint mir angesichts der eher wenig minderheitentoleranten Protagonisten der aktuellen israelischen Regierung (wie z.B. Itamar Ben-Gvir u.v.a.) wenig überzeugend.
Wo war der Furor gegen den Iran eigentlich bis vor etwas mehr als einer Woche?
Da verbalradikale kleinbürgerliche Kreise [K-Gruppen, SPDler …] schon Ende der 1960er in radikalislamischen Terroristen ‚Freiheitskämpfer‘ sahen, wird es keine Änderung geben. Mangelnde oder fehlende Urteilsfähigkeit führten/führen zu sehr einfachen Weltsichten/Weltbildern, die sich über viele Jahre hinweg verfestigten.
Das Weltbild der Linken ist betonhart. Sie sind blind gegen jede Realität und gegenüber ihren eigenen permanenten Widersprüchen. Ihre kognitive Dissonanz ist einfach nur grotesk. Sie messen alles mit zweierlei Maß, sie sind absolut verlogene Heuchler und sie irren sich historisch permanent. Ich kenne diese Sorte Mensch seit meiner Jugend. Was nicht passt wird passend gemacht und wenn ihnen argumentativ nichts mehr einfällt wird man persönlich angegriffen. Ob sie sich grün oder rot nennen, ist alles dasselbe.