
Löwen weiden nicht. ;-)
Sehr geehrter Herr Broder, keiner kann das Wort so geschliffen verwenden wie ein Schriftsteller. Das ist sein Beruf und es sollte seine Berufung sein, wenn es darumgeht, Missstände aufzudecken. Sie schätze ich dafür, daß Sie im richtigen Moment das Richtige sagen. Wollen Sie mit ihrem Intellekt wirklich mit einem Bäcker oder einer Friseuse in Konkurrenz treten? Mein Bäcker hat gutes Brot und gute Semmeln; meine Friseuse schneidet meine Haare sogar zur Zufriedenheit meiner Frau, was will ich da mehr? Den Grass kann man wohl inzwischen den Hasen geben, genau wie den Biermann, wenn Sie diese Formulierung kennen, die die armen Hasen schlecht macht… Und unsere Politik-treter, die im Ernstfall den Mund aufmachen sollten, was soll man von denen erwarten? Vergessen wir nicht, daß deren Urinstinkt um Sicherheit ausgeprägter ist der des Hasen, sich klein zu machen. Alle Politiker (fast alle) sind geistig und sittlich verkümmert, sonst wären sie keine Politiker geworden. Herr Broder, Sie sind das Licht in der Dunkelheit ! Nur Sie und ganz wenig andere… Mit Verehrung, Ihr Roland Richter
Im Gespraech bleiben, ist alles, Herr Broder. Bin selber ein sogenannter Kuenstler. Ich glaube, Schriftsteller und Schauspieler haben ein besonderes Beduerfnis nach oeffentlichkeits-wirksamen Auftritten. Von Malern, die still in ihrem Atelier vor sich hin wurschteln, ist mir das nicht so bekannt. Die Ironie ihres Artikels, weider einmal zum Niederwerfen. Im uebrigen sind die anderen Berufsgruppen, die Sie noch nannten, einfach zu beschaeftigt, mit Brot- backen und dergleichen mehr.
Wundervolle Überschrift !!!
Und wenn Broder feststellt, was zu erwähnen sich anbietet, so ist es dies:“Während das Volk noch feiert und immer neue Grenzübergänge für den anschwellenden Menschenstrom geöffnet werden müssen, versucht die Politik den Mauerfall einzuhegen. Um acht Uhr wird auf Befehl von Egon Krenz eine „operative Führungsgruppe“ gebildet, die Strategien entwickeln soll, um das Geschehen wieder unter Kontrolle zu bringen. Um neun Uhr beginnt die Tagung des ZK der SED. Krenz wirkt hilflos, weil ihm sein Faustpfand für die dringend benötigten Westkredite abhandengekommen ist. Die Mauer ist offen, mit Versprechen von Reiseerleichterungen kann keine Politik mehr gemacht werden. Das Zentralkomitee ergeht sich in erbitterten Schuldzuweisungen. Es hagelt Rücktritte und Ausschlüsse.” Wer will Broder da noch widersprechen?
Was haben die weltumspannende Dichterlesung und der WELT-Artikel gemeinsam? Genau: beide sind vollkommen belanglos. In dieser Hinsicht wenigstens steht der Beitrag gleichberechtigt neben den etwas abfällig erwähnten Grass-Ergüssen…
Für manchen Schriftsteller oder Künstler mag es einst von existentieller Bedeutung gewesen sein, ob sein Name auf einer Petition erschien oder nicht. Insofern mag das Unterzeichnen einer Liste eine Art Ritual sein, um derer zu gedenken, die dabei etwas riskiert haben.
Nicht nur Künstler und Schriftsteller können jederzeit Öffentlichkeit herstellen, sondern auch andere Prominente, wobei die Hauptsache ist, dass sie wirklich prominent und “in” sind und dass sie es verstehen, wütende Empörung zu generieren. Viele Schriftstellern und Künstlern sind redegewandt und können sich hervorragend schriftlich ausdrücken, so dass es gar keine Rolle spielt, wenn sie in der Sache vollkommen daneben liegen oder gar dreist Lügen und Wahrheiten verdrehen. Sie erhalten sogar aufgrund ihrer besonderen “Gabe” von Politikern oder anderen einflussreichen Leuten entsprechende “Aufträge”, von denen sie sehr gut leben können. Ein Dichter wurde bereits beim Namen genannt und in der DDR war es durchaus üblich, dass bestimmte Dichter für die Stasi für gutes Geld fast alles taten. Die “TAZ” hat sich vor einigen Jahren in ungewöhnliche Form auf der ersten Seite für eine solche “Auftragstat” entschuldigt, wo sie sich für Interview zur Verfügung stellte, das ein berühmter DDR-Dichter mit einem berüchtigen KGB-Agenten führte. Norbert Blüm, kein Dichter, sondern der ehemalige CDU-Arbeitsminister hat in seinem neuesten Buch mit der deutschen Justiz abgerechnet und auch er erregt insbesondere bei den Medien nur deshalb Interesse, weil er eben prominent ist. Dabei gibt es unzählige “Nichtprominente” zu denen auch ich gehöre, die speziell über die Berliner Justiz Tatsachen verbreiten können, die fast alles in den Schatten stellen, was in diesem Land in der Nachkriegszeit an Ungeheuerlichkeiten passiert ist. Aber keiner traut sich ran.
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