News-Redaktion / 28.05.2022 / 07:36 / Foto: cartese / 0 / Seite ausdrucken

Die Morgenlage am Samstag

Ein Blick in die Nachrichten der letzten Stunden.

Sjewjerodonezk von russischen Truppen fast eingeschlossen

Die besonders schwer umkämpfte ostukrainische Stadt Sjewjerodonezk ist nach Angaben der dortigen Militärverwaltung fast vollständig von russischen Truppen umzingelt, meldet welt.de. Zu zwei Dritteln sei die Großstadt im Gebiet Luhansk schon belagert, aber noch nicht komplett eingekesselt, habe der Chef der lokalen Militärverwaltung, Olexandr Strjuk, am Freitag mitgeteilt. Die Verteidiger würden weiter heftigen Widerstand leisten. Dagegen hätten die prorussischen Separatisten der staatlichen Moskauer Nachrichtenagentur Ria Nowosti zufolge behauptet, der Ring um die Stadt sei komplett geschlossen.

Russische Einheiten seien in die Stadt eingedrungen, habe der Gouverneur der Provinz Luhansk, Serhij Gaidai, via Telegram mitgeteilt. Zwar hätten die ukrainischen Soldaten genügend Kraft und Ressourcen, um sich zu verteidigen. „Trotzdem ist es möglich, dass wir uns zurückziehen müssen, um uns nicht ergeben zu müssen.“

Nach Angaben von Strjuk seien rund 90 Prozent der Gebäude in der Stadt beschädigt, 60 Prozent müssten völlig neu gebaut werden. Er habe zuvor mitgeteilt, dass seit Kriegsbeginn in Sjewjerodonezk rund 1500 Menschen getötet worden seien. Viele Menschen seien zudem geflüchtet. Von den einst 130.000 Einwohnern lebten mittlerweile nur noch rund ein Zehntel dort.

EU-Ölembargo mit Ausnahmen für Pipelines?

Im Poker um das sechste EU-Sanktionspaket und damit das bisher umstrittene Ölembargo zeichnet sich im Vorfeld des Brüsseler Sondergipfels ein Kompromiss ab, meldet orf.at. „Die Idee ist, ein Ölembargo in Pipeline- und Seelieferungen aufzuteilen“, habe Reuters einen mit der Sache vertrauten EU-Beamten zitiert: „Die Pipeline würde für eine gewisse Zeit ausgenommen werden, um einen Ersatz zu organisieren."

Kritik an der langen Entscheidungsfindung sei vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gekommen. Jeden Tag zahlten die EU-Staaten eine Milliarde Euro für Gas und Öl, mit denen die Kriegsanstrengungen des Kreml finanziert würden, habe Selenskyj per Videobotschaft mitgeteilt.

Türkei bleibt beim Nein zu NATO-Beitritt Finnlands und Schwedens

Die Türkei bleibt dabei: Gehen Finnland und Schweden nicht auf die Forderungen des Landes ein, rückt Ankara nicht von seinem Nein zum NATO-Beitritt der beiden nordeuropäischen Länder ab, meldet de.euronews.com. Bei einem Besuch in Istanbul hätten die Außenminister Polens und Rumäniens versucht, auf ihren türkischen Amtskollegen einzuwirken.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu habe erklärt: „Der Ansatz, dass man die Türkei im Laufe der Zeit schon überzeugen werde, weil man befreundet und verbündet sei, ist nicht brauchbar. Finnland und Schweden sollten konkrete Schritte unternehmen. Unsere Erwartungen sind nicht unmöglich zu erfüllen. Sie müssen aufhören, den Terrorismus zu unterstützen."

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan habe die beiden Länder zuvor „Gasthäuser des Terrorismus" genannt und werfe ihnen Unterstützung der verbotenen kurdischen Partei PKK sowie von Milizen vor, die der PKK nahestünden.

China sperrt Luftraum für russische Boeings und Airbusse

China sperrt nach einem Medienbericht seinen Luftraum für russische Flugzeuge vom Typ Boeing und Airbus, meldet orf.at. Das Verbot betreffe Maschinen, deren rechtlicher Status nach den westlichen Sanktionen und der Umregistrierung in Russland nicht geklärt sei, habe die russische Nachrichtenagentur RBK berichtet. China hätte von den russischen Fluggesellschaften einen Nachweis dafür gefordert, dass die Flugzeuge nicht mehr im Ausland registriert wären.

Hintergrund seien die westlichen Sanktionen nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die EU und die USA hätten wegen der vom Kreml befohlenen Invasion die Lieferung von Zivilflugzeugen und Ersatzteilen nach Russland sowie deren Wartung und Versicherung verboten. Ein Großteil der in Russland betriebenen Luftflotte gehöre westlichen Leasingfirmen, die ihren russischen Vertragspartnern gekündigt hätten. Moskau wiederum weigere sich, die Flugzeuge zurückzugeben, und habe die Maschinen kurzerhand umregistriert.

