Dirk Maxeiner / 26.04.2016 / 16:19 / Foto: Fastily / 2 / Seite ausdrucken

Die SPD, die Achse und die Strukturmerkmale eines Briefkastens

Ein besonders schlecht durchblutetes Organ der siechen SPD heißt „Vorwärts“ und dient der Information der Mitglieder. Der Politikwissenschaftler Kai Doering bekleidet dort das undankbare Ressort „Parteileben“, er hat also viel Zeit für die Themen „Integration“ und „Energie“, die er nebenbei noch verwaltet. Ob die Achse des Guten unter „Integration“ oder „Energie“ fällt (Herr Broder drückt sich seit Jahrzehnten um den Integrationskurs), wissen wir nicht, ist auch egal, nur „Parteileben“ hätte uns echt gestunken.

Unter dem Titel „ddvg betreibt keine Briefkastenfirma“ stellt Herr Doering fest, dass die SPD-eigene Firma „Cavete Global Ltd“, die in Hongkong residiert, „keinerlei Strukturmerkmale einer Briefkastenfirma“ aufweise. Nun, das hatte unser Autor in den beiden Beiträgen (siehe hier und hier) auch nicht behauptet, wie wir auch alles andere nicht behauptet haben, was die SPD und ihr Mann fürs Parteileben dementiert. Macht aber nix, wenn schon das Parteileben so munter ist wie das Nachtleben in Mekka, dann muss man eben ab und zu einen Pappkameraden umhauen. Wobei es schon interessant wäre, um welche „Strukturmerkmale“ es geht. Ist ein SPD-Briefkasten möglicherweise rot statt gelb? Oder sieht er wie ein Toaster aus, mit zwei Schlitzen? Und wenn man was reinsteckt, kommt es braun wieder raus?

Apropos: Es ist so merkwürdig still um die Panama-Papiere geworden. Man hört davon ja gar nix mehr.  Die Sozialdemokraten hatten anlässlich von deutschen Unternehmen und Bürgern, die über Niederlassungen in Panama verfügen, so laut das Lied vom kriminellen Steuerflüchtling angestimmt, dass wir der Vollständigkeit halber darauf hinweisen wollten, dass sich auch die Sozialdemokratie einen Briefkasten in Hongkong angeschafft hat.

Alles vollkommen in Ordnung lässt uns jetzt „Vorwärts“ wissen, denn man sei geradezu gezwungen, dort eine Niederlassung zu betreiben. Eine mehrheitliche Beteiligung ausländischer Unternehmen an in China tätigen Firmen ließe sich in Hongkong wesentlich einfacher umsetzen als im chinesischen Mutterland. Ja wenn das so ist: Könnten solche Umstände nicht auch auf in Panama ansässige Unternehmen zutreffen? Aber solche Fragen sind vollkommen unpassend, Generalverdacht darf nämlich nur die SPD.

Und wenn Vorwärts mal richtig in Schwung ist, dann gibt es kein Halten, die letzte Inspektion der Bremsen wurde nämlich unter Helmut Schmidt angeordnet. Irgendjemand im nordrhein-westfälischen Landtag muss, obwohl Herr Doering ihm ausdrücklich abgeraten hat, die demokratietechnisch äußerst bedenkliche Achse des Guten gelesen haben (rechts von uns lauert nur noch Dschingis Kahn, wir waren zu lange im Toaster). Sei es, wie es sei: Der CDU-Abgeordnete Marcus Optendrenk wagte es gar, das hohe Haus mit einer Nachfrage nach der Hongkonger Postadresse des Willi-Brandt-Hauses zu nerven.

