Quentin Quencher / 11.01.2019 / 10:00 / 21 / Seite ausdrucken

Die Panik hinter den Nebensätzen

In seinem Statement nach dem Anschlag auf den AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz betont Alexander Gauland auffallend oft, dass die Diffamierung der AfD und ihre Ausgrenzung eine wesentliche Ursache für die Gewalt gegen diese Partei ist (hier). Er führt explizit auch das Verhalten im Bundestag an, dass Kandidatenvorschläge von der AfD für Posten beispielsweise, entgegen demokratischer Tradition in diesem Parlament, abgelehnt werden mit der Unterstellung, die AfD wäre keine demokratische Partei.

Auf was zielt Gauland mit dieser Argumentation ab? Vermutlich wird er ganz pragmatisch denken und versuchen, ein verabscheuungswürdiges Verhalten, nämlich das der Schläger von Bremen, dazu zu nutzen, die Ablehnungsfront der anderen zu minimieren. Die müssen – es bleibt ihnen nichts anderes übrig – diese Tat verurteilen, wodurch dann allerdings für sie die Gefahr entsteht, dass der Eindruck erweckt wird, die AfD gehöre dazu, zu ihnen, zu den Demokraten.

Dem muss vorgebeugt werden, weshalb nun Tweets und Texte das Netz fluten, von den Kommentaren in TV und Radio ganz zu schweigen, die alle den gleichen Inhalt haben: Nämlich die Unterstellung, dass zwar die AfD eine antidemokratische Partei sei, sie aber nur mit friedlichen Mitteln bekämpft werden dürfe. Im Hauptsatz wird gesagt, dass man Menschen anderer Gesinnung nicht einfach halb tot schlagen darf und im Nebensatz, der unweigerlich darauf folgt, dass dies auch für Nazis gelten müsse. Dies ist eine bewährte Technik in der politischen Propaganda, nämlich die Empörung so umzuleiten, dass sie der eigenen Agenda nützt (Siehe auch hier).

„Nazi“ als Atombombe der Ausgrenzung

Im Grunde geht es also bei allen Statements nicht um die Verurteilung eines Verbrechens, sondern um politische Ausgrenzungspraxis. Die einen, die AfD, wollen raus aus der Schmuddelecke, als vollwertige Demokraten anerkannt werden – die Einlassungen Gaulands lassen da keinen Zweifel daran – und die anderen wollen genau das verhindern.

Warum aber dieser Kampf in den Nebensätzen, der die Hauptsätze zur Dekoration herabwürdigt? Freilich könnte man schlussfolgern, in der Politik wird eben jede Gelegenheit dazu genutzt, das jeweilige eigene Stimmungsäther zu nähren, was sicher nicht falsch ist, doch im Grunde geht es wohl eher um die Macht.

Momentan wird die AfD ausgegrenzt. Ob gerechtfertigt oder nicht, das muss jeder für sich entscheiden und ist auch für diese Beobachtung hier nebensächlich, Tatsache ist lediglich, dass sie es wird. Fällt diese Barriere, wird es eng für diejenigen, die bislang am meisten davon profitieren: Grüne und Linke. Alle wissen das, Gauland sowieso, die Anderen fühlen es zumindest, und das macht ihnen Angst. In den Nebensätzen wird das deutlich.

Wann fällt die Mauer?

Schweift dann noch der Blick nach Österreich oder Italien oder auf den Kalender zu den Terminen der diesjährigen Landtagswahlen, dann wird aus der Angst pure Panik. Der inflationäre Gebrauch des Wortes „Nazi“ ist nichts anderes. Dieses Wort, diese Bezeichnung, ist sozusagen die Atombombe der Ausgrenzung gegen den politischen Konkurrenten. Die massenhafte Anwendung dieser Diffamierung zeigt an, wie groß die Angst vor dem Fall der Mauer der Ausgrenzung ist. Denn sollte die Mauer einst fallen und die AfD als ganz normaler demokratischer Konkurrent angesehen werden müssen, dann sind auch Bündnisse mit ihnen denkbar. Die Macht, von der die Linken und die Grünen heute glauben, sie würden sie in der Hand halten, würde ihnen entgleiten.

Gauland, der alte Mineur, hat diese Schwachstelle längst erkannt und gräbt beharrlich. Die hinter der Mauer hören es deutlich und hoffen darauf, das die Steine standhalten. Doch irgendwann bricht jede Mauer, egal wie solide sie gebaut wurde oder wie intensiv sie verteidigt wird. 

Zuerst erschienen auf Quentins Blog „Glitzerwasser“.

