Montagabend im Ersten: Ingo Zamperoni eröffnet die Tagesthemen mit folgenden Sätzen: Zwei Wochen ist es her, dass US-Präsident Trump den Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran verkündete und damit diejenigen vor den Kopf stieß, die den Vertrag in diplomatischer Schwerstarbeit ausgehandelt hatten.
Hat er echt gesagt, in diplomatischer Schwerstarbeit. Die Vertreter der fünf UN-Vetomächte, der Bundesrepublik und der Islamischen Republik Iran rackerten sich jahrelang ab, nächtigten in schäbigen Pensionen, futterten Fast Food und gönnten sich nicht einmal einen Besuch im Hotel Orient, verzichteten also auf alles, was das Leben lebenswert macht, nur um am Ende von dem „Hassprediger" (Steinmeier über Trump) vor den Kopf gestoßen zu werden. Ja, Undank ist der Welten Lohn.
Aber der Ami ist nicht nur ein Brutalo, er fährt auch im Alleingang und immer stärker auf Kollisionskurs zu denen, die noch immer politische Partner sind. Deswegen muss, bevor der Bericht aus Washington über den neuen Außenminister Mark Pompeo losgeht, den Tagesthemen-Zuschauern gesagt werden, wie sie den Bericht verstehen sollen. So was nennt man beim NDR neuerdings „Kontextualisierung". Dieser Service ist in der Demokratie-Abgabe inbegriffen.
Was ist es aber konkret, das die USA vom Iran fordern? Das wird in dem Bericht immerhin ausformuliert: Die Urananreicherung komplett aufzugeben, das Raketenprogramm zu beenden und sich aus dem Jemen und aus Syrien zurückzuziehen.
Das sind wirklich ungeheure Forderungen an ein Regime, das für seine Friedfertigkeit und seine Liebe zur Wahrheit ebenso berühmt ist wie für seine humanen Hinrichtungsmethoden. Mit einem solchen Regime einen Vertrag auszuhandeln, in dem es sich zur Mäßigung verpflichtet, muss das reine Vergnügen sein. Die Schwerstarbeit fängt erst da an, wo Ingo Zamperoni die Geschichte in den Tagesthemen vorstellt.
Beitragsbild: Unbekannt Link. Via Wikimedia Commons

Ich glaub unser Herr Bundespräsident hat mal wieder alles verwechselt ; Der Herr "Silberrücken" meinte wohl mit Hassprediger die aktuelle iranische Delegation , die er im Schloß Bellevue staatsmännisch empfangen hatte. Wahrscheinlich war er noch in Gedanken beim deutschen (oder türkischen ?) Fußball , nachdem er sicherlich tiefgründige Gespräche mit Herrn Özil und Herrn Gündogan geführt hat. Ist doch auch völlig egal , ob Trump , Erdogan oder die Zeugen Jehovas , irgendeiner muß ja Schuld sein , wenn die SPD Richtung 10 % geht.........
Zamperoni zieht manchmal sein Gesicht in Falten, als ob er selbst nicht mehr alles glaubt, was ihm seine Meinungsdiktatoren in der Redaktion vorschreiben. Bestimmt liest er zum Faktencheck bei achgut!
Diesen Kommentar, Herr Broder, halte ich für etwas kleinkarriert. Ob man von "diplomatischer Schwerstarbeit" oder, was vielleicht zurückhaltender und angemessener gewesen wäre, von "langwierigen diplomatischen Verhandlungen" spricht, halte ich nicht für so wichtig. Und aus der Tatsache, dass die Diplomaten, zumindest nach Ihrer Ansicht, unangemessen aufwendig bewirtet und beherbergt wurden, könnte man auch Neid heraus lesen. Aber bekanntlich ist jemand ohne Neider einfach nur schlecht. Allenfalls den Vorwurf, dass die Berichterstattung über die konkreten Forderungen der USA und Israels an den Iran und die Einwände der übrigen, am Abkommen Beteiligten, nämlich die einseitige Auflösung eines bestehenden Abkommens, zu kurz kommt, ist vielleicht berechtigt.
