Henryk M. Broder / 21.07.2016 / 16:59 / 7 / Seite ausdrucken

Die Tagesschau zur aktuellen Lage in der Türkei

Wenn es um euphemistische Erfindungen geht, liegt Deutschland im internationalen Wettbewerb weit vorne.

Der Völkermord an den Juden wurde als „Endlösung der Judenfrage“ präsentiert; der Bau der innerdeutschen Mauer im Jahre 1961 diente nicht dazu, DDR-Bürger von der Flucht in den Westen abzuhalten, sondern das Eindringen westlicher Agenten in die DDR zu verhindern, der „antifaschistische Schutzwall“ war ein Mittel der Selbstverteidigung.

Heute hat sich die Sprachregelung etabliert, dass der Islamismus mit dem Islam „nichts zu tun“ hat und dass der Islam eine „Religion des Friedens“ ist, die nur von einigen ihrer Angehörigen nicht richtig verstanden wird. Wer diese Glaubenssätze anzweifelt, ist ein „Rechtspopulist“, der von seinem Recht auf Meinungsfreiheit nur Gebrauch macht, um es zu missbrauchen.

Aber das ist noch nicht alles. Beinah jeden Tag werden neue „rote Linien“ gezogen, die nicht überschritten werden dürfen. Die „Tagesschau“ der ARD zum Beispiel hat sich vor kurzem mit einem Appell an die User ihrer Homepage gewandt: „Bitte verzichten Sie bei Ihren Ausführungen auf Vergleiche zwischen dem Nationalsozialismus und der aktuellen Lage in der Türkei. Entsprechende Analogien werden von der Moderation nicht freigeschalten.“

Von dem kleinen Fehler am Ende des Satzes mal abgesehen – es bleibt unklar, ob das Dritte Reich oder das System Erdogan vor verleumderischen Behauptungen geschützt werden soll.

Dabei sind allerlei Vergleiche sonst an der Tagesordnung: Die Muslime sind die Juden des 21. Jahrhunderts; die Israelis sind die Nazis des 21. Jahrhunderts und die Deutschen sind die Pazifisten des 21. Jahrhunderts. Man vergleicht alles mit allem. Nur auf den Vergleich zwischen Hitler und Erdogan soll man verzichten, denn der eine Despot ist noch im Amt und man möchte ihn nicht reizen. Er könnte böse werden.

In die gleiche Kategorie gehören auch Ratschläge zum Umgang mit dem Terror. „Wir müssen lernen, mit dieser Art von Lebensgefahr umzugehen, die letztlich viel geringer bleibt, als die Gefahr von tödlichen Verkehrsunfällen“, hieß es neulich   in den „Tagesthemen“.

Gewiss doch. Letztlich war auch Nizza nur ein Verkehrsunfall mit einem Lastwagen. 

Zuerst erschienen in der Züricher Weltwoche

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Leserpost

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JF Lupus / 22.07.2016

Kaum zu glauben, dass die Tagesschau mal eine seriöse Nachrichtensendung war.

Sepp Dalkowski / 22.07.2016

“freigeschalten” Wieso Fehler? So sprechen die im Osten, hinter Dresden habe ich das öfter gehört. Sagt auch was darüber aus, wo der Moderator des Tagesschau - Forums indoktriniert wurde.

Pavel Hoffmann / 21.07.2016

Wie immer Herr Broder, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Andererseits wenn der Präsident des EU- Parlamentes Herr Martin Schulz die verheerende Hetzrede von Herrn Abbas, der nicht einmal gescheut hat sich der mittelalterlichen Vorurteilen wie die „jüdische Brunnenvergiftung“  zu bedienen als „ inspirierend“  bewerten konnte, sind die ARD Nachrichten im Vergleich dazu noch harmlos.

Martin Johannes Marhoff / 21.07.2016

Auch Stalin wurde schon vor dem Vergleich mit Hitler geschützt. Wahrscheinlich von den selben Leuten, die sich im Gazastreifen an das Warschauer Ghetto “erinnert” fühlen.

Rob Grutz / 21.07.2016

Der kleine Fehler am Ende des Satzes deutet linguistisch auf eine Person aus der ehemaligen DDR hin. Beispiele sind “geschalten“ statt “geschaltet“ oder auch die (überflüssige) Verwendung von “zu“ - “ich habe im Keller noch einen Sack Kartoffeln ZU stehen“

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