Gerd Buurmann / 08.12.2022 / 15:00 / Foto: Imago / 16 / Seite ausdrucken

Die unbefleckte Empfängnis Marias

Heute ist der 8. Dezember: Mariä Empfängnis. In Österreich, Liechtenstein und den katholisch geprägten Kantonen der Schweiz sowie in Argentinien, Spanien, Chile, Nicaragua, Portugal, Kolumbien, Italien und Malta ist Mariä Empfängnis ein gesetzlicher Feiertag.

Kaum ein katholisches Dogma wird so weitläufig missverstanden wie das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Marias. Machen Sie mal den Test und fragen Sie, gerne auch einen Katholiken, was das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Marias besagt, und Sie werden mit Sicherheit überwiegend die Antwort hören, das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Marias besage, dass Maria Jesus als Jungfrau empfangen hat.

Falsch! Genau darum geht es in diesem Dogma nicht. Würde es darum gehen, müsste es heißen: „Die unbefleckte Empfängnis Jesu“, da Jesus ja empfangen wurde. Hier aber geht es um die unbefleckte Empfängnis Marias.

Auf natürlich Weise gezeugt, aber ohne Erbsünde

Es kann sich schon allein deswegen nicht um die Empfängnis von Jesus handeln, da Jesus ja nicht mal drei Wochen nach dem 8. Dezember geboren wird. Was aber wird neun Monate nach „Mariä Empfängnis“ am 8. August gefeiert? „Mariä Geburt“!

An „Mariä Empfängnis“ geht also darum, wie Maria von ihrer Mutter Anna empfangen wurde, und die vollständige Bezeichnung des Festes macht es auch deutlich, denn sie lautet: „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.“

Das Dogma der unbefleckten Empfängnis (lat. immaculata conceptio) besagt, dass Maria von ihren Eltern Anna und Joachim zwar auf natürlich Weise gezeugt, dieser Akt jedoch von jedem Makel der Erbsünde bewahrt wurde. Da für Katholiken Maria die Mutter Gottes ist, muss Maria einfach vom ersten Augenblick ihres Lebens an vor der Sünde bewahrt sein, da Gott ja sonst aus der Sünde geboren worden wäre. Geht aber nicht, sagt die Katholische Kirche, und was nicht passt, wird passend gemacht. Die Protestanten sehen das nicht so eng und sagen sich, wenn Gott schon unbedingt Mensch werden wollte, dann bitte auch mit allen Konsequenzen.

Im Evangelium wird die Mutter von Maria kein einziges Mal erwähnt. Sie taucht lediglich in apokryphen Schriften auf. Deswegen ist es bis heute völlig ungeklärt, wie der unbefleckte Zeugungsakt von Maria stattgefunden haben soll. Es ranken sich unglaublich viele Legenden darum. Eine Legende besagt, dass Anna ihren Mann und Züchter Joachim kennenlernte, als er gekommen war, um die Tiere seiner Herde im Tempel zu opfern. Als er seine Schafe im Bethesda-Teich beim Schaftor wusch, sah ihn Anna, die an diesem Stadttor stand. Nach zwanzigjähriger kinderloser Ehe wurde die Ehe jedoch geschieden. Daraufhin zog sich Joachim verzweifelt in die Wüste Juda zurück. Dort soll ihm dann ein Engel das Kommen eines Kindes angekündigt haben, worauf er zu Anna zurückkehrte.

Bretonische Prinzessin

Eine ganz besondere Legende über Anna findet sich in der Bretagne. Dort glauben viele Menschen, dass Anna eine bretonische Prinzessin gewesen sein soll, die während ihrer Schwangerschaft von Engeln ins Heilige Land gebracht wurde, um dort ihre Tochter zu gebären.

Der Journalist Gustave Geffroy berichtete im Jahr 1903, dass Anna mit einem bösen und eifersüchtigen Herrn verheiratet war, der Kinder hasste und keine haben wollte. Als er daher feststellen musste, dass Anna schwanger geworden war, misshandelte er sie und warf sie raus. Anna ging zum Meer, wo sie dann ein Licht sah. Geffroy schreibt:

„Es war ein Boot, das von einem Engel geführt wurde. Sie kam dort an, segelte lange, lange und landete schließlich in Judäa, wo sie die Jungfrau Maria zur Welt brachte.“

Danach soll Anna in die Bretagne zurückgekehrt sein, und ihr Enkel soll sie dort sogar besucht haben. Geffroy berichtet:

