Clickbait, so lautet der englische Fachausdruck dafür, mit einem möglichst knalligen Titel die Angel nach Lesern, moderner: Usern, auszuwerfen. In den USA hat wieder einmal Polizeigewalt den Funken ausgelöst, der das Pulverfass von Armut, Rassismus, Kriminalität und Existenzangst zur Explosion gebracht hat.
Wer die USA kennt und seine Erkenntnisse nicht im Wesentlichen am Schreibtisch, in der eigenen Gesinnungsblase oder aus Sicht von der Ost- oder Westküste bezieht, der weiß, dass es natürlich Rassen- und Klassenschranken gibt. Obwohl kaum ein Land auf der Welt dermaßen umfangreiche und drakonische Gesetze gegen Rassendiskriminierung hat, die Berücksichtigung von Minderheiten, Mitgliedern verschiedenster Kulturkreise, Hautfarben und Geschlecht teilweise bis ins Absurde vorantreiben: Natürlich hat ein Schwarzer in den USA schlechtere Karten als ein Weißer.
Ein Schwarzer in einem gehobenen Wohnquartier für Weiße: Ist das nicht deutlich erkennbar ein Handlanger, läuft er Gefahr, von der Polizei (oder der lokalen Bürgerwehr) zumindest angehalten zu werden. Ein Weißer in einem Wohnquartier für Schwarze ist dieser Gefahr nicht ausgesetzt. Dafür der hohen Wahrscheinlichkeit, überfallen und ausgeraubt zu werden.
Ab gehobenem Mittelstand lebt der Ami in Gated Communities, also mit bewaffnet kontrolliertem Zugang. Ganz allgemein ist es keine gute Idee, forsch ein Grundstück zu betreten und auf den Klingelknopf zu drücken. Es kann durchaus passieren, dass das mit einem Schuss quittiert wird. Wobei der Hausherr völlig legal sein Recht auf Notwehr ausübte.
Solidaritätsdemonstrationen bis nach Europa
In von Schwarzen bewohnten Quartieren ist es hingegen so, dass es nach 22 Uhr nicht mehr verboten, sondern von der Polizei empfohlen ist, an roten Ampeln nicht mehr stehenzubleiben. Wer schon verrückt genug ist, in diese Quartiere nachts zu fahren, sollte das wenigstens in eher hohem Tempo und ja nicht von Stopps unterbrochen tun. Wer hält, gibt auch den Straßengangstern eine Chance, die mit einem Ziegelstein die Fensterscheibe einschlagen. Wer fährt, muss sich nur vor Verfolgern in Acht nehmen, die sein Auto rammen wollen.
Ewig schon wogt die Debatte hin und her, ob die Überrepräsentanz von Schwarzen in US-Gefängnissen mit einem größeren Hang zu Kriminalität zu erklären sei oder mit sozialer Depraviertheit, Chancenungleichheit, Armut. Diese Diskussion soll hier keinesfalls fortgesetzt werden.
Dennoch ist diese Einleitung nötig, wenn man die gewalttätigen Ausbrüche und die Demonstrationen nach dem Tod eines Schwarzen verstehen will. Als Brandverstärker wirkte dabei das Handy-Video, das zeigt, wie der schon am Boden liegende und offenbar wehrlose Schwarze mit dem Knie eines weißen Polizisten am Hals fixiert wurde und hörbar röchelte, dass er keine Luft bekomme.
Da die USA bis heute ein zutiefst rassistisches Land sind, reichte das, um Solidaritätsdemonstrationen bis nach Europa und gewalttätige Auseinandersetzungen, inklusive Plünderungen und Attacken auf Polizisten sowie ihre Autos und Polizeistationen auszulösen.
Das wiederum rief den US-Präsidenten Donald Trump auf den Plan. Bei ihm muss man verstehen, dass er im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen Ende des Jahres seine Felle davonschwimmen sieht. Seine Leadership, in den USA sehr wichtig, hat durch die recht unfähige Reaktion auf die Corona-Epidemie schwer gelitten. Die US-Wirtschaft ist überhaupt nicht mehr „great“, „fantastic“ und „huge“, 40 Millionen offiziell Arbeitslose, das gab es seit der großen Depression in den USA nicht mehr. Beim Bruttoinlandprodukt wird ein zweistelliger Einbruch erwartet; manche Prognostiker sprechen von bis zu 30 Prozent.
