Annette Heinisch / 06.09.2018 / 06:19 / Foto: Bundesregierung.de / 52 / Seite ausdrucken

Die Unbelehrbaren

Anfangs wollt' ich fast verzagen und ich glaubt', ich trüg es nie; und ich hab es doch getragen, aber fragt mich nur nicht wie.

Diese Worte schrieb Heinrich Heine über seine drückenden Ballschuhe, meine Mutter benutzte das Zitat, um einer Antwort auf Fragen bezüglich ihrer Kindheit im Krieg in Hamburg und den Jahren danach aus dem Weg zu gehen. 

Heute sind die Zeiten unvergleichlich besser, dennoch verzagen viele Bürger. Sie wollten nie in einem Staat leben, der Andersdenkende diffamiert und in irgendwelche Ecken stellt, das geht nicht nur den Sachsen so. Vor allem verstehen viele nicht, warum sie es überhaupt ertragen sollen, als Versuchskaninchen eines Politexperiments herhalten zu müssen – wieder einmal. Und gerade diejenigen, die eigene Erfahrung mit der Diktatur gemacht haben, haben ein sehr feines Gespür für falsche Töne und reagieren verständlicherweise besonders allergisch auf jede Form der Unterdrückung.  

Es ist ein altbekanntes Phänomen: 

Ein Herrscher hat sich etwas in den Kopf gesetzt, will seinen Plan durchsetzen, die Untertanen sind in diesem Konzept nur die Bauern im Schachspiel, die hin- und her geschoben werden können, zur Not auch geopfert. Sind diese not amused, wird der Herrscher erst ungehalten und versucht ihnen deutlich zu machen, dass er über eine überlegene Weisheit verfügt. Hilft das nichts, weil die dummen Untertanten gar nicht so hirnlos sind, wie ihnen unterstellt wird, sondern schlicht und einfach die Sache anders sehen, wird er wütend, beschimpft sie und versucht sie mundtot zu machen. Besonders heftig fallen derartige Reaktionen bei berechtigter Kritik aus, denn nichts macht wütender als das Gefühl, die Kritik könnte ein Körnchen Wahrheit enthalten. Das kränkt das Selbstgefühl, also ist die Reaktion übertrieben heftig und emotional.

Hauptsache gehorsam

Hätte der eine oder andere Politiker die Möglichkeit dazu, so hätte er Teile der Bevölkerung wohl schon längst hinausgeworfen und sich dafür Gefügigere geholt. Falls diese nicht annähernd so leistungsstark sind wie die zickenden Bürger, ist das auch egal: Hauptsache gehorsam. Es müsste eigentlich die Sternstunde des Liberalismus sein, der für die Freiheit eintritt. Aber weit gefehlt.

Nun hat so gut wie jeder von uns in seinem Leben schon einmal Mist gebaut. Im privaten Leben hat das meist nicht so verheerende Wirkungen wie bei Politikern, aber ihre Zukunft haben damit schon einige vermasselt. Fast jeder von uns kennt es auch, dass man aus Wut Dinge sagt, die besser ungesagt geblieben wären. Die meisten von uns haben aber auch gelernt, dass man sich – nachdem die erste Wut verraucht ist –  für seine Worte entschuldigt und sein Verhalten korrigiert. Wer blind vor Wut andere beleidigt, zeigt, dass ihm die Argumente ausgegangen sind und verliert damit sein Gesicht. Macht er verstockt weiter, so hat er keine Chance, es wiederzugewinnen. Daher ist es nicht nur ein Gebot des Anstands, sondern auch der Klugheit, sich zu entschuldigen.

Würde also ein maßgeblicher Politiker und ein Teil der Presse sich hinstellen und sagen: „Unsere Herrscherallüren waren deplatziert, die Beleidigungen gingen gar nicht, wir bitten um Entschuldigung“, dann gäbe es eine Chance, aus dieser verfahrenen Situation herauszukommen. Wertschätzung der Ansichten und Erfahrungen der Bürger wäre der Weg aus der Polarisierung.

Solche Politiker beziehungsweise Parteien hätten nicht nur große Chancen, gewählt zu werden, es wäre auch die einzige Möglichkeit, das Vertrauen und die Achtung der Bevölkerung wiederzugewinnen. Diese sind die Basis jeder demokratischen Regierung, sonst bleibt nur Unterdrückung großer und tendenziell wachsender Teile der Bevölkerung.

