ist die Langeweile. Man kann nicht auf jedes „Islam ist Frieden“ mit einem brillanten und unverbrauchten Artikel entgegnen: Was für ein Frieden? Irgendwann ruft man nur noch genervt: Klappe! und liefert den Beweis, dass man die Meinungsfreiheit denen nicht zubilligt, die man aus privaten abstrusen Gründen hasst.
Mit dem Dresdener Mord im Gericht verhält es sich ebenso. Auf welch widerwärtige Weise Arab Köhler und Aiman Mazyek diese Untat verwerten, wurde dargestellt. Mittlerweile ist herrschende Meinung geworden, der Mord wäre extremer Ausdruck einer gesellschaftlichen Islamhasserei. Mazyek macht fleißig weiter, so in der Süddeutschen Zeitung, und muss sich nicht einmal mehr vorsehen, seine Motive zu verhehlen: „Geschieht ein Ehrenmord, sitzt der Islam insgesamt auf der Anklagebank, sagt er. Wird eine Muslima mit Kopftuch ermordet, gebe es bestenfalls pflichtschuldige Betroffenheit.“
Interessant, was? Leider nicht mehr. Aufschlussreich vielleicht gerade noch, wenn man sich die Mühe macht, noch zu lesen und noch zu verstehen: es geht um die Relativierung der Ehrenmorde. Da hört man von Mazyek nun gar nichts. Und in den Medien immer weniger.
Auch wenn es nur die „Jetzt“-Seite ist, so geht das nicht: „Die Wahrnehmung vieler Muslime
geht so: Marwa el-Sherbini musste sterben, weil sie ein Kopftuch trug, als gläubige Muslima erkennbar war. Sie ist Opfer der wachsenden Islamfeindschaft in Deutschland, sie wurde zum Opfer, als sie ihr Recht erstreiten wollte. Sie ist eine Märtyrerin. Hat der Mann mit dem Messer nicht im Gerichtssaal das Lebensrecht der Muslime bestritten? Und die Deutschen verdrängen das. Warum musste erst die Empörung in Ägypten hochkochen, ehe Politiker und Medien aufmerksam wurden? Warum fehlte Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz bei der Beerdigung, wo blieb der Aufschrei im Land?“ Das ist nicht die Wahrnehmung, das ist die Propaganda, die Meinung, die hier zum Fakt aufgewertet wird – auch dass Marwa „Zielscheibe des Islam-Hasses“ geworden wäre wie auf der schlimmen schlimmen Internetseite, die so böse ist, dass sie nur Böses vom Islam sammelt. Es nervt, ist langweilig und ätzend, schon wieder sagen zu müssen: Stimmt nicht. Die Instrumentalisierung durch die Mohammed-Karikaturen Mazyek und Arab Köhler zu ihren eigenen Belangen wurde angegriffen und zu Recht. Der Mord hat Empörung bei den Deutschen ausgelöst, und dass das Ausmaß der Empörung als zu gering oder nicht offiziell genug dargestellt wird, spricht für sich und für vieles, nur nicht für einen „Teil einer zunehmend feindseligen Stimmung“ gegen Muslime.
Mittlerweile muss man den Fortschritten wehren, die Anfänge sind vorüber. Sehr fortschrittlich ist natürlich die taz bei der Verteidigung der Religion, wenn es sich dabei um den Islam handelt. Der Laizismus in Frankreich ist eine gute Idee, er wird nur an den falschen Leuten verwirklicht wie mit dem Burka-Verbot. Beim Tragen hat die Burka nichts mit Islam zu tun, ihr Verbot ist indes voll antiislam: „Demnach gibt es in Frankreich genau 357 Burka-Trägerinnen. Wenn die staatliche Seite dieses marginale Problem politisch und damit auch medial hochspielt, befeuert sie nur die ohnehin großen Spannungen und Konflikte in den französischen Vorstädten.“ Wenn das Problem so gering ist, wieso befeuert dessen Lösung dann Spannungen und Konflikte? Dann könnte es doch relativ egal sein? Ach, wir haben uns schon so sehr daran gewöhnt, dass die Leute, die ein Interesse an den Spannungen und Konflikten haben, die Niedrigen und daher von denen da oben unterdrückt sind.
Man kann es nicht mehr registrieren, man kann auch die Gegenargumente nicht mehr hören, man kann nur noch nach Ablenkung suchen.