Peter Grimm / 31.08.2018 / 12:00 / Foto: Thomas Bresson / 18 / Seite ausdrucken

Die subventionierte Kunst des Nazi-Vergleichs

Nazi-Vergleich ist, wie wir wissen, nicht gleich Nazi-Vergleich. Es gibt gute und böse Nazi-Vergleiche. Die guten dienen bekanntlich dazu, Nazis zu entlarven und insbesondere solche, die lautstark dementieren, welche zu sein, als die Parias auf dem Weltanschauungsmarkt zu brandmarken. 

Nun ist es natürlich allen denkenden Menschen hierzulande klar, dass es nach all den Verbrechen und Verheerungen, derer sich die Nationalsozialisten schuldig gemacht haben, keine schlimmere Beleidigung für einen Politiker geben kann, als ihn zum Nazi zu erklären. Schlimme Beleidigungen aber sind in Deutschland strafbewehrt, weshalb ein Nazi-Vergleich auch immer ein gewisses Risiko birgt, dafür selbst geächtet oder gar bestraft zu werden.

Der türkische Machthaber Erdogan beispielsweise hat Deutschland zwischenzeitlich häufig mit Nazi-Vergleichen überzogen. Meist war er tödlich beleidigt, dass es für ihn und seine türkischen Landeskinder in Deutschland zu wenige Privilegien gibt. Doch die Nazi-Vergleiche aus Ankara kamen gar nicht gut an und trugen nicht gerade zu seiner Beliebtheit unter Deutschlands Nicht-Türken bei.

Auch die Niederländer waren nicht amüsiert, als ihnen vom Herrscher in Ankara Nazi-Methoden vorgeworfen wurden, weil sie den Türken einfach nicht gestatten wollten, ihren Wahlkampf in Holland wie in einer türkischen Kolonie auszutragen.

Teure Ausnahmen

Heimische Nazi-Vergleiche können einen auch vor Gericht bringen. Sogar wenn man einen bösen, bösen AfD-Abgeordneten einen Nazi nennt, kann ein Gericht – wie einst in einem Fall in Potsdam – eine Geldstrafe von 800 Euro verhängen.

Nun wird vielleicht der eine oder andere Leser ungläubig einwenden, dass es doch so viele AfD-Nazi-Vergleiche gebe, die vollkommen ungestraft geblieben sind. Gerichte werden wegen Beleidigung nur tätig, wenn ein Beleidigter die Justiz bemüht. Das ist oft nicht der Fall. Doch außerdem gibt es die Kunst der engagierten Nazi-Vergleiche, die insbesondere manche Künstler beherrschen, in der eine Klage eines Beleidigten nur als Bestätigung gilt, wie wichtig es ist, eine mit Fördermitteln unterstützte „Haltung“ zu zeigen. Viel Feind, viel Ehr.

Im Haltungszeigewettbewerb und in der Nazivergleichskunst wollte das Theater in Paderborn auch seine Kompetenzen zeigen und erfreute den Theaterbesucher mit einer interessanten Grafik im Programmheft. Man sieht darauf einen stilisierten roten Totenschädel. In den weißen Kreisen an der Stelle der Augenlöcher prangt links ein Hakenkreuz und rechts das AfD-Logo.

Dort, wo im Totenschädel das Gebiss zu sehen ist, bietet das engagierte Theater zwei Balkengrafiken. Die eine vergleicht die AfD-Wahlergebnisse von 2013 mit denen von 2017, die andere die NSDAP-Wahlergebnisse von 1928 mit denen von 1932.

