Fast hat er mir leid getan, der brave Cem, als er mit erstarrtem Gesicht der Tirade des Bauernpräsidenten Rukwied zuhören musste. Bauern können sehr laut sein. Vor allem, wenn man ihnen die Lebensgrundlage entziehen will.
Sie sind großartig, diese gigantischen Maschinen, obwohl das Haus erzittert, wenn sie vorbeidröhnen. Traktoren, auch Trecker, Bulldogs, Schlepper genannt. Bei mir auf dem Dorf gibt es staunenswerte Maschinen, vom altehrwürdigen McCormick, der schon seit beinahe 100 Jahren seinen Dienst tut, bis zum grünglänzenden Fendt, 1156 Vario MT, 564 PS, ein Panzer von Trecker. Im Nachbarort hätschelt einer einen tomatenroten Porsche aus dem Jahr 1953, 11 PS, ein Schätzchen.
Die modernen landwirtschaftlichen Fahrzeuge sind technische Wunderwerke – und bieten dem adoleszenten Jungbauern oder der 12-jährigen Jungbäuerin (ja, die dürfen auf dem Hof bereits früh üben!) alles, was man in dem Alter so braucht, ein bisschen Größenwahn und eine formidable Beschallungsanlage. Leider sind sie bei mir nicht vorbeigefahren, die Bauern, die sich auf den Weg nach Berlin gemacht haben, um dem Landwirtschaftsminister heimzuleuchten. Dafür habe ich mir jedes erreichbare Video reingezogen.
Fast hat er mir leid getan, der brave Cem, als er mit erstarrtem Gesicht der Tirade des Bauernpräsidenten Rukwied zuhören musste: „Wenn diese Maßnahmen nicht gestrichen werden, und zwar ersatzlos gestrichen werden, dann kommen wir wieder – nicht nur nach Berlin. Dann werden wir ab 8. Januar überall präsent sein in einer Art und Weise, wie es das Land noch nicht erlebt hat. Wir nehmen das nicht hin.“ Özdemir selbst kam nicht zu Wort, Bauern können sehr laut sein.
Vor allem die Biobauern treffen
Worum es ging? Um „Vergünstigungen“, die den Landwirten gestrichen werden sollen, weil ja „wir alle“ sparen müssen, schließlich müssen wir Peru beim Bau von Fahrradwegen helfen. Ab Januar 2024 soll die Beihilfe zum Agrardiesel (Bauern bekommen knapp die Hälfte der Steuern auf Diesel zurück) und die Befreiung des Fuhrparks von der Kfz-Steuer gestrichen werden. Mit anderen Worten: Deutsche Landwirte bekommen damit keine Subventionen, sondern zahlen weniger Steuern, damit sie konkurrenzfähig bleiben.
Nun aber stellt sich heraus, dass auch Cem Özdemir als Landwirtschaftsminister dagegen war, selbst Finanzminister Lindner erklärte, er sei „kein Freund der Belastung der landwirtschaftlichen Betriebe.“ War es womöglich eine Idee von Wirtschaftsminister Robert Habeck? Man weiß so wenig. Nur eines kann man als sicher voraussetzen: Die Landwirte haben die Nase gestrichen voll von der Agrarpolitik der Ampelregierung.
Die deutschen Bauern sind schon lange nicht mehr die Macht, die sie einst waren – während es in den 1950er Jahren noch beinahe 5 Millionen bäuerliche Betriebe gab, haben wir heute eine gute Viertelmillion, allerdings mit enorm gestiegener Effizienz. Ernährte ein deutscher Landwirt im Jahr 1949 durchschnittlich noch zehn Personen, waren es im Jahr 2020 um die 139.
Vielleicht kommt manch grüner Ideologe deshalb auf die Idee, dass es an der Zeit sei, alte Privilegien zu streichen. Doch die neueste Masche würde vor allem die Biobauern treffen, die, weil sie Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat nicht einsetzen, vieles mechanisch erledigen müssen. Und nein: nicht mehr mit der Hacke in der Hand und gebeugtem Rücken, sondern ebenfalls maschinell.
Auf dem Weltmarkt bestens bedient
Doch die neueste Attacke auf die Landwirte ist letztlich nur der Tropfen, der das Güllefass zum Überlaufen bringt. Seit Jahren sind Bauern der Lieblingsfeind im grünen Bullerbü, Bauern quälen Tiere, verpesten ihre Böden, vernichten Insekten und die „Biodiversität“. Renate Künast beschuldigte die Landwirte ja einst geradezu, an Covid schuld zu sein. Rinder- und Schweinehaltung schadet dem Klima, also muss man sie den Bauern vermiesen, weshalb man die Viehwirtschaft mit immer neuen Tierwohlvorschriften traktiert, auf die letzte diesbezügliche Vorschrift kann man sich nicht lange verlassen, denn schon kommt die nächste.
2022 gab es in Deutschland 16.900 Betriebe mit Schweinehaltung. Das sind 43,5 Prozent weniger als vor zehn Jahren. Die Zahl der Schweine ging um rund 25 Prozent auf 21,4 Millionen zurück. Niedersachsens Agrarministerin Staudte weiß Abhilfe: Man könne doch die leerstehenden Ställe zum Cannabisanbau zu nutzen. Wer dennoch Fleisch essen will, wird auf dem Weltmarkt bestens bedient. Ob man in fernen Ländern ebenso aufs Tierwohl achtet wie bei uns? Auch egal.
