Die Türkei nennt sich Demokratie. Auf dem Papier stimmt das auch: Es gibt Wahlen, Parteien, ein Parlament, Gerichte und eine freie Presse. Theoretisch.
Praktisch ist die Türkei längst zur Autokratie verkommen, regiert nach den Launen eines Mannes, der ohne Teleprompter nicht einmal zwei Sätze geradeaus sprechen kann.
Recep Tayyip Erdoğan, seit über zwanzig Jahren an der Macht, ist das Gesicht dieser „Neuen Türkei“. Nur: Ob er sie wirklich noch regiert, darf bezweifelt werden. Er liest ab, was ihm seine Ghostwriter auf die Bildschirme projizieren. Weicht er davon ab, brüllt er, flucht und beleidigt. Inhaltlich kommt selten mehr heraus als eine Mischung aus Stammtisch, Drohung und Beschimpfung. Ein Präsident, der seine Macht auf die Fähigkeit reduziert hat, Sätze abzulesen.
Opposition hinter Gittern
Trotz aller Repression hatte die Türkei 2019 einen kurzen Moment der Hoffnung. Die Kommunalwahlen brachten eine Sensation: Die wichtigsten Städte des Landes – Istanbul, Ankara, Izmir, Antalya – gingen an die Opposition. Ein demokratischer Hoffnungsschimmer, ein Aufbegehren gegen das Ein-Mann-Regime.
Heute, keine fünf Jahre später, sind die meisten dieser Bürgermeister entweder im Gefängnis oder politisch kaltgestellt. Wer sie verteidigt, riskiert dasselbe Schicksal. Richter, die Freisprüche wagen, werden über Nacht versetzt oder mit Anfang fünfzig in den Zwangsruhestand geschickt. Anwälte, die zu gründlich recherchieren, Zeugen finden und Beweise vorlegen, landen ebenfalls in der Zelle. Das türkische Justizwesen ist kein Rechtsstaat, sondern ein Kasperletheater – mit dem Unterschied, dass dort nicht Puppen, sondern Menschen eingesperrt werden.
Die neueste Masche: Wer nicht im Knast landen will, tritt einfach zur AKP über. Acht oppositionelle Bürgermeister haben das kürzlich getan. (seit dem 31. März 2025, insgesamt 56 Bürgermeister). Gestern noch gewählt, um Erdoğan Paroli zu bieten – heute ergeben sie sich und wechseln ins Lager des Sultans. Freiheit gegen Parteibuch. Opposition in der Türkei? Ein schlechter Witz.
Vom „Kindermörder“ zum „Herrn Öcalan“
Noch vor wenigen Jahren nannte das Volk Abdullah Öcalan, den PKK-Chef, schlicht „Kindermörder“. Zu viele Väter und Mütter hatten ihre Söhne in den Kämpfen gegen die PKK verloren, zu viele Familien sind bis heute von den Folgen des kurdischen Terrorismus gezeichnet.
Und heute? Plötzlich ist aus dem „Kindermörder“ ein „Herr Öcalan“ geworden. Dieselbe Regierung, die jahrzehntelang im Namen des Anti-Terror-Kampfes bombardierte, massenhaft verhaftete und ganze Dörfer in Syrien und im Nordirak in Schutt und Asche legte – schlimmer als Gaza, nur ohne dass die Weltöffentlichkeit hinsehen wollte –, dieselbe Regierung spricht nun von Friedensgesprächen und nationaler Versöhnung.
Der Chef der ultranationalistischen MHP, jahrzehntelang Erdoğans Koalitionspartner im „Anti-Kurden-Kampf“, hat sich im letzten Jahr plötzlich an diesen Krisengesprächen beteiligt. Heute wird eine „Kommission“ eingesetzt, deren Beschlüsse zwar geheim bleiben, aber allen klar ist: Fast alles, was früher als Hochverrat galt, wird jetzt stillschweigend zur neuen Staatsräson erhoben. Man kündigt Ergebnisse an, die dann zehn Jahre unter Verschluss bleiben sollen – weil sie so brisant sind, dass man sie dem Volk heute nicht erklären könnte.
Die Konsequenz ist grotesk: Fast 20.000 PKK-Häftlinge sollen freigelassen werden, täglich kommen weitere dazu. Und der Gipfel der Absurdität: Es ist ernsthaft im Gespräch, ehemalige PKK-Mitglieder, die nicht direkt an Terrortaten beteiligt waren, nun zum türkischen Militärdienst einzuziehen. Terroristen als Wehrpflichtige – so sieht der Zynismus der Macht aus.
Die Kurden sollen Erdogans Wahl retten
Was bleibt, ist ein gespaltenes Land, das nun noch tiefer gespalten wird. Natürlich will niemand Terror, natürlich will jeder Frieden. Aber Terror gab es in den letzten Jahren ohnehin nicht mehr – er wurde nur rhetorisch am Leben gehalten, um Bombardierungen und Repressionen zu rechtfertigen. Heute wird alles, was war, auf Null gestellt, als hätte es nie existiert.
