Die Sehnsucht nach Selbstzerstörung

In seinem 1920 erschienen Werk Jenseits des Lustprinzips hat Sigmund Freud, auf dem Hintergrund der Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, den in der psychoanalytischen Diskussion von Anfang an umstrittenen Begriff des Todestriebs eingeführt. Letzterer strebt danach, so Freuds theoretische Annahme, in den anorganischen Zustand zurückzuführen. Denn: „Das Ziel alles Lebens ist der Tod.“ Zu dieser Triebgruppe gehört ein Streben nach Selbstzerstörung und, daraus abgeleitet, eine Neigung zu Aggression und Destruktion. Dem Lebenstrieb (Eros, Libido) steht also auf der negativen Seite, quasi als Dualismus, ein Todestrieb gegenüber, dem die eigene Zerstörung immanent ist. Dass sich jemand selbst schädigt oder verletzt, scheint uns absurd, zeigt sich aber etwa in Phänomenen wie dem Wiederholungszwang. Mit diesem Begriff will Freud den menschlichen Impuls, unangenehme und schmerzhafte Gedanken, Handlungen oder Situationen zu wiederholen, erklären. Die zwanghafte Wiederholung von negativ Erlebtem lässt sich auch als der vergebliche Versuch verstehen, einen alten Konflikt durch seine ständige Inszenierung zu bearbeiten und ungeschehen zu machen. Freud sieht das Subjekt folglich nicht als souverän Handelndes, sondern im Bannkreis von Wiederholungszwängen stehen.

Der Todestrieb hat nach Freud zwei Ausprägungen: die nach innen gerichtete Tendenz zur Selbstzerstörung und die nach außen gerichtete Neigung zu Aggression und Destruktion. In einer Gesellschaft wie der deutschen, die inzwischen vollkommen pazifiziert ist und in der die Selbstbehauptung unter Strafe des moralischen Verdiktes steht, wird der Hang zur Selbstzerstörung unter den historischen Bedingungen der Gegenwart immer deutlicher sichtbar.

Erstmals besonders nachdrücklich wurde das im „Summer of Love“, als die grundlegende Aufgabe eines jeden Staates, die Sicherung der eigenen Grenzen, einer abstrakten Hypermoral zum Opfer fiel. Die massenpsychologische Schulddisposition der (west)europäischen Gesellschaften hat in Deutschland eine geradezu perfekte Form für die Emotionalisierung des öffentlichen Lebens gefunden, bei striktem Ausschluss der Wirklichkeit. „Das Helfersyndrom“, so der Philosoph Rudolf Brandner, „fungiert damit als postreligiöses Heilssubstitut in Zeiten des Verfalls religiöser Orientierungsparadigmen.“ Die offizielle Politik in Deutschland hat aus der ungeregelten Einwanderung eine Art „Bußpflicht“ gemacht, selbst wenn sie von immer größeren Teilen der Bevölkerung wahrscheinlich abgelehnt wird.

In einem früheren Essay (vgl. Die Eitelkeit des Guten) hatte ich nach den psychologischen und religiösen Gründen für die eigene Selbstzerstörung gefragt und sie, verkürzt gesprochen, in einer abstrakten Hypermoral verortet, Ausdruck für eine metaphysische Größe: die eigene und kollektive Schuld, die nun, angesichts des Zustroms der Opfer und Benachteiligten der Erde, abgegolten werden kann. Die Heiligsprechung alles Fremden und die Chance, mit der grenzenlosen Aufnahme aller Beladenen und Benachteiligten, die historischen Verbrechen des Westens (Kapitalismus, Kolonialismus, Faschismus) endlich zu sühnen, sprich: erlöst zu werden, bleiben wichtige psychologische Faktoren für ein Verständnis der aktuellen Situation. Deutschland imaginiert sich – in der Zuspitzung – als Christus, der sterben muss, um die Welt von ihren Sünden zu erlösen. Das ist sozusagen die historische Aufgabe, die auf dem Hintergrund der eigenen Geschichte zu erfüllen ist. Ein kollektives Bedürfnis und eine Sehnsucht nach Anerkennung ist bereit, das Eigene im Rausch der Selbstbegeisterung der eigenen Empfindsamkeit zu opfern. 