Deutschland, ein Land der Wunder. Wir sind nicht nur bei der Energie, sondern auch bei der Ernährung schon lange global aufgestellt: Was wir nicht produzieren, produzieren dann eben andere. Unbewirtschaftete Agrarflächen werden für Windräder zubetoniert oder mit die Umwelt erwärmenden Solarpaneelen zugepflastert, der Rest wird Urwald. Was für eine schöne Welt! Vielleicht sollten wir nicht nur unsere verbliebenen Bauern gen Berlin fahren lassen, mit der Forke auf dem Fendt, sondern uns ihnen anschließen.
Cora Stephan ist Publizistin und Schriftstellerin. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Ihr aktueller Roman heißt „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft“.

@Rosa Z.: Sie haben natürlich recht, so ist es. Komme selbst vom Land, weiß das aus eigener Anschauung,
Wir sollten uns den Bauern ganz bestimmt anschließen. Wenn es tatsächlich dezentrale Demonstrationen gibt, ist es ja kein weiter Weg und je mehr beteiligte Personen desto besser. Vielleicht kann man so zu einer kritischen Masse kommen, die diese unwürdig Regierung zum Kippen bringt.
Wer versorgt eigentlich die Gastronomie des Bundestages und Bundeskanzleramtes ? Vielleicht sollte man da man ansetzen, ist
nur so eine Idee ………
Nur ein Feind setzt d. Landwirt nen Wolf vor Haus u. Stalltür. Nur ein Feind verbreitet damit gezielt Angst / Schrecken im Dorf.(1) Ist die Regierung jetzt der Feind der Bauern u.des Volks u. seiner Nachkommen? Oder arbeitet sie einem solchen Feinde zu? Falls ja, wem u. warum genau?xxx Zu Rotkäppchen und dem Wolf:
Irgendwas stimmt in der Logik d.„Wolfsmanager nicht: Da lese ich der Wolf,, der immer wieder, damals wie heute gerne auch auf Friedhöfen auftaucht, sei ein Allesfresser was Fleisch anlangt. Andrerseits aber soll er sich nicht für Menschenfleisch (ähnlich d. Schweinefleisch) interessieren? Nanu? Diese beiden Aussagen sind nicht kompatibel.
Dann auf Google lese ich “Zum ersten Mal wurde ein Wolf bei Hameln in Niedersachsen gesichtet und fotografiert. Der Schnappschuss eines Fotografen zeigt das Tier mit einem erlegten Waschbär im Maul. Die übliche Beute der Wölfe besteht sonst eher aus Rehwild, Rotwild oder Schalenwild wie Wildschweine.29.12.2016„. Wow, ob dieser Erkenntnis! Auf kanadischen Webseiten lese ich, dass der Waschbär fester Teil des Speiseplans von Wölfen sei, was zur Frage führt, was ,wenn d.Waschbären in Dörfer u. Städte ziehen wie bereits der Fall, mit den Wölfen gleich hinterher da letztere für das Ablegen d. Menschenscheu regelrecht durch Waschbären Happen belohnt werden. Ich warte daher längst auf Gehegepläne seitens d.Regierung, nicht in Bezug auf Prädatoren sondern den Menschen. Wo ist der Gehegeplan f.Spaziergänger i.Wald? Bauern aufm Feld? Radfahrer, Gärtner Waldarbeiter? Ich meine gelesen zu haben, dass d.Verursachen von Stress beim andern durch Terrorisieren bereits als Körperverletzung gewertet werden könnte . Daraus schließe ich dass ein Angstfreies Dasein zu den Grundrechten eines Menschen gehört. Dass ein via Waschbär ins Dorf gelockter Prädator ein Grund zur Angst ist braucht nicht diskutiert zu werden, da zumindest solang offenkundig als gewisse Hunde angeleint u. mit Maulkorb versehen werden müssen
Habe lange über so manches Rätsel das dieser Artikel anspricht nachgedacht und komme zum Schluß: Dass der Grund für manchen Wirtschaftsminister im Amt der gleiche sein e könnte wie der für die Präsidentschaft von Joe Biden über seinen Teleprompter Nur dass es bei nem Wirtschaftsminister mehrere Teleprompter im Hintergrund sein könnten, Wo der Mißbrauch Hochkonjunktiur hat, da scheints mir wichtig das Wirtschaftsministerium mit so einer Art „Weihnachtsgans“ zu besetzen die man nach Strich und Faden ausnehmen kann. Und,, jemand vom Fache eignet sich für diese Rolle denkbar schlecht…
Ich finde die Bauern sollten an die Kantinen von EU und Bundestag nur noch Insektengulasch liefern und zum Nachtisch ein Parfait aus Milch von glücklichen Läusen,, die der Gast vor Verzehr erst melken muss, (damit das Produkt nachhaltiger im Verzehr ist) anders funktioniert das nicht
Der Streit zwischen Stadt und Land hängt sich häufig an „den Subventionen“ auf. Hier im Oberallgäu erhalten die zahlreichen Wald- Weide- und Alpgenossenschaften staatliche Prämien und Zuschüsse. Weil sie Aufgaben in eigener Regie erledigen, die im allgemeinen Interesse liegen und die der Staat nicht richten kann und nicht richten will: Bewirtschaftung der Bergwälder, Ausholzen von Käfertannen, Aufforsten, Weidepflege, Verhindern von Verbuschung, Erhalt der Kulturlandschaft, Wege- und Brunnenbau. Alles, wie ich aus Eigenem berichten kann, anstrengende Arbeit in schwierigem Gelände, die nur teilweise von Motorgerät unterstützt ausgeführt werden kann. Und das bei geringem Ertrag, wenn man die uns gezahlten Preise für Milch und Holz betrachtet. Wir verzichten auf „Subventionen“, wenn wir angemessene Preise erhalten. Zumal jede Prämie, jeder Zuschuss mit Auflagen und Bedingungen verknüpft ist. Herren unserer Geschicke sind wir unter diesen Bedingungen nur sehr beschränkt.