Dabei kam heraus, dass wir uns jetzt wenigstens keine Sorgen mehr um die Zukunft der SPD und Ihrer Würdenträger machen müssen. Geschäftsziel der SPD-Firma sei nach dem Vorbild von "Ökotest" die Aufklärung der chinesischen Verbraucher. Dies ist ein naheliegender Schritt der SPD, nachdem die Aufklärung der deutschen Wähler als Geschäftsziel zu anstrengend geworden ist. Der Chinese ist als Volk und überhaupt pflegeleichter, gut gewählt! Xiàng qián, xiàng qián, yǒng bù! (Vorwärts immer, rückwärts nimmer). Bis zum Jahresende werde die Zahl der Planstellen auf 100 anwachsen, schwärmt „Vorwärts“. Das sollte zumindest für den SPD-Vorstand reichen. Und Kai Doering wechselt beim Vorwärts ins Ressort Friedhofsverwaltung.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Paypal via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

K. Metzger / 27.04.2016

Bei der Frage, warum es um die Panama Papers so ruhig geworden ist, ging mir spontan der Gedanke durch den Kopf, wo denn die SED Milliarden mittlerweile geparkt sind. Aber das ist sicher ein abwegiger Gedanke.

Ben Schiffner / 26.04.2016

Richtig guter Text, Herr Maxeiner, wie oft. Bloß der Altkanzler heißt - allen Brandwein-Scherzen zum Trotz - nicht Willi Brand, sondern Willy Brandt.

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Dirk Maxeiner / 21.04.2024 / 06:15 / 121

Der Sonntagsfahrer: Fahrverbote und Gesetze, die niemand einhalten kann

EU und Bundesregierung verabschieden immer weltfremdere Gesetze und schreiben Lösungen vor, die es schlicht nicht gibt.  Der sogenannte Klimaschutz wird dabei immer menschenfeindlicher, der Bürger willkürlich…/ mehr

Dirk Maxeiner / 14.04.2024 / 06:15 / 62

Der Sonntagsfahrer: Der Augsburger Gasballon

Augsburg ist eine Stadt von Friedensfreunden. Die schritten vergangene Woche aber zur Generalmobilmachung. Grund: Das Gasnetz soll früher oder später weg. Wenn es um Friede,…/ mehr

Dirk Maxeiner / 07.04.2024 / 06:00 / 119

Der Sonntagsfahrer: Betteln um die Pleite

Trotz der gescheiterten E-Auto-Wende betteln einflussreiche Autohersteller darum, das Verbrennerverbot nicht infrage zu stellen. Die Wünsche der Kunden sind längst egal. Wer hält länger durch? Die…/ mehr

Dirk Maxeiner / 31.03.2024 / 06:15 / 58

Der Sonntagsfahrer: Ich will nachhause telefonieren

Der erhobene Zeigefinger liegt schon länger voll im Trend. Nationalspieler Antonio Rüdiger machte den ET und auch allerhand weitere Berühmtheiten gestikulieren, bis der Arzt kommt.…/ mehr

Dirk Maxeiner / 24.03.2024 / 06:15 / 88

Der Sonntagsfahrer: UN verbietet VW-Up

Handelt es sich bei einigen Autos, darunter beliebte Volkswagenmodelle, um gemeingefährliche Cyberwaffen? Nach UN-Vorschriften ja. Deshalb dürfen sie ab Juli in Europa nicht mehr verkauft werden. Was…/ mehr

Dirk Maxeiner / 17.03.2024 / 06:15 / 72

Der Sonntagsfahrer: Glückskekse von Habeck

Die Äußerungen führender Ampelpolitiker wirken wie die Botschaften, die in chinesischen Glückskeksen enthalten sind. Der Konfuzius dieser Stilrichtung ist Robert Habeck und sein treuer Knappe…/ mehr

Dirk Maxeiner / 10.03.2024 / 06:05 / 57

Der Sonntagsfahrer: Das Verbrenner-Aus-Aus

Die EU will das Verbrenner-Aus beenden und der Bundesrechnungshof charakterisiert die Energiewende als Blindgänger. Das Aus-Aus wird zum direkten Nachfolger des Doppelwumms. Als Zweikreisbremsanlage wird…/ mehr

Dirk Maxeiner / 03.03.2024 / 06:15 / 79

Der Sonntagsfahrer: E-Autos in Quarantäne

Die Mobilitätswende ist mausetot. Jetzt steigt auch noch Apple mit seinem gehypten Autoprojekt aus. Was wirklich wächst, ist die Zahl der Abstellflächen für waidwunde E-Mobile.…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com