Die "Metropolitan Opera" in New York galt lange Zeit künstlerisch als verstaubt, dann glaubte man mit dem woken Zeitgeist weiterzukommen. Das erweist sich als Irrtum. Die Met ist echt klamm – finanziell und ideenmäßig.
Der kanadische Dirigent Yannick Nézet-Séguin (Foto oben), seit 2018 Musikchef der Metropolitan Opera in New York, gastiert auch dieses Jahr wieder bei den Salzburger Festspielen. Am Pult der Wiener Philharmoniker leitet er ein Konzert mit Werken von Richard Wagner: „Lohengrin“-Vorspiel, „Siegfried-Idyll“, „Walküre“, erster Akt. So weit, so konventionell. Auf Plakaten, die das Konzert ankündigen, sieht man ihn mit einem extravaganten Sakko und schwarz lackierten Fingernägeln. Nézet-Séguin liebt Männer und trägt dies offen zur Schau. Im Internet sieht man „the modern maestro“ mit Tanktop, trainiertem Oberkörper und großem Tattoo auf der rechten Schulter. Die Fotos könnten auch aus einem Schwulen-Magazin stammen.
Nézet-Séguin ist das queere Aushängeschild der Met, die sich unter der Ägide ihres langjährigen Intendanten Peter Gelb gerade als Bastion gegen die anti-woke Kulturrevolution von US-Präsident Donald Trump in Szene setzt. Trump hat verstanden, dass er, um seine MAGA-Bewegung zum Erfolg zu führen, auch die Netzwerke von Kultur- und Bildungsinstitutionen in seinem Sinne umformen muss. Zunächst installierte Trump im Washingtoner „John F. Kennedy Center for the Performing Arts“ -– es beherbergt unter anderem das Nationale Symphonieorchester und die Washingtoner Nationaloper – seinen Vertrauten Richard Grenell als Interimsdirektor, den ehemaligen US-Botschafter in Deutschland. Sein Auftrag: Keine Dragshows mehr, keine antiamerikanische Propaganda. Grenell ist übrigens auch schwul, macht auch kein Hehl daraus, lackiert sich aber nicht die Fingernägel.
Dann knöpfte sich der Präsident die Eliteuniversitäten vor und ging mit entschlossener Hand gegen pro-palästinensische Proteste, Gender-Programme und linke Diversitätsrichtlinien vor – einige Elite-Unis lenkten bereits ein. Zuletzt kam die traditionsreiche Smithsonian Institution unter Druck – ein Museumsverbund, der seit 1846 besteht und 21 Häuser in Washington und anderen Städten umfasst mit Millionen Besuchern jährlich. Auf seiner Plattform Truth Social ließ Donald Trump kürzlich wissen: „Die Smithsonian ist außer Kontrolle. Dort wird nur darüber gesprochen, wie schrecklich unser Land ist, wie schlimm die Sklaverei war und wie schlecht es den Unterdrückten ging. Aber nichts über Erfolg, nichts über Größe, nichts über die Zukunft!“
Einlass nur für Geimpfte
Gelb reist gerade durch Europa, um aller Welt kundzutun, was es ihm zufolge bedeutet, in der „beunruhigendsten Zeit seit Jahrzehnten“ eines der bekanntesten Opernhäuser der Welt zu leiten, auf Augenhöhe mit der Wiener Staatsoper und der Mailänder Scala, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Es sei sehr wichtig für Opernhäuser wie die Met, „die Öffentlichkeit daran zu erinnern, dass die Geschichten der Oper heute besonders relevant sind, wo wir gegen den Aufstieg der Autokratie kämpfen“, sagte er in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Neutralität sei keine Option, meint Gelb: „Kulturschaffende im heutigen Europa müssen begreifen, dass das Leben, so wie wir es kennen und wie es das Publikum kennt, gefährdet ist.“
Nun muss man europäischen „Kulturschaffenden“, vor allem in Deutschland und Österreich, sicher nicht erklären, was linksgrüne „Haltung“ bedeutet, sie praktizieren es seit Jahrzehnten zum wachsenden Überdruss des Publikums. Doch ausgerechnet die Met als Speerspitze dieses Zeitgeistes? Noch vor wenigen Jahren wäre man in schallendes Gelächter ausgebrochen, wenn jemand auf diesen Gedanken verfallen wäre. Die Spielpläne des Hauses wie auch die Inszenierungen galten als so antiquiert und gesetzt, dass ans politisch engagierte „Regietheater“ gewöhnte Kritiker aus Europa angesichts Jahrzehnte alter Produktionen des Ausstattungsgurus Franco Zefirelli nur noch mit den Augen rollten. Allenfalls mit seinen Starbesetzungen machte das Haus Schlagzeilen und füllte mit seinen weltweiten Übertragungen von „the greatest hits of opera“ Kinosäle.
