„Reicher Mann und armer Mann
standen da und sah’n sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.”
Das Gedicht “Alfabet” von Bertolt Brecht beschreibt prägnant den Glauben, dass der Gewinn des einen den entsprechenden Verlust eines anderen bedeute, die Summe also Null beträgt. Ein solcher Nullsummenglaube steht im Mittelpunkt des neuen Buches des Historikers und Buchautors Dr. Dr. Rainer Zitelmann, der dieses Phänomen anhand des Gedichts veranschaulicht.
Zu Beginn etabliert der Autor eine eingängige Metapher: Überzeugungen und Weltbilder funktionieren wie eine Brille, manche schärfen unseren Blick auf die Realität, andere verzerren ihn auf gefährliche Weise. Zitelmann möchte weder eine düstere „Nullsummenzukunft“ ausrufen noch das Nullsummendenken moralisch verurteilen. Sein eigentliches Anliegen ist ein anderes und sehr dringliches: Ein Denkmuster wie der Nullsummenglaube wird zur echten Gefahr, sobald er Menschen systematisch zu einer verzerrten Wahrnehmung der Wirklichkeit führt.
Mit dieser These legt er das Fundament für ein Buch, das die Konsequenzen dieses weit verbreiteten Glaubenssystems sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene auslotet. Besonders bemerkenswert ist dabei der Ansatz, ein Phänomen zu beschreiben, das Millionen von Menschen prägt, obwohl die wenigsten von ihnen je Begriffe wie „Nullsummendenken“ oder „Zero-Sum Mindset“ gehört haben dürften. Genau darin liegt eine Stärke des Buches: Es macht das Unsichtbare sichtbar.
Wie der Nullsummenglaube zu Neid, Misstrauen und Opferdenken führt
Eine weitere Stärke liegt darin, dass Zitelmann ein abstraktes Konzept anschaulich macht. Er erklärt Nullsummendenken nicht nur spieltheoretisch, sondern über Beispiele aus Alltag, Wirtschaft und Politik. Besonders überzeugend ist die Grundthese, dass viele Menschen wirtschaftliche Prozesse wie einen festen Kuchen betrachten, der nur anders verteilt werden könne. Dem stellt der Autor die These von Wachstum, Innovation und freiwilligem Austausch entgegen: Wohlstand entsteht demnach nicht primär dadurch, dass jemand anderem etwas weggenommen wird, sondern dadurch, dass neue Werte geschaffen werden.
Das Buch erklärt, dass und warum der Nullsummenglaube zu irreführenden Vorstellungen über Armut und Reichtum, Handel und Globalisierung sowie wirtschaftliche und zwischenmenschliche Beziehungen führt und warum diese Weltsicht den einzelnen Menschen ebenso wie ganze Länder ärmer macht. Zitelmann verbindet dabei in acht Kapiteln Wirtschaft, Psychologie und politische Philosophie zu einem gut lesbaren Sachbuch.
Er zeigt, dass echte Nullsummenspiele wie Poker oder Schach im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben eher die Ausnahme sind. In Wirklichkeit können durch Kooperation, Handel und Innovation (Mehr-)Werte geschaffen werden, von denen alle profitieren. Wer den Unterschied zwischen den „Spielarten” nicht erkennt, also nicht richtig zwischen Nullsummen – und Nichtnullsummenspielen differenziert, denkt und handelt dysfunktional.
Es wird anschaulich dargestellt, wie der Nullsummenglaube Vertrauen untergräbt, zu Neid, Misstrauen, Vorurteilen und Opferdenken führt, was jedem Einzelnen schadet. Die Kernaussagen sind stets umfangreich belegt. So wird die These, staatliche Umverteilung würde zu mehr Wohlstand führen, mit den Daten zur globalen Armutsbekämpfung widerlegt: Seit dem Rückgang der auf dem Nullsummenglauben beruhenden sozialistischer Planwirtschaften sank die globale Armutsrate von 42,7 Prozent im Jahr 1981 auf rund 10 Prozent im Jahr 2025.
