News-Redaktion / 22.04.2021 / 08:32 / Foto: cartese / 0 / Seite ausdrucken

Die Morgenlage: Rakete und Reaktor

Der Bundesrat befasst sich heute mit dem gestern im Bundestag beschlossenen Infektionsschutzgesetz, während die Zahl der Corona-Infizierten in Deutschland bei 0,37 Prozent liegt. Es gab wieder Tote durch einen islamistischen Anschlag in Pakistan, eine syrische Rakete schlug nahe einem israelischen Atomreaktor ein, bei Protesten in Russland gab es tausend Festnahmen und in Italien wurde ein Komplize des Nizza-Attentäters festgenommen.

0,37 Prozent SARS-CoV-2-Infizierte in Deutschland

Während heute der Bundesrat über den größten Freiheits- und Grundrechtsentzug der Bundesrepublik in Form des Infektionsschutzgesetzes debattiert und abstimmt, gelten aktuell 0,37 Prozent der Einwohner Deutschlands als SARS-CoV-2-Infizierte, wie absolute-zahlen.com nach Auswertung offizieller statistischer Daten meldet. Das ist, verglichen mit dem Vortag, ein  Anstieg um 0,04 Prozent. Damit wären 99,63 Prozent der Menschen hierzulande nicht von dem Virus betroffen, wohl aber von den mit ihm begründeten Grundrechtseinschränkungen.

Vier Tote nach Taliban-Anschlag in Pakistan

Bei einer Explosion am Parkplatz eines Luxushotels im pakistanischen Quetta sind mindestens vier Menschen getötet worden, meldet sueddeutsche.de. Mindestens zwölf weitere seinen verletzt worden. Die Bombe sei in einem Auto eingebaut gewesen. Mehrere Autos hätten nach der Explosion Feuer gefangen, Bilder in sozialen Medien würden eine große, schwarze Rauchwolke zeigen.

Innenminister Sheikh Rashid Ahmed habe erklärt, dass eine chinesische Delegation unter der Leitung des chinesischen Botschafters in Islamabad das Ziel gewesen sei. Die Delegation wäre zum Zeitpunkt der Explosion aber nicht im Hotel gewesen.

Die pakistanische Dachorganisation der militant-islamistischen Taliban, Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP), habe den Angriff für sich reklamiert. In einer Mitteilung auf WhatsApp habe es geheißen, dass hochrangige Offizielle das Ziel gewesen seien.

Über Jahre hätten Militante der Islamischen Bewegung Ostturkestans (Etim) - eine Gruppe, die früher in der chinesischen Provinz Xinjiang aktiv war - Unterschlupf bei der TTP in ihrer ehemaligen Hochburg an der afghanischen Grenze gefunden. Die pakistanischen Islamisten seien dann ab 2014 in einer Serie von Militäroffensiven vertrieben worden.

Syrische Rakete schlägt in Israel nahe Atomreaktor ein

Eine von Syrien aus abgefeuerte Rakete ist in der Nähe eines israelischen Atomreaktors detoniert, meldet deutschlandfunk.de. Dies habe die israelische Armee mitgeteilt. Demnach sei die Rakete eigentlich auf israelische Flugzeuge abgeschossen worden, habe diese aber verfehlt und sei nahe des Meilers bei der Stadt Dimona detoniert. Der Reaktor sei nicht zu Schaden gekommen. Über andere Schäden oder mögliche Opfer habe es zunächst keine Informationen gegeben. Als Reaktion habe Israel den Angaben zufolge mehrere Militäreinrichtungen in Syrien angegriffen.

Iran installierte weitere Uran-Zentrifugen

Der Iran hat einem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO/IAEA) zufolge zusätzliche fortgeschrittene Uran-Zentrifugen in seiner unterirdischen Atomanlage Natanz installiert, meldet kleinezeitung.at. Zudem plane die Regierung in Teheran einen weiteren Ausbau, heiße es in dem Dokument, in das die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch Einblick erhalten habe. Die IAEO hätte das Vorhandensein von bis zu 1.044 IR-2m-Zentrifugen und bis zu 348 IR-4-Zentrifugen bestätigt.

In einem Bericht vom 1. April war von 696 IR-2m- und 174 IR-4-Maschinen die Rede. Damit weite der Iran seine Verstöße gegen das internationale Wiener Atomabkommen aus, über das gegenwärtig mit den USA und den anderen ursprünglichen Unterzeichnerstaaten in der verhandelt werde.

Tausend Festnahmen bei Protesten in Russland

In Russland sind bei Demonstrationen zur Unterstützung des im Straflager inhaftierten Regierungskritikers Alexej Nawalny am Mittwoch mehr als 1.000 Menschen festgenommen worden, meldet kleinezeitung.at. Das Menschenrechtsportal ovdinfo.org habe am frühen Abend für mehr als 80 Städte über 1.000 Festnahmen aufgelistet, darunter allein mehr als 300 in St. Petersburg. Nawalny befinde sich seit drei Wochen im Hungerstreik, um so eine Behandlung von einem unabhängigen Arzt zu erwirken.

Vereinzelt habe es Berichte über Polizeigewalt gegen die friedlichen Demonstranten gegeben. Die Menschen hätten trotz Drohungen der Behörden zu Zehntausenden "Freiheit für Nawalny!" gerufen und gefordert, dem schwer erkrankten 44-Jährigen ärztliche Hilfe zu leisten. Nach Angaben des russischen Strafvollzugs werde Nawalny auf einer Krankenstation im Straflager behandelt. Die Behörden sähen keine Gefahr für sein Leben.