Spätestens mit der Coronakrise – die Met war 2021 ausnahmsweise ganz vorne dabei, als es darum ging, nur noch Geimpfte einzulassen, selbst Kinder wurden nicht ausgenommen – wechselte Gelb die Seite und krempelte sein Haus um – aus dem Opernmuseum wurde ein Hotspot der Wokeness. Jetzt gibt es politisch korrekte, zum Teil neu komponierte Opern am laufenden Meter: „Dead Man Walking“ von Jake Heggie, eine Auseinandersetzung mit der Todesstrafe, „The Hours“ von Kevin Puts, in dem lesbische Frauen die Haupttrolle spielen, „Fire Shut Up In My Bones“ von Terence Blanchard, die erste Oper eines schwarzen Komponisten an der Met sowie „Champion“, ebenfalls von Blanchard, die Geschichte eines Boxers in den sechziger Jahren, der mit seiner Homosexualität zu kämpfen hat. Die ganze, linke Diversityagenda.
Eine weitere Belastung für die strapazierten Kassen
Mit Beginn des Ukraine-Kriegs machte der Met-Intendant kurzen Prozess mit Künstlern wie der russischen Sopranistin Anna Netrebko, ein New Yorker Publikumsliebling, die sich nach Gelbs Meinung nicht eindeutig genug von Putin distanzieren wollte. Die Diva verklagte die Met wegen Diskriminierung auf mindestens 360.000 Dollar Schadensersatz – ihre Klage wurde jüngst von einer Bundesrichterin zugelassen. Doch Gelb ficht eine drohende juristische Niederlage in seinem anti-russischen Furor nicht an. Demnächst wird ein Auftragswerk eine Geschichte von nach Russland verschleppten ukrainischen Kinder thematisieren. Titel: „The Mothers of Kherson“.
Nicht uninteressant zu wissen, dass Gelb mit der ukrainischen Dirigentin Keri Lynn Wilson verheiratet ist, die das „Ukrainian Freedom Orchestra“ gründete und natürlich in der Met dirigieren darf. Auch Künstlern wie Placido Domingo oder Vittorio Grigolo, denen sexuelle Übergriffe in minder schweren Fällen vorgeworfen wurden, wies er die Türe seines Hauses im Lincoln Center. Und den russischen Dirigenten Waleri Gergijew, einst regelmäßiger Gast in New York, nannte er kurzerhand einen „künstlerischen Stellvertreter“ Putins.
Sollte Netrebko vor Gericht ein Anspruch auf Schadensersatz zugesprochen bekommen, wäre dies eine weitere Belastung für die strapazierten Kassen der Met. Finanziell steht das Haus, das nicht wie das Washingtoner Kennedy Center von der Regierung finanziert wird, sondern fast ausschließlich durch Spenden, am Abgrund. Gelb musste schon mehrfach das Stiftungskapital anzapfen, um die laufenden Kosten decken zu können.
Die Auslastung liegt bei wenig befriedigenden 72 Prozent (Bayerische Staatsoper: 95 Prozent), Einnahmen und Zuwendungen sind rückläufig. Die Strategie, eine größere Zahl zeitgenössischer Opern ins Programm zu nehmen, habe sich nicht ausgezahlt, schreibt das Fachmagazin „Oper!“. Am besten liefen in der Spielzeit 2024/2025 die englischsprachige Fassung von Mozarts Evergreen „Die Zauberflöte“, gefolgt von Verdis „Aida“, Puccinis „Tosca“, Beethovens „Fidelio“ und Rossinis „Il barbiere di Siviglia“, altbekannte Renner des Repertoires.
