Sebastian Thormann, Gastautor / 11.10.2019 / 12:00 / Foto: Sheilalau / 13 / Seite ausdrucken

Die Selbstzensur des Westens gegenüber Chinas Machthabern

Von Sebastian Thormann.

Letzte Woche zeigte der Manager des Basketball-Teams Houston Rockets auf Twitter seine Unterstützung für die pro-demokratischen Demonstranten in Hongkong. Kurze Zeit später musste er den Tweet löschen und sich entschuldigen, die amerikanische Basketball-Liga NBA setze ein Statement ab, in dem es hieß, der Tweet „habe viele chinesische Fans verletzt“. Was war passiert?

Die NBA überträgt ihre Spiele nämlich auch nach China, und hat mit China einen riesigen Basketball-begeisterten Markt für Sport-Übertragungen. Chinesische Staatsmedien hatten nach dem Tweet angekündigt, Spiele der Houston Rockets nun nicht mehr zu übertragen. Das führt dazu, dass nun mitunter sogar Fans mit „Free Hong Kong“ Plakaten aus US-Stadien entfernt werden – während dort die amerikanische Nationalhymne gespielt wird, die vom „Land der Freien und der Tapferen“ handelt. 

Das Vorgehen der NBA haben jetzt Kongressmitglieder von beiden Parteien, von der sozialistischen Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez aus New York bis hin zum konservativen Senator Ted Cruz aus Texas, in einem gemeinsamen Brief aufs Schärfste als „unamerikanisch“ verurteilt. 

Verrat durch Anbiederung an Peking 

Diese Praxis ist aber nichts neues. Auch in der Filmbranche, die in China einen gewaltigen Absatzmarkt hat und immer häufiger mit chinesischen Unternehmen zusammenarbeitet, sieht man solche Selbstzensur. Beim Trailer zur Fortsetzung des Action-Films Top Gun zeigt sich etwa im Detail ein bemerkenswerter Unterschied zum ersten Teil aus den 80ern: Die Fahnen der amerikanischen Verbündeten in Asien und vor allem Gegenspielern Chinas, nämlich Japan und Taiwan, sind nun nicht mehr auf der Lederjacke des Protagonisten zu erkennen.

Einen aktuellen Fall dieser Zensur im vorauseilenden Gehorsam gegenüber der chinesischen Führung sieht man jetzt auch in der Videospiel-Branche: Entwickler Blizzard suspendierte am Wochenende den E-Sportler Ng Wai „Blitzchung“ Chung, nachdem dieser in einem Interview seine Unterstützung für Hongkongs Demonstranten gezeigt hatte.

Es wäre wohl an der Zeit, dass sich diese Unternehmen auf die freiheitlichen Werte des Westen zurückbesinnen – auch weil diese ihnen oft überhaupt erst ihren Erfolg ermöglichten –, statt sie in Anbiederung an Peking zu verraten.

Dieser Beitrag erschien zuerst beim Schülerblog Apollo-News.
 

Sebastian Thormann ist 19 Jahre alt und studiert in Passau. 

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Stefan Riedel / 11.10.2019

@Herrn Mike Loewe, “Solange es nur China betrifft, ist es mir fast egal “. Mir auch!  Es betrifft, meiner bescheiden Meinung nach, allerdings uns alle!

Max Wedell / 11.10.2019

Es gibt aber auch Ausnahmen, wie etwa die Macher der Hollywood-Serie South Park, die letzte Woche in einer Episode die chinesische Regierung kritisierten, aber auch westliche Einknicker. Daraufhin wurde South Park in China verboten und alle Referenzen auf South Park aus dem chinesischen Internet, seinen sozialen Medien und Streaming-Services entfernt. Die Macher von South Park veröffentlichten als Antwort darauf folgende “Offizielle Entschuldigung an China von Trey Parker und Matt Stone”: “Wie die NBA begrüßen wir die chinesischen Zensoren in unseren Häusern und in unseren Herzen. Auch wir lieben Geld mehr als Freiheit und Demokratie. Xi sieht überhaupt nicht genau wie Winnie Puh aus. Schaltet die 300ste Episode diesen Mittwoch um 10 an. Lang lebe die großartige Kommunistische Partei Chinas. Möge die Hirseernte diesen Herbst üppig sein. Sind wir jetzt wieder Freunde, China?” Im Besitz einer Marke, die dafür bekannt ist, vor nichts zurückzuschrecken und sich mit jedem anzulegen, blieb den Machern aber ja wohl auch nichts anderes übrig. Einknicken hätte die Marke stärker beschädigt als ein paar Monetarisierungsmöglichkeiten in China zu verlieren.

Johannes Schuster / 11.10.2019

Also man kann es auch künstlich zuckerfrei formulieren: Wenn China bockt, bekommen wir keinerlei Elektronik mehr und alles wird dritte Welt. Der Westen ist erpressbar durch eigenes Wirtschaftsversagen - mehr nicht.

Mike Loewe / 11.10.2019

“Geld regiert die Welt” ist ein uralter Spruch. Solange es nur China betrifft, ist es mir fast egal. Es gibt wahrlich schlimmere Staaten auf diesem Planeten.

