„Nimmt sich Erdoğan die Massaker Irans an Demonstranten zum Vorbild?“ Das war die Überschrift des Beitrages von Michael Rubin am 6. Februar bei Achgut. Das war auch fast ein Schubser für mich, dazu meine Meinung zu sagen. Die Frage klingt drastisch. Aber wer in diesen Zeiten noch glaubt, drastische Fragen seien übertrieben, hat die letzten Jahre nicht aufgepasst. Regime schießen auf Demonstranten, und zwei Nachrichtenzyklen später sitzen ihre Vertreter wieder an Konferenztischen. Empörung ist heute eine kurze Phase, keine Haltung.
Trotzdem wird die Türkei kein zweiter Iran. Nicht, weil Erdoğan ein Demokrat wäre. Sondern weil die Türkei historisch, gesellschaftlich und institutionell anders gebaut ist. Der Iran ist eine Theokratie, deren Machtarchitektur religiös überhöht ist. Wer dort protestiert, stellt sich nicht nur gegen eine Regierung, sondern gegen eine als göttlich legitimierte Ordnung. Das macht brutale Repression systemisch möglich. Gewalt wird nicht als Scheitern empfunden, sondern als Mittel zur Stabilisierung.
Erdoğan regiert hingegen eine Republik, die auf einer klaren Trennung von Staat und Religion gegründet wurde. Mustafa Kemal Atatürk ist fast neunzig Jahre tot – und doch ist er politisch präsenter als viele heutige Amtsträger. Seine Figur wirkt wie ein historischer Anker, der jede vollständige Islamisierung bremst. Diese Spannung ist real. Und sie erklärt, warum die Türkei trotz autoritärer Tendenzen nicht zu einer geschlossenen Gottesordnung geworden ist.
Das bedeutet allerdings keine Entwarnung. Oppositionelle werden seit Jahren verfolgt, Bürgermeister abgesetzt, Journalisten eingeschüchtert, Verfahren konstruiert, in denen Beweise eher stören als helfen. Das sind keine Einzelfälle, sondern ist Ausdruck eines politischen Willens zur Kontrolle. Doch die Schwelle zwischen harter Repression und offenem Massaker ist hoch – gesellschaftlich, historisch, psychologisch. Was die Türkei bedroht, ist weniger das iranische Modell als eine schleichende Zersetzung.
Erdogan lernt aus der Prinzipienlosigkeit des Westens
Die Wirtschaft verliert an Substanz. Der Lira ist zum Symbol der Instabilität geworden. Der Mindestlohn deckt in vielen Städten nicht einmal die Miete. Gleichzeitig lagern immense Goldbestände in privaten Haushalten. Ein stiller Misstrauensbeweis gegen den eigenen Staat. Offiziell wird gespart, inoffiziell gehortet. Das Land funktioniert nicht mehr durch Vertrauen, sondern durch Improvisation.
Parallel dazu verhärtet sich die Gesellschaft. Millionen Schusswaffen befinden sich in Privatbesitz, registriert oder nicht. Politische Lager sprechen nicht mehr miteinander, sondern übereinander. Nationalisten, Kurden, Islamisten, Säkularisten. Jeder definiert sich zunehmend in Abgrenzung zum anderen. Das erzeugt keine theokratische Geschlossenheit, sondern fragile Balance.
Währenddessen spielt der Westen seine bekannte Rolle. Europa kritisiert, aber kooperiert. Man braucht Ankara als Migrationspuffer, als strategischen Partner, als außenpolitischen Hebel. Washington benötigt die Türkei in der NATO, im Schwarzen Meer, im Nahen Osten. Also wird gerügt, aber nichts riskiert. Man signalisiert Besorgnis und setzt zugleich auf Stabilität um jeden Preis.
