„Tower up, it’s those little things, make life interesting…“ – ABC, Tower of London 1985
„Man muss den Unmut besser verstehen“, sagt der Soziologe Lengfeld im Focus auf die Frage nach dem Grund für die Erfolge der AfD, „im Gespräch bleiben, aufklären, bilden – das ist jetzt wichtig.“ Denn der „typische AfD-Wähler“ ist das Thema, dass „alle Menschen gleich sind, dass es keine Rolle spielt, wo jemand geboren ist, welche sexuelle Orientierung er hat und dass unterschiedliche Lebensweisen anerkennungswürdig sind“, nie mitgegangen. Vielmehr wünscht sich der ach so gemeine AfD-Wähler „einen starken Staat, der souverän alle wichtigen Entscheidungen trifft, eine kulturell homogene Bevölkerung und eine Lebensweise, die der Standard ist und daher staatlich gefördert wird“.
Woher er das weiß? Na, der Mann ist schließlich Soziologe, die wissen so etwas. Natürlich könnte es auch einen ganz anderen Grund geben, warum so viele Menschen – übrigens auch Nicht-AfD-Wähler – von dem ganzen Multikultiklimbim die Nase voll haben. Da ich aber kein Soziologe bin, muss ich da raten und spekulieren und kann das eigentlich nur an meinen eigenen Erfahrungen und Gesprächen fest machen.
Ich schätze, es ist nicht der fette Terroranschlag, der die Bürger AfD wählen lässt. Terror gab es früher schon, von Links, von Rechts und von total Verstrahlten, die irgendwelche Stimmen im Kopf hatten. Ich glaube eher, es hat mit der mangelnden Bereitschaft der „schon immer hier Seienden“ zu tun, pflichtschuldig jeden Tag „ihr Zusammenleben neu aushandeln zu müssen“, was ja, für mittlerweile Tausende im wahrsten Sinne des Wortes, „mitunter auch schmerzhaft“ ist, weil sich „nicht nur die Menschen, die zu uns kommen, integrieren müssen“. Das Problem dabei ist, dass die „hier schon länger Zahlenden“ gar nicht zurückintegrieren dürfen, weil das wenigstens moralisch verwerflich, wahrscheinlich aber sogar strafbar wäre und zum Einhelikoptern des Bundesstaatsanwalts führen dürfte.
Immer wütender und frustrierter
Ansonsten dürften sich auch die „schon immer hier Grün-Wählenden“ nämlich auch zu 21 Hochzeitskorsos in einer Woche versammeln und/oder dabei fröhlich Schusswaffen gebrauchen. Die Presse bezeichnet derart überschwängliche Feiern gerne mit dem Adjektiv „ausufernd“. Garantiert nicht als „ausufernd“ würde dann auch der „Kampf auf dem grünen Rasen“ bezeichnet werden, wenn „schon länger hier Kickende“ sich die gleichen Angewohnheiten wie die „noch nicht so lange hier Zusammentretenden“ aneignen würden und selbst Kinderfußballspiele sicherheitshalber mit einem einsatzfähigen Messer besuchen. Gleichzeitig würde die Mit-Integration der „schon länger hier Nichtschwimmenden“ endlich den Einsatz von Security-Mitarbeitern in Schwimmbädern voll und ganz rechtfertigen.
Es sind die kleinen Dinge, die einen Großteil der Bevölkerung immer wütender und frustrierter machen. Ob es das Angespuckt- oder Bepöbeltwerden ist, das Verdreschen des eigenen Nachwuchses in der Schule von Gruppen „nicht so gut Deutsch-Sprechender“ oder schlicht und ergreifend das ganze rücksichtslose und verächtliche Verhalten, weniger von Flüchtlingen, als vielmehr derjenigen, deren Großeltern „Deutschland wieder aufgebaut“ haben, weil die Deutschen doch bis zum Eintreffen des ersten Gastarbeiters in Höhlen hausten. Vielleicht, nur vielleicht, haben die finsteren AfD-Wähler diese ganze dämliche „Aushandelei“, die nichts anderes als die Pflicht, sich verachten zu lassen, meint, schlicht und einfach satt. Vielleicht empfinden es die offiziellen Falschwähler schlicht demütigend, wenn sie sich, so sie Fehlverhalten reklamieren, als Dank auch noch als „Nazis“ und „Rassisten“ von den Ewig-Morgigen beschimpfen lassen dürfen. Also, könnte ich mir jetzt so vorstellen. Könnte ja sein. Aber ich bin kein Soziologe. Ich rate da nur.
Hinzu könnten dann auch für, freundlich gesagt, „Fehlverhalten“ läppische Strafen kommen, wenn der arbeitslose Erwin, dem das Sozialamt eben die 20 Euro gestrichen hat, weil er sich dummerweise beim Heckeschneiden des Nachbarn hat erwischen lassen, mitbekommt, wie „neu hinzugekommene Heckenschneider“ sich fröhlich grinsend 12 Identitäten zulegen und mit ein paar 10.000 Euro durch die Gegend ziehen, ohne dass dies irgendwelche Konsequenzen hätte. Oder sein Duisburger Nachbar sich fröhlich mit dem neuen SLK seinen Scheck bei der ARGE abholt.