Gereon Stupp / 11.10.2019

Einem jungen Menschen die Ideale zu nehmen, ist bitter. Der Westen aber hat keine Werte, der Westen hat Geld. Und dafür tut er eigentlich alles, wenn der Preis stimmt. Das gilt genauso auch innerhalb der westlichen Staaten und ihrer Hierarchien. Xi Jinping weiß das, Putin weiß es, MBS, Kim Jong Un, Erdolf der Prächtige, sie alle wissen es und nutzen es für ihre Zwecke. Einzig Trump ist schwer auszurechnen. Das aber ist sein Prinzip. Als Prösident der VSA kann er sich diese Taktik nicht nur leisten, er kann damit auch Erfolge erzielen.

F. Jung / 11.10.2019

Also Naja…., mitten in Asien lebend, habe ich da eine etwas gespaltene Meinung…...  Klar ist sehr Vieles kritikwürdig, was da in China passiert. Das Problem sehe ich nur darin, was denn die Alternative wäre, wenn sich die vom Westen stark gemachte Wirtschaftsmacht mal richtig bockbeinig stellen würde, weil man aus den unterschiedlichsten Gründen “beleidigt” ist??  Man hat sie doch so stark werden lassen, es war ja gewollt, dass China die Werkbank der Welt wurde. Nun hat man dieser Stärke kaum was entgegenzusetzen, also was nun? ???  Protestieren bringt so ungefähr den gleichen Effekt, als wenn sich die Wildsau an der deutschen Eiche reibt .... Und man sollte auch mal Relationen diesbezüglich betrachten, dass man anderen Staaten gegenüber die gleiche oder noch mehr Unterwürfigkeit ganz ohne Not zeigt, die noch mehr “Dreck am Stecken” haben. Die Aufzählung erspare ich mir .......

Markus Knust / 11.10.2019

China ist jetzt bereits eine gewaltige Wirtschaftsmacht und wird künftig noch mehr Einfluss haben. Mit den riesigen Märkten möchte es sich niemand verscherzen. Meine Lebensgefährtin ist Chinesin und arbeitet nebenbei manchmal als Dolmetscherin für kleinere Firmen, die mit Chinesen Geschäfte machen. Ab und zu kommt sie mit den Delegationen auch in privaten Kontakt und es ist erstaunlich wie die Chinesen denken. Man ist sich der eigenen Potenz nämlich bewusst und unserer Schwäche ebenfalls. Den Westen kann man kaufen und die Chinesen sind nicht an die hiesigen - oft geheuchelten - Wertvorstellungen gebunden. Einer hat mal zu meiner Freundin gesagt, der Westen ist dumm, mit seinen Kriegen. Man kann die Welt auch kaufen, dass wäre viel billiger und würde allen ein gutes Gefühl geben. Dann fügte er noch an das unsere Freiheit eine Illusion sei, genau wie die Moralvorstellungen, die größtenteils nur auf dem Papier existieren. In den USA mag solches Duckmäusertum noch auffallen und Anlass Kritik geben. Das niedergehende Europa ist darüber längst hinaus.

P. Groepper / 11.10.2019

Selbstzensur hat eine sehr lange Tradition. Auch in Deutschland. Gerade wieder in jüngerer Zeit. Medien und Politiker sind umso mutiger, je schmiegsamer sie die Rundung ihres Buckels der von der Regierung verordneten Verkrümmung des Rechtsstaates anzupassen vermögen.

Stefan Riedel / 11.10.2019

“...Es wäre wohl an der Zeit, dass sich diese Unternehmen auf die freiheitlichen Werte des Westen zurückbesinnen…”. Die großen Sportartikelfirmen (Addidas, Nike,...) sind die eigentlichen Chefs der NBA. Und diese Firmen sind ähnlich wie die deutsche Autoindustrie abhängig vom chinesischen Markt. Freiheitliche Werte des Westens? Schön und gut. Aber das Geschäft geht allemal vor. Geld regiert die Welt.

Martin Lederer / 11.10.2019

Die allerallermeisten Unternehmen passen sich an die jeweiligen Machthaber an. Sieht man in der Geschichte oder aktuell bei uns. Und aus Sicht des Unternehmens ist es wohl auch das vernünftigste (marktwirtschaftlich effektivste): Wenn man der “Gute” war, aber die Firma ist Pleite oder verstaatlicht, gibt einem keiner bei einem möglichen Regimewechsel die Firma zurück. Umgekehrt: Wenn sich eine Firma sehr schön an die jeweiligen Machthaber anpasst, überlebt das Unternehmen, wird vielleicht noch größer. Und bei einem möglichen Regimewechsel ist die Überlebenschance sehr hoch, wenn man sich den neuen Machthabern auch anpasst. Ich meine: Genauso wie es sinnlos ist, von Staaten “Moral” zu fordern, ist das bei Unternehmen genauso sinnlos. Es gelten einfach bestimmte Regeln der Evolution, des Marktes, der Menschen. Maximal kann es für ein Unternehmen eine Überlegung wert sein, wenn 2 oder mehr Machtzentren existieren: Dann gilt es zu überlegen, wem man am ehesten folgen soll. Ich denke, man muss damit leben: Staaten, Unternehmen, Menschen, Organisationen machen das, was für sie am Nützlichsten ist. Und wenn es nötig ist (weil wieder am Nützlichsten) reden sie halt etwas anderes.

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