Das Wort „Kibbuz“ stammt – wie so viele neu-israelische, scheinbar „progressive“ Termini – aus dem Wortschatz des religiösen Judentums. „Kibbuz galujot“, die „Sammlung der im Exil Verstreuten“, wird bereits in den Mosaischen Büchern angekündigt (5 Mose 30,3), über die Jahrhunderte immer wieder thematisiert, etwa von den Propheten Jeremia, Micha, am prägnantesten Jesaja 11,12: Gott werde „zusammenbringen die Verjagten Israels und die Zerstreuten Judas sammeln von den vier Enden der Erde“. Das Konzept wurde im zweiten Jahrhundert in den Talmud (Pesachim 88a) und ins Achtzehn-Segen-Gebet übernommen, in den zehnten Segen des später im jüdischen Gebetbuch, dem Sidur, fixierten, von allen betenden Juden dreimal täglich zu sprechenden Textes.
Wie der „Zionismus“ keine Erfindung Theodor Herzls war, sondern ein seit dem Babylonischen Exil, also seit mehr als 2.500 Jahren bestehender Aufruf zur „Rückkehr nach Zion“, so existiert das Wort „Kibbuz“ seit fast 2.000 Jahren im alltäglichen Sprachgebrauch religiöser Juden. Und es liegt keine Ironie darin, sondern eine nachvollziehbare Kontinuität, dass ausgerechnet das sozialistische, genossenschaftlich organisierte Modell israelischer Siedlungen diesen Gedanken aufgriff. Deutlich lassen sich Parallelen erkennen, etwa das Sendungsbewusstsein der Kibbuz-Gründer, das durchaus religiös-messianischen, sogar eifernden Charakter trug.
Fast alle Gründer der Kibbuz-Bewegung kamen aus der Linken, aus der sozialistischen Jugendbewegung. Impetus war ihre Rebellion gegen die patriarchalische Ordnung des Shtetl, überhaupt gegen ein zunehmend als leblos empfundenes Diaspora-Judentum mit erstarrten Ritualen und Unterwerfung unter fremde Obrigkeit. Ein eigenes Land, die Rückkehr nach Zion, erschien ihnen als Rettung aus der sonst unvermeidlichen Atrophie, wie es der junge Franz Kafka in seinem berühmten „Brief an den Vater“ von 1919 beschrieb: ein „neues Judentum“, das er und seine Freunde gefunden hätten und das um ein eigenes Land und neue jüdische Gründungen kreiste – und wirklich sind außer Kafka selbst, der früh an Tuberkulose starb, die meisten seiner engen Jugendfreunde später nach Israel ausgewandert.
Die Jugendclique von Kafka und Freunden wurde „Prager Kreis“ genannt, in diesem Fall ein lockerer Zusammenschluss junger jüdischer Literaten, die sich in einem Prager Café trafen und das damals heiße Thema „Zionismus“ diskutierten. In ähnlichen Zirkeln der Orthodoxie entlaufener junger Juden entstand, als gedachte Form des Zusammenlebens in der neuen Heimat, die Idee genossenschaftlicher Siedlungen. Sie entsprachen den sozialistischen Idealen ihrer jungen Gründer, aber auch praktischen Notwendigkeiten. Die ersten Kibbuzim waren mit Palisaden befestigte Wehrdörfer, in deren Mitte ein hoher Wachturm stand, auf dem ständig ein „Kibbuznik“ mit Maschinengewehr postiert war – vom ersten Tag an mussten sich die Kibbuzim der aggressiven Angriffe räuberischer Araber erwehren. Einige dieser kleinen Festungen mitsamt Turm wurden bis ins 21. Jahrhundert als Freilicht-Museen bewahrt, etwa im 1928 gegründeten Kibbuz Givat Brenner, wo mir bei einem Besuch 2009 der damals 97-jährige Kibbuz-Historiker Chaim Seeligmann lebhaft, als sei es gestern gewesen, seine Erinnerungen an die frühen Jahre mitteilte.
