Dushan Wegner, Gastautor / 05.04.2021 / 14:00 / Foto: Lionel Allorge / 8 / Seite ausdrucken

Die Schatten sind fake

Was unterscheidet einen Witz, zumindest einen guten, von den Nachrichten? In jedem Witz steckt ein wahrer Kern! – Im Ernst aber: Was, wenn die Nachrichten nicht einmal die Umrisse der Wahrheit zeigen?!

"Sieh nämlich Menschen wie in einer unterirdischen höhlenartigen Wohnung, die einen gegen das Licht geöffneten Zugang längs der ganzen Höhle hat" – Sie erkennen es gewiss, liebe Leser, woraus ich zitiere! – und weiter: "In dieser seien sie von Kindheit an gefesselt an Hals und Schenkeln, so daß sie auf demselben Fleck bleiben und auch nur nach vorne hin sehen, den Kopf aber herumzudrehen der Fessel wegen nicht vermögend sind" (zitiert nach Schleiermacher)

Richtig, es ist das Höhlengleichnis, eine der wirkstärksten und wichtigsten Metaphern der (westlichen) Denkgeschichte. Menschen sind an die Wand einer Höhle gefesselt, und sie sehen nicht die Dinge der Welt, sondern nur die Schatten der Dinge: "Auf keine Weise also können diese irgend etwas anderes für das Wahre halten als die Schatten jener Kunstwerke?"

Wenn einer, etwa weil er zuvor gewaltsam befreit wurde, das Licht und die wahren Gegenstände sähe und dann zurückgeführt würde, dann käme er zuerst überhaupt nicht zurecht in der Schattenwelt – und man würde ihn verhöhnen und darauf schließen, dass jeder Ausflug an die Oberfläche schädlich ist (wie heute die "Comedy" des verfluchten deutschen Staatsfunks jeden verhöhnt, der sich nicht in den geistigen Gleichschritt-des-Tages einsortieren will). Wenn einer aber seine Mitgefangenen gar befreien wollte, damit sie gemeinsam die Dinge hinter den Schatten sehen, dann würde man ihn dafür gleich erschlagen (wie heute die Terrorbanden der Antifa auf jeden einschlagen, der Menschen ermutigen will, sich nicht in den geistigen Gleichschritt-des-Tages einzusortieren).

Wenn Sie beim Lesen des vorherigen Absatzes erneut etwas von der Kraft und Wahrheit der Höhlengleichnis-Metapher geradezu körperlich gespürt haben, dann geht es Ihnen wie mir – und wie den Lesenden in vielen Generationen vor uns.

Heute jedoch – und hier schütte ich kaltes Wasser auf die philosophische Glut – die im Höhlengleichnis codierte philosophische Argumentation baut auf eine implizite Prämisse, deren Gewissheit ich in Abrede stelle – und wenn diese eine Prämisse wirklich so wacklig ist, wie mir scheint, dann ist ein guter Teil unserer Bemühung auf denkbar wackligem Grund gebaut.

Eine wahrheitsförmige Lüge

Platon spricht von Gauklern, anderen Menschen, teils redend (so dass die Gefangenen es hören, aber nicht zuordnen können), von Kunstwerken und anderen Gegenständen, die allesamt den Gefangenen nicht unmittelbar sichtbar sind, jedoch indirekt durch "die Schatten, welche das Feuer auf die ihnen gegenüberstehende Wand der Höhle wirft". Und hierin, liebe Leser, liegt eine gefährliche implizite Prämisse, deren Wackligkeit wir übersehen, denn Dramatik der folgenden "Befreiung", ähem, überschattet sie: In der Metapher folgt der Umriss der Schatten eben doch den realen Gestalten und Gegenständen.

Das Wissen der Gefangenen ist ein lückenhaftes, aber die Umrisse und groben Formen sind doch richtig! Bei Platon gibt es stets etwas, worauf sich diese und jene Schattenform bezieht! Erst diese Prämisse lässt das Höhlengleichnis so inspirierend wirken! Die erkenntnistheoretische Aussage des Höhlengleichnisses ist (also) nicht, dass alles Lüge und Irrtum sei, sondern, dass alles und jedes eine wahrheitsförmige Lüge sei – und das ist ein im Wortsinn wesentlicher Unterschied!

Woher wissen wir, dass der Befreite, sobald seine Augen sich an das Licht der Sonne gewöhnten, nicht erst mal in schallendes Lachen ausbricht, weil er feststellt, dass die Wirklichkeit nichts, aber auch gar nichts mit dem Umriss der Schatten zu tun hat?!

In jedem Scherz sei stets auch etwas Wahrheit enthalten, so sagen wir, und ähnlich müsste nach Platon gelten, dass in jeder der Lügen, die wir glauben, auch etwas Wahrheit enthalten sei. Wir glauben Lügen – wahrheitsförmige Lügen!

