Als kleine Anekdote zu meinem gestrigen Artikel über Behördenwillkür, die der afroamerikanische Literaturprofessor Henry Louis Gates kürzlich am eigenen Leib erfuhr, schickte mir mein Freund Gerhard Fuerst in Kalamazoo, den es vor vielen Jahren als Studenten in die USA verschlagen hatte, wo er sich inzwischen seiner Rente als Hochschullehrer erfreut, die folgende, wenn auch weniger dramatische story:
“Vor etwa fuenfzehn Jahren musste ich mal eine aehnliche Prozedur ueber mich ergehen lassen. I wurde verhaftet wegen einer angeblich unbezahlten Hundesteuerrechnung, obwohl ich den Beleg lieferte, dass die Rechnung pflichtgemaess und beizeiten bezahlt wurde. Der Tierarzt hatte nur versaeumt, die Behoerden zu informieren. Als ich auf der Wache protestierte, sagte der Beamte zu mir: “Shut up, or you will be put in hand cuffs!” Als ich dann nur versuchte zu fragen, ob dieser Aufwand wirklich notwendig sei, sagte er: “Ha! You just made my day!”, und legte demonstrativ Handschellen und Dienstpistole vor sich auf den Tisch. Ich weiss nicht, vielleicht war an dem Tag nicht genug Betrieb, vielleicht hatte er sich gelangweilt. Man nahm mir die Fingerabdruecke ab, photographierte mich wie einen Kriminellen, und ich musste dann auch gleich vor einen Schnellrichter im Polizeigebauede. Da saß ich dann fast zwei Stunden im Gerichtssaal, waehrend Diebe, Prostituierte, Drogenhaendler, Justizfluechtlinge, Einbrecher, etc. abgefertigt wurden. Als ich endlich vorgefuehrt wurde, konnte sich der Richter, nachdem er die Papiere gelesen hatte, zunaechst kaum das Lachen verbeissen. Er fragte mich: “What is this damn nonsense?”, und dann wurde er wuetend! Er verwuenschte die Polizei mit den Worten, er wuerde gleich runter auf die Wache gehen “to knock some very stupid heads together.” Er schmiss den Fall kurzerhand raus. Trotzdem musste ich hinterher die in Michigan gesetzlich auch bei Freispruechen vorgeschriebene “judgment fee” von 30 Dollar bezahlen und selbst den offiziellen Antrag stellen, diese ungerechtfertigte Verhaftung aus meinem “Polizeiregister” zu streichen. Finally I had a clean slate again!”
Damit ich nicht als Polizistenhatzer mißverstanden werde: Mir sind durchaus die Gefahren und der Streß bewußt, denen unsere Freunde und Helfer in Uniform täglich ausgeliefert sind, und ich habe zum Beispiel kein Problem damit, wenn ein offensichtlich Krimineller bei Bedrohung von Menschenleben auch mal über den Haufen geschossen werden muß. Wofür mir allerdings der Sinn fehlt, ist erstens autoritätsversessene Willkür einzelner Sturköpfe und zweitens, wenn ein über die rechtlichen Stränge geschlagener Ordnungshüter von seinen Buddies aus falscher Kollegialität gedeckt wird, wie es gerade in Cambridge, Massachusetts geschah. Aber dieser offenbar unsterblichen Hydra in all ihren internationalen Mutationen lassen sich wohl nie sämtliche Köpfe abschlagen.
Trotz allen Ernstes: Spaß muß sein. Beim exklusiven Bierfest des Weißen Hauses morgen abend um 18 Uhr Ostküstensommerzeit—an einem Picknicktisch außerhalb des Oval Office, heißt es—haben sich übrigens Presseberichten zufolge inzwischen zwei der drei Akteure schleichwerbend für folgende Marken entschieden: Skip Gates wird angeblich zum jamaikanischen Red Stripes greifen, James Crowley zum “Belgian style” Blue Moon. Beim gemischtrassigen Prosit der Gemütlichkeit schluckt das einstige Opfer, der schwarze Professor, für die dunkelhäutige Karibik, und der einstige Täter, der weiße Cop, fürs bleichgesichtige Europa—was immer “Belgian style” auch bedeuten mag. (Sehn wir mal davon ab, daß im hiesigen politischen Spektrum Rot eigentlich für die Republikaner steht und Blau für die Demokraten.) Da wird Barack Obama beim sicher weltweit live zu bestaunenden Brüderschaftstrinken (can’t we all be friends?), einem von ihm selbst heraufbeschworenen Spektakel, wohl nichts anderes übrigbleiben, als in seiner angeborenen Brückenrolle zwischen den Rassen zu agieren und zudem einer Marke mit patriotischen Panache zuzusprechen, wie dem von ihm bei anderen öffentlichen Gelegenheiten bevorzugten Budweiser—dem von der bayrischstämmigen Firma Anheuser-Busch seit über 150 Jahren zunächst am Mississippi gebrauten Schummel-Budweiser wohlgemerkt, nicht dem echten von der tschechischen Urquell. Egal—Hauptsache, es schmeckt, und dem Sommer sind zunächst mal ein paar Löcher mit in Gerstensaft getränktem gedroschenem Stroh gestopft, ganz so wie an deutschen Stammtischen. Gönnen wir uns ein wenig bierseliges Geschunkele; ab Freitag gilt dann hoffentlich wieder null Promille am Steuer der Weltmacht.