Leitlinie rationalen politischen Handels
Das Buch „Zero Sum Mindset – Die Nullsummenfalle” halte ich für eine grundlegend wichtige Veröffentlichung. Es liefert wertvolle Denkanstöße, besonders in einer Zeit, in der Nullsummenrhetorik in politischen Debatten allgegenwärtig ist und als Grundlage vermeintlicher Moral dient. Wenn jemand nur deshalb arm ist, weil ihm ein Reicher etwas weggenommen hat, dann ist ein Reicher böse und es scheint als Akt ausgleichender Gerechtigkeit, diesem etwas wegzunehmen. Ist diese These aber falsch, ist die Wegnahme böse; sie gleicht nichts aus, sondern ist Raub. Zudem ist es grob unmoralisch, Menschen aufgrund nachweislich dysfunktionaler Glaubenssätze in Armut zu stürzen oder zu belassen. So hat dieses Buch neben dem eigentlich Anspruch des Autors einen dezidiert moralischen Impetus und kann zugleich als Leitlinie rationalen politischen Handels dienen.
Wer sein eigenes wirtschaftliches oder politisches Denken auf den Prüfstand stellen möchte, findet in „Zero Sum Mindset“ einen ebenso pointierten wie anregenden Begleiter: Das Buch verbindet politische Ökonomie mit Psychologie und zeigt, warum alle mehr gewinnen, wenn wir anders denken. Die Sprache ist zugänglich, die Beispiele illustrieren das Thema einprägsam, und der Autor greift auf ein breites Fundament an Daten und Studien zurück.
Ein ausführliches Gespräch über das Buch mit dem Autor finden Sie in diesem Podcast hier.
Im Achgut-Buchshop erhältlich:
„ZERO SUM MINDSET – Die Nullsummen-Falle – Warum wir mehr gewinnen, wenn wir anders denken“ von Rainer Zitelmann, Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag, hier bestellbar.


Es soll ja Menschen geben, die den Unterschied zwischen „Wert“ und „Geld“ nicht begreifen können. Viele Menschen.
Wertschöpfung entsteht¹ durch Einsatz von Arbeitsleistung über eine Zeit, unter Verbrauch von z.B.:
– Kalorien (Mensch)
– chemischer Energie (Dampfmaschine)
– elektrischer Energie (Industrieroboter)
Im Ergebnis wird dabei ein Wert erschaffen.
Geldschöpfung ist der simple Vorgang der Darlehensaufnahme bei einer Bank.
Im Ergebnis werden Geld und Schulden erschaffen.
((Darlehenstilgung vernichtet vormals geschöpftes Geld wieder.))
Nur für Geld gilt das Nullsummenspiel: Die Summe allen Geldes entspricht stets – zu jedem Zeitpunkt – der Summe aller Schulden.
Eine Folge des Denkfehlers: Die 83 Millionen Deutschen verstecken 10.000.000 Millionen Euro unter der Matratze, statt zu investieren / zu konsumieren. Offenbar, weil sie glauben, „Wert“ unter der Matratze zu verstecken.
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¹) Unter der idealisierten Annahme unendlicher, unerschöpflicher Ressourcen. Der Unterschied zwischen „endlich“ und „unendlich“ ist bekanntlich ähnlich schwer zu verstehen, wie der Unterschied zwischen „Wert“ und „Geld“.
Warum war die soziale Marktwirtschaft so ein hervorragendes Konzept, bevor in Deutschland der Neoliberalismus übernahm? Die soziale Marktwirtschaft förderte zum einen das Streben jedes einzelnen Bürgers nach Wohlstand und gleichzeitig war es selbstverständlich, dass jeder sich selbst erhalten sollte und dass Abhängigkeit vom Staat eine Schande ist, die zu vermeiden war. Zum anderen aber gab es das soziale Netz, das verhinderte, dass man ins Bodenlose fällt und von wo aus ein Neustart immer möglich war. Dieses Konzept beruhte auf der Arbeits- und Innovationskraft der breiten Masse und schützte doch einzelne Schwache. Heute laufen zwei Konzepte nebeneinander und gegeneinander, die die soziale Marktwirtschaft zerstören oder schon zerstört haben. Das eine ist die Globalisierung, das heißt Konzerngewinne, die wir in Deutschland erwirtschaften, wandern ins Ausland, gleichzeitig schöpft der Staat einheimischen mittelständischen Unternehmern alles ab, so dass sich das Wirtschaften kaum noch lohnt. Dann gibt es ein Faulheitsprekariat, das es so in Deutschland noch nie gab, Menschen, die sich im Bürgergeld eingerichtet haben und die es – trotz Arbeitsfähigkeit – für selbstverständlich halten, dass andere für sie buckeln. Und die heutigen Regierungsparteien fördern diese Form der Zerstörung dessen, was einst ein prosperierendes Land war. Die nächste Regierung muss all dem entgegenwirken, soll Deutschland die Abwärtsspirale verlassen.
