Cora Stephan / 16.12.2021 / 13:00 / Foto: Olaf Meister / 17 / Seite ausdrucken

Cora Stephan: Die Stimme der Provinz: Langeweile tut gut

Ich soll ja nicht immer das Landleben verherrlichen, schreibt der eine oder andere. Gut, ich gebe alles zu. Es ist nicht immer herrlich. Es ist stinklangweilig.

Und genau das ist momentan das einzig Wahre.

Sich einfach nicht aufregen müssen. Menschen ganz ohne behördliche Anweisung aus dem Weg gehen können. Nichts hören außer den Angebergockeln, die ihre Hennen zusammenschreien. Oder den Meisen, die in Rekordtempo die Sonnenblumenkerne knacken. Außer maunzenden Katzen, die glauben, bei uns gäbe es etwas zu fressen. Mir gäbet nix!

Abwarten und Teetrinken. „Be Happy“ heißt die heutige Mischung, was schon wieder nervt. Harsche Imperative gibt es genug, nun nicht auch noch diesen hier!

Im grauen Duster draußen: kaum Bewegung. Ein Nachbar, immerhin, tut das Vernünftige: 10 000 Schritte täglich, hilft gegen alles. Die beiden Jäger führen ihre Hunde aus, ebenfalls vorbildlich. Die Elstern gehen derweil bei ihnen auf Eierklau von glücklichen Hühnern.

Die Post war schon da, aber es werden sicher noch all die anderen Kurierfahrer vorbeischauen, es geht hier ja niemand mehr einkaufen, außer zum Supermarkt. Wer hat schon Lust, Auskunft über seinen Gesundheitsstatus zu geben? Mal ganz abgesehen davon, dass auch viele in den noch überdauernden Kneipen und Läden gar nicht geneigt sind, auf Hilfssheriff zu machen.

Ja, doch, es ist langweilig, wenn man sich die täglichen Aufreger spart, also die Onlinelektüre von Zeitungen und Zeitschriften einstellt und das Radio nicht einschaltet, die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten sind in meinem Haus eh nicht gern gesehen. Es ist ein Leben ohne Covid-19, ganz so wie zu den Zeiten, als es nur Grippe gab.

Nur war es da noch nicht so langweilig: Es gab Alternativen. Reisen, und wenn es nur ein Tagestrip zur nächsten Stadt war. Doch das meidet mittlerweile nicht nur unsereins: der Einzelhandel klagt, weil ihm das Weihnachtsgeschäft wegbricht.  Nun, Klagen ist der Gruß des Kaufmanns – und so viele Ungeimpfte gibt es doch gar nicht mehr, oder?

Sieht ganz so aus, als ob auch Geimpfte die Nase voll haben von der Panikpandemie. Sie gehen nicht einkaufen, sondern auf die Straße – und geradeso wie einst bekommen sie von der Polizei auf die Nase. Einst, als auch ein späterer Außenminister noch häuserkämpfte, war es allerdings der Schwarze Block, der sich mit den Bullen anzulegen pflegte. Heute stellt die Antifa die staatstreuen Gegendemonstranten.

Wo sind die Demonstranten von damals geblieben?

Auf der Straße wäre ich angesichts des Ausmaßes staatlicher Übergriffe übrigens auch, nutzt nur nichts, hier auf dem Dorf. So wie damals, als ich noch in der Stadt wohnte. Damals skandierten Studenten sogar beim Thema Studiengebühren „Widerstand!“, was schon einigermaßen lächerlich war.

Wo sind die eigentlich heutzutage abgeblieben? All die, die in den 70ern gegen Fahrpreiserhöhungen, Volkszählung und weit weniger Bedenkliches protestierten? Oder gegen den Radikalenerlass, wie weiland Frank-Walter Steinmeier, vom Verfassungsschutz beobachtet?

Sind halt auch älter geworden. Und haben, wie man hört, „keine Geduld mehr mit Ungeimpften“. Mit dem Maßnahmenstaat schon eher.

Gut – man wird halt älter. Mit siebzehn bin ich der ländlichen Langeweile entflohen, in die nächste Stadt. Und heute? Heute meide ich sie, dabei habe ich längst wieder Sehnsucht. Nach Gedränge auf den Einkaufsmagistralen. Nach Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Nach einem Glas Wein draußen vor einer gepflegten Kneipe, dort, wo die Raucher unter Wärmestrahlern sitzen dürfen, warme Decken gibt es auch. Und, ja, Sehnsucht nach allem, was ich mir ungern von Hermes liefern lassen würde.

Doch Ungeimpfte müssen draußen bleiben. Also auch all diejenigen, die sich weigern, jedem Bratwurstverkäufer ihren Impfpass vorzuzeigen. Bratwurst nur für Geimpfte mit dem bunten Bändchen!  

Danke, ich verzichte. Bei mir gibt es Rehbraten, sous vide. Und dazu einen Wein, der zu schade ist für Glühwein.