Die deutsche Regierung folgt in der sog. Migrationspolitik bis hin zur eigenen Selbstzerstörung abstrakten Rechtsprinzipien und gesteht in der Festhaltung an von der Wirklichkeit überholten Asylgesetzen allen Menschen auf der Welt ein prinzipielles Recht auf Partizipation am deutschen Sozialstaat zu. Moral und Politik heben sich immer mehr auf, der Staat selbst, die Regierung, wird zur Bühne einer Selbstgerechtigkeit, die alle, die hier Widerspruch äußern, moralisch diffamiert und als „rechts“ verortet. In dem nach seinem Freitod erschienen Band „Das Migrationsproblem“ in der Werkreihe von TUMULT kommt Rolf Peter Sieferle zu folgendem Fazit: 

„Ein altes Rechtsprinzip lautet ultra posse nemo obligatur, d.h. jede Verpflichtung hat ihre Grenze dort, wo die Selbstzerstörung begänne. Das Leben wie auch das Überleben des politischen Gemeinwesens hat einen Vorrang vor abstrakten Rechtsprinzipien, auch wenn es einzelnen freistehen mag, den Selbstmord zu wählen. Die politische Führung ist dazu jedoch nirgendwo ermächtigt. Man kann, wenn man will, die andere Wange hinhalten; die Regierung darf jedoch nicht die Wange des Volkes hinhalten, das sie gewählt hat.“

Stolze Vorreiter einer hysterisierten Bewegung

Was für die Einwanderungspolitik gilt – moralische Vorreiterrolle und Retterin der Welt –, das gilt ebenso für die Diskussionen rund um die Energiewende und den Klimawandel. Auch hier ist man der stolze Vorreiter einer hysterisierten Klimabewegung, ergeht sich in Untergangsszenarien, beschwört Bilder der Apokalypse, hat in einer 18-Jährigen mit Asperger-Syndrom eine Heilige gefunden und zerstört um eines Prinzips willen mutwillig die heimischen Industrien, auf denen der Reichtum des Landes beruht. Die Energiewende markiert ebenso wie die offenen Grenzen den Weg aus der moralischen Verworfenheit in die zerknirschte Buße und die endgültige Erlösung von den Sünden der bestehenden Welt. Ohne Not wurde so nach dem Tsunami, der das Kernkraftwerk Fukushima im 10.000 Kilometer weit entfernten Japan zerstörte, ein Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen. Noch laufende Reaktoren werden sukzessive heruntergefahren, was eine kontinuierliche Energieversorgung mehr und mehr gefährdet. Dafür wird fleißig Atomstrom aus dem Ausland eingekauft. Nachweislich hat die sog. Energiewende bei horrenden Kosten, insbesondere für die Endverbraucher, keinerlei Einsparungen an C02 gebracht.

Das alleinige Setzen auf E-Mobilität, mit allen Problemen rund um den Abbau der dafür notwendigen Rohstoffe, die Entsorgung von Batterien, der zur Verfügung stehenden Ladestationen, die Zerstörung und Rodung von Wäldern für immer größere Windkraftanlagen, die nicht grundlastfähig sind und deren Recycling ungeklärt ist, fehlende Trassen, fehlende Speichermöglichkeiten, das notwendige und teure Backup durch konventionelle Kohlekraftwerke, die zur Stabilisierung des Stromnetzes am Netz gehalten werden müssen – alle diese Entwicklungen finden in der öffentlich-rechtlichen Medien kaum eine kritische Reflexion. Es geht ja um nicht weniger als die Rettung der Welt. Kritiker dieser Politik werden moralisch genauso diffamiert (Klimaleugner) wie diejenigen, die Einwände gegen die ungeregelte Migration formulieren.

Aufgrund von Simulationsmodellen, die mit vielen Unsicherheiten rechnen, wird ein abstraktes Ziel (Begrenzung des Temperaturanstieges um 1,5 Grad) vorgegeben, dem nun alles unterzuordnen ist und das den kompletten ökonomischen Umbau des Landes legitimiert. Im Prinzip ein irrsinniges Unterfangen, das den „deutschen Hang“ zum dogmatischen und moralischem Rigorismus, die unheilvolle Neigung zur Prinzipientreue, zu unerreichbaren Zielen und utopischen Zuständen sichtbar macht. Eine idealistische Grundhaltung, die in der Realitätsverdrängung und der Verwandlung von Politik in Moral ihr deutlichstes Symbol gefunden hat.