Gelb macht für die miesen Zahlen nicht zuletzt den, angeblich von Trumps Politik bewirkten, Rückgang des New Yorker Tourismusgeschäftes verantwortlich. Sicher dient seine Europatournee auch als Werbetour. Doch viele Kritiker sind hierzulande von Gelbs zeitgenössischen Premieren wenig begeistert: zu tonal, zu seicht, zu nah am Musical. Und vielleicht doch thematisch ein wenig zu ranschmeißerisch. Zum Saisonauftakt bringt die Met im September die Oper „The Amazing Adventures Kavalier & Clay“ des zeitgenössischen Komponisten Mason Bates unter Leitung von Yannik Nézet-Séguin. Die Handlung beginnt im von den Nazis besetzten Prag und endet in den USA. „Wir sehen uns erneut autokratischer Herrschaft gegenüber, von der die Welt dachte, sie würde sie nicht wiedersehen“, kommentiert Gelb unverdrossen.
Georg Etscheit ist Autor und Journalist in München. Fast zehn Jahre arbeitete er für die Agentur dpa, schreibt seit 2000 aber lieber „frei“ über Umweltthemen sowie über Wirtschaft, Feinschmeckerei, Oper und klassische Musik. Er schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss, und auf Achgut.com eine kulinarische Kolumne.

Zufällig habe ich mitgehört, dass ein in New York City lebender Sohn eines Bekannten wegen Trumps Kürzungen seinen Job in der DIE-Propaganda-Branche verloren hat. Er ist Schauspieler. Da habe ich mich gefragt, ob oder warum diese Bullshit-Jobs nicht vom dort gewiss reichen Bundesstaat oder der gewiss reichen Stadt im Rahmen ihrer Steuerhoheit übernommen würden. Dasselbe gilt für die MET, es gibt doch mehr als genug reiche Trump-Gegner in den USA. Der Bundesstaat New York hat das deutlich dritthöchste BIP der USA (Wikipedia, Liste der Bundesstaaten der USA nach BIP). NYC „beherbergt die meisten Millionäre weltweit. Einer von 24 Bewohnern der über acht Millionen Einwohner zählenden Metropole hat mindestens eine Million Dollar an liquide investierbarem Vermögen“ (NZZ Ranking der reichsten Städte 09.05.2024). Und wenn unwahrscheinlicherweise Soros dabei pleite ginge, wäre das ein nützlicher Nebeneffekt.
auch @ Talman Rahmenschneider: Generell hat die EU-Nomenklatura ihr wahres Gesicht gezeigt, als sie nach dem Fall des Eisernen Vorhangs massiven Menschenhandel und Zwangsprostitution mit osteuropäischen Frauen zugelassen hat. Friedensnobelpreis 2012. Aber die wahre auf Menschheitsvernichtung ausgerichtete Natur kommt zum Vorschein, bei den spezialaggressiven Russen wie bei den eskalierenden Europäern. Dazu braucht es keinen einzigen Muslim, auch wenn die wie der ganze Rest aller Kontinente keinen Deut besser sind.
Als Nächstes singt dann wohl Conchita die Königin der Nacht, in der Zauberflöte. Aber das ist mir auch Met Wurst.
