Wolfgang Röhl / 02.09.2014 / 10:18 / 7 / Seite ausdrucken

Die SU ist auferstanden! In Niedersachsen

Wer es sich als abenteuerlustiger Autofahrer vor Jahrzehnten antat, aus dem Westen in die Sowjetunion zu fahren, wusste: Auf den Transitstrecken bloß nicht lange anhalten! Einmal pinkeln war okay, aber nur kurz. Westliche Wagen, die zum Beispiel aus Finnland kamen, wurden am Grenzübergang registriert und an Checkpoints im Land bis auf die Schaumpolster auseinandergenommen, wenn sie zu lange auf Achse gewesen waren. Die SU-Grenzer hatten einen Mittelwert errechnet, den man auf volkseigenen Schrottpisten erreichen konnte. Wehe, man hatte getrödelt! Vermutet wurde, dass man sich an der Strecke mit Dissidenten getroffen oder andere Verbrechen begangen hatte. Niedersachsen SPD-Innenminister möchte ähnliche Kontrollen einführen, bloß andersrum. Wer zu schnell ist, den soll demnächst das bunte Ökoleben bestrafen. Aus „Spiegel online“:

„Niedersachsen testet als erstes Bundesland ein Strecken-Radar, bei dem die Geschwindigkeit von Autofahrern über einen längeren Abschnitt kontrolliert wird. Dabei wird jedes Fahrzeug am Beginn des Abschnitts von hinten fotografiert und die Daten verschlüsselt zwischengespeichert. Am Streckenende wird es erneut erfasst. Mittels Weg-Zeit-Berechnung wird dann die durchschnittliche Geschwindigkeit ermittelt. Ist der Fahrer zu schnell gewesen, wird das Fahrzeug auch von vorne - mit Fahrer und amtlichem Kennzeichen - geblitzt und die Daten in eine Verstoßdatei überführt. In dem Pilotversuch werden die strengen Vorgaben des deutschen Datenschutzes eingehalten, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Montag in Hannover. Der 18-monatige Test werde im Frühjahr 2015 beginnen.“

Nun sinken die Zahlen der im Straßenverkehr Getöteten und Verletzten bekanntlich Jahr für Jahr auf negative Rekordwerte. 1970, als die Summe der auf deutschen Straßen gefahrenen Kilometer ein Drittel der heutigen ausmachte, starben 21.332 Menschen im Straßenverkehr. 2013 waren es 3.340. Wenn die Unfallzahlen regional mal kurzfristig leicht ansteigen, dann hat das überwiegend mit der Witterung zu tun. Es bildet keinen Trend ab. Aber die Neigung, Polizeikräfte mit Pipifax zu beschäftigen, derweil Einbrecherbanden munter das Land abgrasen, diese Tendenz steigt umgekehrt proportional zu den Fakten an. Unter der aktuellen rot-grünen Regierung Niedersachsens ist das zwangsläufig. Unter einer CDU-geführten Regierung wäre es allerdings kaum anders. Autofahrer zu kujonieren, ist in Deutschland ein Allparteiensport.

Gibt es einen Aufstand gegen die niedersächsische Zumutung? Demos, Hashtags, irgendwas mit „Gläserner Bürger“? Njet. Kein Datenschutzbeauftragter protestiert, kein Pirat und keine Schnarre echauffieren sich. Auf Spiegel online waren zwölf Stunden nach Erscheinen des Artikels ganze hundert Lesermeinungen eingetrudelt. Die meisten davon lasen sich nicht grundsätzlich kritisch. Wenn nicht gerade die NSA oder der BND involviert sind, haben hierzulande offenbar wenige ein Problem mit Massenüberwachung.

Würde man systematisch Menschen überwachen, die zum Beispiel regelmäßig islamische Kulturzentren oder linksradikale Veranstaltungen besuchen, bräche selbstredend ein Medienaufstand los. Die so genannte Zivilgesellschaft ginge massenhaft auf die Straße. Die Bespitzelung von Autofahrern oder vermeintlichen Steuerhinterziehern juckt dagegen nur wenige. Wie sagte Clint Eastwood als Dirty Harry einst so treffend? „Wenn die richtigen Leute getroffen werden, ist gegen den Gebrauch der Dienstwaffe nichts einzuwenden.“

 

 

 

 

 

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Leserpost

netiquette:

Caroline Neufert / 02.09.2014

“Wenn nicht gerade die NSA oder der BND involviert sind, haben hierzulande offenbar wenige ein Problem mit Massenüberwachung” - auch da, wie Sie selbst bemerkten, war/ist die Reaktion überschaubar ;-) “Die Bespitzelung von Autofahrern oder vermeintlichen Steuerhinterziehern juckt dagegen nur wenige.” Weil alle sich liebend gern an (unsinnige) Vorschriften halten. Je weniger Freiraum, je weniger muss ich entscheiden und mglw. sogar noch Verantwortung tragen ;-). Es gibt nur sehr wenige, die mir “erlauben” als Beifahrerin unangeschnallt bei 50 oder sogar nur 30 durch die Stadt zu rollen ;-)

Jürgen Düker / 02.09.2014

Quellenangabe wäre gut, Her Röhl, ansonsten durchaus glaubhaft und natürlich skandalös

Axel Wahlder / 02.09.2014

Nun ist das Fratze einer sonderwegigen “Demokratie”

Peter Niernbach / 02.09.2014

Autobahntotalüberwachung ist der sog. Gleichstellungsauftrag der angeblich im Grundgesetz steht in Reinform. Egal welchen PS-Input man reinlegt, hinten raus dürfen nicht mehr als 120 km/h kommen. Ausserdem “Autobahn”... tss

Herr Neumann / 02.09.2014

Wer in der Demokratie schläft, wird in der Diktatur aufwachen. Ob Überwachungs- oder Gesinnungsdiktatur spielt da kaum eine Rolle. Scheinbar will der Wähler, oder Nichtwähler, es ja nicht anders. Bei diesem “Versuch” in Niedersachsen geht es m. E. auch um die demnächst fällige Maut, mit welcher der Bürger sich dank Dauerberieselung der Medien doch auch schon abgefunden hat. Sicher ginge das alles auch anders. Das sich selbst meldende, “Netzwerkfähige” Auto, kommt ja ab nächstem Jahr in Form jedes Neuwagens auf “Europas” Straßen. Und bald kommt dann auch die Smartphone-Pflicht für alle, natürlich nur zu unserer aller Bequemlichkeit. Bild-Zeitung und irgendein namhafter Hersteller liefern dann das “Volks”-Smartphone…

Mirco Geyer / 02.09.2014

Es lässt leider wieder einmal tief blicken, dass ausgerechnet eine rotgrüne Regierung einen weiteren Schritt in den Polizeistaat forciert. Auf solche Ideen kommt sonst nicht einmal die NPD.

Franz Roth / 02.09.2014

Ist in Frankreich auf den Autobahnen seit Jahrzehnten gang und gäbe. Und zwar auch zu UMP-Zeiten. Wird zwar niemand fotografiert, aber an den Mautstationen die mit Uhrzeit versehenen Tickets von der Gendarmerie stichprobenweise kontrolliert. Zu wenig Zeit vergangen zwischen Ticketlösen und Kontrolle: zu schnell gefahren, Strafe fällig. Und zwar satt. Als es den FJS noch gab und er (z.B.) in Nürnberg Wahlkampf machte, wurde jeder, der dort war, von Überwachungskameras und der Polizei gefilmt.

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