Und nun sieht sich Trump auch noch als markiger „Law and Order“-Führer herausgefordert und reagiert so, wie es seinem Temperament entspricht. Mit Schuldverteilungen und cholerischen Drohungen. Also eigentlich genau so wie weite Teile der deutschen Leitmedien. Schnappatmung bei der „Süddeutschen“: „Trump erklärt Amerika den Krieg“; warum denn das? „Trump ist ein Maulheld, ungeeignet für sein Amt“, keift Kommentator Kurt Kister, ohne das aber auf sich selbst zu beziehen.
Sinnvoll wie eine Scheinschwangerschaft
Hyperventilieren auch beim „Spiegel“: „Trump spielt Diktator“; das Nachrichtenmagazin spielt Berichterstattung, wobei es immerhin den zwar etwas humpelnden Kalauer als Titel wagt: „Raustragen ist nicht austragen“, was eine Kritik an Plünderungen beinhaltet. Feinfühlig „analysiert“ hingegen der „Spiegel“-Mann in New York, dass die ständige Wiederholung des brutalen Handy-Videos „das historische Trauma vieler Afroamerikaner“ verstärke. Sagten zumindest Wissenschaftler, genaueres weiß auch Marc Pitzke nicht.
Aber wozu hat man einen „politischen Korrespondenten“ wie die „Süddeutsche“; der ordnet die Sache sicherlich kenntnisreich ein. Nun ja; Torsten Denkler hebt damit an, dass schon vor Wochen „so eine diffuse Sorge zu spüren“ gewesen sei, dass es „noch knallen könnte in den USA“. Auf diese präzise Analyse legt er dann den Begriff „tektonische Verschiebungen“ drauf; zwar nicht mehr taufrisch, aber immer irgendwie nichtssagend bedeutend.
Dann hangelt er sich am Wort „bürgerkriegsähnlich“, das ungefähr so sinnvoll ist wie eine Scheinschwangerschaft, zu „klingt gefährlich nach Bürgerkrieg“ hoch. Bürgerkriegsähnlich ist der Mob auf den Straßen, gefährlich nach Bürgerkrieg klinge aber Trump, der die Entsendung von Soldaten angekündigt hatte. Immerhin, das sei nicht das erste Mal in der jüngeren Geschichte der USA, räumt Denkler dann ein. Aber im Gegensatz zu früher sitze nun „ein erratischer Ichling, ein Narzisst, dem das eigene Wohl stets das oberste zu schützende Gut ist“, im Weissen Haus: „Ihm ist alles zuzutrauen.“ Sogar, dass er, wie einige seiner Vorgänger, Soldaten zur Beruhigung der Situation in US-Großstädte schickt.
Wie schon in der Vergangenheit gibt es neben friedfertigen Demonstranten auch Plünderer, Kriminelle, Gangs, Randalierer, die in Gewaltausbrüchen ein Ventil für ihre Armut und Hoffnungslosigkeit sehen. Und oftmals die Mom-und-Pop-Shops ihrer näheren Nachbarschaft brandschatzen und ausrauben, die ihnen eigentlich wenigstens noch Einkaufsmöglichkeiten boten.
In diesen Quartieren in vielen US-Großstädten kann sich wohl kein Einwohner der Analyse des Politkorrespondenten aus good old Germany anschließen: „Trump ist jetzt offiziell eine Gefahr für die nationale Sicherheit.“ Ein wunderbarer Satz eigentlich. Wirklich, „I love this guy“, würde Trump sagen. Weil es keinerlei Grund gibt, Trump als Diktator oder Gefahr für die nationale Sicherheit zu beschimpfen.
Und weil es, selbst wenn „Spiegel“ und „Süddeutsche“ das im Chor behaupten, überhaupt nicht „offiziell“ ist. Amtlich ist hingegen: Solche Dünnbrettbohrer schleifen noch die letzten Reste von einstmals anspruchsvollem Journalismus und geben die Begriffe Redakteur, Korrespondent oder gar Politkorrespondent der Lächerlichkeit preis. Hampelmänner mit Zugriff auf die Öffentlichkeit. Aber nicht auf die Realität.
