Dirk Maxeiner / 08.10.2016 / 11:40 / Foto: NASA / 3 / Seite ausdrucken

Die neue alte Lehre aus Hurrikan Matthew

Der Hurrikan Matthew, der zunächt in der Karibik Verwüstungen angerichtet hat, zieht derzeit über Florida weiter nach Norden. Besonders die Schadenbilanz in Haiti ist erschreckend, über 800 Tote werden gemeldet. Gleichzeitig verzeichnet  die unmittelbar benachbarte Dominikanische Republik bislang 4 Tote. Wie kommt das, obwohl beide Staaten sich doch die gleiche Insel teilen? Der Hurrikan zog zwischen Haiti und Kuba hindurch, das in etwa gleich stark betroffene Kuba beklagt, wenn überhaupt, nur wenige Todesopfer. Die Dominikanische Republik lag etwas weiter entfernt vom Hauptverlauf  wurde also nicht ganz so stark getroffen.

Das Schadensmuster zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik ist aber dem vergangener Stürme gleichen Ausmaßes sehr ähnlich, bei denen beide Inselteile in gleichem Maße heimgesucht wurden. Und dieses Muster heißt: Große Verheerungen in Haiti, sehr viel weniger Schaden beim unmittelbaren Nachbarn. Das liegt allerdings nicht daran, dass irgendein böser Zauber über Haiti liegt, der die Bewohner der Dominikanischen Republik verschont. Die Ursache ist schlichtweg die Armut: In Haiti leben Hundertausende in windschiefen Baracken und Notunterkünften. Wälder werden aus purer Not abgeholzt, weil das Holz von dem Armen als Brennstoff gebraucht wird. Das begünstigt Schlammlawinen und Überschwemmungen.

So lässt sich wieder einmal eine allgemeine Lehre aus Hurrikan Matthew ziehen: Nach wie vor sind arme Nationen den Naturgewalten am schutzlosesten ausgeliefert. Bei einem Vergleich springt sofort ins Auge, dass die Opferzahlen nach Stürmen oder Überflutungen in den USA oder in Europa um Größenordnungen geringer sind als in Haiti oder Bangladesh. Die große Spendenbereitschaft trägt dazu bei, dort zumindest die Folgen schwerer Katastrophen zu lindern.

Langfristig ist für diese Länder wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand der beste Katastrophenschutz (und Klimaschutz, wenn man daran glaubt) – egal ob Stürme, Überschwemmungen oder Dürren nun vom Menschen verursacht werden oder nicht. Da Geld nur einmal ausgegeben werden kann, stellt sich die Frage, ob die Anpassung an das möglicherweise Unvermeidliche nicht Vorrang haben sollte. So werden Unsummen für die unsichere Hoffnung ausgegeben, den Meeresspiegel in 100 Jahren um ein paar Zentimeter weniger ansteigen zu lassen. Wer dieses Geld dafür verwendet, den Menschen heute Deiche, Schutzvorrichtungen und feste Behausungen zu bauen, hilft ihnen wahrscheinlich sehr viel wirkungsvoller. Das zeigt nicht zuletzt unsere eigene Vergangenheit. Die Geschichte der Sturmfluten an der Nordseeküste ist von ungeheuren Katastrophen geprägt. Doch die tödliche Gefahr durch Sturmfluten wurde durch entsprechende Schutzmaßnahmen sehr viel geringer.

Anpassungsmaßnahmen sind also in jedem Fall sinnvoll, egal warum das Klima sich ändert. Stabilere Häuser, höhere Deiche und bessere Vorwarnsysteme können Menschen in besonders gefährdeten Regionen heute schon mehr Sicherheit bringen und nicht erst in ferner Zukunft. Ein weiterer Anstieg der Emissionen von Kohlendioxid ist für die nächsten Jahrzehnte so gut wie sicher. Dies schon deshalb, weil die nachholenden Länder mehr Wohlstand für ihre Bevölkerung schaffen wollen – und das funktioniert nur mit preiswerter Energie.

Allein in China schrumpfte in den letzten 25 Jahren die Zahl der Armen, die täglich nicht mehr als zwei Dollar zur Verfügung haben, von 260 Millionen auf unter 40 Millionen. Der Zielkonflikt zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Treibhausgasausstoß wird sich nur mit neuen Technologien lösen lassen. Das Beste, was Europa und Deutschland für das Klima tun kann, ist die Entwicklung dieser Technologien. Das wird nur mit einer gegenüber dem technischen und wissenschaftlichen Fortschritt aufgeschlossenen Einstellung gelingen, und gewiss nicht mit einer grün ideologisierten Verbots- und Verzichts-Mentalität.

Die Krokodilstränen, die jetzt angesichts der Katastrophe in Haiti mal wieder vergossen werden, mögen ja mitfühlend sein, zielführend sind sie nicht. Deutschland beharrt auf einer ideologisch geprägten und wirkungslosen Klimapolitik, für die Billionen verschwendet werden, die aber niemandem konkret hilft. Den Nachhaltigkeits-Aposteln sei dabei gesagt: Wer sich um das Überleben künftiger Generationen sorgt, muss erst einmal sicherstellen, dass die Menschen heute überleben. Das ist der erste Hauptsatz der Nachhaltigkeits-Philosophie.

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Sepp-Michael Drescher / 09.10.2016

von Treibhausgas auf statt co 2 auf ihrer seite zu lesen macht mich fassungslos und Haiti und Dom Rep liegen auf derselben und nicht dergleichen Insel

Vaclav Endrst / 08.10.2016

Die in Deutschland z.Z. praktizierte Politik ist auf dem Kurs von dem Club of Rom. danach wird die Reduzierung der Weltbevölkerung angestrebt. Die Naturkatastrofen sind dabei die wilkommene Helfer .  Die wirksame Massnahmen dagegen unerwünscht.

Jürg Rückert / 08.10.2016

In Haiti steigt nicht der Bildungsgrad, sondern nur die Zahl der Menschen. Egal wo heute eine Palme hinstürzt oder ein Blitz einschlägt, es trifft immer einen Menschen. Außerdem ist der Grad an Korruptionsbereitschaft in einer Bevölkerung ein guter Indikator für Armut. Ich füge hinzu: Nicht Armut macht korrupt, sondern Korruption arm. Wer die Armut vergangener Generationen in Deutschland kennt weiß, dass es keine Korrelation zu Korruption gab. Ich kann das verlogene Gejammer um und über die Armut nicht mehr hören: Wir seien schuld, wenn im Kongo ein Dorf abgebrannt wird, denn wir hätten Welt-Hölzer geliefert! Wir hätten Macheten aus Kruppstahl nach Burundi exportiert! Wir hätten dem armen Mann die letzte Banane gestohlen! Wir waren es immer und für alles! So schneiden wir uns freiwillig die Hoden ab. Wie der christliche Pelikan hacken wir uns das Fleisch aus der Brust, um die Armen zu füttern. Gäbe es den Westen und Ostasien nicht, die Armut der Armen wäre noch weit ärmer! Aber wer heute siegen will muss Opfer sein! Eine schwarz-rot-grün pervertierte christliche Lehre liegt wie ein Spinnennetz über dem Westen.

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