Oh, ich liebe das „zeitgenössische“ Theater bzw. die Oper. Ist es nicht herrlich anzuhören, wenn Originaltexte woke verändert und ergänzt, unwoke Textstellen gestrichen werden. Und die moderne Kostümierung erst! Da läuft ein weißer „Othello“ im Straßenanzug ‚rum und bei den „Troerinnen“ die Griechen – wie alle Bösewichte bei heutigen Aufführungen – in ss-ähnlichen Uniformen. Wunderschön anzusehen! „Der zerbrochene Krug“ muss mit einer modernen Interpretation daherkommen – Richter Adam war so was wie ein „Naz …“. Schwule und Lesben oder „Queere“ machen sich auch immer gut, selbst wenn sie im Originaltext nicht vorkommen. Und keine Aufführung ohne Schocktherapie für’s verehrte Publikum geht gar nicht. Wenn die Zuschauer nicht der Reihe nach kotzen (ja, ich schreibe es aus!) müssen wie bei Holzingers „Sancta“ ist die Rezension unterirdisch. Was denken die woken Intendanten und Regisseure eigentlich, wie sie ihre Häuser füllen können? Die „Alten“ wrden vergrämt und die „Jungen“ haben tiktok. Im Klartext: Bleibt das zahlende Publikum weg, steht die Pleite auf der Bühne! Dass es auch anders geht, habe ich vor einiger Zeit im „Globe“ in London erfahren dürfen (mit Mühe und Not Karten ergattet): Aufgeführt wurde Heinrich VIII, sparsame Kulisse, elisabethanisch anmutende Kostümierung und der Text original Shakespeare. Da fühlte man sich ohne viel Vorstellungskraft in die Zeit hineinversetzt. Einfach phsantastisch!
Ich war letztes Jahr bei den Salzburger Festspielen: Weder Drag-Dirigenten noch Hamasfans zu sehen, dafür Trachtentanzgruppen vor dem Festspielhaus. War wohl das letzte Mal heile Welt…
Bezugnehmend auf meinen letzten Kommentar schlage ich dem Herrn Intendanten daher Humperdincks Oper Haensel und Gretel vor. Falls er die Hexe rein russisch macht, hat er eine Brille auf. Es sind alle Anrainerstaaten des Schwarzen Meere beteiligt, alle, auch die in der EU. Wenigstens haette er dann brillante Musik. Schuld ist auch der Endabnehmer. Wir werden maximal verschaukelt, wenn alle Missetaten nur Russland in die Schuhe geschoben werden. Und wenn bedacht wird, wie lange Bulgarien und Rumaenien schon in der EU sind, muss man gelassen feststellen, dass die EU moralisch fragwuerdig ist und den alten Spruch beherzigen: Wer im Glashaus sitzt, wirft besser nicht mit Steinen.
„Mit Beginn des Ukraine-Kriegs machte der Met-Intendant kurzen Prozess mit Künstlern wie der russischen Sopranistin Anna Netrebko, ein New Yorker Publikumsliebling, die sich nach Gelbs Meinung nicht eindeutig genug von Putin distanzieren wollte. ------- Und den russischen Dirigenten Waleri Gergijew, einst regelmäßiger Gast in New York, nannte er kurzerhand einen “künstlerischen Stellvertreter„ Putins.------- Nicht uninteressant zu wissen, dass Gelb mit der ukrainischen Dirigentin Keri Lynn Wilson verheiratet ist, die das “Ukrainian Freedom Orchestra„ gründete und natürlich in der Met dirigieren darf.“ Muss man mehr wissen? Was seine Inszenierung in Bezug auf die Kinder von Cherson betrifft, darf man gespannt sein, ob er auch die vorher angeblich bestehende Child trafficking Route nach Europa behandelt, die durch das Vorruecken der Russen geschlossen wurde und vor allem Waisen betraf. Es scheint also offen, ob Russland die Kinder „verschleppt“ oder gerettet hat. Nichts Genaues weiss man nicht. Man weiss auch nicht, falls diese trafficking Route bestand, ob es in erster Linie russische Kinder waren, die zur Ware wurden. Eins aber weiss man: Dass die EU-Granden sich in Bezug auf kriminelle Aktivitaeten in ihrem Wunschbeitrittsland verbal sehr bedeckt halten, obwohl sie gewahr wurden, dass dort alles im Argen ist und Reformen eher 50 als 10 Jahre brauchen. „2 Since the beginning of 2005, the Turkish government has adopted an innovative re-gional approach to the problem of human trafficking. International Organization for Migration (IOM) field offices, media organizations, and local NGOs in Moldova, Ukraine, and Romania (statistically the main source countries for victims of trafficking in Turkey) are working together with the Turkish government to promote Turkey’s own telephone helpline for victims of trafficking.“ Headline: Turkey’s Efforts to Fight Human Trafficking in the Black Sea Region: A Regional Approach„, research gate.