Städte, obwohl nicht dafür erfunden, müssen ökologisch aufgerüstet werden. Die Leidtragenden: Alle die, die ohne Fahrrad oder zu Fuß von einem Ort zum anderen müssen, aber nicht können.
Gerade haben „die Pariserinnen und Pariser“, wie auch in deutschen Medien nachzulesen, für einen Masterplan gestimmt, wonach Autos aus weiteren 500 Straßen der französischen Metropole ausgesperrt werden sollen. Noch einmal bis zu 10.000 Parkplätze sollen wegfallen in einer Stadt, die infolge der rigiden Politik der sozialistischen Bürgermeisterin Anne Hidalgo endgültig zum Albtraum für Autofahrer geworden ist.
Die verkappte Grüne machte Schnellstraßen zu Fahrradpisten und Fußgängerzonen, verordnete Schneckentempo in der Innenstadt, hob die Parkgebühren drastisch an, vor allem für teure SUVs – eine Portion Klassenkampf und Reichenhass kommt bei Salonlinken immer gut an.
Dass an der betreffenden „Bürgerbefragung“ nur vier Prozent der rund 1,4 Millionen Abstimmungsberechtigten teilgenommen hatten, ficht Hidalgo nicht an bei ihrem Kampf gegen Lärm, Luftverschmutzung und die Auswirkungen der „Klimakrise“. Auch Proteste von Gewerbetreibenden und alt eingesessenen Bürgern lassen sie kalt. Sie handele nur im Auftrag von Touristen und ihrer wichtigsten Wählerklientel, der grün angehauchten Bourgeoisie, sagen ihre konservativen Kritiker.
Der Moloch Stadt
Wer zu jung oder zu alt ist, um größere Strecken mit dem Fahrrad oder per pedes zu bewältigen (den Verleih von E-Scooter in Paris hat Hidalgo verboten), wer den öffentlichen Nahverkehr als zu gefährlich meidet, wer sich keinen teuren Parkplatz leisten kann oder regelmäßig größere Lasten transportieren muss, wer am Wochenende mit dem Auto aufs Land fahren möchte, um das ererbte Häuschen der Eltern zu pflegen, schaut womöglich in die Röhre. Alle sollen es halten wie Jacques Tati in „Mon Oncle“ mit seinen slapstickhaften Fahrradtouren in der Großstadt. Das war im noch ziemlich beschaulichen Jahr 1958.
Nicht nur in Paris, auch in Lyon, der drittgrößten Stadt Frankreichs, breitet sich die Ideologie der „grünen Stadt“ ungehindert aus, was die Kommune am Zusammenfluss von Rhône und Saône in ein Dauer-Verkehrschaos gestürzt hat. Und natürlich in Deutschland, Mutterland des Ökologismus, wo sozialistische und grüne Stadtregierungen in München, Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main, Köln alles daransetzen, um Autofahrern das Leben schwer zu machen und Innenstädte in botanische Gärten umzukrempeln. Neben der AfD sind sie zum zentralen Feindbild der Sozialklempner geworden.
Doch eine Stadt ist eine Stadt, kein Naturpark. Oft grau, vermüllt, lärmend, stinkend, übervölkert. Wo viele Menschen unterschiedlichster sozialer Milieus und Kulturen auf engstem Raum zusammenleben, bleibt das nicht aus, wobei deutsche Großstädte im Vergleich etwa zu den Megastädten in China Luftkurorte sind. Doch der Moloch Stadt kann eine ungeheure Anziehungskraft ausüben. Hier kann man, anders als auf dem Dorf oder in der Kleinstadt mit ihrer oft einengenden Sozialkontrolle, in der Masse untertauchen und die eigene Individualität leben. Dafür sind viele Leute bereit, die Nachteile des Großstadtlebens in Kauf zu nehmen.