Der Hintergrund ist durchsichtig: Erdoğan will die Kurden einbinden, um seine Mehrheit zu retten. Nur so kann er sich noch Wahlen zutrauen – und auch die nur dann, wenn er sicher ist, mit hundert Prozent Wahrscheinlichkeit zu gewinnen. Eigentlich dürfte er nach der Verfassung gar nicht mehr antreten, außer bei Frühwahlen. Ob er dieses Risiko eingeht, ist fraglich. Und so läuft es wohl darauf hinaus, dass man „eine Lösung“ findet, um Wahlen ganz zu umgehen – und Erdoğan einfach weitermachen zu lassen.
Die Türkei steuert damit auf Verhältnisse zu, die man vom Libanon kennt: ein Land voller religiöser und ethnischer Bruchlinien, aufgeteilt in Zonen, in denen mal diese, mal jene Miliz die Kontrolle hat. Damals nannte man es „Bürgerkrieg“. Heute nennt man es wahrscheinlich „neue Stabilität“.
Wirtschaft am Abgrund
Noch verheerender ist die wirtschaftliche Lage. Die türkische Lira verliert Monat für Monat dramatisch an Wert. Was früher 1 Euro kostete, kostet heute 35, morgen 40, übermorgen 50 Lira (derzeit ca. 47 TL).
Die Türkei war einst ein Land, das sich mit Agrarprodukten selbst versorgte. Heute ist sie vollständig importabhängig. Saatgut, Dünger, Pestizide – alles muss teuer aus dem Ausland beschafft werden. Die paradoxen Folgen: Die Türkei exportiert hochwertiges Getreide ins Ausland, weil dort mehr gezahlt wird – und importiert Billigware zurück, weil sich die eigene Bevölkerung das heimische Brot nicht leisten kann.
Der Mindestlohn reicht nicht mehr zum Leben. In vielen Städten liegt die Miete bereits über dem Lohnniveau. Wer arbeiten geht, zahlt gerade noch den Vermieter – und hungert trotzdem. Das Land steuert direkt auf Massenarmut zu.
Beton frisst Oliven
Und die Regierung? Sie rodet Wälder, zerstört Olivenhaine, erklärt Natur zu Bauland. Beton ist die Religion des politischen Islam: Wo nichts wächst, wächst wenigstens der Profit. Gebaut wird nicht für Türken, sondern für Russen, Ukrainer, Araber – und für die zehn Millionen Flüchtlinge im Land, die oft mehr Rechte genießen als die einheimische Bevölkerung.
Ein Volk wird arm und rechtlos gemacht, während Millionen Fremde versorgt werden. Kommt Ihnen das bekannt vor? Ja, in Deutschland läuft das Muster ähnlich – nur eleganter verpackt.
Eliten mit Zweitpässen
Die Profiteure sitzen in Ankara, Istanbul und Izmir. Rund zehn Prozent der Bevölkerung – die politische und wirtschaftliche Elite – bereichert sich maßlos. Diese „Creme de la Creme“ hat längst vorgesorgt. Viele besitzen teure Ausländerpässe, gekauft in Malta, Portugal oder Karibikstaaten. Sollte die Türkei tatsächlich explodieren, sind sie schon weg. Das Volk bleibt zurück mit Armut, Schulden und Beton.
Früher war der Tourismus ein Rettungsanker. Heute zerstört die Inflation jede Planung. Hotels können kaum noch kalkulieren, Gäste bleiben weg, Kapazitäten bleiben halbleer. Selbst mitten in der Saison. Wer sich eine Woche Türkei-Urlaub leisten kann, fragt sich mittlerweile, ob Griechenland oder Spanien nicht sicherer, stabiler – und letztlich günstiger ist. Im Zeitraum Januar bis Juli gingen die Hotelübernachtungen ausländischer Besucher um 9 Prozent und die inländischer Touristen sogar um 28 Prozent zurück, so Germany Trade & Invest (GTAI).
Die Türkei ist wirtschaftlich längst bankrott. Sie lebt nur noch vom Wohlwollen der Banken, die ihre Kredite nicht abschreiben wollen. Würde Ankara pleitegehen, käme eine Kettenreaktion in Gang, die auch europäische Institute in Schwierigkeiten brächte. Also hält man den Patienten künstlich am Leben.
Doch der große Knall ist programmiert. Wenn er kommt, wird er nicht nur die Türkei erschüttern, sondern Europa gleich mit. Denn Erdoğan stützt sich auf Nationalisten, Islamisten und Milizen. Sollte er fallen, droht ein Bürgerkrieg.
Und die Folgen würden direkt in Deutschland ankommen: Millionen Türken, Kurden und Araber, die hier leben, würden die Konflikte im Gepäck haben. Wer glaubt, dass sich das alles auf Anatolien beschränkt, verkennt die Realität.
