Henryk M. Broder / 11.11.2014 / 14:12 / 10 / Seite ausdrucken

Die Unterschriftsteller melden sich zu Wort

Müssen es immer wieder Künstler und Schriftsteller sein, die Appelle verfassen, um auf irgendeinen Missstand, ein Unrecht hinzuweisen? Haben Künstler und Schriftsteller eine besondere Lizenz, die sie zu moralischer Entrüstung befähigt? Können es nicht mal Juweliere, Konditoren und Optiker sein? Oder Apotheker, Drogisten und Friseure? Brauchen die Künstler und Schriftsteller immer wieder die Bestätigung, dass es völlig egal ist, ob sie ihren Protest einzeln zum Fenster hinausschreien oder sich zusammentun, um gemeinsam nichts zu bewirken? Bedenkt man, wofür oder wogegen Günter Grass seine Stimme erhoben hat, müsste die Welt ein Paradies sein, in dem die Lämmer und die Löwen auf denselben Wiesen weiden.
http://www.welt.de/kultur/article134222396/Hauptsache-unsere-Schriftsteller-fuehlen-sich-wohl.html

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Paypal via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Caroline Neufert / 12.11.2014

Löwen weiden nicht. ;-)

Roland Richter / 12.11.2014

Sehr geehrter Herr Broder, keiner kann das Wort so geschliffen verwenden wie ein Schriftsteller. Das ist sein Beruf und es sollte seine Berufung sein, wenn es darumgeht, Missstände aufzudecken. Sie schätze ich dafür, daß Sie im richtigen Moment das Richtige sagen. Wollen Sie mit ihrem Intellekt wirklich mit einem Bäcker oder einer Friseuse in Konkurrenz treten? Mein Bäcker hat gutes Brot und gute Semmeln; meine Friseuse schneidet meine Haare sogar zur Zufriedenheit meiner Frau, was will ich da mehr? Den Grass kann man wohl inzwischen den Hasen geben, genau wie den Biermann, wenn Sie diese Formulierung kennen, die die armen Hasen schlecht macht… Und unsere Politik-treter, die im Ernstfall den Mund aufmachen sollten, was soll man von denen erwarten? Vergessen wir nicht, daß deren Urinstinkt um Sicherheit ausgeprägter ist der des Hasen, sich klein zu machen. Alle Politiker (fast alle) sind geistig und sittlich verkümmert, sonst wären sie keine Politiker geworden. Herr Broder, Sie sind das Licht in der Dunkelheit ! Nur Sie und ganz wenig andere… Mit Verehrung, Ihr Roland Richter

rene havekost / 12.11.2014

Im Gespraech bleiben, ist alles, Herr Broder. Bin selber ein sogenannter Kuenstler. Ich glaube, Schriftsteller und Schauspieler haben ein besonderes Beduerfnis nach oeffentlichkeits-wirksamen Auftritten. Von Malern, die still in ihrem Atelier vor sich hin wurschteln, ist mir das nicht so bekannt. Die Ironie ihres Artikels, weider einmal zum Niederwerfen. Im uebrigen sind die anderen Berufsgruppen, die Sie noch nannten, einfach zu beschaeftigt, mit Brot- backen und dergleichen mehr.

Peter Arbogast / 12.11.2014

Wundervolle Überschrift !!!

Monika Bittl / 11.11.2014

Und wenn Broder feststellt, was zu erwähnen sich anbietet, so ist es dies:“Während das Volk noch feiert und immer neue Grenzübergänge für den anschwellenden Menschenstrom geöffnet werden müssen, versucht die Politik den Mauerfall einzuhegen. Um acht Uhr wird auf Befehl von Egon Krenz eine „operative Führungsgruppe“ gebildet, die Strategien entwickeln soll, um das Geschehen wieder unter Kontrolle zu bringen. Um neun Uhr beginnt die Tagung des ZK der SED. Krenz wirkt hilflos, weil ihm sein Faustpfand für die dringend benötigten Westkredite abhandengekommen ist. Die Mauer ist offen, mit Versprechen von Reiseerleichterungen kann keine Politik mehr gemacht werden. Das Zentralkomitee ergeht sich in erbitterten Schuldzuweisungen. Es hagelt Rücktritte und Ausschlüsse.” Wer will Broder da noch widersprechen?

Michael Milsch / 11.11.2014

Was haben die weltumspannende Dichterlesung und der WELT-Artikel gemeinsam? Genau: beide sind vollkommen belanglos. In dieser Hinsicht wenigstens steht der Beitrag gleichberechtigt neben den etwas abfällig erwähnten Grass-Ergüssen…

Martin Lahnstein / 11.11.2014

Für manchen Schriftsteller oder Künstler mag es einst von existentieller Bedeutung gewesen sein, ob sein Name auf einer Petition erschien oder nicht. Insofern mag das Unterzeichnen einer Liste eine Art Ritual sein, um derer zu gedenken, die dabei etwas riskiert haben.

