@J.Brandenburg “Wo ist die Justiz?“Antwort:Bei Merkel!
Vieles richtig, gute Fragen, die Hoffnung ist aber illusorisch. Das Bild des Rückfalls ins 16. Jahrhundert stimmt nur partiell. Es gibt eine Institution, die seit dem 16. Jahrhundert unaufhaltsam an Macht, relativer Personalstärke (relativ zur Bevölkerungsanzahl), Regulierungstiefe und Regulierungsbreite gewonnen hat: Der Staat. Das hängt sehr eng zusammen mit dem gewaltigen technischen Fortschritt, dem starken Produktivitätszuwachs, dem weltweiten Bevölkerungszuwachs und der weltweiten Vernetzung (Information, Energie, Rohstoffe, Fertigprodukte, Menschen, ... ). Diese Randbedingungen werden sich irgendwie auswirken. ++ Ich wage eine Prognose. Der Totalitarismus breitet sich weltweit aus, nicht gleichmäßig, sondern mit lokal unterschiedlicher Geschwindigkeit. Die Systeme werden am Ende eine Art modernisierter Stalinismus sein (die säkulare Variante) oder eine Art sakraler Sozialismus (i.e. sozialistischer Gottesstaat, die sakrale Variante, am ehesten kommt der Islam in Frage). Bis auf weiteres gibt es keine Weltregierung, sondern es werden große Brocken sein, so etwa wie die EU, China, Russland, USA, ... und einige kleinere dazwischen - wobei beide Varianten gleichzeitig auftreten können. Sie werden aber relativ gut kooperieren (bis auf Rangeleien, Drohungen, ökonomische Auseinandersetzungen), und zwar über supranationale staatliche Organisationen wie z.B. die UNO. Die Kooperation ist notwendig, weil ein totaler Krieg mindestens einen Kontinent platt machen würde. Was zu gefährlichen Instabilitäten führen könnte, sind revolutionäre Bewegungen (säkular oder sakral). Ansonsten ist das System ziemlich stabil, wobei sich aus kleinere Staaten größere Brocken bilden können, dabei kann es schon mal knirschen.
Wer die Geschichte nicht kennt ist dazu verdammt die alten Fehler zu wiederholen.
16.Jh??—Da gab es doch die Bauernkriege, eine echte deutsche Revolution!!
Der Mensch ist nach wie vor das Steinzeitwesen mit der Ausstattung für eine Horde von 30 Personen, die zivilisatorische Tünche ist nicht nur dünn, sondern auch lückig. Denken strengt an, Glauben nicht, Beharrung wird nur in echter Not zugunsten Veränderung aufgegeben - ” ich werde schon davonkommen”, und die Vermassung hat entscheidend die sklavische Natur befördert, Freiheit strengt an—in den Schlußversen von Faust II findet sich dazu ein schlüssiger Satz. Ratio/Vernunft sind immer nur wenigen zu eigen… Und die (schulische) Erziehung der letzten Jahrzehnte hat versagt, versagt, versagt. Nun heißt es, die 1000 Idioten allein zu lassen, das Lachen nicht zu verlieren im Rahmen des persönlich Möglichen zu agieren , um den Bösen ( jawohl) den Triumph nicht zu gönnen.
Im Vorwort an die britischen Leser schreibt Packard: “Americans have become the most manipulated people outside the Iron Curtain” (Die Amerikaner sind das meistmanipulierte Volk jenseits des Eisernen Vorhangs geworden). In bezug auf das Konsumverhalten mag das stimmen. In der politischen Ausrichtung nicht, denn die USA marschierte nie und auch derzeit nicht unisono in eine bestimmte Richtung. 4) Den Verlust des jüdisch-christlichen Fundaments halte auch ich ausschlaggebend für die derzeitige Misere. Selbst nicht religiös (bereits 1974 trat ich aus der protestantischen Kirche aus), bemühe ich mich dennoch, so zu leben, als existiere Gott. Dostojewski spielt die Folgen von Nietzsches Ausspruch “Gott ist tot!” in seinen Romanen durch, (ganz besonders in “Die Dämonen”). Menschen haben ein religiöses Bedürfnis. Sie stehen ständig vor der Frage nach dem Sinn (Viktor E. Frankl). Was sollte die Letztbegründung für Artikel 1 GG “Die Würde des Menschen ist unantastbar” sein? 5) Die Realität wird sich durchsetzen. Sie setzt sich schließlich immer durch. Es sieht jedoch zurzeit so aus, als steuerten wir auf einen Zusammenbruch zu. Wie es danach weitergeht? Die Zusammensetzung der Bevölkerung und die weitere demographische Entwicklung können hier einen Hinweis geben. 6 ) Erich Kästner schrieb 1932 das Gedicht ‘Die Entwicklung der Menschheit’ - seine Aussage bleibt wohl für alle Zeiten wahr. WELT KMPKT meldet heute im Artikel “Von diesem Elternteil erben Kinder ihre Intelligenz”, dass sich die Intelligenzgene auf dem X-Chromosom befinden, und Frauen haben zwei davon. Freuen Sie sich, Frau Heinisch! Zum Glück habe ich eine intelligente Frau, die ihre Intelligenz an unsere zwei Söhne weitergegeben hat. Diese haben ebenfalls zwei intelligente Frauen geheiratet und ihre Intelligenz an unsere vier Enkel weitervererbt. Ich kann also beruhigt sein.