Nicht einmal als Umriss

Wie nervöse Wandernde, die sich bei Windstößen auf schmaler Brücke ans Geländer klammern, so halten wir uns an der bei Platon implizierten Hoffnung fest, dass, wenn wir auch von Lügnern und ihren Lügen umgeben sein mögen, so zumindest die Umrisse der Lügen doch eine Wahrheit bilden.

Wir schauen in die Nachrichten, und wessen Verstand noch nicht von der Propaganda aus- und gleichgeschaltet wurde, der vermutet täglich, dass das Gesagte nicht die Wahrheit ist, zumindest nicht die ganze Wahrheit, dass Teile fehlen – und dass wir durch Nachdenken und Weiterforschen herausfinden können, wofür diese flackernden Schatten wirklich stehen.

Ich fürchte, es ist zuerst unser Wunschdenken, das uns annehmen lässt, dass die Lügen zumindest "wahrheitsförmig" sind.

Es gibt eine Realität, kein Zweifel, und sie beeinflusst jeden unserer Tage, jede unserer Stunden, doch die Schatten, die wir an der Wand sehen, bilden sie nicht zwingend ab, oft nicht einmal als Umriss. Sorry, liebe Leser, manche Vase, deren Schatten Sie an der Wand zu erkennen meinen, deren Schatten man uns laut und bunt in den Nachrichten zeigt, diese Vase gibt es wahrscheinlich gar nicht – dafür gibt es aber ganz andere Vasen, die kaum einen Schatten werfen. In der Metapher bleibend: Die Schatten sind nicht einmal wahrheitsförmig.

Die Schatten sind fake. Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Tag!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com.

 

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.

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Leserpost

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lutzgerke / 05.04.2021

Die Terrorbanden der Antifa haben in den USA eine Spende von George Soros erhalten über 1,7 Mill. Dollar. Das geht aus seiner geleakten Steuererklärung hervor. Oder darf man da nicht reingucken, weil das unanständig ist? Die Antifa wird nicht nur geduldet, sie darf Kampfsportzentren eröffnen und wird von MDBs aus ALLEN Fraktionen finanziell unterstützt. Die brauchen keine Direktive, die wissen, was sie dürfen und was nicht. Die sind die SA der Partei. Und von einer Partei darf man sprechen, denn damit, daß sich die Fraktionsführer im Fernsehen zum öffentlichen Bekenntnis der “Alternativlosigkeit der EU” verabredet haben, haben sich die Fraktionen zu einer Blockpartei verschmolzen. In diesem Block erfüllt jeder seine Aufgabe. Putin hat der russischen Mafia den Kampf angesagt und zugeschlagen. Das könnten die Parteien hier auch tun, aber Schlägertrupps sind nützlich und sie führen die Öffentlichkeit auf ein falschen Gleis. Nennen wir das heute mal sizilianische Verhältnisse. Weil ich gut drauf bin und die Ndrangeta hier ja auch längst Wurzeln geschlagen hat. - Es gibt ein Rätsel, bei dem man eine bestimmte Anzahl Punkte mit einem Linienzug verbinden soll. Da kann man lange überlegen, weil man immer die äußeren Punkte als Grenze bewertet. Die Lösung lautet, daß man die Linien über die Punkte (Grenze) hinausziehen muß. Was wir hier vorgesetzt kriegen, ist eine abgeschnittene Wahrheit. Die ganze Wahrheit würde die Bande wahrscheinlich selbst in einer Bananenrepublik ins Gefängnis bringen.         

toni Keller / 05.04.2021

Ich denke schon, dass die Schatten wahrheitsförmig sind, sehr verschattet wahrheitsförmig, Deshalb wirken sie. Wäre es “nur” einfache Lüge, so wäre sie leicht zu entlarven.  Nein das Schlimme ist, dass die mit der Wahrheit lügen. Nehmen wir den Coronawahn. Es ist die Wahrheit dass die Menschen sterben, es ist die Wahrheit dass meist ein wie auch immer geartetes Siechtum vorrausgeht. Es ist die Wahrheit dass auch Leute sterben können die vorher scheinbar gesund waren, einfach weil die Schwäche die sie schon immer hatten gut kompensiert wurde. Es ist auch die Wahrheit dass es meist eines Auslösers bedarf, damit das sowieso schon labile Gleichgewicht ins Wanken kommt, All das ist wahr. Nur erzählen die MItgefangenen dass man all das verhindern könnte, sie interpretieren die Schatten als das supergefährliche Killervirus. Richtig ist, dass der der ans Licht gekommen ist, sich schief lacht über die Erklärungen der sich superklug dünkenden, Von daher hat Dushan Wegner schon richtig recht. Aber davon abgesehen beantwortet das leider die Frage nicht, wie wir es schaffen uns selber zu befreien, aus dem Wahn der Schattern

Dietmar Richard Wagner / 05.04.2021

Das Titelbild mit den lichtdurchlässigen Augenhöhlen passt gut zu Herrn Wegners Beitrag - durch Weglassen soll der Fake-Schatten realistisch wirken. Metaphorisch doppelsinnig: Augen auf bei jedem Schatten!