Nur ein paar Zahlen und ein Hakenkreuz

Links neben diesen Balkengrafiken steht „681 antisemitische Straftaten wurden im ersten Halbjahr 2017 in Deutschland erfasst“ und rechts als komplementäre Zahl „ca. 6.000.000 Menschen wurden während des Holocaust ermordet“. Vergessen wir einmal, dass diese 681 antisemitischen Straftaten wahrscheinlich weniger von der AfD-Gefolgschaft, als von den Anhängern Allahs und seines Propheten verübt worden sind. Diese insinuierte Verbindung der AfD mit einem der größten Verbrechen der Geschichte ist, ganz unabhängig davon, ob sich nun jemand beleidigt fühlt oder nicht, eine unglaubliche Verharmlosung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Der Holocaust wird vom Paderborner Theater zu einem Statisten in einem absurden Stück gemacht. Dass auch die AfD ihre Rolle so spielt, wie von der Theaterregie wahrscheinlich erhofft, macht die Sache nicht besser. Eine Beleidigungsklage oder Strafanzeige wegen Verleumdung hat dem Paderborner Kreisverband nicht gereicht, es musste auch gleich eine wegen Volksverhetzung sein. So zumindest vermeldete es die Neue Westfälische. Die Zeitung berichtete dann weiter von der treudoofen Reaktion der Theaterdirektorin auf die Klage:

Theaterchefin Katharina Kreuzhage habe über den Theater-Anwalt nach Rücksprache mit Paderborns Rechts- und Kulturdezernenten Carsten Venherm mitteilen lassen, „dass sie die AfD-Deutung der Grafik nicht teile. Es würden lediglich Wahlergebnisse und Zahlen gezeigt. „Daraus kann jeder seine Schlüsse ziehen.“

Einem möglichen Verfahren sieht Kreuzhage gelassen und mit großem Interesse entgegen. Sie möchte die Darstellung von AfD-Ergebnissen in einem kreativen Zusammenhang gerne von einem Gericht untersuchen lassen. „Es geht hier um die Freiheit der Kunst“, sagt die Theaterchefin. „Ich kann es mir schwerlich vorstellen, dass aus der Grafik der Vorwurf der Volksverhetzung abgeleitet werden kann.“

Es sind alles einfach nur ein paar Zahlen, garniert mit einem Hakenkreuz und künstlerisch umgesetzt. Finanziert aus dem Kulturetat, also vom Steuerzahler. Und natürlich stellen sich nach der AfD-Strafanzeige alle Wohlmeinenden aus Paderborn hinter das Theater und seine Chefin. Welche Geschichtsbildverwerfungen hier mit solch billiger Instrumentalisierung des Holocaust in Kauf genommen werden, scheint denen egal zu sein, die sich in ihrer subventionierten Welt bei jedem Statement gegen die AfD fast schon wie Widerstandskämpfer fühlen.

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Leserpost

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Volker Kleinophorst / 31.08.2018

Ja hätte man NSDAP nur mal ausgeschrieben. Dann steht da nämlich National SOZIALISTISCHE Partei Deutschland. Aber das wäre wohl der falsche “Denkanstoss”, mal klar zu machen, dass Gröfaz und Spießgesellen gerade auch nach eigenem Verständnis völkische LINKE waren. (Zitate dazu endlos im Netz) Antisemitismus ist ja bei Linken bis zum heutigen Tag en Vogue (Kranzniederlegungen bei Arafat,...) insofern auch an der Stelle maximale linke Übereinstimmung. Ich weiß manchmal nicht, was mich mehr anwidert, die Dummheit oder die bornierte Bräsigkeit wie diese hier eben von diesen Theaterspinner präsentiert wird. So viel Moral, so wenig Anstand.

Werner Arning / 31.08.2018

Gut, heute wird als Nazi gerechnet, wer gegen offene Grenzen ist und nicht „Niemand ist illegal“ unterschreiben würde. Also wären vor ein paar Jahren noch CDUler, SPDler, Teile der Grünen, oder Teile der Linken Nazis gewesen. Nazi ist, wer Merkels Politik ablehnt. So einfach. Natürlich stellt das eine Verhöhnung der Opfer der echten Nazis dar. Natürlich ist es kompletter Unsinn, derartige Vergleiche zu ziehen. Dass sogenannte Intellektuelle, Kulturschaffende dieses nicht erkennen, stellt ihnen ein geistiges Armutszeugnis aus.