„Jahre und Jahre nach ihrer Rückkehr wurde sie von ihrem Enkel Jesus besucht, der gekommen war, um seinen Segen zu erbitten, bevor sie anfing, das Evangelium zu predigen. Jesus ließ auf Wunsch seiner Großmutter einen Brunnen erstehen, in dessen Nähe die Kapelle errichtet wurde, die den Kranken und Elenden Zuflucht bieten sollte. Als Anna starb, suchte man überall, aber vergeblich, nach ihren Überresten; sie wurden erst viele Jahre später beim Baden in den Wellen gefunden, mit Muscheln übersät.“

Jesus war ein Jude, weil seine Mutter Jüdin war. Maria aber kann nur dann eine Jüdin gewesen sein, wenn ihre Mutter auch Jüdin war. Das ist der Grund, warum lokalen Überlieferungen zufolge Anna entweder nach Verfolgung oder zur Buße in die Bretagne reiste und zwar nach La Palue, am Ende der Bucht von Douarnenez.

Wie sich dieser Glaube in der Bretagne entwickeln konnte, führen Kulturwissenschaftler auf die Göttin Ana zurück, die vor der Christianisierung der Bretagne dort als Urgöttin und Mutter der Menschen verehrt wurde. Was aber auch immer am Anfang stand, heute wird die unbefleckte Empfängnis Marias gefeiert. 

Foto: Imago

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Arne Ausländer / 08.12.2022

Zum zweiten, bretonischen Abschnitt: “Der Journalist Gustave Geffroy berichtete im Jahr 1903…” Berichtete… so, so. Angeblich kamen ja die Bretonen erst im 5. Jh. von den Britischen Inseln in die Bretagne. Das aber paßt ja nun gar nicht zum Bericht des Journalisten über Jesus’ Oma. Ist also offensichtlich eine böse, antikatholische Propaganda-Lüge, um das treu-katholische Volk der Bretonen zu delegitimieren. Schließlich sind alle Berichte über die Heiligen, ob in der Legenda Aurea oder anderswo, Wort für Wort die pure heilige Wahrheit. Ganz wie das mit Hilfe einer himmlischen Spezialbrille vom Original auf goldenen Tafeln übersetzte Buch Mormon und der vom Erzengel Gabriel (Jibril) persönlich diktierte Qur’an (sofern sich nicht mal wieder der Sheitan dazwischen drängelte, Jibrils Gestalt annahm und Mohammed satanische Verse über die zu verehrenden Göttinnen von Mekka unterjubelte - was der Hintergrund für Rushdis Buchtitel war). Wer würde wagen, an solch edler Wahrheit zu zweifeln? Zumal wenn doch ein Journalist mittels Hintergrundrecherche die Story mit wertvollen Details abrundet. Ein wahres Werk Gottes! Opus Dei verissima!

Lutz Liebezeit / 08.12.2022

Die Erbfolge ist irgendwann umgestellt worden. Ich will mich nicht festlegen, aber ich meine, das war erst nach Christi Geburt? Der unbefleckte Zeugungsakt hat übrigens ex cathedra petri stattgefunden, das Dogma wurde erst 1854 von Papst Pius IX. verkündet. Wahrscheinlich gab es Zweifel, deshalb verkündete der Papst 1870 noch seine Unfehlbarkeit. Nicht alle Dogmen sind unsinnig. Zumindest können sie einen an das Wesentlichen erinnern. Wir sollten auch nicht den Fehler machen, die Vergangenheit der Kirche aus unserer Gegenwart zu beurteilen. Die Engel, die im alten und neuen Testament herumlaufen, sind natürlich seltsam? Und es finden seltsame Dinge statt? Gibt es wegen der biblischen Ungereimtheiten Gott nicht? Nichtsdestotrotz war das Christentum kulturstiftend. Ohne das Christentum liegt hier nur noch ein Trümmerfeld. Und einen Ersatz für die Zerstörung der alten Werte bringen die sozialdemokratischen Nihilisten nicht mit? Diese Hölle will man hoffentlich nicht als lebenswerten Ersatz für die Vergangenheit verklären?  

G. Kramler / 08.12.2022

Als die Leute noch keine Bildung in logischem Denken hatten, war dieses Thema einfacher. Gott oder den Grünen sei Dank, wird auch dieses Problem bald behoben sein.