Im Frühjahr 2020 hat dann die Corona-Pandemie nicht nur das Klimanarrativ, sondern auch die Einwanderungsdebatte in den Hintergrund gedrängt. Begriffe wie Eindämmung, Grenzen, Beschränkungen wurden plötzlich legitim und haben selbst einen verfemten Begriff wie Abschottung wieder hervorgezaubert. Corona hat seitdem zu erheblichen Eingriffen in unsere Grund- und Freiheitsrechte geführt, mit breitem Konsens in der Gesellschaft. Merkel und die CDU haben so hohe Zustimmungswerte wie nie zuvor. Hatte Greta uns noch die Panik angesichts der „Klimaerhitzung“ gewünscht, hat doch erst das Virus eine Angst erzeugt, die die gesellschaftliche Spaltung nochmals verstärkt hat und der Regierung freie Hand lässt. „Im Ausnahmezustand“, so der Publizist Michael Esders, „können die Problemverwalter und -aussitzer Gefallen an einem Dezisionismus finden, mit dem sie sich eine neue Quelle der begründungslosen Evidenz erschließen, welche die Schwächung des hypermoralischen Narrativs mehr als kompensiert. Der Anreiz, die Ausnahme zu normalisieren, könnte unter diesen Umständen stärker sein als die Rückkehr zur Normalität.“

Damit einher geht aber schon jetzt ein ökonomischer, kultureller und gesellschaftlicher Kahlschlag, dessen fatale Folgen noch gar nicht abzuschätzen sind und der ebenfalls eine Tendenz zur Selbstzerstörung in sich trägt. Machen wir uns nichts vor: Diese Politik wird von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt, denn das Argument des Überlebens, identisch eingeführt schon beim Thema Klimawandel, lässt keinen Widerspruch zu. Wer sich hier kritisch äußert, wird – ähnlich wie bei den Themen Einwanderung oder Klima – als „Unmensch“ getadelt, der über Leichen gehen will. Die moralische Erpressung funktioniert in allen Fällen und grenzt den Kritiker aus dem Kreis der Zurechnungsfähigen aus, um nicht politisch streiten zu müssen.

Es muss die große Lösung sein

Die „großen Erzählungen“ der Klimarettung, des Antirassismus oder der Weltrettung sind alle ganz oben bei der „Menschheit“ angesiedelt. Es geht buchstäblich immer um alles, jedes Thema wird essenzialistisch und so ihre Antagonisten zu Personifikationen von Gut oder Böse. Die Realität wird konsequent ignoriert, wenngleich sie sich früher oder später durchsetzen wird. Medien und Politik investieren einen Großteil ihrer Energie darin, die Produktion von „Wahrheit“ voranzutreiben, exemplarisch der SPIEGEL mit seinem nach Relotius besonders pikantem Slogan: „Sagen, was ist.“ Konstruktionen sind aufwändiger als die Realität und haben ihren Preis. Gut möglich, dass er irgendwann zu hoch sein wird. 

Die politische Umsetzung der Notverordnungen rund um Corona zeigen bereits heute ihre selbstzerstörerischen Wirkungen: Entlassungen bei Großunternehmen, Zusammenbruch der Gastronomie und Beherbergungsdienstleistungen, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und explodierende Sozialkosten. Niemand weiß, wie lange dieser Zustand der gesellschaftlichen Lähmung anhalten wird oder ob er nicht zum Dauerzustand werden wird, denn jedes neu auftauchende Virus könnte nach Corona sofort wieder den Modus des Lockdown reaktivieren. Wieso sollte ein Bürger hier noch in die Zukunft eines Unternehmens investieren, wenn von heute auf morgen durch Beschluss der Regierung sein Geschäft geschlossen werden kann? Der Umgang mit Corona, Migrationsfolgen, Energiewende und horrende Sozialkosten kumulieren sich zu einer Gefahr, die die Politik offenbar nicht einmal zur Kenntnis nimmt. Es wird weiter am „Wir schaffen das“ festgehalten. Der amerikanische Philosoph und Zivilisationshistoriker Will Durant hat wahrscheinlich recht, wenn er schreibt: „A great civilization is not conquered from without until it has destroyed itself within.”

