Rainer Bonhorst / 01.04.2015 / 18:59 / 11 / Seite ausdrucken

Die Ungleichheit der Frauen

Hier ein paar abwegige Bemerkungen zur Ungleichheit von Mann und Frau. Wir sind ja gerade mal wieder daran erinnert worden, dass Frauen weniger Geld verdienen als Männer. Zu den vielen Gründen, die für diese alte Geschichte herangezogen werden, gehört auch der Hinweis, dass Frauen die „falschen“ Berufe wählen. Ein Teil des Problems wäre gelöst, so heißt es, wenn mehr Frauen Ingenieure würden, weil Ingenieure mehr Geld verdienen als Krankenschwestern. Die Ungerechtigkeit würde also enden, wenn Frauen die besser bezahlten Berufe wählten. Wenn sie sich vom Menschlichen (Krankenschwester) weg ins Technische (Ingenieur) umerziehen ließen. Das stimmt wohl, ist aber ein klassischer Kurzschluss.

Denn warum wählen junge Frauen die „falschen“ Berufe wie Krankenschwestern, Friseurinnen, Altenpflegerinnen? Und warum wählen junge Männer die „richtigen“ Berufe wie Ingenieure, Piloten, Automechaniker?

Könnte es möglicherweise daran liegen, dass viele Jungen immer noch lieber mit Eisenbahnen spielen und viele Mädchen immer noch lieber mit Puppen? Und dies obgleich die moderne Erziehung seit Jahrzehnten versucht, den Mädchen die Eisenbahnen und den Jungen die Puppen schmackhaft zu machen?

Die Umdrehquote scheint angesichts dieser Bemühungen jedenfalls ziemlich bescheiden zu sein.

Da dies ein genderpolitisches Minenfeld ist, will ich es nur kurz und fragend betreten und sofort wieder verlassen.

Und lieber die Frage stellen, ob es ein Naturgesetz gibt, das den Ingenieur besser bezahlt als die Krankenschwester. Ich glaube nicht. Und wie ist es mit den Gesetzen des Marktes? Ich meine, es gibt nicht einmal ein für alle Zeiten in Stein gemeißeltes Marktgesetz, das dies vorschreibt.

Es mag ja sein, dass es besonders wichtig und also auch besser zu bezahlen ist, Kühlschränke zu konstruieren, die uns alarmieren, wenn die Milch sauer wird. Aber der Gedanke, dass die Pflege kranker Menschen auch eine gewisse Bedeutung haben könnte, ist auf Dauer nicht von der Hand zu weisen. Ja, als Patient kommt man sogar auf die Idee, dass die Arbeit einer Krankenschwester wichtiger ist als die Herstellung von Sauermilchalarmkühlschränken. Was dann ja für eine bessere Bezahlung der Krankenschwester spräche. In unserer alternden Gesellschaft könnte diese Bedeutungsverschiebung sogar immer offensichtlicher werden.

Mit anderen Worten: So schick die Idee ist, Frauen umzuerziehen, um das Ungleichgewicht in den Einkommen zu beseitigen, so reizvoll finde ich auch den Gedanken, so genannte Frauenberufe einfach besser zu bezahlen.

Warum ist dieser Gedanke so unpopulär? Warum wählt man nicht diesen einfacheren Weg? Weil er weder den schlecht zahlenden Branchen noch den Emanzipationspolitikerinnen ins Konzept passt. Wirtschaft und Emanzen ziehen da mal wieder an einem Strang. Die Wirtschaft aus finanziellen Gründen, die Emanzipationsfraktion aus erzieherischen Gründen. Frauen sollen Ingenieure werden, basta.

Nichts gegen den Girl’s Day in der Maschinenfabrik. Eine prima Sache. Technik schnuppern kann verlockend sein und begeisterte Ingenieurinnen schaffen. Aber es gibt unter den Frauen offenbar einen harten und gar nicht so kleinen Kern von Nichtingenieuren. Sollen die die ewig doofen schlecht Bezahlten bleiben? Mir leuchtet das nicht ein.

Das einzige Problem: Sollten die sogenannten Frauenberufe eines Tages tatsächlich besser bezahlt werden, könnte es allen biologischen Beharrungskräften zum Trotz zu einer Rollenverschiebung in umgekehrter Richtung kommen. Immer mehr Männer würden versuchen, in die gut bezahlten Pflegeberufe zu drängen. Ob das die Wärme und menschliche Qualität der Pflege heben würde, ist eine andere Frage. Ich habe da einen privaten Verdacht, will ihn aber nicht äußern, um in der Genderfrage nicht gänzlich auf unzeitgemäße Abwege zu geraten.