Würden wir den Weg der Spaltung und des dauernden Streits verlassen und wirklich zusammenarbeiten, ließen sich die Probleme lösen. Vor allem könnten wir dann beginnen zu überlegen, welche Faktoren zu der Polarisierung geführt haben, an welchem Punkt wir uns also ändern müssen, um zukünftig erfolgreicher zu sein.

Verschwörungstheorien statt Diskussionen

Das Fehlen einer solchen Diskussion führt leider dazu, dass mittlerweile diverse Verschwörungstheorien kursieren, oft Variationen des alten Themas einer „amerikanisch-jüdischen Weltverschwörung“. Viele können sich nur so das gleichgerichtete Verhalten vieler Politiker im In- und Ausland erklären.

Nun halte ich persönlich nicht viel von derartigen Theorien, wahrscheinlich dürfte die Antwort viel einfacher sein. Könnte es nicht sein, dass die Probleme Folgen eines strukturellen Defizits unseres Systems sind? 

Könnte es nicht sein, dass zum Beispiel die Vorstellung, theoretisches Wissen sei identisch mit Klugheit, falsch ist und dass wir zudem in unseren Bildungssystemen nur ganz einseitige Begabungsstrukturen fördern, die zu solcher Einseitigkeit führen?

Gleichgültig, ob man in die Politik, zur Presse oder in die Wirtschaft geht, heutzutage muss man, um Karriere zu machen, für gewöhnlich Akademiker sein. In den ersten Jahren und Jahrzehnten nach dem Krieg war es in Deutschland anders, damals konnten und kamen noch viele mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und Berufserfahrung aufgrund ihrer Leistung in führende Positionen. So viele Akademiker gab es hier schlicht nicht. Nach und nach drängten immer mehr Uni-Absolventen nach, anfangs kam es zu nicht unerheblichen Problemen. Die „Grünschnäbel“, die aus Sicht der erfahrenen Profis noch feucht hinter den Ohren waren, wollten alles mögliche neu einführen, von dem die alten Hasen aus Erfahrung wussten, dass es nicht klappen konnte. Aber ihr Wissen und Können war nicht mehr gefragt. Die Entkoppelung der Theorie von der Praxis nahm ihren Lauf.

Anders verlief die Entwicklung in Großbritannien, dort kamen immer nur die Absolventen aus Oxford und Cambrigde in führende Positionen. Bis zur Thatcher-Ära fuhren sie das Land ebenso gnadenlos wie wohlmeinend an die Wand.

Mrs. Thatcher war zwar ebenfalls Oxford-Absolventin, kam aber nicht aus der „besseren Gesellschaft“, lebte also nicht in einer sozialen Blase. Sie war auch bei den Arbeitern immer deutlich beliebter als bei der Upper Class, die ihretwegen hyperventilierte.

Das Orakel von Coventry

Mein englischer Onkel prophezeite vor mehr als 30 Jahren, dass Deutschland genauso an die Wand fahren würde, wenn wir eine ähnliche Entwicklung durchlaufen würden wie das Vereinigte Königreich und nicht mehr lebenserfahrene Praktiker, sondern schöngeistige Theoretiker das Sagen hätten. Mein Onkel, das Orakel von Coventry, hatte recht.

Obgleich wir wissen, dass alle Theorie grau ist und man wie Faust zahlreiche Fächer studieren kann, nur um hinterher genau so klug zu sein wie zuvor, halten wir an der Illusion fest, dass dieser Aspekt der Bildung der alleinseligmachende ist. Mit jeder Generation entfernen wir uns mehr und mehr von der Realität.

Diese Entwicklung wird noch dadurch verstärkt, dass die öffentliche Bildung einseitig ein spezielles Begabungsprofil fördert. Begabung als Oberbegriff verschiedener Ausprägungen von Intelligenz und weiterer Fähigkeiten ist nicht in allen Bereichen gleich hoch oder niedrig. Es gibt nicht den intelligenten oder begabten Menschen, er ist es stets nur in Teilbereichen, woraus sich jeweils individuelle Begabungsstrukturen ergeben. 

Es gibt als Normvariante menschlicher Begabungen – soweit sie für Schule und Ausbildung Bedeutung haben – zwei einander ausschließende Extreme: 

Erstens: Sprachliche Begabung mit einzelheitlich-sequentieller Denk- beziehungsweise Verarbeitungsweise.

Zweitens: Mathematisch-naturwissenschaftliche Begabungen mit bildhaft-simultaner Denk-Verarbeitungsstrategie.