K. Schmid / 05.04.2021

Hab‘s gelesen und während des Lesens gedacht, das muß von Dushan Wegner sein! Großer Erkenntnisgewinn,  der dazu einlädt, mal wieder bei den alten Griechen nachzuschlagen und treffend mit dem Heute verknüpft.

Karola Sunck / 05.04.2021

Ich fürchte den Schatten der Demokratiezerstörer und den Schatten derer, die den Schatten der Demokratiezerstörer durch das helles Licht der Verfassung und des Grundgesetzes in Bann halten müssten. Es aber nicht tun, stattdessen sich mit dem Schatten der Demokratiezerstörer vereint haben und gemeinsam zu Demokratiezerstörer mutiert sind. Das echte Beispiel: Spahn will nur den ,,Geimpften``, die vom Grundgesetz verbrieften Freiheitsrechte zurückgeben. Den ,,Ungeimpften`` nicht oder niemals. Dieses Ansinnen ist höchst verfassungsfeindlich, wird aber vom höchsten Hüter des Bundesverfassungsgerichtes ,, Harbarth`` mitgetragen. Diese Schatten formieren sich zu dunklen Wolken am Horizont der Republik. Musste Deutschland schon einmal erleben, dass sich die Justiz mit verfassungsfeindlichen Elementen verbrüdert hat, um die Menschen unter ihre Kontrolle zu bringen.

Sam Lowry / 05.04.2021

Man kann sich unter den ständigen Lügen, die auf uns täglich einprasseln, kaum noch eine Wahrheit vorstellen. Damit meine ich beide Seiten. Die einen reden vom Weltuntergang durch Corona für jeden, die anderen von chinesischen Fadenwürmern auf Teststäbchen. Die Wahrheit ist zur Unkenntlichkeit verzerrt, und das nicht erst seit Corona. Mittlerweile ist die Wirklichkeit so schwer vorstellbar wie eine 4. Raumdimension, die einige Probleme der Wissenschaft lösen würde, z.B. die der schwarzen Energie und Materie. Ich habe hier eine Tasse, ja Tasse Bier stehen, die Länge, Breite und Höhe hat, so dass ich genau ausrechnen könnte, wieviel Bier hineinpasst, bis sie überläuft. Von der Oberflächenspannung des Bieres mal abgesehen. Wohin sollte das Bier denn noch überlaufen, wenn es eine 4. Dimension gäbe? Ich kann es mir nicht vorstellen. Genausowenig, was wirklich hinter den Kulissen und den Elfenbeinturm-Türen passiert. Ich weiß nicht einmal, wo diese Elfenbeintürme stehen und wer darin wohnt. Sind es Gates, Rothschild, Soros und andere Multi-Milliardäre? Oder noch Reichere, von denen wir nichts ahnen?

Clemens Jäkel / 05.04.2021

Danke. Ihr Wunsch ist für mich in Erfüllung gegangen. Den sonnigen Tag wünsche ich Ihnen auch. Ich betrachte gerade den Schatten einer Vase und stelle fest, es könnte auch der Schatten eines Blumentopfes sein. Was mich zu dem Schluß kommen läßt, daß nicht nur die Form die Dinge ausmacht, sondern auch deren Funktion. Es ist verzeihlich die Dinge zu verwechseln, wenn man nur ihren Schatten kennt und in einer Höhle gefangen ist. Aber Leute die behaupten, wegen des gleichen Schattenwurfs, gäbe es gar keinen Unterschied, sind entweder Brunnenvergifter oder schwachsinnig, wobei ich nicht weiß was gefährlicher ist. Wir sollten den Mut haben uns unseres Verstandes zu bedienen und einen Unterschied zwischen Schein und Sein machen.

Hans Reinhardt / 05.04.2021

Wenn nach dem Ende der Pandemie die Überlebenden wieder in Höhlen hausen, dann können sie anhand der Schatten die Verantwortlichen draußen immer noch erkennen: der Schatten weht im Wind hin und her: Horst Seehofer, der Schatten hat die Form einer dünnstieligen Doppelaxt: Karl Lauterbach, der Schatten einer Fingerpuppe: Jens Spahn, der Schatten kreischt: Claudia Roth, der Schatten trägt eine Kerze: Markus Söder, in der Höhle wird es zappenduster: Peter Altmaier, der Schatten will nicht weichen: verharrt in Anbetung!

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