Neuer tschechischer Außenminister stellt Russland Ultimatum

Der diplomatische Streit zwischen Prag und Moskau ist weiter eskaliert, meldet sueddeutsche.de. Der neue tschechische Außenminister Jakub Kulhanek habe Russland ein Ultimatum gestellt. Jakub Kulhanek fordere den Kreml demnach auf, bis Donnerstagmittag, 12.00 Uhr, die Rückkehr aller 20 ausgewiesenen tschechischen Diplomaten in die Moskauer Botschaft zu ermöglichen. Andernfalls würde die Zahl der in Prag akkreditierten russischen Diplomaten auf das gleiche Maß reduziert. Praktisch würde dies die Ausweisung von mehr als 20 weiteren Russen bedeuten.

Die tschechische Botschaft in Moskau gelte als kaum noch arbeitsfähig wegen der Ausweisung fast aller Mitarbeiter. Das russische Außenministerium habe sich einen solchen Ton verbeten und für diesen Donnerstag eine Einbestellung des Botschafters angekündigt. "Wir empfehlen Prag, sich Ultimaten für die Kommunikation innerhalb der NATO aufzuheben. Mit Russland ist solch ein Ton unzulässig", habe Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa nach Angaben der Agentur Interfax gesagt.

Tschechien hatte russische Geheimdienste beschuldigt, für Explosionen in einem Munitionslager in Vrbetice im Osten des Landes im Jahr 2014 verantwortlich gewesen zu sein. Dabei waren zwei Menschen getötet worden. Ein Kremlsprecher habe zuletzt von absurden und völlig unbegründeten Anschuldigungen gesprochen. Beide Länder hatten am Wochenende gegenseitig Botschaftsangehörige ausgewiesen - Prag 18 Russen und Moskau 20 Tschechen.

Komplize des Nizza-Attentäters festgenommen

Knapp fünf Jahre nach dem islamistischen Lkw-Anschlag im südfranzösischen Nizza mit 86 Toten ist in Italien ein mutmaßlicher Komplize des Attentäters festgenommen worden, meldet kleinezeitung.at. Der 28-jährige Albaner werde verdächtigt, am Anschlag beteiligt gewesen zu sein, habe die italienische Polizei in der Nacht zu Donnerstag mitgeteilt. Er soll laut italienischen Medien Waffen an den Attentäter verkauft haben. Der mit europäischem Haftbefehl Gesuchte wäre in der Nähe der Stadt Caserta nördlich von Neapel festgenommen worden.

Am 14. Juli 2016, dem französischen Nationalfeiertag, war Mohamed Lahouaiej Bouhlel auf der Flaniermeile Promenade des Anglais mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast. Es gab 86 Todesopfer und mehr als 200 Verletzte. Der Islamische Staat (IS) hatte die Tat damals für sich reklamiert.

Mordprozess wegen islamistischem Angriff in Dresden geht weiter

Im Prozess wegen des tödlichen Angriffs auf zwei Touristen am Oberlandesgericht (OLG) Dresden geht es heute um den Angeklagten und sein Umfeld, meldet sueddeutsche.de. Der Staatsschutzsenat habe mehrere Zeugen geladen, die mit dem unter anderem wegen IS-Propaganda vorbestraften jungen Syrer Kontakt hatten. Zudem sollen zwei Frauen, darunter eine Psychologin, Auskunft über ihn während seiner Zeit im Jugendgefängnis Regis-Breitingen geben. Der 21-Jährige ist wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die Bundesanwaltschaft werfe ihm vor, im Oktober 2020 zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen mit zwei Küchenmessern von hinten niedergestochen zu haben. Einer von ihnen sei gestorben, der andere habe knapp überlebt. Das Motiv sehe sie in der radikal-islamistischen Gesinnung des Beschuldigten. Er hätte die Homosexualität des Paares als "schwere Sünde" betrachtet und die Männer dafür mit dem Tode bestrafen wollen. In Gesprächen mit einem Gutachter habe der Beschuldigte die Tat zugegeben und mit seinem Ziel erklärt, Ungläubige zu töten. Der Angeklagte sei 2015 als minderjähriger Asylbewerber nach Deutschland gekommen.

Coronavirus-Verbreitung in durchgeimpftem US-Pflegeheim

In einem Pflegeheim in den USA hat sich das Coronavirus verbreitet, obwohl ein Großteil der Betroffenen geimpft war, meldet deutschlandfunk.de. Dies gehe aus einer Studie der US-Gesundheitsbehörden hervor. Demnach hätten sich in dem Heim im Bundesstaat Kentucky 46 Bewohner infiziert, die sich bei einem nicht geimpften Pfleger mit einer Variante des Coronavirus angesteckt haben sollen. 22 der Infizierten hätten den Angaben zufolge bereits die zweite Dosis des Impfstoffs von Biontech/Pfizer erhalten. Bei der Virus-Variante handele es sich um eine, die nicht als gefährlicher als die Ur-Variante gelte, habe es geheißen.

Italien will ab Juni Sportstadien öffnen

Wegen verbesserter Corona-Zahlen hat Italiens Regierung gestern das Signal zu einer allmählichen Öffnung der Sportstadien gegeben, meldet orf.at. Ab 1. Juni gebe es grünes Licht für größere Sportevents – allerdings mit stark beschränkter Zuschauerzahl und zunächst nur in den Regionen mit mäßigem Risiko (Gelbe Zonen). In der italienischen Hauptstadt Rom sollen am 11. Juni auch die Fußball-Europameisterschaften starten.

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