In den 1990er Jahren, die auch Baseballschläger-Jahre genannt werden, gab es vereinzelt die Äußerung von Schülern mit rechter Gesinnung, man solle es doch einmal gut sein lassen mit den Verbrechen der Deutschen. Andere Länder hätten auch Schuld auf sich geladen, ohne sie ständig ins Schaufenster zu stellen. Schüler mit linker Prägung widersprachen solchen Meinungen heftig. Sie sahen in der Erinnerungskultur eine ständige Verantwortung für unsere Demokratie, jede Form von Rassenhass schon im Keim zu bekämpfen.
Nach 2015 änderte sich das Bild. Mit den Flüchtlingen aus Nahost, dem Maghreb und aus Afghanistan kamen Weltanschauungen zu uns, zu denen ein radikaler Antisemitismus gehört. Er ist in Ländern mit muslimischer Staatsreligion Gegenstand des schulischen Unterrichts. Ich war schockiert, als ich im Unterricht erlebte, wie 15-jährige Schüler aus Syrien feixten, als ich Fotos von Auschwitz zeigte: „Das geschieht den Juden recht“ oder „das müsste man wiederholen“.
Bis zur Corona-Pandemie (2020–2022) fand in Berlin jedes Jahr die al-Quds-Demonstration statt, auf der die radikale arabische Community die Rückeroberung von Jerusalem forderte. Dort wurden Losungen gerufen wie: „Tod Israel“, „Juden ins Gas“ und „Chaibar, Chaibar“. Mit diesem Wort erinnern fanatische Araber an den Propheten Mohammed, der im Jahr 628 n. Chr. die gleichnamige Oase eroberte und den dort lebenden jüdischen Stamm versklavte. Ich lernte aus dieser Demonstration: In Deutschland ist die Leugnung des Holocaust eine Straftat, in Berlin ist es hingegen erlaubt, zu seiner Wiederholung aufzurufen. Kein Gericht hat sich bemüßigt gefühlt, diese offensichtliche Volksverhetzung zu ahnden. Auch der damalige Innensenator Andreas Geisel (SPD) lehnte ein Verbot der Demonstration unter Hinweis auf die Meinungsfreiheit ab.
Als Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft habe ich Kontakte zur Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Juden erzählen mir, dass die größte Gefahr für sie im öffentlichen Raum von jungen Muslimen ausgeht, die sofort zuschlagen, wenn sie einen Juden an seiner Kippa, am Davidstern oder an der Sprache erkennen. In Berlin kann kein jüdisches Kind mehr eine öffentliche Schule besuchen. Sie gehen alle auf jüdische Privatschulen, die bewacht werden, als befänden sie sich in Tel Aviv oder Jerusalem. Die Berliner Universitäten sind fest in der Hand linksradikaler Gruppierungen, die sich mit arabischen Hamas-Sympathisanten verbünden und an die Wände schmieren: „From the River to the Sea, Palestine will be free“ und „Free Palestine from German Guilt“. Als alter 68er hätte ich mir nicht träumen lassen, dass es einmal Linke geben könnte, die unsere Erinnerungskultur beschädigen.
Schlacht gegen den Antisemitismus in Berlin längst verloren
Der schwarz-rote Berliner Senat zeigt sich gegenüber den islamistischen und antisemitischen Tendenzen in der Stadt weitgehend hilflos. Bei Demonstrationen für „die palästinensische Sache“, was ein Code-Wort für die Vernichtung Israels darstellt, ist die Polizei angewiesen, Straftäter zu identifizieren und aus der Demonstration heraus zu verhaften. In der Praxis hat sich das als ein aussichtsloses Unterfangen herausgestellt, weil alle Demonstranten israelfeindliche Parolen skandiert haben. Am 12. April 2024 löste die Polizei den sog. „Palästina-Kongress“ in Berlin-Tempelhof auf, auf dem sich das propalästinensische Spektrum der Linken versammelt hatte. Ein Jahr später erklärte das Berliner Verwaltungsgericht das Verbot als nicht rechtens, weil es „mildere“ Mittel gegeben habe, judenfeindliche Ausschreitungen zu verhindern.