„Heraus aus grauer Städte Mauern“ war einmal
Gegenwelt der Stadt war lange Zeit „das Land“, im Bürokratendeutsch „Außenbereich“, das vermeintlich idyllische Kontrastprogramm zu den auf Effizienz und Ertrag ausgerichteten Verwertungszusammenhängen urbanen Lebens. Doch das Modell „Vorne Friedrichstraße, hinten Ostsee“ ist ins Wanken geraten, seit die Provinz immer mehr verstädtert, die industrielle Landwirtschaft auch den letzten Winkel nutzbar macht und neuerdings selbst Wälder zur massenhaften Bereitstellung „erneuerbarer Energien“ herangezogen werden. Außerdem gilt das Land als „rechts“, als Hochburg der AfD, ein guter Grund für mehrheitlich dem linksgrünen Spektrum zuneigende Städter, zu Hause unter sich zu bleiben.
„Heraus aus grauer Städte Mauern“ war einmal. Seit das Land als Sehnsuchtsdestination und Fluchtpunkt mehr und mehr ausgedient hat, muss die Stadt ökologisch aufgerüstet werden, anknüpfend an manche Ideen der Gartenstadtbewegung der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als schon einmal versucht worden war, das Land, respektive die Natur in die Stadt zu holen. Damals begleitet vom sozialreformerischen Motiv genossenschaftlichen Bodenbesitzes, um Spekulation zu vermeiden. Heute ist an die Stelle dieses Motivs der Klimawandel getreten.
Nun sollen Bäume auf einstigen Parkplätzen die Bürger vor einem sommerlichen Hitzschlag bewahren, innerstädtische Wildblumenwiesen das Bienensterben aufhalten soll „Urban Gardening“ nicht nur für, man staune, gesunde Lebensmittel sorgen, sondern vom Landleben entfremdeten Städtern den verloren gegangenen Konnex zur Urproduktion zurückgeben, angesichts der Überschaubarkeit innerstädtischer Agrarproduktion ein absolut sinnloses Unterfangen. In mit Blumenkübeln und Sitzbänken vollgestellten „Begegnungszonen“ sind Autos vielleicht gerade noch geduldet. Und Frauen mit „grünem Daumen“ verteidigen vehement die von ihnen liebevoll bepflanzte Baumscheibe gegen Falschparker und Hundebesitzer, die verzweifelt auf der Suche nach einem Plätzchen sind, wo ihr Vierbeiner seine Notdurft verrichten kann. Im Gegenzug werden die Reste einstiger Gartenstädte gnadenlos „nachverdichtet“.
Ein Grüner, der ausnahmsweise einmal recht hat
Sicher spricht nichts dagegen, manche Auswüchse der „autogerechten Stadt“ aus den sechziger und siebziger Jahren zu korrigieren, aber man muss ja nicht gleich ins andere Extrem verfallen. Denn eine Aufwertung im Zeichen von Ökologie und Klimaschutz führt unweigerlich zur Abwanderung der letzten Reste von Handel und Gewerbe in die Speckgürtel der Großstädte. Von dort müssen oft unterbezahlte Migranten alles Lebensnotwendige wieder in die City schaffen, meist immerhin „klimafreundlich“ mit dem elektrisch betriebenen Transporter oder Cargo-Rad.
Außerdem steigen die Mieten in den vom Autoverkehr „befreiten“ Zonen, was zu einer weiteren sozialen Segregation führt. Am Ende reiht sich ein veganes Restaurant, eine Biosauerteigbäckerei und ein Fahrradgeschäft ans andere, bevölkert von Touristen, die das Legoland Europa bestaunen, und erwerbsfähigen Müttern und Vätern in Elternzeit, die sich bukolischer Kontemplation hingeben, fernab der Problemgebiete, in denen sich Migranten und sozial Schwache verlustieren.
Oft haben Denkmalschützer ihre liebe Not, die Invasion grüner Heimeligkeit selbst dort aufzuhalten, wo es nie besonders viel Grün gegeben hat, etwa in klassizistischen Raumschöpfungen wie der Münchner Ludwigstraße. In Berlin wurde jüngst nach mehrjähriger Generalsanierung der Gendarmenmarkt wiedereröffnet, ein Paradebeispiel des preußischen Klassizismus. Fast ganz ohne Bäume, was Proteste hervorrief und Vergleiche mit Paris, das immer grüner werde, während man in Berlin eine „Stadtglatze“ geschaffen habe. „Der Gendarmenmarkt ist keine Grünanlage für die tägliche Naherholung“, wird dazu der grüne Umweltstadtrat von Berlin-Mitte, Christopher Schriner, zitiert. Dafür gebe es andere Orte in der Umgebung. Da hat ein Grüner ausnahmsweise einmal recht gehabt.
Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mitgegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.
Beitragsbild: gruene-xhain.de

Ich liebe Stadtparks. Doch auch die leiden unter dem Bevölkerungswandel (gerne doppeldeutig verstanden). Gelernt habe ich noch über die Größen der Städte, die Radien der Fußgängerstadt, der Straßenbahnstadt und das Wachstum der Autostadt. Städte sind Ballungsräume oder sie sind nicht. Mehr Grün ist schön und viele neue vertikale Ansätze sind vielversprechend. Horizontal scheint mir das Optimum aber schon lange gefunden. Da wo man mehr will oder weniger, wird nahezu immer Bewährtes zerstört. Danke für den interessanten Beitrag und das Aufgreifen dieses existentiell wichtigen Themas.
E. Runge / 28.03.2025: Das stimmt nur zur Hälfte. Die Landbevölkerung will die Windräder und Solarparks ebenso wie die Städter. Sie bestätigen dies regelmäßig durch Wahlen. Außerdem verdient die Landbevölkerung (vor Allem Landwirte und Biogasbetreiber), auch in Form von Arbeitsplätzen, daran.
Mich bringt nichts freiwillig dazu, mich in meiner Großstadt mit meinem Auto zu bewegen. Selbiges dient nur dazu, die Stadt gelegentlich zu verlassen. Der Lärm, das Herumstehen im Stau, die Hektik, die nervige und teure Parkplatzsuche, … – das sind Auswüchse des Wohlstands, für die große Städte schlicht nicht geplant wurden. Und als man es versucht hat (autogerechte Stadt), wurde es auch nicht schöner. Insofern ist es zu begrüßen, wenn es hier eine langsame Rückwärtsbewegung gibt. Und wenn in den vom Autoverkehr befreiten Zonen die Mieten steigen und nicht fallen, ist das ja wohl ein deutliches Zeichen, daß die Leute das Leben so attraktiver finden. Wo ist also das Problem? Davon abgesehen handelt es sich doch um eine demokratische Entscheidung. Oder gibt es so etwas wie ein Grundrecht auf Fortbewegung in einem Auto, selbst wenn der Platz hinten und vorne nicht für alle reicht?
Herr Etscheit, ich muss Ihnen etwas gestehen:
Immer bei Vollmond verwandle ich mich in eine Kreatur, die es dann mit Macht ins Freie zieht. Der Wolf in mir erwacht, und mit ihm eine seltsame Art von Freiheit. Ich durchstreife die Häuserschluchten, stapfe durch die dichte Vegetation von urbanen Wildblumenbeeten und – da! – erlausche das Geräusch eines herannahenden Lastenfahrrads. Es trägt eine Mutter mit Vintagekäppchen und zwei Kindern in einem Fensterkorb, den ich lieber meide – Plastikreste sind nicht mein Ding.
Aber ich bin kein Wolf, sondern ein Stadtmensch, der so gelesen werden möchte. Meine wilderen Brüder würden sich über solche Hindernisse nicht wundern, aber ich ziehe die urbane „Wildnis“ den Dörfern und Einsiedlerhöfen vor, wo Schutzzäune und aggressive Kangals selbst den mutigsten Jäger vertreiben.
Auf meinem Rückweg sehe ich meinen Psychotherapeuten. Er blickt mich wissend an, lächelt kurz und geht weiter. Sein Bericht ans Gericht, der meine Entlassung aus der geschlossenen Station befürwortete, beschreibt meine Wolfsnatur als ein Produkt meiner überfordernden Kindheit. Ein hochbegabtes Kind, das das Rudel schützen musste, während die Eltern fehlten.
Und jetzt frage ich mich: Ist diese Wildnis wirklich ein Raum der Heilung? Oder nur ein Konstrukt, erschaffen von einer zivilisationskranken Welt, die sich eine Illusion von Freiheit und Natur schafft – während die Grenzen in Wahrheit nur anders aussehen?