Beitragsbild: Lorie Shaull Flickr CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons
Klitzekleine Korrektur: DER SPIEGEL ist kein "Nachrichtenmagazin." War es noch nie. Das war ein pfiffiger Werbeslogan von Rudolf Augstein. Jeder, der das Blatt kennt, weiß, dass es sich um ein reines Meinungsmagzin handelt.
Gerade eben (Mittwoch, 16 Uhr) höre ich Herrn Seibert seine Regierungsmeinung mit dem erwartbaren Zusatz versehen, "es gebe auch in Deutschland Rassismus". Sicher meint er doch z.B. "Deutschland, du mieses Stück Scheiße" und ähnliches...oder?
Ich verstehe nicht, wo jetzt das Wort vom 'Bürgerkrieg' plötzlich herkommt. Die Proteste - so die deutschen Qualitätsmedien unioso - vgl. z.B. DLF - waren und sind doch 'weitgehend friedlich'. Der Bundesaußenminister-Darsteller hat die 'weitgehend friedlichen' 'legitimen' Proteste sogar ausdrücklich begrüßt, gerechtfertigt und unterstützt. Natürlich sind die Proteste nur 'weitgehend' friedlich - also bis auf verwüstete Straßenzüge, brennende Autos, geplünderte Läden und tote und schwerverletzte Polizisten - diese kleine Einschränkung muß schon sein. Aber Bürgerkrieg - wegen 'weitgehend friedlicher' Proteste? Wir wollen nicht völlig die Maßstäbe verlieren ... . Erinnern wir uns deshalb: HETZJAGDEN fanden bekanntlich in Dunkel-Deutschland (Chemnitz) statt - und dort waren die Proteste deshalb auch gewalttätig und nicht legitim. Alles Nazis, Wutbürger, Mob, Pack und Pöbel eben. Dieses gewalttätige Gesindel kann man doch nicht mit den friedlichen Demonstranten in den USA vergleichen. Oder? Bürgerkrieg!? Wer jetzt glaubt, er sei gerade im falschen Film - mir geht es auch so. Wer so dreist und unverschämt framt und lügt wie deutsche Qualitätsmedien und einige Politiker hat JEDE Glaubwürdigkeit eingebüßt - auch auf Dauer! Die Bilder aus Amerika sind für uns ein Blick in die Zukunft. So werden unsere Städte aussehen, falls die Politik es wagen sollte gegen die Clankriminalität arabischer Groß-Familien vorzugehen! Ich möchte an Herrn Zeyer ausdrücklich DANKE sagen, für seinen durchdachten und ausgewogenen Beitrag. Marodieren und Brandschatzen kann durch NICHTS gerechtfertigt werden - auch nicht durch Polizeigewalt. Aber es ist gut Herr Zeyer, daß Sie die Hoffnungslosigkeit in welcher viele (schwarze) Menschen in den USA leben (müssen) nochmal beschrieben haben. Diese Hoffnungslosigkeit kann und darf nichts rechtfertigen, aber sie kann doch manches erklären. Es wäre Aufgabe auch der Politik den vielen Entwurzelten und vor allem den Kindern wieder Hoffnung zu geben.
Herr Zeyer, leider vergaßen Sie zu erwähnen, mit welcher Perfektion diese Krawalle bzw. dieser Straßenterror orchestriert war: Man hat sogar daran gedacht, dass Steinewerfer zum Werfen auch Mengen an Steinen benötigen - und per "Versorgungseinheiten" zudem für ausreichende Mengen an Nachschub gesorgt. Für mich waren das keine spontanen Ausschreitungen sondern strategisch geplantes Vorgehen - um bei passender Gelegenheit loszuschlagen. Ebenfalls wurden Randaleeinheiten zu strategischen Punkten hingekarrt, um dort anfeuernderweise für maximale Zerstörung zu sorgen....