Ich halte die Schlacht gegen den Antisemitismus in Berlin längst für verloren. In Neukölln feierten Hamas-Sympathisanten in aller Öffentlichkeit das Massaker vom 7. Oktober 2023, indem sie Süßigkeiten an Passanten verteilten. Sie besprühten auch die Wände jüdischer Einrichtungen mit Hakenkreuzen und dem roten Dreieck der Hamas. Wenige Tage nach dem 7. Oktober 2023 fand in der Neuköllner Sonnenallee eine Demonstration für die Hamas statt, an der sich über 1.000 Schüler beteiligten. Sie besuchen Berliner Schulen, was sie nicht daran hindert, einer finsteren Terrororganisation zu huldigen.
Bei einer Podiumsdiskussion an einem Berliner Gymnasium sagte ich den ketzerischen Satz: „Hätte Angela Merkel 2015 eine Million Asiaten aufgenommen, hätten wir von einer Migrationskrise gar nichts gemerkt, weil sich die Ankömmlinge lautlos in die Gesellschaft integriert hätten – gemischte Eheschließungen inklusive.“ Eine grüne Politikerin schleuderte mir das Wort „Rassist“ entgegen. Der Beifall zeigte mir jedoch, dass ich einen Nerv getroffen hatte. Mir fällt dazu ein Zitat des Journalisten Peter Scholl-Latour ein, das ich – etwas abgeändert – zitiere: „Wer halb Gaza aufnimmt, rettet nicht Gaza, sondern wird selbst Gaza.“ In Berlin-Neukölln sind wir auf diesem Weg schon ziemlich weit fortgeschritten.
Ich wage folgende Prognose: Wenn der Zustrom von Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis anhält, wird es bei uns einen tiefgreifenden kulturellen Wandel geben. Deutsche Geschichte wird an den Schulen nicht mehr gelehrt werden können, weil die Mehrheit der Jugendlichen sich damit nicht identifiziert. Das Verbot der Holocaust-Leugnung wird fallen, weil es inzwischen ein viel schlimmeres Delikt gibt: die Verhöhnung der Holocaustopfer. Diese Beleidigung kann man nicht verbieten, weil sie zur mentalen Grundausstattung muslimischer Menschen gehört. Kinder lernen sie von klein auf von ihren Eltern. Ich kenne sensible Geschichtslehrerinnen, die jetzt schon darauf verzichten, den Holocaust zu unterrichten. Sie können es nicht länger ertragen, wie von 15-jährigen Schülern die Opfer der Shoa verhöhnt werden. Es gibt jetzt schon Anzeichen in den jüdischen Gemeinden in Deutschland, dass Juden nach Eretz Israel auswandern. Dort finden sie einen Staat, der wehrhaft ist und der seine jüdische Identität mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigt. Die Juden haben sich geschworen, nie mehr Opfer sein zu wollen. Diese Maxime ist seit der Shoa in die Seele der Israelis eingebrannt. Bevor sie in Deutschland erneut zu Opfern werden, treten sie die Flucht nach Israel an. Da auch das jüdische Leben in den USA unsicher geworden ist, seit die Demokraten „woke“ geworden sind, wird es bald nur noch eine sichere Heimstätte für Juden in der Welt geben: Israel.
Rainer Werner, geb. 1946 in Ernsbach, ist Oberstudienrat i.R. und Buchautor.
„Als alter 68er hätte ich mir nicht träumen lassen, dass es einmal Linke geben könnte, die unsere Erinnerungskultur beschädigen.“ Dann hat der Oberstudienrat nicht verstanden, was an den Linken, der sogenannten Erinnerungskultur und dem Vergangenheitsbewältigungsbetrieb nicht stimmte. Den Linken geht es darum, sich durch moralische Selbstinszenierung und die Diffamierung politischer Gegner Macht zu verschaffen. Multikulturalismus und insbesondere gesellschaftlich inkompatible islamische Einwanderer dienen ihnen zur Zersetzung der westlichen Länder.
