Eines der schönsten deutschen Wörter, das bei einem der nächsten einschlägigen Wettbewerbe unbedingt gepriesen werden sollte, ist das Verb schnuppern. Denn erstens klingt es hübsch und zweitens bezeichnet es etwas sehr Zartes und Erfreuliches. Nur nette Tiere schnuppern: Rehe, Katzen, Hunde, Pferde und Kaninchen. Sie halten ihre Schnauzen an etwas, das ihnen seltsam und gefährlich vorkommt, und prüfen, wie es riecht. Schnuppern hat etwas mit Nasenatmung zu tun und hängt sprachlich mit Schnupfen, schneuzen, Schnodder und schnauben zusammen.
Menschen schnuppern eigentlich nicht, aber sie lieben den Gedanken und das Wort. Schnuppern heißt, vorsichtig sein, fluchtbereit bleiben, sich nicht endgültig festlegen. Schnuppern bedeutet, zu den Dingen in ein bloß vorläufiges Verhältnis treten. Kunden zum Beispiel, eine Spezies noch scheuer als Rehe, schnuppern gern an Schnupperangeboten. Es gibt Schnupperabos, Schnupperkreuzfahrten und sogar Schnupperkurse; im Grunde wird unsere Welt immer mehr zu einer Schnupperwelt, die man bei Nichtgefallen innerhalb von vierzehn Tagen ungebraucht und originalverpackt zurücksenden kann.
Das gilt natürlich auch für die politische Welt. Für Parteibücher gibt es sogar ein zeitlich unbeschränktes Widerrufs- und Rückgaberecht; Wolfgang Clement hat zum Beispiel nach fast 40 Jahren Gebrauch davon gemacht. Jetzt bot ihm Bundeswirtschaftsminister Glos eine „Schnuppermitgliedschaft in der CSU“ an, „mit vollen Rechten und keinen Pflichten“, wie verlautet. Falls mit „vollen Rechten“ nicht einfach betrunkene Parteigänger gemeint sind, mutet die Offerte ziemlich seltsam an, denn gerade die CSU betont doch sonst immer den strengen Zusammenhang von Rechten und Pflichten. Aber genauso wenig, wie gerade die CSU eine Schnupperpartei ist, kann man sich Wolfgang Clement als scheues Reh vorstellen.
Aber hey! Vielleicht wäre es an der Zeit, das Schnuppern parteiübergreifend zum politischen Prinzip zu erklären? Schließlich besteht das ganze Regierungshandeln nur noch aus Testfahrten, Pilotprojekten, Schnupperware. Der Staatshaushalt ist selbstverständlich nur ein Schnupperhaushalt, weil die versprochene Entschuldung mit jedem Tag illusorischer wird, und Gesetze wie die Reform der Erbschaftssteuer sind eindeutig Schnuppergesetze, weil von vornherein klar ist, daß sie nicht lange bestehen werden.
Ist nicht unser Staat überhaupt so etwas wie ein Schnupperstaat? Nein, lautet die Antwort: er ist mehr ein Schnüffelstaat.