Dimensionen der Intelligenz

Neben diesen beiden Extremgruppen dürften in einem breiten Mittelfeld der Bevölkerung viele Personen liegen, die auf unterschiedlichen Intelligenzniveaus keine so ausgeprägten Begabungsschwerpunkte zeigen und die daher nur tendenziell der einen oder der anderen Gruppe zuneigen. Darüber hinaus gibt es weitere Dimensionen der Intelligenz oder Begabungen, die aber in der Schule weniger auffallen bzw. für Versetzungsentscheidungen und Schulabschlüsse praktisch nicht berücksichtigt werden, wie z.B. handwerkliche Geschicklichkeit (die man auch als Chirurg braucht), musikalische Virtuosität, Begabungen für Malerei und/oder bildendes Gestalten, außerordentliche Körperbeherrschung, wie sie sich als Hochbegabung in olympischen Disziplinen zu erkennen geben. 

Das deutsche Schulsystem begünstigt bisher vor allem Individuen mit sprachlicher Begabung und einzelheitlich-sequentiellem Denken in Verbindung mit guten reproduktiven Gedächtnisleistungen.

Einzelheitlich-sequentielle Denk- und Verarbeitungsweisen sind kausale Vorgänge, eine typische Methode ist „Eines nach dem anderen“ mit Fokussierung auf jeweils einen Schritt. Dies ist ein Denken auf einer Ebene, die Zeitachse wird in kleine Teile geteilt, Fern- und Nebenwirkungen des Handelns oder beeinflussende Störfaktoren auf das eigene Handeln werden nicht mit eingerechnet .

Demgegenüber stellen sich Menschen mit bildhaft-simultaner Denkweise Mehrebene-Modelle vor, was bei komplexen technischen Modellen ebenso unerlässlich ist wie in der Welt der Physik, die mit vier Dimensionen oft nicht auskommt. So ist es nicht überraschend, dass Menschen mit dieser Art zu denken in entsprechenden Berufen überproportional häufig vertreten sind.

Einstein dachte in Bildern

Die Unterschiede dieser beiden Denkweisen gehen aber noch deutlich tiefer. Einstein hatte beispielsweise große Mühe, seine Theorien in Worte zu fassen, weil er nicht in Worten, sondern in Bildern dachte. Er sah Dinge vor sich, kristallklar – aber wie soll man komplexe, dynamische und interaktive Systeme mit der Sprache beschreiben, die dafür keine Instrumente vorhält?

Verbal kann man Gedanken nur begrenzt eindimensional-sequentiell äußern, damit sind die Ausdrucksmöglichkeiten beschränkt. Die verbal denkenden Menschen können sich nicht vorstellen, dass Menschen anders denken, dass Begriffe für sie bedeutungslos sind. Das Denken in „Narrativen“ ist führend in der politischen Welt des Westens und komplett abgeschottet von anderen Denkweisen, was umgekehrt übrigens nicht gilt. In der „geisteswissenschaftlichen Welt“ gab es seit der Aufklärung praktisch keinen Fortschritt. Die durch andere Denkweisen geprägte Welt hingegen plant Flüge zum Mars.

C. P. Snow hat bereits 1956 in seinen „Rede Lectures“ über die „zwei Kulturen“ referiert. Er führte aus, dass die naturwissenschaftlich und geisteswissenschaftlich Gebildeten sich in zwei verschiedenen Welten bewegten, die sich so gut wie gar nichts (mehr) zu sagen hätten. 

Der Unterschied zwischen den beiden Kulturen, wie Snow sie beschreibt, liegt nicht allen im ‚bildhaft – ganzheitlichem’ gegenüber dem ‚verbal – einzelheitlichen’ Denken. Es gibt auch eine fast unüberbrückbare Kluft zwischen dem Wissen, das durch naturwissenschaftliche Forschung erlangt und durch Experimente überprüft oder korrigiert wird, und andererseits den Ideen und Theorien der geisteswissenschaftlichen Welt. Wenn solche Theorien nicht überprüft werden oder nicht überprüfbar sind, können sie leicht zu nicht hinterfragten, weil auf Autoritäten zurückgeführten Meinungen werden. So kann eine objektiv falsche Weltsicht, eine Ideologie, entstehen. (Vanselow, Dummer – Smoch, a. a. O. . 95).