Von diesem Nullsummenglauben leben ja alle sozialistischen Parteien der Welt. Sie leben
von einer riesigen Gehirnwäsche und Lüge , vergleichbar mit einer Heilsreligion.
Und das wird sich auch niemals ändern, denn der Mensch sucht immer einen Schuldigen für seine prekäre Lebenslage und sein Unvermögen oder Versagen.
Solange noch das mathematische Grundgesetz der Arbeitsteilung und deren Konsequenzen unbekannt sind, wird die Verwirrung um gerechtes Wirtschaften weitergehen. Die Lösung verbirgt sich nach wie vor hinter einer geometrischen Proportion, wie Aristoteles schon wusste.
Zum finanziellen „Energieerhaltungssatz“ gibt es einen schönen Witz: Der zukünftige Schwiegersohn muss beim reichen Papi in spe antreten. Der zeigt ihm sein Haus, Auto, Boot, die Fabrik… Immer mit: „All dies habe ich geschafft, obwohl ich vor 40 Jahren hier her kam, nur mit einer Aktentasche.“ Der Schwiegersohn ist beeindruckt, fragt aber nach: „Was war denn in dieser Aktentasche.“ Papi in spe lächelt: „Zwei Millionen in bar.“
Der Energieerhaltungssatz (Achtung Physik) sagt, in einem geschlossen System kann Energie weder hinzukommen, noch entnommen werden kann. Sie kann nur in andere Energieformen umgewandelt werden. Heute würde man wohl umverteilen nennen. Das erleben wir gerade in der Politik. Ja ich weiß, die Erde ist kein geschlossenes System. Die Wirtschaft aber schon. Und wenn einem was gegeben wird, wird es einem anderen genommen. Außer in Deutschland: Da wird niemand etwas weggenommen. Schon gar nicht durch die Migrationspolitik.
Ich nehme an, dass der Autor auch den einfachen psychologischen Kern dieses „ Spiels“ aus der conditio humana herausarbeitete. Einen neurologischen Kern , den sich die Machthaber natürlich zunutzemachen. Es ist natürlich nicht die ratio, die Vernunft, die hier regiert, sondern das, was den Menschen dazu triggert, den Narrativen zu folgen bzw sogar selbst homöostatisch passende Erklärungen zu kreieren. Um diese Erklärungen geht es. Da gibt es angenehme und unbeliebte. Das Nullsummenspiel enthält 2 limbisch wichtige Aspekte , die Kausalitätsfrage und die Option, sich selbst unverantwortlich und einen anderen verantwortlich zu machen, „ “wissenschaftlich„ und vom Regime , d.h. von Autoritäten bestätigt . Zumal fast jeder davon ausgeht, dass in ihm Grosses schlummert, die anderen ihn nur daran hindern , sich zu entfalten. Weil sie sein Talent nicht erkennen. Oder weil sich ein böser anderer auf seine Kosten bereichert. Mit seiner im richtigen Sinne wissenschaftlichen Behandlung würde der Autor politisch , zumindest in den europäischen Gesellschaften keinen Stich machen. Und jeder von der Mehrheit gewählt werden wollende Politiker wird sich hüten, Derartiges zu verkünden. Was nicht ausschliesst, dass er praktisch in etwa danach handelt. Mit dem Weglassen der Verteilung zur “ Herstellung der sozialen Gerechtigkeit„ und dem Verzicht auf die Benennung der “passenden Schuldigen„ im Unterschied zum politischen Konkurrenten geht er ins Risiko. Bekanntlich war die Ochlokratie für die alten Griechen eine der möglichen, logischen Nachfolger der Demokratie. Ob und inwieweit die Theorie des Autors demokratisch, bei einer limbisch dominierten Masse, aktuell umsetzbar ist, bleibt zweifelhaft.