Nach der moralischen und militärischen Katastrophe der nationalsozialistischen Diktatur hatte sich die westdeutsche Bundesrepublik willig unter den amerikanischen Schutzschirm begeben und sah ihre staatliche Zukunft langfristig in einem vereinigten Europa. Nur widerwillig unterzog sie sich der Wiederbewaffnung und war stolz darauf, dass die Truppen der Bundeswehr nahezu vollständig dem integrierten Oberkommando der Nato unterstanden. Auf atomare Bewaffnung leistete sie Verzicht, auch hier vertraute sie dem amerikanischen Schutzschirm.
Als – für die deutsche Politik ganz unerwartet – seit 1989 in kurzer Folge die Mauer fiel, der Warschauer Pakt sich auflöste und die Sowjetunion unterging, schien das Morgenrot für einen ewigen Frieden zumindest in Europa heraufzudämmern. Die deutsche Politik im wiedervereinigten Deutschland reagierte schnell: Die Bundeswehr wurde zügig auf Landsturm-Format heruntergeschrumpft. Sogar die Heeresflugabwehr wurde abgeschafft. Die Gepard-Panzer, deren Restbestände heute in der Ukraine sehr gute Dienste leisten, wurden größtenteils verschrottet. Eine Zukunft schien die Bundeswehr nur noch für gelegentliche Polizeieinsätze als internationale Friedenstruppe zu haben, auch die Wehrpflicht schien verzichtbar.
Heute zeigt sich, dass Deutschlands Vertrauen auf eine stabile regelbasierte internationale Weltordnung, die Wehrhaftigkeit überflüssig machen würde, naiv und unhistorisch war:
- Putins Russland rüstet massiv auf. Seine europäischen Ziele nach der Vernichtung und Einverleibung der Ukraine sind ungewiss. Vielleicht will es zu den Grenzen des alten Zarenreiches zurück.
- Trumps Amerika will von seinen Verpflichtungen in Europa immer weniger wissen. Seine Beistandswilligkeit, ob konventionell oder nuklear, wird immer ungewisser.
- Polen ist zwar gegenüber Russland noch misstrauischer als Deutschland und investiert kräftig in sein Militär. Es macht aber gegenwärtig nicht den Eindruck, als ob es sich Deutschland freundschaftlich verbunden fühlt.
- Frankreich verfolgt wie immer vor allem seine eigenen Interessen. Seine politische Zukunft ist ungewiss, aber eins scheint sicher: Die Force de Frappe wird immer nur Frankreich schützen.
- Großbritannien ist schwächer denn je und steht vor großen politischen Umbrüchen. Militärisch hat es genug damit zu tun, sich selbst zu schützen.
- Die Europäische Union war erfolgreich als Zollverein und Wirtschaftsgemeinschaft. Schon die Währungsunion erfüllte die in sie gesetzten Hoffnungen nicht. Ohne einen stark reformierten Unionsvertrag wird die EU nach innen und außen immer handlungsunfähiger. Eine bundesstaatliche Lösung ist ferner denn je.
Die verlässlichste Größe für den Bürger bleibt der Nationalstaat
Von der einst so hochgelobten internationalen regelbasierten Ordnung funktionieren noch am besten die Genfer Flüchtlingskonvention und die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zum Thema Asylgewährung. Beides wirkt in Europa vor allem zum Nachteil Deutschlands, sorgt für einen großen Teil seiner heutigen wirtschaftlichen und sozialen Probleme und hat den Aufstieg der AfD maßgeblich beflügelt. Vergeblich hofft Deutschland bei unerwünschter Migration auf europäische Solidarität. Wie sollte die auch aussehen? Wer den weiten Weg nach Europa geschafft hat, siedelt eben am liebsten in den Ländern mit den besten Sozialleistungen und dem höchsten Lebensstandard.
Dass deutsche Politik deutsche Interessen in den Mittelpunkt stellen sollte, ist eine Selbstverständlichkeit. Neu ist, dass man sich dabei immer weniger auf die USA, die EU, auf internationale Konventionen und Organisationen aller Art verlassen kann. Internationale Zusammenarbeit bleibt immer wichtig. Aber die verlässlichste Größe für den Bürger und der Hauptadressat für seine politischen Wünsche bleibt eben doch der Nationalstaat. Er überlebt zumeist auch dann, wenn Bündnisse wanken und wenn sich internationale Präferenzen ändern. Und nur er kann die beiden Hauptprobleme anpacken, die seit einigen Jahren auf der Agenda stehen:
- Eine an den nationalen Interessen ausgerichtete Gestaltung der Migrationspolitik, die den Zusammenhalt der Gesellschaft fördert, statt ihn zu gefährden.