Vor gut 25 Jahren schrieb der niederländische Autor Joris Luyendijk nach seinem Aufenthalt als Student in Ägypten: „Hier existieren ganze Bibliotheken voller Theorien und >>Belege<< zur zionistischen Weltverschwörung … In Vorlesungen wie dieser erfährt man, daß von Plato bis Perestroika jede Revolution, jeder Krieg und jedes Massaker das Werk des jüdischen Komplotts was. Daß mir das nicht früher beigebracht wurde, ist dem Umstand geschuldet, daß Juden auch das niederländische Bildungssystem beherrschen.“
Tja, so wachsen sie auf, die Nachbarn Israels, und nun sind sie halt da, in großen Massen, eingeladen durch Merkel in ihrer Mischung aus grenzenloser Naivität, unerschöpflicher Arroganz und typisch deutschem Größenwahn: „Wir schaffen das“.
Das Ergebnis beschreibt der Autor trefflich: „Bevor sie in Deutschland erneut zu Opfern werden, treten sie (die Juden) die Flucht nach Israel an“. Das war auch mein Gedanke 2015. Merkels Größenwahn wird in gewisser Weise Hitlers Werk vollenden und jüdisches Leben in Deutschland unmöglich machen, so daß der „freiwillige“ Exodus erfolgt – unbeabsichtigt sicherlich, eher als Kollateralschaden, aber dennoch nachhaltig.
Lieber Herr Werner.
Als „alter 68er“ sollten Sie eigentlich wissen, dass die 68er den Antisemitismus (alias: Antizionismus) erst wieder gesellschaftsfähig gemacht haben, zumindest an den Universitäten, und was bis heute dort die beherrschende Stimmung ist. Zudem haben diese „68er“ auch den Boden bereitet für die ungebremste Aufnahme von Millonen radikaler Antisemiten sprich Judenhasser. Leider muss man das immer mal wieder laut sagen!
Merz quatschte doch heute im Bundestag von ethnischer Säuberung. Genau vor seiner eigenen Haustür in Berlin findet sie statt, aber da sieht er weg. Kein Wunder, denn das ist die ethnische Säuberung an den Juden, die seine eigenen linken Regierungspartner seit Jahrzehnten aktiv betreiben.
Als die Berliner Universitäten von pro-pälästinensischen Unterstützern besetzt wurde, die teilweise Unterricht verhindert, Studenten verängstigt und Sachbeschädigungen in 6-stelligem Bereich verursacht haben, haben die jeweiligen Hochschulleitungen quasi nichts getan um dieses beschämende Verhalten sofort zu beenden. Schlimm genug! Allerdings wurden die Univerantwortlichen auch von der Politik nicht zur Rechenschaft gezogen, obwohl sie die Fürsorgepflicht für Studenten, Hochschulpersonal sowie Hochschulvermögen nicht nachgekommen sind. Hochbezahlt sind sie im Amt geblieben… was für eine Symbolik nach außen.
„Als alter 68er hätte ich mir nicht träumen lassen, dass es einmal Linke geben könnte, die unsere Erinnerungskultur beschädigen.“ – Wie bitte? Schon mal den Namen Dieter Kunzelmann gehört? Schon mal nachvollzogen, welche seltsame Wandlung Martin Niemöller vollzogen hat (und welche eher nicht)? Schon mal was von Günter Grass gehört? Nichts von Jean Améry gelesen?
Na ja, daß 68er-Altlinke ihre blödsinnige Erinnerungskultur vermissen ist hier wohl kaum das Problem, schon eher daß mit dem nicht zuletzt von denselben 68ern herbeigerufenen „Zustrom“ sich in nunmehr islamischen und anderen kunterbunten Verkleidungen wieder dieselben regressiven Mentalitäten im Berliner Reich breit machen wie anno dazumal. `Deutschland für alle` fungiert dabei als suizidal-schizoide Abspaltung des vermeintlichen `Deutschen Weltberufs` derselben Berliner Formation und die Erinnerungskultur, Unsereerinnerungskultur Unsererdemokratie wenn man so will, war auch nie viel mehr als einer der vielen Schächte jener Verdrängungskanalisation, in der die Deutschen sich seit 1945 so gerne suhlen. Ganz wie der paranoide Verdrängungsantifaschismus, der sich zur geradezu offiziellen Ideologie des Zombie-Reiches Unsererdemokratie ausgewachsen hat. Die hirnverbrannte Juden- und Israelparanoia ist dabei zwar ein durchaus charakteristisches Symptom, aber keineswegs das Einzige.