Die Gutsherrin und die Armen

Die öffentliche Bildung der gesamten westlichen Welt beruht auf den Humboldtschen Bildungsreformen, die zu seiner Zeit die für den Adel geltenden Ideale auf die gesamten Bildungseinrichtungen übertrug und so zu einer Verfestigung dieser einseitigen, Ideologien fördernden Begabungsstruktur beitrug. Durch die einseitig auf ein sehr eng begrenztes Ideal der „Schöngeistigkeit“ ausgerichtete Bildung wird die Vielfalt menschlichen Denkens und Könnens nicht abgerufen oder gar gefördert. 

Dabei ist es fast drollig, zu beobachten, dass sowohl das Herrschaftsdenken vormaliger Zeit kopiert wird wie auch das mildtätige Wirken der in der Wohlfahrt tätigen Damen. Wenn ich manche PolitikerInnen aus gutbürgerlichem Hause sehe, die sich für sämtliche Armen in der ganzen Welt einsetzen, so kommt mir das Bild der Gutsherrin in den Sinn, die mit dem Korb zu den Hütten der Armen geht, Brot, Obst und gute Ratschläge verteilt und erwartet, dass die Bedachten dankbar ihren Weisheiten lauschen.

Das ganze Verhalten ist strukturell identisch, wurde lediglich institutionalisiert, was den „Vorteil“ hat, dass der eine sich gut vorkommt und der andere dafür zahlt. Die ursprünglich persönliche Gabe und Zuwendung wurde entpersonalisiert. So wurden aus Menschen Nummern und Akten. Durch die Übertragung persönlicher Verantwortung auf eine Gruppe wird der Einzelne zudem nicht besser, sondern verliert neben der Verantwortung für sein Handeln die direkte Rückkoppelung bei Fehlentscheidungen und damit Erkenntnismöglichkeiten.

Vielleicht wäre es klüger gewesen, Humboldt zu folgen, der – was die meisten nicht wissen – Gegner eines allgemeinen staatlichen Bildungswesens war. Humboldt war der Ansicht, dass ein solches Bildungssystem niemals den vielfältigen Talenten und Begabungen gerecht werden könnte. Wer allen das Gleiche gibt, gibt niemandem das Richtige. Außerdem sah er die Gefahr der „Klonbildung“: Wenn man gleich ausbildet, kommt am Ende weitgehend dasselbe heraus. So muss man sich über die Gleichschaltung heute nicht wundern.

Quod erat demonstrandum. 

Foto: Bundesregierung.de

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Leserpost

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Jürgen F. Matthes M.A. / 06.09.2018

Als Sachse,  der seine Erfahrung mit der Diktatur in der DDR gemacht und sich nur durch Mau-erflucht dem drohenden Knast entziehen konnte, habe ich “ein feines Gespür für falsche Töne” und stelle seit längerem fest: Es geht wieder los. 1968 erlebte ich in Westberlin an der Universität den Angriff auf das freiheitliche Bildungssystem. Ideale der offenen Gesellschaft wurden von Studenten, die mit dem Bildungsanspruch der konservativ orientierten Universitäten nicht klar kamen, infrage gestellt und bürgerliche Werte wurden als „faschistoide“ Tendenzen bezeichnet. Unter dem Vorwand einer „kritischen Universität“ erscholl der Aufruf zum Ungehorsam gegen die „Technokraten“  Individuelle Prüfungsrituale wurden durch Gruppenprüfungen ersetzt. Die am Niveau des Kollektivs normierten Absolventen begaben sich dann auf den Marsch durch die Institutionen „Viele wurden Lehrer und Professoren“ stellte die Süddeutsche Zeitung zum 50. Jah-restag der 68er fest. Dadurch sind unsere Bildungssysteme zu kollektiven Erziehungsanstalten für sozialistische Uto-pien geworden, die sich jeglicher wissenschaftlicher Falsifikation entziehen. Die Politik rekrutiert aus diesem Kreis von Schwätzern immer mehr von denen, die immer weniger wissen, bis sie von nichts alles wissen. Denen das relativ Beste nicht genügt, weil sie der Hang zum Absoluten plagt (Schumpeter). Kritik daran oder gar die Forderung der exakten Wissenschaften, daß nur gelten darf, was beweisbar ist, sind seitdem verpönt. Nicht einmal der Diskurs über eine die offene Gesellschaft bedingende Wissenschaftsauffassung nach Popper, der von Albert Einstein und von Kanzler Helmut Schmidt verehrt wurde, findet heute noch statt. Dabei ist Demokratie nur vorstellbar mit Menschen, die den Mut haben, sich ihres „Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen“ (Kant). Den aufgeklärten Bürgern verbleibt gegen das Oktroyieren eines fremden Willens und die Unterdrückung der individuellen Meinung nur noch der Protest. Die nach Emanzipation

Lorin Copperfield / 06.09.2018

Frau Heinisch hat offenbar einen wunden Punkt berührt. Trefflicher, wenn auch geschickt verblümt, kann man das Szenario nach einer, mehrheitlich durch die AfD beherrschten Republik, nicht umreißen. Hoffentlich wird aus dem q.e.d, mit dem die Autorin schließt, kein veritatem aspernari.