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S.Niemeyer / 11.01.2019

Damit das gemeine Volk die Wohltaten der Obrigkeit dankbar zu schätzen weiß, erhalten jetzt Gesetze Bezeichnungen, die an der unermesslichen Güte nicht zweifeln lassen: Das “Gute-Kita-Gesetz” , das “Starke-Familien-Gesetz”, demnächst vermutlich das “Gesunde-Ernährung-Gesetz” (nicht zu verwechseln mit einem “Gute-Diäten-Gesetz” exklusiv für Abgeordnete) , der Berliner Senat arbeitet wohl an einem neuen Schwache-Polizei-Gesetz, was analog vom Verteidigungsministerium für die Bundeswehr schon erreicht ist. Sprachlich symptomatisch für die Polit- und Medienkader und beunruhigend finde ich auch den häufigen Gebrauch eines nebulösen “Wir” , mit dem die Macht der Ausgrenzung suggeriert wird. Man will Dummbeutel. Bürger stören.

Michael Jansen / 11.01.2019

Wenn es tatsächlich dazu käme, dass die AFD, sei es direkt über eine Koalition, sei es indirekt über eine Duldung, an einer Regierung beteiligt sein könnte, dann wäre Merkels seit Jahren verfolgter Plan leider hinfällig. Dabei hatte sie sich doch so schön ausgetüftelt, wie man dafür sorgen könne, dass sie und die CDU für lange Zeit wenn nicht auf ewig an der Spitze der Regierung stehen würden. Man musste dazu nur die CDU so weit nach links rücken und sozialdemokratische Themen besetzen, dass die SPD weitgehend überflüssig würde (hat geklappt), dann den Grünen ihre wichtigsten Anliegen entreißen, also aus der Kernkraft aussteigen, Gentechnik in Deutschland unmöglich machen, die Autoindustrie kleinkriegen und das Weltklima retten (klappt auch schon alles ganz gut). Die FDP würde sowieso immer eine kleine Klientelpartei und die Linken außen vor bleiben. Dann musste man nur noch dafür sorgen, dass unter Aufbietung aller propagandistischen und juristischen Mittel alle, die konservativer als die links-grün verschobene CDU denken, als Rechtspopulisten oder gleich als Nazis verunglimpft und aus dem Diskurs ausgeschlossen werden und die AFD als nicht wählbar und vor allem als parlamentarischer Paria präsentiert wird. Schon wäre die CDU auf ewig stärkste Fraktion, könnte sich unter den kleineren Blockparteien die jeweils passenden Koalitionspartner aussuchen und auf ewig die Kanzlerin stellen. Wenn es nun aber geschehen sollte, dass sich die AFD ihrer braunen Schafe entledigt und sich z.B. in Österreich zeigen sollte, dass die verfemten Rechtspopulisten doch nicht gleich den Führerstaat ausrufen, dann gäbe es plötzlich eine Möglichkeit, dass sich die so schön ausgedachte Nummer als Reinfall entpuppt, die so sicher geglaubte ewige Mehrheit der CDU inmitten ihrer Blockparteien hinfällig sein könnte und Deutschland einen Kanzler Habeck oder eine Kanzlerin Weidel bekäme.

H.Roth / 11.01.2019

Diese Nebensätze erinnern mich an gewisse Nebensätze, die heute in einem anderen Artikel erwähnt wurden und etwa so anfangen: ” Ich habe nichts gegen Juden. Ich habe sogar Freunde, die sind Juden, ABER…”.  Demnach scheinen einige Hauptsätze nur beschönigende Floskeln zu sein, während die wahren Ansichten und Absichten im Nebensatz stecken. Ich werde künftig auf jeden Fall viel MEHR auf die Nebensätze achten als bisher. Danke.

Dr. Armin Schmid / 11.01.2019

Die Diffamierung des politischen Gegners als Nazi hat selbst Naziqualitäten. Zunächst geht es um Einschüchterung der Mandatsträger und Anhänger, dann um die Einschüchterung der Anbieter von Tagungsräumen usw. Irgendwann werden die Übergriffe der Antifa-Knüppelgarde à la SA in den Ausdruck spontanen Volkszorns umgedeutet, danach werden die Mandatsträger zu ihrer eigenen Sicherheit in Schutzhaft genommen. Herr Özdemir geht mit der Zuweisung #nazisraus sogar schon einen Schritt weiter und macht den Kampf gegen die AfD zur Staatsaufgabe. Bedeuten die feuchten #nazisraus-Träume auch Umsiedlungen (etwa nach Madagaskar)? Spätestens dann müssten statt der Rüpel von der Antifa-SA die Herren von der SS übernehmen, denn der Deutsche will bekanntlich, dass alles seinen geordneten Gang geht. Die grünlinken Gutmenschen aller Couleur wissen (hoffentlich) gar nicht, was sie da in Gang setzen.

H.Roth / 11.01.2019

Der Hauptsatz ist eine Floskel, der Nebensatz offenbart die eigentliche Haltung dazu. Wo habe ich das heute schon so ähnlich gelesen? Ach, richtig, in dem Artikel über Antisemitismus. “Ich habe nichts gegen Juden,  ABER. ..” Ich werde in Zukunft die Nebensätze sicher aufmerksamer lesen. Danke.

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