Andreas Rochow / 31.08.2018

“Mutiges künstlerisches Engagement”, das staatlich honoriert wird (100 Millionen Euro vom Bundesfamilienministerium gegen rechts, Projektname “Demokratie leben!” ) hat nichts mit Mut, nichts mit Kunst und schon gar nichts mit Demokratie zu tun. Vorsicht Vergleich: Die echten Nazis haben das auch so gemacht. Gut gelernt, Frau Kreuzhage setzen!

Jörn Weitzmann / 31.08.2018

Vielleicht kann man sich ja - sine ira et studio - darauf einigen, dass krimminelle Ausländer sofort abzuschieben sind. Dann bleibt der Welt viel Leid erspart. Zumindest diese lehre sollten wir aus der Geschichte, dem FAll Adolf Hitler,  gezogen haben: Adolf Hitler wurde 1923 zu 5 Jahren Festungshaft wg. des Putsches vom 9. November 1923 verurteilt. Das Gericht verfügte jedoch, dass Hitler nach einem Jahr Haft, vom Tage seiner Verhaftung an gerechnet, entlassen würde. Die bayrische Polizei hat sehr energisch gg. dieses Urteil protestiert. Die bayerische Staatsregierung bereitete im September 1924 die Ausweisung nach Österreich vor. Danach wurde von österreichischer Seite die österreichische Staatsangehörigkeit in Zweifel gezogen, die noch wenige Monate zuvor, am 20. April 1924 durch die Linzer Landesregierung bejaht wurde. Das Scheinargument der Staatenlosigkeit und die Weigerung der Aufnahme verfingen. Der Rest ist Geschichte; vgl. D. C. Watt, VfZ 3/1958; m.w.N. vgl.a. Robert M. W. Kempner: Blueprint of the Nazi Underground XIII, Research Studies State College of Washington, Volume Nr. 2 S 51-56

Volker Kleinophorst / 31.08.2018

Nazi, Nazi, Nazi. Und unbedingt von der Tatsache ablenken, dass die NationalSOZIALISTEN Linke waren auch in ihrem eigenen Selbstverständnis. Mit anderen Worten: Linksradikale an Macht? Das hatten wir doch schon! Und nicht die BRD war der faschistische Nachfolgestaat. Es war die DDR.

Bernhard Maxara / 31.08.2018

Spätestens seit die deutschen Theater in betreutes Wohnen für Linksschickimickiregisseure umgewidmet sind, fordere ich, der Kunst endlich ihre Freiheit zu geben, nämlich die Freiheit von Subventionen. Kulturförderung hieße dann, den Musentempel zu erhalten und zu beheizen, den Rest besorgt eine GmbH, die wieder um die Gunst des Publikums kämpfen muß. Höchste Zeit!

Mathias Bieler / 31.08.2018

Die Kulturförderung trägt seltsame Blüten. Jedes Laienspieltheater in diesem Land kämpft ums Überleben. Die “Punkband” die toten Hosen allerdings erhielt 2010 knapp 70000 Euro Steuergeld für zwei Konzerte in Taschkent und Almaty. Das Firmenkonstrut rund um die Band macht Millionen Umsatz im Jahr und das seit Jahren.Jeder echte Punker bekommt Würgereize,wenn er sieht und hört,wie diese “Künstler” sich ans Establishment ranschmeisst. Dazu ein sehr schöner Artikel im Cicero vom 30.11.2017,in dem Campino Frau Merkel für alternativlos hält.

Marcel Seiler / 31.08.2018

Ich denke, die AfD muss in solchen Fällen klagen. Volksverhetzung geht wohl zu weit (welches “Volk” wird da verhetzt?), aber eine Beleidigungsklage oder ähnliches sollte es schon sein. Wenn die Klage abgewiesen wird, zeigt es, wie parteiisch unsere Justiz inzwischen ist. Die Bindung der Anhängerschaft der AfD erhöht es in jedem Fall.

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