In der physisch und moralisch schlechteren Verhandlungsposition
Es sind die gleichen Dinge, die der furchtbare AfD-Wähler jeden Tag erlebt und sieht. Und er wählt AfD nicht wegen japanischen Studenten, chinesischen Investoren, indischen IT-Spezialisten oder griechischen Restaurantbesitzern. Er wählt AfD nicht, weil er nicht Pizzerien leiden könnte oder eine tiefsitzende Abneigung gegen Engländer, Amerikaner oder Franzosen, Schweden, Letten oder Finnen hätte. Er hat auch mit den Vorgenannten nie oder selten schlechte Erfahrungen gemacht.
Er wählt AfD, weil er plötzlich ein „Zusammenleben aushandeln muss“, bei der er immer in der physisch und moralisch schlechteren Verhandlungsposition ist. Und der sich als staatlichen Dank für seine nicht unbedingt niedrigen Steuern und Abgaben zur Finanzierung des ganzen lustigen Firlefanzes offiziell auch noch als „Köterrasse“ titulieren lassen darf.
Also, wie gesagt, das ist jetzt reine Spekulation von mir. Ich bin kein Sozialarbeiter. Ich habe das nicht studiert. Und werde dafür auch nicht bezahlt. Es kann also sein, dass ich irre gehe oder bin.

Lieber Herr Schneider, als kleine Stilübung: den nächsten Besinnungsaufsatz mal ohne "Gänsefüßchen".
Tja lieber Herr Schneider, natürlich irren Sie, weil in Deutschland nicht sein kann was mich sein darf. Siehe die Berichterstattung über die Vergewaltigung durch vier"Deutsche" auf Mallorca.
Sehr geehrter Herr Schneider, so wie Ihnen geht es vielen!
Nein, Her Schneider, Sie irren nicht!! Letzte Nacht, genau 0 Uhr, plötzlich ein Knallen, Rumsen und Zischen, ich bin beinahe aus dem Bett gefallen. In einer nahe gelegenen Gaststätte feierte man offensichtlich Jemandes Geburtstag. Am Singsang und Ge- brülle erkannte ich Jene, mit denen ich mein tägliches Zusammenleben aushandeln muß. Nur eine von zahlreichen nicht ausgehandelten Verwerfungen. Mir steht es bis oben!
Vielen Dank für den Artikel! Ich bin auch kein Soziologe, habe aber oft mit dieser Fachgruppe zu tun, bin Arzt und Psychotherapeut, wünsche mir kein „homogenes“ Deutschland, bin nicht dumm, einfältig oder fremdgesteuert, zahle ne Menge Steuern, arbeite etwa 50-60 Stunden die Woche, bin zum „Denken und Betrachten auch der Meinung anderer in Respekt und Würde“ erzogen worden, liebe Freiheit, bin schwul, aber nicht verheiratet, finde Frauen- und Menschenrechte sowie die Grundwerte von säkularem Christentum und Humanismus grundlegend wichtig, möchte, dass unsere freiheitliche Gesellschaft sich nicht auflöst, dass es einen finanzierbaren Sozialstaat mit funktionierendem Rechtssystem gibt..., bin kein Nazi, finde Höcke schlimm....aber wähle mit Überzeugung AFD, weil ich keine Alternative sehe!
Vollkommen richtige Analyse. Schade, dass sich nicht genügend Menschen finden, um den sog. „Politikern“ heutiger Prägung in den Arsch zu treten oder auf die Fresse zu geben. Das wäre bitter nötig.
Genau so ist es. Zumindest was meine Beweggründe betrifft mein Kreuz bei Wahlen an einer bestimmten Stelle zu machen. Übrigens: Ich fühle mich "noch" nicht verachtet, sondern eher ver-arsch-t. Auch unter länger hier Lebenden muss man sein zusammenleben täglich neu aushandeln. Meist am Arbeitsplatz wo man verbal gesehen ständig irgendwelche Messer in den Rücken gesteckt bekommt. Neid, Missgunst und Geltungssucht treiben diese Spezies an um ihre Mitmenschen zu schikanieren u. denunzieren. Sowas verachte ich dann; und das ist keine Pflicht sondern ein notwendiges Übel was ich gerne vermeiden würde. Die etablierten Parteien bieten genug Anschauungsmaterial wie man sich gegenseitig am schönsten denunzieren kann. Bei solchen "Vorbildern" braucht man sich nicht wundern warum es bei uns gerade/oder schon länger so ätzend ist leben zu müssen. Zum Glück habe ich einen Ausweg gefunden um mir in Zukunft vieles zu ersparen.