Gastautor / 19.08.2012 / 11:55 / 0 / Seite ausdrucken

Die Unmöglichkeit ungebildeter Revolutionen

Filipp Piatov

Ein arabisches Sprichwort wird in 200 Jahren sagen: „Gib der Mücke keine Waffen, wenn du sie nicht zum Elefanten machen willst.“

Der arabische Frühling ist vorbei und die Araber keinen Deut freier als zuvor. Sogar im optimistischen Deutschland scheint jede Euphorie verflogen, was aber selbstverständlich nicht verbalisiert wird. Man spricht nur ungern darüber.

Aber davon abgesehen, dass Revolutionen fast nie zum Erfolg führen ist doch die Frage von beachtlichem Interesse, weshalb es gerade in den arabischen Ländern so schnell und klar vorbei war. Dabei sind Islamismus, Armut und innere Spannungen nur bedingt als Gründe zu nennen, sind es doch eher Symptome einer gescheiterten Gesellschaft. Zweifellos tragen sie massiv zur Unmöglichkeit jeglichen Wechsels bei; dennoch gibt Ursachen, die viel eindeutiger die revolutionären Fehlschläge beleuchten.

Hier einige beachtenswerte Fakten (aus dem Jahr 2004):

In der arabischen Welt wurden pro 1000 Personen nur 53 Zeitungen jährlich veröffentlicht. Im Gegensatz dazu waren es in den Industrienationen 258. Ins Griechische (11 Mio. Einwohner) wurden fünfmal so viele Bücher übersetzt wie ins Arabische (280 Mio. Einwohner).  Grob geschätzt wurden in den letzten Tausend Jahren <10.000 Bücher ins Arabische übersetzt. Das ist die Zahl der Bücher, die jährlich ins Spanische übersetzt werden. In der Regel wird ein Buch 1000 Mal gedruckt. Ab 5000 verkauften Exemplaren ist es ein Bestseller.

Ohne Literatur ist an eine progressive, liberale und freiheitliche Revolution nicht zu denken. Denn was ist Literatur? Auch wenn nicht jeder Bürger Literat ist, so ist die Literatur doch repräsentativ für Interessen, Bildung, Engagement und Willen eines Volkes. Große Literaten sprechen nicht nur aus, was andere denken; sie sprechen auch aus, was andere denken werden.

Literatur ist nicht die einzige Voraussetzung für Freiheit und Demokratie, sonst wäre aus der Weimarer Republik nicht das Dritte Reich geworden. Aber für das Verständnis der Bürger für politische, gesellschaftliche und zwischenmenschliche Aspekte ist sie unerlässlich. Was wäre die Welt ohne die Artikulation von Tatsachen, Ideen, Visionen, Philosophien sowie Aufdeckung von sozialen Missständen durch Tolstoi und Turgenjew? Ohne Mann, Hesse, Zweig, Remarque und Brecht?

Literaten genie?

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