Ein paar Anmerkungen zu Ihrem klugen Essay: 1) Politikern ist das Gefühl der Scham hinderlich, falls sie es denn überhaupt noch empfinden. Es geht ihnen darum, entweder die Macht zu erringen, oder sie zu bewahren. Sich für etwas zu schämen, bedeutete, Schwäche zu zeigen, und dies würde ihre Karriere und ihre Einkünfte ( ! ) als Berufspolitiker gefährden. 2) Gustave Le Bons Werk erschien 1895. Sie zitieren ihn u.a. mit dem Satz “...und die Zeitungen spiegeln nur die öffentliche Meinung wider”. Ende des Jahres 1894 wurde in Frankreich Alfred Dreyfus zu lebenslanger Haft und Verbannung verurteilt. Ohne den Einsatz Emile Zolas (J’accuse!, 1898), Clemenceaus, eines integren Geheimdienstlers u. a. der linken Presse -über Jahre hinweg - gegen die öffentliche Mehrheitsmeinung wäre Dreyfus niemals frei gekommen (der Polanski-Film ist sehr sehenswert). Ich erinnere auch an die durch Journalisten aufgedeckte Watergate-Affäre. Intellektuelle und Journalisten müssen sich entscheiden, ob sie mit oder gegen den Strom schwimmen wollen, und das Aus-dem-Glied-scheren bringt fast immer berufliche Nachteile mit sich. 3) Neben Le Bon und Bernays würde ich auch noch Vance Packard mit seinem Buch “The Hidden Persuaders” (1957) nennen (“Die geheimen Verführer - Der Griff nach dem Unbewussten in jedermann). Er beschäftigt sich zwar hauptsächlich mit der Rolle der Werbung in der Konsumgesellschaft, geht jedoch in einem Kapitel auch auf die politische Werbung ein. Diesem Kapitel setzt er ein Zitat des Professors Kenneth Boulding an der Universität Michigan voran: ” A world of unseen dictatorship is conceivable, still using the forms of democratic government” (etwa: eine Welt der unsichtbaren Diktatur, die noch die Formen der demokratischen Regierung nutzt, ist denkbar.
“Opfer der vorherigen Diktatur nehmen dies ebenso wie die rigiden Coronamaßnahmen besonders übel, deshalb sind die Wahlergebnisse in den neuen Bundesländern auch besonders schlecht.” Das sieht Wolf Biermann, gestern 85 geworden, etwas anders. Er war schließlich über Jahrzehnte - z.T. unfreiwillig - Wanderer zwischen den Welten , wortgewaltig und ein großartiger Interpret seiner Texte, immer nahe dem Zeitgeschehen. Dass im Osten Deutschlands die Menschen den staatlichen Freiheitsentzug kritischer sehen als die Wessis, kommenti er so: “Jetzt , wo es nichts mehr kostet, haben einige Menschen im Osten die große Fresse und einen geschrumpften Verstand.” In dem Interview der Berliner “Mottenpost” diffamiert er die Querdenker und die AfD als Erben der Nazi - Diktatur. Merkel, die Erleuchtete, ist aus Biermanns Sicht mit der Welt im Reinen und war sehr erfolgreich als Kanzlerin.(Er durfte mal eine Laudatio auf sie halten.) Und prophetisch fand er schon vor drei Jahren , dass Scholz geeignet wäre, das “...Schiff Deutschland zu lenken.” Nach der Lektüre fragt man sich ernsthaft, ob man Nachsicht mit dem Greis walten lassen sollte, da er ja offensichtlich vom Zeitgeschehen in andere Sphären aufgerückt ist. Biermann war über Jahrzehnte Hoffnung und Richtschnur für “DDR ” - Bürger. Nun allerdings sind sein Aussagen nicht einmal angekränkelt von des Gedankens Blässe, um Shakespeare einmal abzuwandeln.
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