Wolfgang Richter / 06.09.2018

Und als Ergebnis dürfen “wir” uns an den Herz erfrischenden Kommentaren einer “Annalena” , eines Habeck (Grün) oder auch eines Klinbeil (SpezialD) und vergleichbaren “Geistern” erfreuen. Da wird Satire zur politischen Realität.

Martin Lederer / 06.09.2018

“Würde also ein maßgeblicher Politiker und ein Teil der Presse sich hinstellen und sagen: „Unsere Herrscherallüren waren deplatziert, die Beleidigungen gingen gar nicht, wir bitten um Entschuldigung“, dann gäbe es eine Chance, aus dieser verfahrenen Situation herauszukommen. Wertschätzung der Ansichten und Erfahrungen der Bürger wäre der Weg aus der Polarisierung.”: Nach allem, was ich in der Politik erlebt habe, funktioniert das so nicht. Was funktionieren würde, wenn die Bürger das machen: In Deutschland z.B. die AfD wählen und die anderen Parteien absolut abschmieren lassen. Das würde dann zu Krisensitzungen in diesen Parteien führen, die alte Führung würde abgesetzt werden und die neue “unbelastete” könnte so tun als wäre das alte nie gewesen und würden sicherlich einen neuen Ton einführen - weil sie es aus der Erfahrung gelernt haben. Menschen ändern sich nur, wenn sie leiden. Parteien ändern sich ebenfalls nur, wenn sie leiden. Und das tun sie nur, wenn sie bei Wahlen abstürzen.

Susanne v. Belino / 06.09.2018

@Gertraude Wenz Genau wie Sie bin ich sehr angetan von Annette Heinischs tief schürfenden Ausführungen. Auch die von Ihnen vorgebrachten Bedenken teile ich. Frau Heinischs doch sehr rigide Trennung zwischen den beiden genannten Bildungsbereichen mag auch ich - in dieser Ausschließlichkeit - nicht recht akzeptieren. Wie Sie bin der Ansicht, dass es durchaus Individuen gibt (gewiss nicht einmal so wenige wie man vielleicht vermuten könnte), bei denen durchaus die so erstrebenswerte Symbiose von natur- UND geisteswissenschaftlichem Denkvermögen anzutreffen ist. Dies ganz sicher nicht immer auf dem jeweilig höchstmöglichen Niveau, aber immerhin. Ich selbst durfte schon den einen oder anderen Zeitgenossen kennenlernen, der beide Denkstrukturen gekonnt und nachgerade beneidenswert in sich vereinte. Auf einem sehr viel bescheideneren intellektuellen Level versuche auch ich mein Bestes. Der Erfolg meiner Bemühungen mag des öfteren zwar eher mäßig ausfallen, dennoch meine ich, ihn ab und an zumindest schemenhaft zu erkennen.

Jürgen Grossheim / 06.09.2018

#Sepp Kneip ob unsere Elite einen neue Rasse schaffen wollen weiß ich nicht. Ich bezweifele das es überhaupt Rassen gibt. Auf alle Fälle wird eine Gesellschaft aus den neu hinzugekommenen entstehen, in der deutsche Tugenden keinerlei Bedeutung mehr haben. Warum sollen sich Menschen aus aufwachsenden Bevölkerungsgruppen, die in 3-4 Generationen wahrscheinlich die Bevölkerungsmehrheit stellen, in ein Absterbendes Volk integrieren. Sie bringen ihre eigene Religion und Kultur mit und verachten die unsrige. Die Schaffung einer neuen Rasse oder des neuen Menschen haben in den letzten 100 Jahren schon andere versucht. Sowohl Nationalsozialisten als auch Kommunisten. Von Hitler bis Pol Pot, Millionen Ermordete. Empfehle hierzu das eBook von Wolfgang Pragel. Der Bausatz des dritten Reiches.