Was die Themen Einwanderung, Klima und Corona verbindet, ist in Deutschland die von den politischen Eliten nachdrücklich geforderte „große Lösung“ auf der europäischen oder globalen Ebene. Nur muss Deutschland immer wieder die Erfahrung machen, dass die anderen Staaten den Vorgaben nicht folgen wollen, was ständig dazu führt, dass man zwar mit seinen Positionen alleine bleibt, sich dafür aber als moralische Instanz und Musterschüler verorten darf. Der ungarische Staatsrechtler István Bibó charakterisiert bereits beginnend im frühen 19. Jahrhundert Deutschland durch ein stetiges Abgleiten der Politik in eine Art von Traumwelt: „Lossagung der Gemeinschaft von den Realitäten, Unfähigkeit zur Lösung der vom Leben aufgegebenen Probleme, unsichere und überdimensionierte Selbsteinschätzung, sowie irreale und unverhältnismäßige Reaktion auf die Einflüsse der Außenwelt.“

Trotz der offensichtlichen Weigerung vieler europäische Staaten, den deutschen Vorgaben zu folgen, sind nationale Alleingänge hierzulande verpönt, obschon Corona eine Art Comeback der Nationalstaaten bedeutet, denn letztere haben sich in der Krise als die einzig handlungsfähigen Akteure gezeigt, was den Globalismus und die „One-World-Vertreter“ zumindest zeitweise in die Defensive gedrängt hat. Doch diese Verschiebung hin zu einem Partikularismus hat den moralischen Universalismus in Medien und Politik nicht zurückgedrängt. Der Arzt und Publizist Adorján Kovács sieht in der Selbstauflösung des deutschen Staates in einer Art europäischen Superstaat eine Lösung für die Abwertung des Eigenen, die eine rein negative Identität zur Folge hat und sich nach einer positiven Bestimmung sehnt. In einem Essay in der Zeitschrift TUMULT schreibt er: „Ein erweiterter Selbstmord als Sühneopfer für die leidende Welt, in einer irrealen Mischung aus Hybris und Demut. (…) Der größte Teil des deutschen Volkes scheint nichts dagegen zu haben, sondern feiert den Untergang oder akzeptiert ihn wenigstens. Hier zeigt sich der wahnhafte und zerstörerische Charakter der deutschen Politik.

Ein vollkommen anderes Deutschland, wie das der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, hat bereits im Untergang eine tiefe Faszination gespürt. Der deutsche Nationalmythos, jedenfalls bis 1945, war nicht zufällig die Nibelungen, das Sinnbild eines heroischen und zugleich aussichtslosen Kampfes, der in der Auslöschung endet. Hermann Göring setzte noch das vergebliche Ringen um Stalingrad in seiner Rede am Jahrestag der Machtergreifung am 30. Januar 1943 mit dem Kampf der Nibelungen gleich. Ein Untergangsmythos, von dem eine dunkle Faszination des Opfers ausgeht, die offensichtlich in der deutschen Geschichte mentale Spuren hinterlassen hat. Reaktiviert sich folglich heute eine Art kollektive Mentalität, die für die Rettung der Welt, bei Strafe des eigenen Unterganges, ein Opfer verlangt? Wir bewegen uns hier in einem unsicheren Raum der Spekulation, aber man darf in der aktuellen Situation wohl ein allgemeines Symptom erblicken, das man mit dem Begriff der Dekadenz beschreiben kann, an deren Ende der Verlust des Eigenen und der Errungenschaften vieler Jahrzehnte steht. Freuds Begriff des Todestriebes ist streng genommen eine Hypothese, die versucht, Unerklärliches verständlich und nachvollziehbar zu machen. Auch wenn der Begriff eine instinktive Abwehr erzeugt, solange keine bessere, alternative Erklärung für destruktive Prozesse vorhanden ist, sollte man sich damit beschäftigen.

Die fortschreitende Selbstzerstörung, also der Verzicht auf den Schutz und die Verteidigung der eigenen Werte, ist in sich erklärungsbedürftig. Vielleicht sind aber der Distinktionsgewinn und die eigene moralische Überhöhung – bei Abwertung des Anderen – so starke psychologische Kräfte, dass sie eine Sinnstiftung ermöglichen, die jede Wahrnehmung der Realität komplett überblendet. Eine Umkehr scheint mir erst da möglich, wo das imaginierte Opfer zugunsten höherer Werte ein tatsächliches persönliches Opfer verlangt. Noch ist der Punkt nicht erreicht an dem dieser Umschlag erfolgt. Corona könnte hier aber eine Schlüsselrolle spielen, denn hier sind die Effekte einer selbstzerstörerischen Politik schneller und härter spürbar als beim Klima- oder Migrationsthema. Ob die „Lebenstriebe“ im Sinne Freuds wieder die Oberhand gewinnen werden, bleibt aber offen.