Genau das ist der Punkt, an dem sich der Blick nach Teheran lohnt. Erdoğan sieht, wie der Iran trotz massiver Menschenrechtsverletzungen nicht geopolitisch isoliert wird. Er sieht, wie moralische Empörung regelmäßig hinter strategischen Interessen verschwindet. Er sieht, dass der Westen nicht mit Prinzipien, sondern mit Prioritäten arbeitet. Und er lernt daraus. Nicht, dass Massenmord folgenlos bleibt. Sondern dass Machtkonsolidierung selten echte Konsequenzen hat, solange sie berechenbar ist.
Die stille Verschiebung der Grenze des Erlaubten
Innenpolitisch wird parallel an Mehrheiten geschraubt. Alte Feindbilder werden neu sortiert. Nationale Hardliner sprechen plötzlich von Versöhnung mit der PKK, indirekt mit kurdischen Interessen, wenn es arithmetisch nützt. Verfassungsfragen werden nicht als Grundsatzdebatten geführt, sondern als technische Optionen zur Machterhaltung. Die Opposition wird fragmentiert durch Druck, Verfahren oder Kooptation.
Das alles ergibt kein iranisches Szenario. Es ergibt ein System, das demokratische Formen bewahrt, während es die Substanz aushöhlt. Die Türkei wird kein zweiter Iran. Sie ist zu widersprüchlich, zu republikanisch geprägt, zu gesellschaftlich komplex. Aber sie kann sich an einen Zustand gewöhnen, in dem immer härtere Maßnahmen als notwendig gelten, immer neue Eingriffe als alternativlos erscheinen und immer weniger Menschen glauben, dass Widerstand noch etwas verändert.
Und hier liegt die eigentliche Gefahr. Nicht das plötzliche Massaker auf offener Straße. Sondern die stille Verschiebung der Grenze des Erlaubten, Schritt für Schritt, Jahr für Jahr, unter dem wohlwollenden Blick jener, die Stabilität höher gewichten als Freiheit. Wenn eines Tages gefragt wird, wann der Punkt überschritten wurde, wird niemand ein konkretes Datum nennen können. Man wird sagen: Es war ein Prozess. Und wir haben ihn aus strategischen Gründen begleitet, werden dann die EU und die USA sagen.
Beitragsbild: Darafsh - Own work, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein gefestigtes Staatsgefüge wird keine Massaker anrichten, gleich welcher politischer oder religiöser Struktur es ist. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel, wenn Diktatoren Paranoia oder Allmachtsphantasien entwickeln. Stalin, PolPot und Mao sind die besten Beweise.
Das AKP Regime ist erst bedroht, wenn Erdogan der Meinung ist, dass er die Lage nicht mehr im Griff hat. Erst dann wird sich auch herausstellen, ob es ein AKP oder ein Erdogan Regime ist.
Bei dem Militärputsch gegen Erdogan 2017 konnte man sehen, was möglich ist. 173 Zivilisten, 67 regierungstreue Sicherheitskräften und nur 24 Putschisten starben. Das sind recht freundliche Zahlen, die kaum dem entsprochen haben, was allein die Fernsehbilder von den Auseinandersetzungen ergeben haben.
Erdoğan hatte die Lage trotz gespielter Aufregung im Griff. Was danach kam war die Entlassung von 130.000 Staatsangestellten; u.a. alles potentielle Opfer eines Massakers, wenn die Lage sich nicht beruhigt hätte.
Welche Türkei meint der Autor die 1. oder die 2.???
Unnd jetzt, bitte, das über Rottkäpchen….
Die Türkei ist Mitglied der Nato. In die Eu wird sie nie gehen. So blöde sind die Türken nicht, Büttel von Brüssel zu werden. Suche jetzt die Unterschiede zum Iran.