Darum schalte ich Herrn Zapperoni und seine Kollegen nicht mehr ein und lese bei Ihnen Herr Broder! Wenn die Haltung Deutschlands lieber keine Atomwaffen zu besitzen, so selig macht, frage ich mich, warum konnte Steinmeier die Iraner damals nicht überzeugen? Wirklich keine guten Zeiten neuerdings für die Tagesthemen, wie will man noch Weltnachrichten präsentieren, wenn es nur noch Schurkenstaaten außerhalb der EU gibt, sowie welche innerhalb, die nicht nach Juncker, Schulz und Merkel tanzen! Ich fasse mal kurz zusammen, Iran= Atommacht, USA= Trump, Rußland = Putin, Nordkorea= Kim ILL, Syrien = Assad, Türkei = Erdogan, Ungarn = Orban, Polen= Morawiecki, Österreich= FPÖ, GB= Brexit, Italien= Conte (Lebenslauf geschönt!) ...... Ich unterbreche die kurze Aufzählung. Verständliche Paranoia beim NDR! Aber leider ist das ja nicht alles an redaktioneller Alltagsproblematik 2018, über gewisse Vorfälle im Inland möchte man ja auch nicht berichten. Politik geht auch nicht, wegen AFD. Und noch dazu kritische neue Konkurrenz, wo ein Henryk M. Broder sämtliche Intendanten, Sekretärinnen und Chefredakteure mit seinen Fragen von der Arbeit abhält. Es wird nicht mehr lange dauern, dann kommt aus dem Sendebunker der Tagesschau nur noch: "Juncker, Merkel, Macron, Papst, Ditib, danach zum Wetter mit einem Kommentar der evangelischen Kirche!" Ja, harte Arbeit von Politik und ÖR, die ich nicht mehr bezahlen werde, meine Form der Kontextualisierung.
Chapeau! Ich habe den Text gelesen ohne vorab zu schauen, WER den verfasst hat. Ich muss gestehen, dass ich angesichts der Ironie stellenweise vor Lachen fast den Kaffe verschüttet hätte - man bracht gar nicht erst nachzuschauen. Das ist mal wieder ein echter Broder! Messerscharf und treffend. Man mag über Trump ja denken, was man will, aber wie es aussieht, weiß der Mann, welche Irren in Teheran das Sagen haben, welche Drohungen von ihnen kommen und wie sie agieren. Das iranische Regime ist eine Katastrophe. ...
Fragt sich, warum die Tagesthemen nicht müde werden zu erklären, dass sich China aus Tibet und Russland aus der Krim zurückzuziehen hätten, es aber für unverschämt erklären, wenn jemand fordert, dass der Iran sich aus dem Jemen und Syrien zurückziehen möge. Und warum dieselben Leute, die die friedliche Nutzung der Kernkraft ächten, es für unverschämt erachten, dem Iran die unfriedliche abzugewöhnen. Wie nennt man Menschen, die ihre eigenen Widersprüche nicht bemerken?
Die "Tagesthemen" sind grundsätzlich ein Angebot für Leute, die es vorziehen, andere für sich denken zu lassen. Angeschaut wird sie aber gern auch von jenen, die ein eher naturwissenschaftlich gefärbtes Interesse dafür mitbringen, auf welche Weise sich Wahrnehmungsgestörte immer wieder neu eine hermetische mediale Filterblase auspolstern. Das kann mit ausreichender Distanz lehrreich, vielleicht sogar amüsant sein, bleibt aber am Ende doch ärgerlich: Die Gestörten verdienen viel zu gut - und so unterhaltsam oder gar überraschend sind die allabendlichen Vorstellungen nun auch wieder nicht, dass man gerne dafür GEZahlt hätte. Ab ins Bezahlfernsehen damit - ich will sehen, wie sich so etwas am Markt bewährt!