Ukrainische Kirche trennt sich vom Moskauer Patriarchat

Russlands Krieg gegen die Ukraine führt zu einer Spaltung der russisch-orthodoxen Kirche, meldet orf.at. Ihr ukrainischer Zweig habe heute in Kiew seine völlige Unabhängigkeit vom Moskauer Patriarchat beschlossen. Nach einem Landeskonzil, an dem Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien teilgenommen hätten, habe die Ukrainisch-orthodoxe Kirche (UOK) des Moskauer Patriarchats gestern erklärt: „Wir teilen nicht die Position des Patriarchen von Moskau und ganz Russland Kyrill zum Krieg in der Ukraine.“

Das Konzil habe Änderungen des Kirchenstatuts angenommen, „die die volle Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche bescheinigen“, hätten Kathpress und die Katholische Nachrichtenagentur berichtet. Weitere Einzelheiten zu der Loslösung vom Moskauer Patriarchat seien zunächst nicht bekannt geworden. Für Russlands Kirche wäre der Verlust ihres ukrainischen Zweigs mit Millionen Gläubigen und Geistlichen ein schwerer Schlag.

Russland will 50 Millionen Tonnen Getreide exportieren

Das russische Landwirtschaftsministerium hat die vorläufige Prognose für die Getreideernte bestätigt und zugesagt, bei diesem Ergebnis mindestens 50 Millionen Tonnen Getreide zu exportieren, meldet n-tv.de. Derzeit würde das Ministerium eine Ernte von 130 Millionen Tonnen prognostizieren. Bei diesem Ergebnis "können wir 50 Millionen Tonnen für den Export ausführen", habe Vizelandwirtschaftsministerin Oxana Lut laut der Nachrichtenagentur Interfax bei einem Auftritt auf dem russischen Getreideforum erklärt.

Im Gegensatz dazu werde das derzeit geltende Exportverbot für Sonnenblumen über den August hinaus verlängert. Lut habe dies mit mangelnden Reserven im eigenen Land für die Herstellung von Sonnenblumenöl begründet. Russland sei wie die Ukraine einer der größten Getreideexporteure weltweit. In diesem Getreidejahr hätte Russland bereits mehr als 35 Millionen Tonnen ausgeführt, darunter 28,5 Millionen Tonnen Weizen, habe Landwirtschaftsminister Dmitri Patruschew auf der Getreidemesse erklärt.  

Deutsche Gasspeicher sind noch nicht ausreichend gefüllt

Die Gasspeicher in Deutschland sind nach Angaben des Präsidenten der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, noch nicht ausreichend gefüllt, meldet deutschlandfunk.de. Müller habe im Interview der Woche des Deutschlandfunks gesagt, die Gasspeicher zu füllen wäre möglich, wenn man bereit sei, den Preis dafür zu zahlen. Müller habe betont, die derzeit verfügbare Gasmenge sei zwar größer als in den Vorjahren. Die Speicher seien aber noch nicht gut genug gefüllt, für den Fall, dass Deutschland kurzfristig weniger oder kein russisches Gas mehr bekomme.

Iran beschlagnahmt zwei griechische Tanker

Die iranische Marine hat zwei griechische Tanker im Persischen Golf beschlagnahmt, meldet derstandard.at. Die Revolutionsgarden hätten die Schiffe wegen "Verstößen" gestoppt, habe die staatliche Nachrichtenagentur Irna am Freitag berichtet. Um welche Verstöße es sich handeln solle, sei offen geblieben. Allerdings habe die Regierung in Teheran kurz zuvor Griechenland mit Strafmaßnahmen gedroht, weil griechische Behörden vergangenen Monat den unter iranischer Flagge fahrenden Tanker Pegas mit 19 russischen Besatzungsmitgliedern an Bord aufgrund von EU-Sanktionen gestoppt hätten. 

G7-Staaten bekennen sich zum Kohle-Ausstieg

Die sieben führenden Industriestaaten G7 wollen sogenannte Klimaschutzmaßnahmen verstärken, meldet deutschlandfunk.de. Das gehe aus dem Abschluss-Kommuniqué der Energie- und Umweltminister hervor, die zwei Tage lang in Berlin beraten hätten. Demnach würden die G7-Staaten ihre Kohleverstromung bis 2035 weitgehend beenden wollen.

Das klare Bekenntnis zum Ende der Kohlekraft sei erstmals in einem G7-Dokument aufgeschrieben worden. Das ursprünglich vorgesehene Enddatum 2030 sei aber aus der Abschlusserklärung wieder gestrichen worden. Nach Angaben aus G7-Kreisen sei das vor allem auf den Widerstand der USA und Japans zurückzuführen. Die Staaten würden sich aber verpflichten , bis 2035 den gesamten Stromsektor überwiegend CO2-frei zu machen, was auch den Einsatz von Gas-Kraftwerken ausschließe.

CDU und Grüne in NRW schließen Sondierungsgespräche ab

CDU und Grüne in Nordrhein-Westfalen haben Eckpunkte für ein mögliches Regierungsbündnis vereinbart, meldet deutschlandfunk.de. Zum Abschluss ihrer viertägigen Sondierungsgespräche hätten sich Delegationen beider Parteien am Abend in Düsseldorf auf ein zwölfseitiges Ergebnispapier geeinigt. Am Sonntag wollen Spitzengremien von CDU und Grünen über die offizielle Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entscheiden.

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