Dafür, dass der saudiarabische Journalist Jamal Khashoggi am 2. Oktober hingerichtet wurde, nachdem er das Konsulat seines Landes in Istanbul betreten hatte, als sei er in die Hände Draculas gefallen, gibt es bisher keine Beweise – keine, die der Öffentlichkeit vorliegen. Vermutlich werden wir nie erfahren, ob stimmt, was unterdessen durchsickerte, dass die saudischen Schergen ihr Opfer tatsächlich bei lebendigem Leib zerstückelten, bevor sie dem Geschändeten die Gnadenspritze gaben. Die Gerüchte sind längst ins Kraut geschossen.
Darauf, dass die Scheichs in Riad zunächst Stein und Bein schworen, Khashoggi habe ihre Vertretung unbeschadet verlassen, bevor sie einräumten, er sei bei einem „Faustkampf“ – fünfzehn gegen einen – unglücklicherweise ums Leben gekommen, nun aber nicht wissen wollten, wo die Leiche abgeblieben ist, auf all das mag sich jeder seinen eigenen Reim machen. Die Araber stehen seit jeher im Ruf begnadeter Märchenerzähler. Dank ihrer blühenden Phantasie sind sie schnell mit Geschichten bei der Hand, die anderen die Schuld in die Schuhe schieben. Wer darauf etwas gibt, macht sich zum Hehler.
Wenn die regierenden Prinzen jetzt behaupten, mit dem Vizegeheimdienstchef Ahmad al-Assiri und dem hochrangig angesiedelten Medienberater Saud al-Kahtani zwei Täter dingfest gemacht zu haben, die auf eigene Faust handelten, besagt das gar nichts – außer, dass es ihnen, weil sie sich ertappen ließen, demnächst ergehen könnte wie dem systemkritischen Journalisten, für dessen Ausschaltung ein Sonderkommando nach Istanbul in Marsch gesetzt wurde.
Eine Hinrichtung auf Raten
Wäre das wahrhaftig gegen den Willen der Herrscherfamilie geschehen, trüge sie sich ernsthaft mit der Absicht, einen neuen Kurs, den einer zivilisierten Gesellschaft, einzuschlagen, müsste sie umgehend den Blogger Raif Muhammad Badawi freilassen. Seit 2012 sitzt er im Gefängnis, wegen „Beleidigung des Islam“ zu zehn Jahren Haft und tausend Peitschenhieben verurteilt. Fünfzig davon hat er schon abbekommen. Mit der Verabreichung der restlichen 950 muss er täglich rechnen. Was ihm droht, ist eine Hinrichtung auf Raten durch eine qualvoll in die Länge gezogene Prügelstrafe.
Ein Einzelfall ist der seine so wenig wie der des eben ermordeten Jamel Khashoggi. Die Barbarei hat Methode. Die praktizierte Rachejustiz offenbart das hässliche Gesicht eines Islam, auf dessen ideologischem Fundament der saudiarabische Staat unverändert steht. Dass Haftbefehle und Todesurteile, die offiziellen sowie die heimlichen, inzwischen per Smartphone und PC übermittelt werden, ändert nichts an den archaischen Verhältnissen. Ihre religiös begründete Unmenschlichkeit ist schlichtweg unvereinbar mit den humanistischen Grundsätzen aufgeklärter Gesellschaften.
Wer gleichwohl behauptet, der Islam „gehöre“ zu Deutschland, weiß nicht, wovon er redet. Zwar gebietet die Trennung von Kirche und Staat, jedem das Recht freier Glaubensausübung im privaten Bereich zuzugestehen. Nur gehört der Islam deshalb noch lange nicht zu unserem Land.
Und was macht Frau Merkel?
Denn wäre es so, dann müssten die politischen und strafrechtlichen Gebote dieser Religion auch bei der Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse berücksichtigt werden. Wir fielen um Jahrhundert zurück, in Zeiten, da religiöse Ideologien das Handeln des Staates bestimmten. Was das nach sich ziehen würde, hat das Schicksal des Journalisten Jamel Kashoggi eben schrecklich gezeigt.