Europa schaut weg
Brüssel und Berlin schauen trotzdem weg. Aus Angst. Angst davor, dass Erdoğan die Schleusen öffnet und noch mehr Migranten Richtung EU marschieren. Deshalb wird das Regime am Tropf gehalten. Man bezahlt lieber, als die Realität zur Kenntnis zu nehmen.
Es ist dieselbe Haltung, die wir aus Deutschland kennen: Probleme nicht lösen, sondern vertagen. Nur ist die Türkei kein Land, das man mal eben mit ein paar Milliarden durchfüttert. Sie ist ein Pulverfass mit 85 Millionen Menschen, zehn Millionen Flüchtlingen, einer kollabierenden Wirtschaft und einer religiös-nationalistischen Führung.
Erdoğan wird bleiben, bis ihn der natürliche Tod abholt. Danach bleibt ein ausgeplünderter Staat zurück, voll Schulden, Beton und innerer Zerrissenheit. Europa wird dann wieder tun, was es am besten kann: bezahlen.
Man könnte fast sagen: Die Geschichte wiederholt sich. Früher haben sich Briten, Franzosen und Italiener die Türkei aufgeteilt. Heute geschieht es ohne Krieg – über Abhängigkeit, Verschuldung und Korruption. Nur dass diesmal Europa mit am Tisch sitzt.
Ahmet Refii Dener ist Türkei-Kenner, Unternehmensberater, Jugend-Coach aus Unterfranken, der gegen betreutes Denken ist und deshalb bei Achgut.com schreibt. Mehr von ihm finden Sie auf seiner Facebookseite und bei Instagram.

Tendenzen gehen auch in Deutschland immer stärker in diese Richtung.
Tauschen Sie den Namen des Landes „Türkei“ in Ihrem Beitrag auf …(Autozensur)…
Die meisten werden das jetzt nicht glauben, aber Deutschland befindet sich in einer ähnlichen Situation, die nur noch nicht so weit fortgeschritten ist. Sich aus Gründen der enormen Finanzreserven naiv an die Araber einfach so ranzuwerfen, fordert seinen Tribut. Die arabische Welt tickt völlig anders als der Westen. Auch anders als die ehemalig laizistische Türkei. Wenn man den Arabern die Tür aufmacht, muss man wissen worauf man sich einlässt. Man importiert das gesamte Biotop mit und das schließt sich dann bisweilen mit Ebenen in unseren Bereichen zusammen, wo man es niemals erwarten würde und die dann desaströs wirken. Und wenn man damit nicht umgehen kann, wird man dabei nicht reich, sondern geht als Nation unter. Erdogans Wähler haben aufgrund seines Jahrzehnte langen Kurses eine Erwartungshaltung, die er letztlich nicht erfüllen kann. Darum auch die Entscheidungen im Hinterzimmer unter Verschluss. Den Schulterschluss mit den Kurden werte ich nicht als Erschließung von Wählerpotential. Wer den alten inneren Feind mit ins Boot holen muss, der hat offenkundig ein viel größere Problem und sucht sich dagegen neue Allianzen. In der Tendenz ist vergleichbares bei uns auch schon länger Phase. Nur viel dezenter und weniger sichtbar. Noch. Die Zahnräder verschiedener kultureller Uhrwerke international einfach so ineinander zu verschachteln, führt nicht unbedingt zu einem besseren Uhrwerk, sondern manchmal auch zu einem Desaster. So wie vor 24 Jahren. Was im Nahen Osten bereits kaum zu kontrollieren ist, ist es in Europa noch viel weniger. Das Problem muss entschärft werden. In jedem Fall. Im Interesse aller Seiten.
„Natürlich will niemand Terror, natürlich will jeder Frieden.“ --- Wie naiv man sein kann …
„Angst davor, dass Erdoğan die Schleusen öffnet…“ Man kann ja auch selbst „Schleusen“ bauen und sich schützen. Aber das geht nicht weil man dann böse ist. Oder „wir können die Grenzen nicht schützen“ aber Erdogan anscheinend schon. Zumindest in die eine Richtung. Alles Humbug.
Türkei, Meldung propagandaschau.de, „Ernteausfälle, Hitze macht (den armen, S.R.) Haselnüssen in der Türkei zu schaffen, Stand: 22.08.2025 17:08 Uhr
Extremes Wetter könnte sich schon bald auf die Preise von Nuss-Nougat-Produkten auswirken: Denn schlechte Ernten lassen die Preise zum Teil kräftig ansteigen – in der Türkei hat es die Haselnuss erwischt.“ Das ist doch einmal eine Klima-Meldung? Konjunktiv? Es wäre doch keine Propaganda gewesen, der
Klimawandel hat in der Türkei die Haselnuss getroffen, mit voller Wucht? Erdogan? Ist gegen Trump und Netanyahu! Guter Mann?
In der Türkei würden so viele Fremde versorgt, und diese genössen mehr Rechte als Einheimische?
Woanders liest man, die Türkei ließe sich den Aufenthalt v.a. der Syrer teuer bezahlen von der EU, außerdem nutze man die Syrer als äußerst billige Arbeitskräfte aus. Irgendwo widerspricht sich was.