Die „mit Blumenkübeln und Sitzbänken vollgestellten Begegnungszonen“ sind hier (Norddeutschland) in der „zukünftig autofreien Innenstadt“ innerhalb weniger Tage zum Areal von Bettlern, Obdachlosen, Alkoholkranken und Drogenkonsumenten geworden. Diese sitzen dort scheinbar Tag und Nacht, vermüllen alles, pöbeln Passanten an und sind nicht eben leise und diskret. Die „modernen Sitzmöbel“, die „Begegnungen ermöglichen“ sollen, sind inzwischen unglaublich verdreckt, alles wirkt furchtbar heruntergekommen. Drogendealer machen dort gute Geschäfte, und die angrenzenden Läden schließen nach und nach. Die Laufkundschaft bleibt aus, denn wer will sich schon durch die vorgelagerten „Begegnungszonen“ drängen und über Schlafsäcke, Pappkartons, zerbrochene leere Flaschen und Berge von Müll (inklusive menschlichem Kot) steigen müssen, bevor er einen Laden betreten kann. Der Einzelhandel in der Innenstadt geht zugrunde, denn der Lieferverkehr per Transporter oder LKW wird nach Kräften behindert. SPD und Grüne, die das alles initiiert haben, begreifen offenbar nicht, dass Waren nicht per Lastenfahrrad angeliefert werden können. Autoverkehr in der Innenstadt will man nicht, Parkplätze wurden zu Fahrradwegen und „Begegnungszonen“ – folglich bleiben die Kunden aus den Vororten und dem Umland weg. Der ÖPNV ist eine einzige Katastrophe und kann den Individualverkehr nicht ersetzen. Die Einzelhändler gehen in die Insolvenz, und nicht mal Shisha-Bars, Tattoo-Studios oder Mobilfunk-Läden können sich auf Dauer halten. Das, was GrünRot als „neues Innenstadtkonzept“ anbietet, führt zur Verödung und Vermüllung der Innenstadt, die dadurch weder attraktiver noch sicherer geworden ist. Unsere Stadt lebte bisher vom Tourismus – nun schlagen Tourismusverbände und Einzelhandel Alarm, denn eine „autofreie“, vermüllte, verödete und unsichere Innenstadt schreckt Touristen nachhaltig ab. Aber vielleicht ist das ja auch gewollt …
Die Sozialkontrolle ist in die Innenstädten wesentlich höher als auf dem Land!- Es ist also genau umgekehrt! Da ich selber ab und zu durch Berlin Mitte und durch Friedrichsheim fahren muss, sehe ich alles! Es ist ein Alptraum der schlimmsten Sorte. Die Baustellen, der Dreck, die kaputten Straßen. Autofahrer werden gehasst und regelmäßig abgezockt! Nicht zu ende gedachte Gentrifizierung, die auf Sand gebaut ist! – Der Verfall ist schlimmer als nach der „Wende“, und nimmt stetig zu!- Wer dort leben muss, weil er gebrochen und arm ist und nicht mehr wegziehen kann, der verliert sich in Alkohol und kiffen! Man sieht regelmäßig die Kotzlachen an den Hauseingängen.-Und wer dort leben will, der sieht es nicht, weigert sich es zu sehen, findet diese Selbstzerstörung an sich selbst und seiner Umgebung sogar noch toll. Es gibt nicht ein Straßenschild, Laternenmast, Bushaltestelle usw, das nicht frei von Stickern/ Aufklebern/ Graffiti ist.- Immer das gleiche steht dann da!- FCK AFD, Alerta bla,bla, „Gegen“- was auch immer, Alle hassen die AfD, Hass ist keine Meinung..usw.- Solche Leute die das gutheißen haben wir in der Regierung!! -Das soll Hauptstadt oder Weltstadt sein??!- Ein peinliches, krankes Armutszeugnis! – Die sogenannten Touristen kommen auch nur aus den gentrifizierten Echokammern anderer europäischer Städte. Deren aufgesetzter Individualismus sieht für mich gleich aus; „Männer“dutt, Problempony und Joschkafrisur a la Louis Klamroth. Die düstere Romantik aus SIN CITY ist vorbei!!- Es ist SCHLIMMER geworden!
Weniger Autos = weniger Kunden = weniger Handwerk/Handel = weniger Arbeitsplätze = weniger Bewohner = weniger Steuern = weniger Flausen. Das regelt schon alles der Markt. Dauert halt nur lange.