Konzertmeister Lorenz Nasturica-Herschcowici hat die Münchner Philharmoniker verlassen. Angeblich war die Trennung „einvernehmlich“, also teuer.
Seit dem Rauswurf Valery Gergievs wegen dessen Nähe zu Putins Machtapparat sind die Münchner Philharmoniker, eines der bedeutendsten Kulturorchester Deutschlands, ohne Chefdirigenten. Die Stadt, genauer gesagt das Münchner Kulturreferat und der von Grünen und SPD dominierte Stadtrat, suchen derweil einen Nachfolger, idealerweise wohl eine Nachfolgerin. Möglicherweise hat man die in den Medien gehypte Dirigentin Oksana Lyniv im Auge, die an diesem Wochenende die Saison der Philharmoniker in der Isarphilharmonie eröffnen wird. Sie hat zwei gewichtige Vorteile: Sie ist eine Frau und sie ist Ukrainerin. Ihr Nachteil: Das Orchester, so ist zu hören, lehnt sie ab, weil sie nicht dirigieren könne und international nicht bekannt genug sei.
Derweil muss der Klangkörper, der unter dem rumänischen „Klangzauberer“ Sergiu Celibidache zu den angesehensten der Welt gehörte, einen weiteren Abgang verzeichnen. Wie gemeldet wurde, hat der langjährige, noch von „Celi“ zu den Philharmonikern geholte Konzertmeister Lorenz Nasturica-Herschcowici das Orchester verlassen. Zu den Gründen, so ist in einer von der Münchner Abendzeitung veröffentlichten Agenturmeldung zu lesen, wolle sich die Stadt nicht äußern. Mit seinem Wuschelkopf, seiner ausladenden Körperlichkeit und seiner unbändigen Lust am Musizieren gehörte der „Teufelsgeiger“ – wenngleich persönlich unter seinen Kollegen wohl nicht unumstritten – seit dreißig Jahren zu den Aushängeschildern des Orchesters.
Die städtische Geheimniskrämerei mag juristisch motiviert sein, doch die Gründe für Nasturicas Abgang sind nicht unbekannt. Nicht nur die Achse des Guten berichtete schon im Mai, dass Nasturica geschasst wurde, weil er seine (völlig legalen) Nebenjobs als Gastkonzertmeister des St. Petersburger Mariinsky-Orchesters und des ebenfalls am Mariinsky-Theater beheimateten Stradivarius-Ensembles und seine enge Zusammenarbeit mit Gergiev nicht aufgeben wollte. Als die Münchner Stadtpolitik nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine darauf aufmerksam gemacht wurde, hieß es zunächst, an Nasturicas Engagements in Russland sei juristisch nichts auszusetzen. Wenig später wurden dem Geiger nach einer „nochmaligen rechtlichen Prüfung“ dann aber doch die „angezeigten Nebentätigkeiten im Zusammenhang mit dem Mariinsky-Orchester“ untersagt.
Teurer Rauswurf auf Kosten des Steuerzahlers
Wie die Achse jetzt aus Kulturkreisen erfuhr, wollte Nasturica darauf nicht eingehen und wehrte sich juristisch gegen das Verbot und einen drohenden Rauswurf bei den Philharmonikern. In einem Bericht auf BR-Klassik ist die Rede davon, dass man sich nun „einvernehmlich“ getrennt habe. „Einvernehmlich“ bedeutet, dass die Stadt dem Musiker offenbar eine hohe Abfindung zahlen musste. Die diesbezügliche Forderung Nasturicas habe, wie der Achse bekannt wurde, bei einer Million Euro gelegen. Wie viel Geld tatsächlich geflossen ist, ist nicht bekannt, weil beide Seiten (strafbewehrtes) Stillschweigen vereinbart haben. In jedem Fall dürfte es sich um einen hohen sechsstelligen Betrag handeln – aus Steuergeldern, versteht sich.
Um Nasturica mürbe zu machen, soll auch innerhalb des Orchesters Druck auf den Musiker ausgeübt worden sein, es ist sogar von Mobbing die Rede. Angesichts dessen können die guten Wünsche der Stadt für Nasturicas Zukunft nur als an Zynismus grenzende Heuchelei gewertet werden. In die gleiche Kategorie fällt auch das Statement von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der einen Tag vor Bekanntwerden der Trennung von Nasturica der Bild-Zeitung gesagt hatte, dass Gergiev keine juristischen Schritte gegen die Stadt eingeleitet und sein Rauswurf die Stadt „keinen Cent“ gekostet habe.
Passend dazu ein fast höhnisch zu nennender Kommentar des BR: „Wirft man einen Blick auf die Besitztümer und die üppigen Honorare, hat Gergiev das wohl auch gar nicht nötig.“
Doch darum geht es nicht. Es geht um die Einhaltung von Verträgen, von Recht und Gesetz. Lorenz Nasturica-Herschcowici hat sich auf dieses Recht berufen – offenbar erfolgreich und zum Schaden der Münchner Steuerzahler.
Beitragsbild: Pixabay

@ Claudius Pappe : diese Woche sah ich mit UK : einen nagelneuen dicken Range Rover SUV ,mit Extras ; einen rel. neuen Citroen Saloon ; ein brandneues kleineres Auto .(die beiden l letztgenannten Fahrzeughalter waren Kunden bei der sog. Tafel) , Fahrer im besten Soldatenalter.
Claudius Pappe, UK ist NICHT Ukraine. UA ist Ukraine.
Rechtsstaatlichkeit und demokratische Grundordnung haben Deutschland wieder einmal verlassen.
Unsachlicher Kommentar: Was – diese Nachfolgerin ist eine „echte“ Frau – und dazu etwa nicht einmal maximal pigmentiert? Da muss doch eine geeignetere Person zu finden sein! Ukrainerin allein reicht mir nicht.
Wären die Aufpasser nur bei der Dokumenta so gewesen. Das Mariinsky Theater kenne ich seit 3 Jahren, als man den Nussknacker von Tschaikowski in D als rassistisch vermiesen wollte. Da habe ich die wundervolle Aufführung in St. Petersburg unter dem Dirigat von Gergiew gefunden, Ein Traum. Auch Gergiew beim Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker war einfach Klasse. Wenn gute Musiker zusammen kommen, kann man schon Seelenstreicheln erleben. Neid und Mißgunst unter Künstlern ist eher die Regel. Ein Konzertmeister sowas kann jeder Geiger, jaja, und ideologiebesoffene Politiker sowie so.
„Nachteil: Das Orchester, so ist zu hören, lehnt sie ab, weil sie nicht dirigieren könne“ – wo liegt das Problem? Wie sind ja in D. wo man Ignoranz und Korruption als vorteilhaft sieht – mindestens wenn man die Wahlergebnisse kritisch betrachtet. Bei Orchester gibt es bestimmt Unruhestifter die man dann entlassen kann. Der Rest wird schnell lernen. Haben wir mindestens letztens bei ein Paar kritischen Beamten und einem Richter gesehen.
München halt, die Stadt der Arschgeigen.