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Martin Wessner / 01.04.2015

Sehr geehrter Herr Bonhorst, es tut mit sehr leid, aber es gibt in der Tat ein Naturgesetz, das Ingenieure generell besser bezahlt werden als Krankenschwestern! Schlicht und einfach, weil der Ingenieur ein Akademiker ist, der eine längere und anspruchvollere Ausbildung hinter sich hat und der auch ansonsten erheblich mehr Kompetenzen besitzt, bzw. besitzen MUSS, um seinen Job quasi “unfallfrei” ausführen zu können. Sie können, nein, Sie müssen einen Ingenieur vielmehr mit einen Arzt!!! vergleichen, und dieser Arzt, sei er nun männlich oder weiblich, der verdient dann gerechterweise in etwa genauso viel wie ein diplomierter schwäbischer Tüftler von “Sauermilchalarmkühlschränken”, dessen innovative Produkte gewiss selbst in Alaska reißenden Absatz finden, wie ich es mal schätze. Die Krankenschwester, oder von mir aus der Krankenbruder, die haben stattdessen beide “nur” eine betriebliche Ausbildung(Lehre) gemacht. Zur Krankenschwester passt auf der anderen Seite -als Äqivalent- vielmehr der Maschinenschlosser, wenn man denn schon zwei unterschiedliche Berufsgruppen(technisch und medizinisch) miteinander auf Bezahlungsgerechtigkeit hin (ab-)wägen will. Und auch in dem Fall ist dann plötzlich der Gehaltsunterschied nicht mehr so spektakulär, als dass die Politik sich genötigt sehen müsste, korrigierend einzugreifen. Im Übrigen kann die Gesellschaft durchaus übereinkommen, dass schlecht bezahlte Frauenberufe im sozialen Bereich, genauso gut entlohnt werden wie hochqualifizierte Männerjobs im technischen Bereich. Pas de Probleme! Nur muss man dann auch damit einverstanden sein, dass man anschließend ganz erheblich höhere Beitäge an seine Krankenversicherung oder ggf. höhere Steuern an den Staat entrichten muss. Die Kühe grasen nunmal nicht im Himmel und lassen sich dann auf Erden melken. So ein Pech aber auch. Ps. Ein Tipp, Herr Bonhorst. Ich empfehle Ihnen zu dem Thema die Lektüre des Buches: “Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken: Ganz natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen” von Allan und Barbara Pease.

Mona Rieboldt / 01.04.2015

Es wird keine Frau davon abgehalten, Naturwissenschaften oder Ingenieurwissenschaften zu studieren. Da gibt es ja Beispiele, auch die Bundeskanzlerin und die Verteidigungsministerin sind Frauen. Es liegt auch nicht an den “bösen” Männern, die das verhindern, wie uns teilweise weisgemacht wird. Zu einer Zeit als die meisten Frauen nur Hausfrauen waren, hat eine Madame Curie zweimal den Nobelpreis gewonnen in Chemie. Warum studieren dann Frauen mehrheitlich nicht Naturwissenschaften? Weil sie es nicht wollen oder es ihnen nicht liegt. Da nützt weder Umerziehung und auch der wiederholte “girl’s day” nichts. Vielleicht sollte man endlich mal anerkennen, dass es Unterschiede im Berufswunsch gibt zwischen Frauen und Männern. Das ändert sich auch nicht, wenn es derart viel Genderprofessuren gibt. Frauen suchen in der Mehrheit soziale Berufe aus, weniger “kühle” wie technisch-naturwissenschaftliche. Soziale Berufe wie Krankenschwestern und Erzieherinnen besser zu bezahlen, ist utopisch, weil hier der Öffentliche Dienst der Arbeitgeber ist. Und würden sie besser bezahlt, fänden sich doch kaum Männer in diesen Berufen, eben, weil es ihnen nicht liegt.

Tina Elderling-Manne / 01.04.2015

Weniger Freiheit und Wohlstand könnte auch die Lösung sein. In ärmeren und unfreien Ländern ist die Frauenquote in Technikberufen viel höher als etwa im ölgetränkten und durchgegegnderten Norwegen. Korrelation ole - Kausalität nene! PS: Die Triebkraft von Marktpreisen lautet “Knappheit”. Offenbar ist die Relation Ingeneursarbeitsplätze/Ingeneure grösser als die der Altenpflegearbeitsplätze/Altenpfleger. Man muss es nur (mithilfe von Gendergaga) umdrehen, dann werden Altenpfleger besser bezahlt als Ingeneure - oder aber Ingeneure entwickeln Pflegemaschinen (wie in Japan), die das übernehmen. Dann brauchts keine Altenpfleger mehr. Ob man auch erfolgreich Ingeneursmaschinen bauen kann bezweifle ich.. naja ok, da gäbe es noch eine andere Lösung: Ostasiatische Ingeneure.

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