Gastautor / 22.01.2021 / 17:00 / Foto: Pixabay / 8 / Seite ausdrucken

Die stillen Covid-Opfer

Von Jessica Ehmer.

Die Not der Schwerhörigen (und auch Ertaubten), die sich infolge von Corona drastisch zugespitzt hat, so schrieb die WELT am 19. Januar in ihrer Druckausgabe, bliebe, im Gegensatz zu anderen Notleidenden der Corona-Einschränkungen, bisher unter dem Radar: „Sie sind die stillen Covid-Opfer, die seit Monaten existenziell unter dem Genuschel Maskierter leiden. Corona hat die Not Schwerhöriger drastisch verschärft.“

Warum? Ein Betroffener schreibt in dem WELT-Bericht (er verschwindet leider hinter der Bezahltschranke): „Mehr als je zuvor wurde mir in den letzten Monaten bewusst, wie das natürliche Gehör Halt gibt im Dezibel-Dickicht. Es filtert nicht nur den Inhalt aus dem Umgebungslärm heraus und überträgt diesen, sondern lässt auch anhand von Timbre, Artikulation und Lautstärke auf die Stimmungslage des Sprechenden schließen. Leichthörige können sich blind darauf verlassen, wie Segler auf ihre Lotleinen. SHs ist dieses Urvertrauen schlichtweg fremd.“

Als würde das nicht schon reichen, die Masken lassen auch noch den größten Teil der Mimik verschwinden. Lippenlesen ist gar nicht erst möglich. Siehe auch hier. Und weiter: „Nur allzu leichtsinnig denken die Leichthörigen, dass Hörverlust sich auf das Gehör beschränke. Gerät oder Implantat rein, und das Problem ist gelöst. Wenn es doch nur so einfach wäre! In Wirklichkeit ist bei Gehörverlust der ganze Bereich der Kommunikation und der sozialen Funktionsfähigkeit beeinträchtigt.“

In der Tat. Die Masken und Kontaktbeschränkungen, die ein Gespräch vis-a-vis oft genug unmöglich machen, geben den Schwerhörigen und Ertauben den Rest. Im übrigen ist dies eine ziemlich unbeachtete Gruppe, auch weil sie selbst wenig Wert darauf legt, im Mittelpunkt zu stehen. Beide sind Meister der Anpassung. Jetzt geraten sie aber an ihre Grenzen. Der Autor in der WELT beschreibt es sehr schön und konstatiert: „Dabei sind die SHs die wahren Solokünstler, ohne jemals diesen Status für sich zu beanspruchen. Ihren aktuellen Gemütsstatus kurz darzustellen muss im Beethoven-Jahr doch erlaubt sein.“

Finde ich auch. Und noch einen Wunsch spricht der Verfasser der Zeilen aus: Möge es eine Verpflichtung geben, alle Gespräche – öffentliche und nichtöffentliche – zu simultanuntertiteln. Ein schöner Traum.

Foto: Pixabay

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Karola Sunck / 22.01.2021

In unserer Stadt ist das Büro des Behinderten -Beirates wegen Corona geschlossen und es gibt nur eine Telefonnummer die einen Anrufer mit einer elektronischen Hotline verbindet , wo man auch niemand persönlich an den Apparat bekommt. Für einen Behinderten mit Sprach-und Hörproblemen ein letztlich aussichtsloses Unterfangen. Wir haben in unserer Nachbarschaft so einen allein lebenden Menschen. Im Normalzustand kommt er damit ganz gut klar. Als der Lockdown losging, wusste er nicht aus, noch ein. Ohne die hilfreiche Nachbarschaft wäre er untergegangen. Diese Menschen haben echt Probleme. Aber sie werden von den Behörden im Stich gelassen. Denn sie führen ein Leben meist im Hintergrund, wie in dem Beitrag erwähnt und haben keine Lobby wie z.B. die Flüchtlinge, die sich um nichts kümmern brauchen und um die sich ein ganzes Heer von Helfern scharen. Alles nur noch ekelhaft, wie es in Deutschland vor sich geht.