Mustafa Kemal „Atatürk“ hat vor hundert Jahren das osmanische Kalifat abgeschafft, mit Zustimmung des damaligen Parlamentes. Er hatte schon damals erkannt: Der Islam ist unser schlimmster Feind, versaut uns das Leben seit mehr als tausend Jahren. Solange das weder die Türken noch gar die anderen Moslems erkennen, ist Schicht im Schacht, Hopf&Malz; verloren. Die Syrer in DE scheinen das auch zu wissen, deshalb wollen sie nicht zurück – wo doch jetzt dort alles i.O. ist, oder? Gut, sie haben noch eine Aufgabe zu vollbringen: Den fdJihäd, Motto: „Der Leib unserer Mädchen wird uns den Sieg bescheren“, wer hats gesagt? Biografie: Houari Boumedienne/Houari Bu Madyan war ein algerischer Politiker und Staatschef von 1965 bis 1978.
gutezitate///autor/houari-boumedienne. Die Türken mischen eifrig mit. Die Tatsache, dass sich derzeit orthodoxe Russen die Kante geben lässt den Moslem nur noch lauter feixen als eh schon. Der fragt uns: Was is nu mit eurem Christengesäusel, dem verlogenen? Abscheulich.
Der Iran wird ausgehungert, wie das im Irak gemacht worden ist. Das ist die amerikanische Form der Diplomatie.
Der Krieg wird über die Wirtschaft geführt. Weil das „humaner“ ist. Das machen wir hier auch so. Russland wird human sanktioniert, damit die Russen den Hungertod sterben. Es funktioniert nur nicht, weil Putin nicht Jelzin ist.
Dasselbe passiert zur Zeit mit Kuba. In Kuba heißt es dann, die Regierung sei unfähig. Das Szenario erhoffte man sich im Iran, und es hat funktioniert. Das sind Ersatzhandlungen, auf die die Wirtschaftskrieger setzen.
Im Land wird die AfD ausgehungert und mit aggressiven Dohungen überzogen. Nicht nur die Parteimitglieder sollen Angst haben, auch die Wähler. Die Ängste sind vielfältig, soziale Ausgrenzung, De-Banking, Kontaktschuld, Existenzverlust, gewalttätige Überfälle bis zum Totschlag. So ist sie halt, UnsereDemokratie. Da fließt schon mal das Blut durch die Straßen.
Diktatorennettigkeit hat Grenzen. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, wird die Türkei vor allem von Syrern überfremdet? Und die sind ausgesprochen kinderlieb?
In der Türkei sollen 51 Ethnien leben und seit der Volkszählung 1989 wird nicht mehr nach der Muttersprache gefragt.
Allerdings: Der Art. 301 tStGB stellt die „Beleidigung der türkischen Nation, der türkischen Republik und der Institutionen und Organe des Staates“ unter Strafe. Der Artikel gilt als umstritten. An der Praxis hat wohl die Tagesschau Anstoß genommen? Christliche Gemeinschaften werden nicht als Rechtspersonen anerkannt und müssen deshalb immer eine Privatperson als Besitzer von Liegenschaften haben. Auf solchen Wegen sind die christlichen Minderheiten ständig vom Verlust ihrer Einrichtungen (Gebetsstätten,Schulen) bedroht. wiki
Ich wäre nicht so sicher, ob sich der Islam durch schleichende Erosion vielleicht mal aufdrängt?
Die Migrantenwellen waren von langer Hand geplant. Volk ist Nazi, das Ziel der UNO ist eine multiethnische Welt. Kleiner geht es nicht.
Der US-Militär Ralph Peters veröffentlichte 2001 in der Zeitschrift Parameters einen Beitrag über die strategische US-Position im Nahen und Mittleren Osten unter dem Titel „Stability, America‚ Enemy„ und er lieferte in 2005 eine Karte für die Umgestaltung der Region, auf der mit Ausnahme von Israel alle Länder auf der arabischen Halbinsel sowie zwischen Türkei und Pakistan mit ganz neuen Grenzen dargestellt werden. So wie die Theokratie Teherans als Vorwand für die “Neugestaltung„ des Irans herhalten soll, ist es in Istanbul der Fetisch Demokratie, der die Absicht der Zerschlagung des türkischen Staates bemäntelt. Pakistan, Saudi-A. und die Türkei haben kürzlich bereits ein Militärbündnis geschlossen um Ihre Interessen zu schützen. Naftali Bennett sprach in dieser Woche bereits von der türkischen Bedrohung. Die Iranisierung der Türkei steht an.