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Leserpost

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Dieter Blume / 18.10.2020

Können Sie sich noch an den 25. September erinnern? Nein? Dabei ist das nicht mal vier Wochen her! An diesem denkwürdigen Tag gab es den „globalen Klimastreik“! Anscheinend hat das kaum jemand bemerkt. Dabei weiß doch jedes Kind: Ein Streik muss wehtun! Deshalb streikt die Müllabfuhr und nicht das Umweltbundesamt. Welche Berufe üben die Teilnehmer des globalen Klimastreiks aus, wenn wir deren Streik nicht wahrnehmen?

Wolfgang Kaufmann / 18.10.2020

@Lida Augspurg, „WER denn hier zuerst geopfert wurde. Antwort: Frauen! “ — Sind es nicht vor allem Frauen, die erst jahrzehntelang Pazifismus, Ökologie und Feminismus predigen und dann Freunde von Messern, Motorsport und Machismus mit Teddybären bewerfen, dem archetypischen Symbol der mütterlichen Muschi?

Rainer Niersberger / 18.10.2020

Ich denke, dass es hier noch weitere Erklaerungsansaetze gibt, die ueber Deutschland hinausreichen, und wuerde auch den Todestrieb durch Entlastung versuche und kompensatorisch es Verhalten ersetzen. Dass hierzulande zudem auch der Schuldkult instrumentell eingesetzt und gepflegt wird, ist zutreffend. Er erklärt aber kaum das Verhalten z. B. der Schweden in der Migrationsfrage. Der lutherische Protestantismus, nicht zufaellig bei einigen MachthaberInnen zu finden, erklärt einiges, zumal die Menschen, insbesondere die, denen es qua Elternhaus “besser” geht, das Entlastungsbeduerfnis plagt. Was vor nicht allzuferner Vergangenheit so segens reiche Einrichtungen wie die katholische Beichte “seelisch” abgefedert haben, braucht heute aus bekannten Gruenden andere Optionen. Der Hedonist schluerft am Morgen Austern und trinkt Champagner, im Sommer gut zu besichtigen, und wählt des Abends die Gruenen. Das Homoestasebeduerfnis des postmodernen Menschen, das Bedürfnis, sich “trotzdem” gut zu fühlen, verlangt eine Form des Ausgleichs, der Entlastung. Dopamine sind mehr denn je gefragt. Das Belohnungssystem der zudem nicht wenigen Narzissten will aktiviert werden. Hier “helfen”  partiell und kurzfristig diverse Drogen, auch (selbstverständlich rationalisierte) Promiskuitaet, Konsum und “Anerkennung” im Netz. Sie verlangen aber zugleich nach einem Ausgleich oder einer Art Buße durch hypermoralisches Verhalten. Offenbar sind speziell kirchliche Veranstaltungen fuer Juengere auch Orte mit massiv erhöhtem Kondomverbrauch. Man wehrt sich scheinbar gegen Objektivierung und Entwuerdigung und macht sich selbst zum Objekt und begibt sich der Wuerde. Die Zerrissenheit, Halt - Orientierungslosigkeit nach dem Wegfall von Konventionen und Regeln, dem Wegfall von spirituellen Angeboten verlangt in Zeiten der Entgrenzung offenbar “neue” Begrenzungen und Haltepunkte. Ideal fuer Menschen wie Merkel und Co, den neuen Priestern und Schamanen mit “Angeboten” und Versprechungen"gegen die Leere.

Matthias Elberfeld / 18.10.2020

Ein hervorragend geschriebener Artikel. Danke Herr Meschnig!

Frank Just / 18.10.2020

Sie beschreiben Politik als eine Art modernen Ablasshandel. Kritiker nicht nur aber vor allem der Coronapolitik werden mundtot gemacht, indem man sie mit moralischen Argumenten aus der Gesellschaft ausgrenzt. Das ist zwar alles richtig, verwechselt aber Symptom und Krankheit. Bei der Migrationspolitik geht es doch nicht um den feuchten Traum irgendwelcher linken Moralisten. Es geht um offene Grenzen für Güter,Dienstleistungen UND Arbeitskräfte, und zwar möglichst billige, möglichst mobile und möglichst rechtlose Arbeitskräfte. Der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg mit der Begründung „Fukushima“ ist natürlich geradezu grenzdebil. Als kühle Entscheidung einer nach Umfragen regierenden Megapopulistin ist er jedoch geradezu folgerichtig. Und wer die globale Coronapanik verstehen will, dem empfehle ich das Buch „Covid-19 - the great reset“ von Klaus Schwab, dem Gründer des Weltwirtschaftsforums. Das ist nicht die Dachorganisation der sozialistischen Landjugend sondern sozusagen die oberste Interessenvertretung der größten multinationalen Konzerne. Dass sich immer wieder linke Moralisten für die Interessen von Politikern und Konzernen einspannen lassen, ist leider wahr und tragisch, macht die Sache aber nicht zu einer Veranstaltung unter der Kontrolle der linken Moralisten. Diese sind Marionetten genau wie die nationalen Regierungen oder Organisationen wie EU, WHO, Weltbank etc., die sämtlichst am Tropf der Konzerne hängen.