Seine Ermordung war ein gleichsam religiös gebotenes Verbrechen, ebenso wie die Prügelstrafe, bei deren Vollstreckung Raif Muhammad Badawi der Tod droht. Mit staatlicher Duldung hat sich solcher Folter in Europa zuletzt die „heilige Inquisition“ schuldig gemacht, lange bevor uns die Aufklärung von diesem Wahn erlöste.
PS: Es ist damit zu rechnen, dass beim gestern gestarteten Wirtschaftsgipfel in Riad zahlreiche Manager aus den Chefetagen der deutschen Wirtschaft mit am Tisch sitzen werden. Immerhin ist Saudi-Arabien nach Algerien der zweitgrößte Abnehmer deutscher Rüstungsgüter. Auf über 400 Millionen soll sich das Geschäft bis zum Jahresende belaufen. Ob auch Lederpeitschen zu den gelieferten Waffen gehören, ist nicht bekannt.
Beitragsbild: Creative Commons CC0 Pixabay

Ich frage Muslime schon mal (aber nur welche, die nicht stärker sind als ich), wenn der Koran wörtlich gilt, wieso haben sie Maschinengewehre, fahren Mercedes und trinken Cola. Denn von diesen Dingen steht doch nichts im Koran! Antworten habe ich bisher noch keine erhalten.
@María José Blumen: als „Gegreine“ kann ich eher Ihren Beitrag empfinden. Natürlich darf mit unterschiedlichen Maß gemessen werden. Genauso sollte es möglich sein, sachlich Parallelen zu ziehen. Offensichtlich haben Sie ein Problem mit anderen Meinungen und tun dies als Gegreine ab.
Dieser Satz "Zwar gebietet die Trennung von Kirche und Staat, jedem das Recht freier Glaubensausübung im privaten Bereich zuzugestehen." führt zu einer Frage die mir noch niemand beantworten konnte, oder wollte. Diese Frage lautet: Wie kann eine "Religion" sich auf das Gebot der freien Religionsausübung berufen wenn die "Religion" gleichzeitig in ihrem Grundsatzprogramm die Religionsfreiheit für alle, ausser für sich selbst, abschaffen will? Den die frei Religionsausübung ist Ungläubigen (Christen und Juden), laut den umarschen Regeln, des Kalifen Umar gest. 697, nicht gestattet. Hier der die ersten, von Prof. Tilman Nagel im Vortrag , Das Christentum im Urteil des Islams, vorgetragene umarsche Regeln „Daß wir in unsere Stadt keine neue Kirche errichten und in der Umgebung kein Kloster, keine Einsiedelei, keine Mönchszelle; daß wir keine verfallene Kirche wiederherstellen und keine, die in den Quartieren der Muslime liegt; das wir den Muslimen nicht verwehren, in unseren Kirchen des Nachts und am Tage abzusteigen; daß wir deren Tore offenhalten für die Vorbeigehenden und die Kämpfer auf dem Wege Gottes und in den Kirchen und unseren Wohnungen keine Späher beherbergen und nicht Verrat an den Muslimen üben; daß wir die Ratsche nur leicht betätigen, und zwar im Inneren der Kirche; daß wir an der Kirche kein Kreuz öffentlich zeigen; daß wir sofern Muslime zugegen sind, in unseren Kirchen weder die Gebete noch Lesungen laut vortragen; daß wir weder Kreuz noch Buch auf den Markt der Muslime hinausbringen, weder an Ostern noch an Pfingsten(zur Prozession) ausziehen, daß wir bei Leichenbegängnissen weder unsere Stimme erheben noch auf den Märkten der Muslime dabei Fackeln zeigen; daß wir in ihrer Nachbarschaft weder Schweine halten noch Wein verkaufen daß wir kein Polytheismus treiben und niemanden für unsere Glaubenspraxis zu gewinnen trachten, noch zu Ihrer Annahme auffordern; daß wir keine Sklaven freikaufen, usw. usw.