Manni Meier / 08.12.2022

Hatte ja mal überlegt, zu den Katholen zu konvertieren. Aber wenn ich das so lese - das ist mir dann doch alles zu kompliziert.

giesemann gerhard / 08.12.2022

Sachen gibt es, Mannomann. Und ich dachte, die proben heute Katastrophenalarm ... .

finn waidjuk / 08.12.2022

“An der Straße nach Madrid saß ein alter Eremit. Er schob die Vorhaut auf und nieder und sang dabei Marienlieder”.

Michael Fasse / 08.12.2022

Danke, Herr Buurmann, für den lehrreichen Artikel. “Im Evangelium wird die Mutter von Maria kein einziges Mal erwähnt.” Stimmt. Auch von der “unbefleckten Empfängnis” wird nichts im Wort Gottes berichtet. Dank der Reformation wurden wir von all den katholischen Legenden und Götzen befreit und wieder zurückgeführt zur Bibel. “Sola scriptura” ist ein wesentlicher Pfeiler der Wahrheit! Das gilt auch in Zeiten der Ökumene und der Postmoderne, wo sich alle nur noch tanzend und selig grinsend auf Kosten der Wahrheit umarmen wollen, und wo die Wahrheit eh keinen mehr interessiert, nach dem Motto: “Du hast deine Meinung und ich habe meine”. Blöd nur, dass es die Wahrheit nicht interessiert, in welcher zeitgeistlichen Verfassung wir uns gerade befinden! Sie ist nämlich eine Person, heißt Jesus Christus und den finden wir NUR in der Bibel und nicht in katholischen Legenden. Luthers warnende Worte haben NICHTS an Aktualität verloren: “Denn wo man das Wort fallen läßt und außer dem Wort nach Christus tappet, so ergreift man den Teufel”!

Arne Ausländer / 08.12.2022

“Unbefleckt” bezieht sich auf die katholische Dämonisierung der Sexualität als solcher. Nur im Kontext dieser dualistischen Sicht auf die Welt wird durch die ganz normale, natürliche Empfängnis jemand “befleckt”. Die Bettücher vielleicht, aber um die geht es ja nicht. Man lese in Genesis (1. Mose) Kapitel 2 u. 3 nach: Die Schöpfung, das Paradies waren erst vollkommen nach der Erschaffung der Frau (Eva), und sofort wurden sie “ein Fleisch” und “schämten sich nicht”. Somit sind auch die sexuellen Deutungen der Schlange und der Versuchung mit dem Baum der Erkenntnis abwegig. Dazu paßt, daß in den Verfluchungen nach der Vertreibung aus dem Paradies die Sexualität zwar mit Schwangerschaft und Geburtsmühsal beladen wird (ganz wie auch die Ernährung nun mühseliger wird). Aber es findet sich in diesen Texten kein Wort der Verdammung von Sexualität an sich. Ganz ähnlich verdammt Jesus den Ehebruch und sogar allein den Gedanken daran, aber nirgends die Sexualität als solche. Die Sexualitätsfeindlichkeit kam erst später in die kirchlichen Vorstellungen, setzte sich erst mit Augustin weitgehend durch, nicht zufällig zu der Zeit, als die Kirche mit der staatlichen Macht fusionierte. Der Zölibat für Priester wurde erst im 11.Jh. durchgesetzt, wobei - gegen alle Moral und Dogmen - die Frauen der zuvor verheirateten Priester in Klöster zwangseingewiesen wurden. Über das so verursachte Elend gibt es genügend zeitgenössische Berichte. Und überhaupt ist aus dem dualistischen Irrweg v.a. der katholische Kirche so viel Leid entstanden, das doch endlich mal Schluß damit sein muß. Zumal auch der Transhumanismus an diesen Irrweg anknüpft, indem er technologische Erlösung aus der bösen sexuellen Befleckung verspricht. (Der Zirkus um das TransSEXUELLE wird oft mißverstanden. Diese verkünstelte Pseudosexualität ist nur als Vorstufe zur Abschaffung jeglicher Biologie gedacht.) - Herrn Buurmann sei sein persönlicher Glaube unbenommen. Aber wozu HIER Werbung für katholische Dogmatik?

Nils Knospe / 08.12.2022

Ach nee, das soll man also nicht denken, dass die da irgendwie.. sondern ganz anders. Amüsanter Artikel. Erinnert mich an Leute, die beispielsweise Aftergeknatter mit Nachnamen heißen, aber behaupten, das käme aus dem Elsässischen und würde “freier Bauer” bedeuten. Oder dieses wunderschöne Gedicht: Ein Bayer saß am Weiher, und wusch sich seine Füße.

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