Tja Herr Zeyer...… Gottseidank ist Trump der jetzige US-Präsident, er ist vermutlich der einzige das das meistern kann. Ihnen ist wohl nicht in den Sinn gekommen das da Politiker bei den Dems, die sich bietende Gelegenheit gerne nutzten. Also, da werden gerade Leute aus Obamas Umkreis von der US-Justiz zu Anhörungen geladen. Obama sieht sich plötzlich selber gefährdet, warum auch sonst hätte er sich lauthals in die Politik seines Nachfolgers einmischen sollen, etwas was gemeinhin in den USA strikt verpönt ist. Nun ja, Obama könnte im Gefängnis landen, das ist eine realistische Option. Nachdem alles gegen Trump nicht funktionierte, musste etwas neues kommen, da bot sich die Sache mit Floyd doch geradezu an. Egal was, die Dems versuchen sich in eine neue Amtszeit hinüber zu retten, natürlich eine ohne Trump. Nun wird ihnen da George Sorros mit seinem verzweigten Netzwerk sicher zu Hilfe kommen. Im Netz findet man ja Werbeseiten die Randalierer gegen Geld anwerben. Und es gibt Video die zeigen wie Weisse den Demonstranten Anweisungen geben und ihnen Geld zustecken. Also, vielleicht sollte man das ganze aus anderem Blickwinkel sehen, nicht als Unruhen für mehr Gerechtigkeit, sondern um Zeit zu schinden für eine Partei die tief in einem Sumpf aus Verbrechen steckt. Floyd war da die Gelegenheit abzulenken, Zeit zu gewinne und Trump anzuschwärzen. Übrigens Herr Zeyer, Trump hat so schnell auf Corona reagiert wie Europa auch, sehen sie sich die Daten an. Und die US Fallzahlen liegen im Mittelfeld, aber noch vor Frankreich, Italien, Spanien und Belgien sowieso. Die USA haben 330 Millionne Einwohner, ….....sagen uns unsere Medien nur nie. Und gleich wie hier, zählen die US-Spitäler gerne jeden positiv getesteten als Corona Fall, auch wenn er Krebs im Endstadium hat, denn für jeden Corona Patienten gibt's eine bestimmte Pauschale die sie natürlich nicht verlieren wollen..
@Sabine Lotus: Ihre Überlegung macht zwar nicht das historische Unrecht, das die Schwarzen in den USA erlitten haben, wett, ist aber zumindest interessant und erfrischend unkonventionell! Man sollte die Schwarzen mal dazu befragen...
Nein, die Diskussion bzgl. Überrepräsentanz von Schwarzen in US-Gefängnissen soll nicht fortgesetzt werden. Aber wenn hier gleich vier Argumente "sozialer Depraviertheit, Chancenungleichheit, Armut", gegenüber einem "größeren Hang zu Kriminalität" aufgeführt werden, finde ich es angebracht, ein wenig Ausgewogenheit hineinzubringen: Da hier keine Links gesetzt werden dürfen, bitte ich das selbständig zu überprüfen: Schwarze begehen über 50% der Morde in den USA, seit Jahrzehnten. Wenn mir hier eine Lüge unterstellt wird, googeln Sie bitte nach "Homicide Trends in the United States, 1980-2008", eine Statistik vom amerikanischen Justizministerium, offizieller geht es leider nicht. Auch wenn die Datenaufnahmen 2008 beendet wurde, hat sich an der Verteilung nicht viel geändert. Ein Artikel von Stefan Frank auf der Achse vom 13.01.2018 "Die Tagesschau lügt mit Zahlen" nennt 51% Mordverdächtige für 2015. Des Weiteren: 1) Der Anteil von Schwarzen an der amerikanischen Bevölkerung beträgt ca. 13%. 2) Der Anteil von Schwarzen in den Todeszellen liegt bei ca. 40%. Diese auf den ersten Blick nicht kongruenten Daten, Mord als Grund für einen Platz in der Todeszelle vorausgesetzt, werden von den Medien mit einer per se rassistischen Justiz, sowie der generell schlechten finanziellen Situation Schwarzer in den USA begründet, da sie sich keinen guten Anwalt leisten können. Da Schwarze aber über 50% der Morde begehen, sind Sie aber statistisch in den Todeszellen sogar unterrepräsentiert. Weiterhin finden deutlich über 80% der Morde innerhalb der Ethnie statt, bei Schwarzen wie bei Weißen. Wir hatten übrigens am Wochenende im Familienkreis eine Diskussion, Tenor: "Schwarze in Amerika können doch gar nicht anders, als kriminell zu werden". Ein kollektiver Freifahrtschein für Kriminalität, zudem wird der Gruppe die Eigenverantwortlichkeit genommen, quasi als rein trieb- und instinktgesteuert gesehen, des Handelns weder moralisch bewußt, noch für die Konsequenzen verantwortlich.