 

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Leserpost

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Christian Jensen / 16.12.2021

Seit 40 Jahren kein Fernsehen, das beruhigt. Radio schon, bis vor ein paar Jahren auch eifriger Nutzer des Rundfunk. Aber da wird auch nur noch auf Podcast verwiesen und die gleiche Staatsleier, unterbrochen von ekeklhafter Propaganda (Werbung) “Lidl lohnt sich” vorgetragen. Deshalb nur noch Radio Swiss Classic im Internetradio, keine Werbung gute Musik zum Entspannen. Herrlich.

Dirk Jungnickel / 16.12.2021

Auf dem Lande lebe ich sozusagen fast; bin aber “Inhaber” einer Berliner Postleitzahl. So gehen die Massnahmen - Schikanen nicht an mir vorbei, und der doppelrotgrüne Senatssalat ist unbekömmlich wie seid Jahren. Kurz: Eben Absurdistan in Gänze. Im Buschfunk wird geflüstert, dass demnächst zum Testen Röhrchen eingeführt werden, ähnlich wie bei Geschwindigkeitskontrollen. Denn in der Ausatemluft befinden sich nicht nur eine gefährliche Virusmuschpoke, sondern auch Teilchen, die man anderweitig auswerten kann. Genetisch nämlich. Diese neuartigen Puste - Röhrchen sollen vor allem massenweise bei Demos Verwendung finden.(Weil man nicht so richtig hinter die Telegram - Unsitte steigt.) Die genetische Struktur der Aufwiegler, Ministerbedroher und potentiellen rechten Killer ist nämlich auf Strang Nr. Soundso und Gen Nr. ichweißnichtwo eine auffällig andere. Meint der Gesundheitsminister - wie heißt der doch gleich ?

Peter Krämer / 16.12.2021

Ich sehe es wie Sie, sehr geehrte Frau Stephan, ich bin aus praktischen Gründen, nicht aus Überzeugung, geimpft. Aber ich werde nirgendwo meinen Ausweis oder ein Bändchen vorzeigen Es ist leicht vorstellbar, auf welche Bereiche man in Zukunft den Nachweis des korrekten Verhaltens ausweiten könnte.

Claudius Pappe / 16.12.2021

” von Hermes liefern lassen würde ” . : Hermes eine Firma von der Familie Otto: Otto findet Olaf gut….................ich meide Hermes und Amazon-hoffe es machen mir die Landbewohner nach., denn Otto , Hermes und Amazon sind auch Feinde der Demokratie, denn sie stützen die Regierung.

Dipl.-Ing. Erwin Obermaier / 16.12.2021

Das kommt mir sehr bekannt vor. Zu meiner Frau sagte ich letztens: “Was für ein Problem hast Du mit dem nächsten Lockdown? Den haben wir doch hier 24/365 und in Schaltjahren 366”. Wenn zwischen 9 und 15 Uhr mal ein Auto durch das Dorf rollt, merkt man, daß es noch andere Menschen gibt. Das Moped, daß wir zweimal am Tag hören könnte allerdings mal seinen Auspuff ausräumen. Das hätte ich zumindest als Jugendlicher gemacht.

S.Buch / 16.12.2021

Na dann: Wohl bekomms.

Oliver König / 16.12.2021

“dabei habe ich längst wieder Sehnsucht. Nach Gedränge auf den Einkaufsmagistralen. Nach Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt” Echt jetzt? Sehnsucht nach unfreundlichen Leuten, die dir so dicht auf die Pelle rücken, dass du glaubst, du kannst nicht mehr atmen, die dir den Einkaufwagen in die Haken rammen und dich noch anschnauzen? Glühwein, der aus puren Zucker besteht und billigstem Kanister"wein”, dafür aber teuer ist und dir in notdürftig gespülten Tassen an den belagerten Ständen auf die Theke geknallt wird? Kann nicht dein Ernst sein. Selbstgemachter Glühwein, genossen im eigenen Garten mit Leuten, die du magst und deshalb eingeladen hast. Was Leckeres zum Essen dazu. Lachen und Spaß ohne Corona-App. Gut die Stadtmenschen kennen sowas nicht und können sich das auch nicht vorstellen. Wir auf dem Land schon. Hach ja.

Leo Anderson / 16.12.2021

Das Dorf in dem ich lebe ist im Moment so still und dunkel, als würden alle tot in ihren Häusern liegen.  Aber mir macht das nichts aus. Im Gegenteil, es hat was. Dafür dröhnen dann an einem beliebigen Sommernachmittag so viele Geräte in der Nachbarschaft, dass man sich wie auf einem Flugplatz vorkommt.  —- Ganz generell fehlen mir nur zwei Dinge aus der Vorzeit: ein warmes, vollbesetztes Restaurant, vielleicht ein griechisches, da fühlte ich immer am besten aufgehoben. Und mit zweihundert Leuten in einem schönen großen Kino sitzen, wenn das Licht ausgeht und der Vorhang auf, vor einer Leinwand, so groß wie ein Tennisplatz. Um dann einen Film zu sehen, der kein pubertäres CGI-Gewitter ist ....  einen “alten”, einen von David Lean vielleicht.

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