- Eine glaubhafte und nachhaltige militärische Ertüchtigung, die Deutschland im Fall des Falls auch ohne amerikanische Unterstützung zu einem formidablen Gegner macht. Es darf nicht sein, dass Putin weiterhin mit Hyperschallraketen aus Königsberg droht und Berlin ihm dabei wehrlos zu Füßen liegt.
Dieser Beitrag erschien zuerst in der Weltwoche.

„Auf atomare Bewaffnung leistete sie [Bundesrepublik] Verzicht…“. Falsch. Richtig: Die Alliierten untersagten nach 1845 die Entwicklung von Kernwaffen in Deutschland. Hätten Sie wissen können oder besser: müssen, Herr Sarrazin.
Sie vergessen leider, dass der Nationalstaat Deutschland quasi entrechtet wurde, indem umfangreiche Rechte nach Brüssel an eine autokratische Führungsriege abgegeben wurde.
Neuestes Beispiel: Selbst die unzureichende, beantragte Anzahl an Gaskraftwerkskapazitäten, die man benötigen würde um aus der Kohle auszusteigen, werden durch Brüsseln nciht genehmigt.
Selbst wenn die Bundesregierung ab morgen den ganzen Energiewende-Firlefanz inkl. Verbrenneraus ad-acta legen würde, die Kommision und der EuGH würde umgehend ein Vertragsverletzungsverfahren starten.
Herr Sarrazin, Sie bringen es auf den Punkt. Ich hätte allerdings überhaupts nichts dagegen, wenn D den USA beiträte. (Die USA hätten z.Zt. wohl eher was dagegen.) Oder wenn die gesamte EU sich mit den USA zusammenschlösse. (Da hätten die USA wohl noch mehr etwas gegen.)
Es darf nicht sein, dass Putin weiterhin mit Hyperschallraketen aus Königsberg droht und Berlin ihm dabei wehrlos zu Füßen liegt? Selten so einen Quatsch gelesen, ausgerechnet von Ihnen, Herr Sarrazin! WQem liegt Berlin denn in Wirklichkeit zuFüßen: dem Interesen von Brüssel, Washington und Lomdon wohl eher… Die Schnapsidee, sich überhaupt gegen eine Kernmacht „wehrhaft“ machen zu können, kann man getrost vergessen, am besten mit viel Alkohol…. Wahnsinmn, was sich in Deutschland abspielt!
Minsk eins und zwo boten alle Chancen zuur friedlichen Koexistenz, aber siewurden verplembert um Zeit für die Ukraine zu schinden, damit sie „siegen“ kann: einfach absurd!
Herr Sarrazin, öffnen Sie mal Ihre Augen! Nehmen wir an, 240.000 Bundeswehrsoldaten machen sich mit funktionstüchtigen Armeefahrzeugen auf den Weg zur polnischen Grenze, weil ein Alarm ausgelöst wurde. Sie hören über sich ein Pfeiffen. Kurze Zeit später erfahren sie, dass Berlin, Hamburg, Frankfurt, Köln, München, Dresden, Mannheim, Stuttgart in Schutt liegen, von Hyperschallraketen getroffen. Dann wäre das ganze Geld für die angebliche Wehrtüchtigkeit vergebens verbrannt worden. Aber wir sind ein reiches Land und haben es ja… Wofür wird eigentlich der Aussenminister bezahlt?
Wer „Si vis pacem, para bellum“ verstanden hat, hat etwas universal Überlebenswichtiges verstanden. Wer allerdings so derartig dehostilisiert ist, dass er den flugunfàhigen Dodo anbetet, wird eben aussterben … … und die AfD ist ganz sicher und ganz gewiss schlimmer als Genosse Putin
Wer „Si vis pacem, para bellum“ verstanden hat, hat etwas universal Überlebenswichtiges verstanden. Wer allerdings so derartig dehostilisiert ist, dass er den flugunfàhigen Dodo anbetet, wird eben aussterben