Der praktizierten Barbarei öffnen wir seit Jahren, besonders aber seit 2015 Tür und Tor und verbiegen unsere Gesellschaft, unsere Gesetze und unsere Kultur bis zur Unkenntlichkeit, damit sich diese Barbaren vor allem "in unseren Sozialsystemen wohlfühlen" (Kathrin Göring-Eckhard). Wer sich gegen diese Barbarei mit all seinen Unappetitlichkeiten ausspricht ist per se "Nazi".
@Gertraude Wenz Aus Zeitgründen kann ich nur eine kurze Lanze für das Christentum brechen. Dieses und das Judentum bilden die Basis unserer abendländischen Kultur, die selbstverständlich auch von der Philosophie der Antike beeinflußt worden ist. Der Einfluss der Aufklärung, die ja antikirchliche Komponenten hatte, ist ambivalent. Dogmen wurden infrage gestellt aber der christliche Glaube gleichzeitig verwässert und die grundsätzliche Relativierung von Glaubensinhalten nahm überhand. Der Kasus Knaxus im Verhältnis zum Islam ist die Tatsache, dass der uns wegen der schleichenden Entchristlichung unserer Gesellschaft gar nicht ernst nimmt. Wenn Kirchen in Moscheen "umgewidmet" werden, dann sieht der gläubige Muslim den Sieg seiner ideologisierten Religion selbstverständlich schon in greifbarer Nähe. Würden wir dem Islam in einer "feste Burg" (nach Luther) widerstehen, dann hieße das keineswegs den Teufel mit dem Beelzebuben austreiben zu wollen, sondern uns wappten gegen eine im Mittelalter stecken gebliebene gefährliche Ideologie, die kein Pardon kennt. Was Sie als Dilemma auch für das Christentum empfinden, kommentiere ich nicht, weil mich solche Ansichten nur traurig stimmen.
Es ist an Hohn oder Ver.... des Staatsvolkes, sprich der Wähler kaum zu überbieten, dass sich Merkel jetzt hinstellt und vorerst keine Waffenlieferungen mehr nach Saudi Arabien ankündigt. Stand das nicht schon im Koalitionsvertrag, bei dem Tinte gerade mal gut getrocknet sein dürfte? Aber es passt zu ihr und dem Stil der Bundesregierung, unterstützt von rot/grün/gelb, dass auch weiterhin der Iran und die Türkei hofiert werden. (Von den einen wegen der Ideologie von den anderen wegen ihrer Klientel.) Nicht gerade lupenreine Demokratien, in denen die Menschenrechte eingehalten werden. Und - nicht zu vergessen die Millionenzahlungen an die Palästinenser, die damit neben Waffenkäufen auch die Familien der gefallenen Terroristen unterstützen.
Naja, die Analyse ist konstruiert. Die Ermordung oder aufgehübschte Exekution J. Khashoggis hat nix mit religiösen "Normen" oder "Praktiken" zu tun, höchstens mittelbar ... Das autokratische System der al-Sauds hat in diesem Mitglied der saudischen Super-Elite mit "herrschaftsrelevantem" Detailwissen, "Reform"- oder Revolitionsbestrebungen" nach Art el-Bannas u.Ä. eine Gefahr erkannt, die wenig elegant eliminiert wurde. Das Problem sind AKP bzw. Türkei, die massiven (machtpolitischen) Gewinn aus der Affäre schlagen, u.a. dadurch, dass die Legitimität des saudischen Königshauses als Hüter des Islams diskreditiert wird. Deshalb wäre es mir lieber, die al-Sauds würden sich mannhaft u. mit starkem Narrative dieser Erpreßbarkeit durch AKP&Co;. entziehen. Letztere ist sowieso keine Freundin von Journalist_innen, die massenhaft inhaftiert sind ... Ein wenig VerschwTheorie: Welche Verlobte wartet länger als eine Stunde mit der Alarmierung (türk. "Sicherheitskräfte"), wenn sie bereits um die Bedrohungslage weiß?!