Horst Jungsbluth / 11.11.2014

Nicht nur Künstler und Schriftsteller können jederzeit Öffentlichkeit herstellen, sondern auch andere Prominente, wobei die Hauptsache ist, dass sie wirklich prominent und “in” sind und dass sie es verstehen, wütende Empörung zu generieren. Viele Schriftstellern und Künstlern sind redegewandt und können sich hervorragend schriftlich ausdrücken, so dass es gar keine Rolle spielt, wenn sie in der Sache vollkommen daneben liegen oder gar dreist Lügen und Wahrheiten verdrehen. Sie erhalten sogar aufgrund ihrer besonderen “Gabe” von Politikern oder anderen einflussreichen Leuten entsprechende “Aufträge”, von denen sie sehr gut leben können. Ein Dichter wurde bereits beim Namen genannt und in der DDR war es durchaus üblich, dass bestimmte Dichter für die Stasi für gutes Geld fast alles taten. Die “TAZ” hat sich vor einigen Jahren in ungewöhnliche Form auf der ersten Seite für eine solche “Auftragstat” entschuldigt, wo sie sich für Interview zur Verfügung stellte, das ein berühmter DDR-Dichter mit einem berüchtigen KGB-Agenten führte. Norbert Blüm, kein Dichter, sondern der ehemalige CDU-Arbeitsminister hat in seinem neuesten Buch mit der deutschen Justiz abgerechnet und auch er erregt insbesondere bei den Medien nur deshalb Interesse, weil er eben prominent ist. Dabei gibt es unzählige “Nichtprominente” zu denen auch ich gehöre, die speziell über die Berliner Justiz Tatsachen verbreiten können, die fast alles in den Schatten stellen, was in diesem Land in der Nachkriegszeit an Ungeheuerlichkeiten passiert ist. Aber keiner traut sich ran.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Henryk M. Broder / 21.05.2024 / 12:00 / 30

Ab nach Kassel!

Neues aus Kassel. Eine israelische Kunsthistorikerin bekommt eine Gastprofessur und erklärt ihren Gastgebern als erstes den Unterschied zwischen Antisemitismus und Antizionismus. Es gibt tatsächlich einen,…/ mehr

Henryk M. Broder / 07.03.2024 / 16:00 / 19

Aserbaidschanische Kampagne verhindert Armenien-Debatte

Eine in Berlin geplante Buchpräsentation und Diskussion über bedrohtes armenisches Kulturgut konnte aus Sicherheitsgründen nur online stattfinden. Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP)…/ mehr

Henryk M. Broder / 04.03.2024 / 14:00 / 23

Michael Blume: Vom Zupfgeigenhansl zum Ersten Geiger?

In der Dienstzeit des Antisemitismus-Beauftragten Michael Blume hat die Zahl antisemitischer Straftaten in Baden-Württemberg erfolgreich zugenommen. Aber der Mann hat andere Sorgen. Ende Dezember letzten…/ mehr

Henryk M. Broder / 26.01.2024 / 12:00 / 70

Frau Assmann denkt über 1945 hinaus

Eine „Expertin für Erinnerungskultur“ möchte die Erinnerung an die Shoa mit der an die Nakba verbinden. Den Palästinensern wäre mehr geholfen, wenn Deutschland ihnen ein…/ mehr

Henryk M. Broder / 17.01.2024 / 06:15 / 91

Der Unsinn, aus dem Antisemitismus-Beauftragte gebacken werden

Gleich nach dem Influencer, dem Eventmanager und dem Insolvenzberater ist „Antisemitismusbeauftragter“ ein Beruf mit Zukunft. Der Antisemitismus hat Hoch-konjunktur, und da braucht man ausgewiesene Experten…/ mehr

Henryk M. Broder / 02.01.2024 / 14:00 / 50

Bedeutende Denkerinnen und Denker des 21. Jahrhunderts: Chr. Str.

Christian Streich, seit 2012 Cheftrainer des FC Freiburg, ist vor allem dafür bekannt, dass er sich gerne „einmischt“ und „Stellung bezieht“. Denn: Sich einmischen und…/ mehr

Henryk M. Broder / 21.12.2023 / 16:00 / 6

Efraim Habermann: 19.6.1933 – 19.12.2023

Der Fotograf Efraim Habermann ist mit 90 gestorben. Ein kultivierter Herr, der noch auf Aussehen und Umgangsformen achtete, das Haus nie ohne Krawatte und Einstecktuch verließ. Statt eines…/ mehr

Henryk M. Broder / 05.12.2023 / 13:00 / 38

Bedeutende Denkerinnen und Denker des 21. Jahrhunderts: D.F.

Es muss nicht immer einer oder eine aus der Beletage des Feuilletons sein. Auch im Souterrain des Kulturbetriebs flackert manchmal ein Licht auf. Derzeit ist es…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com