Udo Kemmerling / 06.09.2018

Nett zu lesen, wenn es doch so wäre, und die vergeistigten Herrschaften in Regierung, Parteien und Medien an einer idyllischen Privatuni in Baden-Baden ihr weltfremdes Denken bei Tee und Baiser gelernt hätten. Und nicht, wie in der finsteren und brutalen Realität, an einer knallharten Kaderschule in Moskau. Ich will von “denen” (ohne jetzt einzelne Namen zu nennen, die Liste ist lang aber bekannt) keine Entschuldigung, sondern den sofortigen Rücktritt. Und bei einer Reihe von “denen” erwarte ich ein Strafverfahren. Ich hoffe, das erklärt hinreichend, was ich von Unbelehrbaren halte

Friedhelm Selb / 06.09.2018

“Verschwörungstheorien .. oft Variationen des alten Themas einer „amerikanisch-jüdischen Weltverschwörung“. Viele können sich nur so das gleichgerichtete Verhalten vieler Politiker im In- und Ausland erklären” Das ist natürlich wohlfeil, sich an geeigneter Stelle zu distanzieren und so bei den “vernünftigen” verortet zu bleiben. Gleich noch eine Diffamierung nachgeschoben („amerikanisch-jüdisch”), und schon ist man hoffentlich salontauglich. Immerhin geben Sie zu, dass es im In- wie Ausland gleichgerichtetes Verhalten von Politikern gibt. Konsequent wäre es, zuzugeben, dass eine Verschwörung in so einem Fall ein gleichberechtigt plausibles Erklärmodell ist, das man nur bei Vorliegen von eindeutigen Gegenbeweisen von der Hand weisen kann. Das 20. Jahrhundert hat etliche Verschwörungen gesehen, die leider auch gelegentlich funktioniert haben. Und die hochanständigen und intellektuellen Salondiskutanten meist als erstes Kollateralopfer mitgerissen. Das Thema “Offene Grenzen”, “Abschaffung der Nationalstaaten” (und konsequent: Abschaffung des Privateigentums) steht ganz oben auf der Agenda und in den Statuten einer Vielzahl von einflußreichen politischen Organisationen. Es handelt sich dabei um weitgehend ausformulierte Ideologie bei der davon auszugehen ist, dass zumindest ein harter Kern von Protagonisten sich bewußt zur ihrer Umsetzung “verschworen” hat.

Eugen Karl / 06.09.2018

Mit scheint, daß das deutsche Sulsystem die sprachliche Begabung ebenso fördert wie die naturwissenschaftliche. Das ist nicht der Punkt; denn das war auch schon immer so, also auch zu Zeiten, als das politische Personal noch ein anderes war. Entscheidend ist vielmehr das Akademikerproletariat, das dadurch entsteht, daß nicht mehr 15% eines Jahrgangs, sondern 45% Abitur macht und anschließen in die Universitäten strömt und daß dann diejenigen später in die Politik weiterströmen, die allenfalls durchschnittliche Studienleistungen erbracht haben, weil diese woanders nicht landen können. Sie hätten noch vor 50 Jahren gar nicht erst studiert. Die Überakademisierung ist das Problem, nicht einseitige Begabung.

Corinne Henker / 06.09.2018

@Gertraude Wenz: Ich stimme Ihnen zu. Ich bin als Fachärztin für Nuklearmedizin auf diesem Gebiet zwar nicht so qualifiziert, aber als Mathematik- UND Russisch-Olympiaden-Gewinnerin in der Schulzeit kann ich mir schwer vorstellen, dass sich die beiden Talente tatsächlich ausschließen. Gerade in der Medizin braucht man eigentlich beide Begabungen: die sprachliche, um alle anatomischen Strukturen, Medikamente usw. auswendig zu lernen (und natürlich auch für die Kommunikation mit den Patienten) - die naturwissenschaftliche, um zu verstehen, was da so im Körper abläuft. Natürlich ist nicht bei jedem Kollegen beides in gleichem Maße vorhanden, aber ich fand es in Studium und Beruf immer recht hilfreich. Ich bin kein Einstein und denke mal sequentiell und mal simultan. Mit einem IQ von 137 (99. Perzentile) bin ich aber auch nicht ganz dumm. Und deshalb lasse ich mich auch nur sehr ungern von grünen Studienabbrechern belehren. Im Gegensatz zu diesen kann ich wenigstens meine Fähigkeiten realistisch einschätzen und lasse musikalische, handwerkliche und sportliche Aktivitäten deshalb lieber sein.

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