Thomas Koch / 18.10.2020

Das Gutmenschentum ist weit davon entfernt, persönliche Opfer zu bringen, im Gegenteil, dahinter stehen Geschäftsmodelle, die das Einkommen der Protagonisten auf Kosten des Steurzahlers sichern. Ein Beispiel ist der “Kampf gegen Nazis”, der heutzutage keinen Mut und kein Opfer erfordert, sondern im Gegenteil durch die ganzen aufgelegten Programme einträgliche Einkommen und Reputation sichert. Genau genommen sind solche Menschen eine Beleidigung für jedes NS-Opfer aus dieser Zeit und sie tragen indirekt eher zur Verharmlosung dieser Zeit bei. Den Klimaaktivisten, die vorgeben, gegen den Klimawandel zu kämpfen, sage ich, dass edelste was einer wie du tun kann, ist doch freiwillig seinen C=2-Abdruck auf 0 (in Worten Null) zu senken, indem er freiwillig den Planeten verlässt.

Adrian Lauber / 18.10.2020

Sobald ein ausreichend großer Teil der Deutschen erst einmal in einem ideologischen Rausch drin ist, gibt es kein Halten mehr. Da heißt es nur noch “Weiter, weiter, weiter, weiter” und “mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr”. Das haben sie in der Vergangenheit schon brutalstmöglich bewiesen, dieses Mal war’s das dann wohl, denn die demographische Entwicklung wird letztendlich dafür sorgen, dass sich der Islam durchsetzen wird. Vielerorts existiert das, was viele früher Heimat nannten, bereits jetzt nicht mehr. Es ist auf ganz natürliche Weise durch eine andere Kultur ersetzt worden. Das lässt sich ganz wertfrei feststellen. Und da es in dieser Gesellschaft jetzt einen Rausch an der eigenen eingebildeten moralischen Überlegenheit und einen breiten Konsens für grenzenlose Migration gibt, wird diese Entwicklung sich nur noch weiter beschleunigen. Und ein Großteil der Deutschen will es so. Links-Grün hat auf ganzer Linie gewonnen. Mein Fazit für mich ganz persönlich: Ich habe mich von diesem Land bereits losgesagt, mich damit abgefunden, dass die Dinge so sind wie sie sind, dass die Mentalität sehr vieler Deutscher eben so ist wie sie ist. Jetzt heißt es nur noch: Bloß weg hier.

B.Kröger / 18.10.2020

Deutschland war und ist politisch gesehen ein unsicheres Land. Die deutsche Reichsgründung ausgerechnet in Versailles stellte schon die falschen Weichen. Dann die Katastrophe des 1.Weltkriegs. Und wieder Versailles. Viel Revanche und damit der Startschuss für die Katastrophe des 2.Weltkriegs.  Dass vergangenen Jahrhundert zeigt Deutschland, trotz aller wirtschaftlichen Erfolge, als ein zutiefst verunsichertes Land.  Daran hat auch die Wiedervereinigung nichts geändert. Deutschland erscheint heute als Spielball globaler Interessen. - Ich sehe keinen Hang zur Selbstzerstörung, sondern ein großes Mass an politischer und mentaler Unsicherheit.          

Ulli Funk / 18.10.2020

Eine sehr gute Analyse und Einordnung des Status Quo.

Bernd Hoenig / 18.10.2020

Dieses Phänomen mit dem Hange zur Selbstzerstörung hängt mit der deutschen Geschichte, ihren spätromantisch und idealistisch ausgebildeten Blick auf die Welt zusammen. Da viele Deutsche leider auch immer noch an ihr altes Markenzeichen vom Volk der Dichter und Denker glauben, sowie von ihrer ökonomischen Stärke überzeugt sind, wachen nur zu viele morgens mit dem Gedanken auf “Wir sind die Guten!” und unterstützen dabei jede noch so abstruse und offensichtlich an der Physik und Praxis scheiternde Idee in Puncto Klimapolitik oder Einwanderung.

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