Hans Jürgen Haubt / 22.01.2021

Dem Artikel kann ich als Schwerhöriger nur beipflichten. Ich habe große Verständigungsschwierigkeiten mit Hörgeräten und Maske, weil bei mir vor allem auch das Sprachverständnis (Klarheit der gehörten Sprache) eingeschränkt ist. Auf Grund eines Nasenbein- und Nasenknorpeltrümmerbruchs 2016 bereitet mir das Atmen mit Maske zusätzliche Probleme wegen der verengten Atemwege, weil es mir die Nasenflügel zusammenzieht. Gleichzeitig steigt in meinen Gehörgängen und Nebenhöhlen ein Druckgefühl im Kopf, wenn ich die Atemmasken trage, was durch die Schallwellen der Hörgeräte verstärkt wird. Nehme ich die Hörgerate aus dem Ohr, lässt das Druckgefühl etwas nach - verschwindet aber nicht ganz. Mir sind schon mehrmals die Hörgerate herausgefallen beim Abnehmen der Maske. Gottseidank bemerkte ich es gleich. Einmal riss das Verbindungsschläuchlein ab. Der HNO-Arzt sagte mir beim letzten Praxisbesuch, dass dies inzwischen öfter vorkomme. Die einfachen OP-Masken aus Papier vertrage ich am besten. Leider sind in Bayern ausschließlich FFP-2 -Masken erforderlich, die in der Apotheke 2,50 Euro kosten und sich bei Abnahme von 10 Stück um etwa 15 bis 20 Cent verbilligen. Das und anderes mehr haben in wir in Bayern Söder’s Lockdown-Kurs zu verdanken. Die Österreicher schafften des, mit den Maskenlieferfirmen einen wesentlich billerigen Stückpreis für FFP-2-Masken auszuhandeln. Hierzu sind die Politiker bei uns in Deutschland nicht fähig.

Maria Dreiling / 22.01.2021

Gegen diese Lappen, Larven oder gar FFP2-Masken helfen auch keine Hörgeräte. Hörgeräte taugen eh nur, wenn der Sprecher langsam (normal schnell) und deutlich und zum Gesicht des Hörers hin spricht - damit er trotz Hörgeräte vom Munde - “ablesen” kann. Das wird mir momentan versagt, ja verweigert! Außerdem ist es so kraftaufwändig, wenn ich jedem Wort verbissen nachlauschen soll. Nach kurzer Zeit ist keine Energie - ja: Energie zum Hören! - mehr da und ich gebe auf. Es macht sich ferner hervorragend, Brille, Hörgeräte, Schnüre um das Ohr zu haben und draußen auch noch eine Mütze oder einen Hut.      Ich weigere mich deshalb, eine Maske/MNS/FFP2/Alltags- oder Festtagsmaske zu tragen. Bis jetzt bin ich mit meinen Schals fast überall hingekommen. Der 16.9.2020 war der einzige Tag, an welchem ich einmalig eine hellgrüne (?) gekauft und benutzt habe, weil ich in die Schweiz wollte.       Die Schnüre oder Bänder liegen tatsächlich auf den kleinen Mikrofonen. Das ist D I S K R I M I N I E R U N G !  Das ist eine   B E L E I DI G U N G !  Das ist ein 2. Ausschluß aus der Gesellschaft!

Wilfried Cremer / 22.01.2021

Guten Abend Frau Ehmer, da die Brille obendrein beschlägt, ist man zudem halb blind. Das ist die ekle Folter der Gesundheitsgötzendienerkaste an der Macht, voran Frau Merkel. Würg.

P. Wedder / 22.01.2021

Fragen Sie mal den Behinderten-Beirat Ihrer Stadt, was speziell für Menschen mit Behinderung während des Lockdowns getan wird. In meiner Stadt kam nur ein Achselzucken und ein „Ist halt so, da kann man nichts machen“. Wenn man sich selber kümmern und engagieren muss, kann man diesen Beirat auch abschaffen.

Kurt Engel / 22.01.2021

Ich hatte mich deswegen schon an den Behindertenbeauftragten der Bundesregierung gewandt. Habe eine schöne mail erhalten deren Inhalt verkürzt lautet: Ist bekannt, kann man nix machen. Da ich weder d bin, noch cp und auch nicht einer nichtchristlichen Religion angehöre sind meine Chancen nach dem Gleichstellungsgesetz behandelt zu werden gleich null.

Frances Johnson / 22.01.2021

Ohne Ihr Stück hier wäre mir das bislang nicht aufgefallen, obwohl es offensichtlich ist. Vielen Dank. Gestern bekam ich wie alle Haushalte eine Einladung, umsonst das Gehör testen zu lassen. Merkwürdiger Zufall.

Stefan Riedel / 22.01.2021

Das Gesicht verrät die Stimmung des Herzens( Dante Alighieri). Die Maske ist unmenschlich.

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