Dirk Maxeiner / 21.03.2016 / 14:26 / Foto: Kelly.ibiza / 3 / Seite ausdrucken

Die neue Alchimie und das „Helikoptergeld“

Man ist ja allerhand von unseren sogenannten Währungshütern gewohnt. Ich hätte aber, ehrlich gesagt, nicht für möglich gehalten, dass der Präsident der Europäischen Zentralbank die Idee vom „Helikoptergeld“ allen Ernstes als „ein interessantes Konzept“ bezeichnen würde. Bislang begnügte sich Mario Draghi damit, Geld, das er sich selbst druckt, in der Dimension von Schiffsladungen in marode Banken zu kippen. Das tut er, weil die Banken sonst den Jordan hinabfahren - mitsamt den bei Ihnen in der Kreide stehenden maroden Staaten.  In der Realwirtschaft kommt von den vielen Milliarden offenbar aber nichts an. Jedenfalls will die Konjunktur und Wirtschaftsproduktion in den betroffenen Ländern nicht anspringen, der Zaubertrunk Draghis wirkt einfach nicht.

Deshalb macht unter Ökonomen, den EZB-Präsidenten eingeschlossen, jetzt das „Helikoptergeld“ die Runde. Geld soll bildlich gesprochen aus der Luft auf die Massen abgeworfen werden. Die Bürger sollen vom Staat Prämien und Bargeld ohne Gegenleistung erhalten, damit sie endlich Geld ausgeben – und es nicht unterm Kopfkissen für schlechtere Zeiten horten. Das Volk, so die Überlegung, wird sich darauf hin am Boden um die Scheine balgen und sofort in den Supermarkt rennen, um irgendwas davon zu kaufen  (man kann ja nie wissen wie lange das Zeug was wert ist.) Und dann werden endlich wieder mehr spanische Autos, italienische Südfrüchte und französischer Käse verkauft. Alles wird gut, die Wirtschaft boomt und von dem vielen Geld werden alle Schulden wieder beglichen. Wenn nicht hier und heute, dann zumindest übermorgen. Und wenn nicht auf diesem Planeten, dann auf dem Mars.

Nun könnte man ja einwenden: Wenn der Staat seinen Bürgern etwas Gutes tun will, dann soll er schlichtweg die Steuern senken. Oder unsinnige Vorschriften und Bürokratien schleifen, die alles teurer machen. Nur geht das leider nicht, weil vom Steuern-Einsammeln und im Wege stehen so viele Menschen leben. In Deutschland, das in Europa noch vergleichsweise gut dasteht, arbeitet etwa jeder Zehnte direkt für den Staat. Indirekt sind es noch sehr, sehr viel mehr Jobs, die am Staat hängen, weil selbst zahlreiche Industrien (etwa Wind- und Solarindustrie, um nur ein Beispiel zu nennen) nur aufgrund staatlicher Interventionen wettbewerbsfähig sind.

Der Weg, den Menschen Gutes zu tun, indem man sie einfach in Ruhe und möglichst viel Geld in ihrem Portemonnaie lässt, fällt also leider flach. Deshalb muss man es weiter einsammeln, um es anschließend mit dem Helikopter wieder abzuwerfen. Weil man aber gar nicht so viel einsammeln kann, wie man abwerfen muss, bleibt nix anderes übrig als Geld zu drucken. Oder so zu tun, als ob man es druckt, das nennt sich dann der bargeldlose Helikopter-Abwurf. Mir kommt das vollkommen bekloppt vor, aber ich bin auch kein Professor der Ökonomie.

Allerdings habe ich in den letzten Tagen das Vermächtnis des (verstorbenen) Ökonomen und Publizisten Roland Baader gelesen. Die Textsammlung, die gerade erschienen ist, hat Rahim Taghizadegan zusammengestellt. Sie heißt: „Das Ende des Papiergeld-Zeitalters“. Und darin habe ich folgende schöne Passage gefunden:

„Wertschöpfung ohne Leistung ist nicht möglich, weder durch die alte noch durch die neue Alchimie. Möglich ist nur: Vorweggenommene Mehrleistung durch den Glauben an künftig höhere Kaufkraft und durch den via Geldvermehrung erzeugten höheren Schuldendruck sowie vorweggenommener Mehrkonsum, der durch künftige Mehrleistung (oder durch künftigen Minderkonsum) bezahlt wird. Der Unterschied zwischen der alten und der neuen Alchimie: Die ‚alte’ war von Anfang an Illusion. Die ‚neue’ ist gefährlicher, weil sie ihren illusionären Charakter anfänglich verschleiert, weil der Glaube an sie tatsächlich Wirkung zeigt. Irgendwann aber folgt auch ihr die Ernüchterung, nämlich dann, wenn die Illusion zynisch und rücksichtslos mißbraucht wird, wenn das Zaubermittel zur massenhaft verschütteten Giftbrühe geworden ist.“

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Stephan Wunsch / 22.03.2016

Nur her mit der Überweisung der Zentralbank, werde ich sofort zu 100% in die Aufstockung meines Aktiendepots stecken. Das ist zwar nicht der Konsum, den die Zentralbank gerne hätte, aber verhindern kann sie es ja nicht. Unterm Strich werden Wohhlhabende noch wohlhabender, und nicht wohlhabende brennen ein kurzes Konsum-Strohfeuer ab. Die Bilanzssumme der Zentralbank wird noch aufgeblähter. Die kann die natürlich mit einem Federstrich wieder reduzieren, aber wer soll dann noch an die Werthaltigkeit des Euro glauben?  Die 2% Zielinflationsrate würde im Galopp gerissen.

Werner Kirchhoff / 21.03.2016

Geld wurde schon immer gedruckt, wenn der Staat es brauchte, vor allem zur Finanzierung von Kriegen. Das führte 1923 zu einer Hyperinflation, also einer Geldentwertung, die darin gipfelte, dass man Billionen für ein Brot zahlen musste. Das Geld war nichts mehr wert, weil es nicht mehr das Vertrauen der Bürger hatte. Wenn die Bürger wüssten, was das Helikoptergeld bedeutet, dann müsste schon jetzt eine Inflation ausbrechen, denn man kann dem Euro nicht mehr vertrauen. Der Spruch, dass Wertschöpfung ohne Leistung nicht möglich ist, war nur den sozialistischen Staaten nicht bekannt bzw. hielten sie sich nicht daran. Da ganz Europa nach links rückt und sich dadurch polarisiert und neue rechte Parteien als Gegenpol entstehen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir eine Währungsreform wie 1949 bekommen. Ich habe den Eindruck, dass Draghi seit einiger Zeit schon darauf hin arbeitet! Wir können uns alle darauf gefasst machen, dass wir die Zeche von Draghis krimineller Geldpolitik für die zahlungsunfähigen südlichen Eurostaaten durch Vermögensverlust und staatliche Zwangshypotheken auf Immobilien bezahlen werden!

Hjalmar Kreutzer / 21.03.2016

Ich bin kein Ökonom. Aber könnte das ncht dazu führen, dass eine Schachtel Streichhölzer mal eben eine Billion € kostet? So, wie 1929?

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