Gemeinschaft Gleichberechtigter
Noch am 7. Oktober 2023 erwies sich der halb verfallene Wachturm im Kibbuz Magen an der Gaza-Grenze als lebensrettend: Von dort oben sah ein Kibbuz-Mitglied die heranrückenden Hamas-Terroristen mit ihren Pickups und Motorrädern und konnte rechtzeitig Alarm schlagen. Und da sich dieser Kibbuz im Unterschied zu anderen mit großen Mengen Maschinenpistolen ausgerüstet hatte, wurden – während man Frauen und Kinder in den Luftschutzbunkern in Sicherheit brachte – die Angreifer von den Dächern der Häuser unter Beschuss genommen und erfolgreich abgewehrt.
Viele Kibbuz-Gründer waren bereits vor der Auswanderung in zionistischen Gruppen und Jugendbünden organisiert, im HeChaluz, Bechad, Makkabi Hazair etc. In vielen Fällen entstanden die jüdischen Jugendgruppen aus der Wandervogelbewegung, vor allem aus der deutsch-jüdischen Wanderbewegung „Blau-Weiss“ in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Zur Vorbereitung auf das Leben im Kibbuz gab es die Hach’shara (hebräisch für „Anpassung“ oder „Tauglichmachung“) genannten Vorbereitungslager in Deutschland, der Schweiz und im heutigen Polen, in denen aus bürgerlich-urbanem Milieu stammende Jugendliche die Grundlagen der Landwirtschaft und praktische Berufe erlernten. Sie erprobten dort auch das Leben in der Kvuzah, der Gemeinschaft Gleichberechtigter, als die sie im Kibbuz leben wollten.
Der erste Kibbuz war der 1910 gegründete Kibbuz Degania am See Kineret, ihm folgten Dutzende in den kommenden Jahrzehnten. 1948, im Jahr der Gründung des Staates Israel, lebten etwa zehn Prozent aller Israelis in Kibbuzim, also rund achtzigtausend Menschen. Das genossenschaftliche Grundmuster des Kibbuz war eine landwirtschaftliche Kommune mit gleichberechtigten Mitgliedern (chaver, weibliche Form chavera, was etwa dem deutschen Wort „Genosse“ entspricht) und gewähltem Vorstand, in der Besitz und Einkommen komplett geteilt wurden. Auch externe Einnahmen einzelner Mitglieder flossen der Gemeinschaft zu. Arbeiten erfolgten unbezahlt und auf freiwilliger Basis. Dafür waren das Essen (in einer Gemeinschaftskantine, genannt cheder ochel), die medizinische Versorgung (in der örtlichen Poliklinik) und die Schulbildung kostenlos. Die Kibbuz-Mitglieder teilten sich Autos und Freizeiteinrichtungen, ferner wurden besondere Ausgaben, etwa Reisekosten, vom Kibbuz erstattet, wenn der Vorstand darüber abgestimmt hatte. Es war ein weitgehend reguliertes Leben, bestimmt von den Notwendigkeiten der Arbeit. Die Kibbuzim haben in der Anfangszeit Großes geleistet, harte Pionierarbeit, die Erschließung des Landes, die Verwandlung von Wüstengebieten in fruchtbare agrikulturelle Anbauflächen.
Zu den später oft kritisierten Übertreibungen gehörte das „Kinderhaus“, eine Art Verwahranstalt für Babys und Kinder im Vorschulalter. Schon wenige Tage nach der Geburt wurden die Neugeborenen dem Kinderhaus übergeben, wo sie dann jahrelang lebten, Tag und Nacht. Sie wuchsen nicht in ihrer Familie auf, sondern in einem Kinder-Kollektiv, beaufsichtigt von Erzieherinnen. Dadurch blieb die Arbeitskraft der Mütter dem Kibbuz ungeschmälert erhalten. Obwohl prominente Psychologen wie Bruno Bettelheim die positive Wirkung dieser Art Kollektiv-Erziehung priesen, rief sie unter den betroffenen Frauen zunehmend Widerstand hervor und war einer der Gründe, warum immer mehr junge Leute die Kibbuzim verließen. In den Sechzigern erkämpften Mütter in verschiedenen Kibbuzim eine schrittweise Rücknahme dieses Konzepts, zuerst durch die Sheat ha’ahava, die „Stunde der Liebe“, in der sie sich – trotz damit verbundener Arbeitsausfälle – ihre Kinder zum Spielen oder Spazierengehen holten. In den siebziger Jahren wurde in in den ersten Kibbuzim das Übernachten im Kinderhaus abgeschafft.
Genossenschaften Schritt für Schritt ins Privatwirtschaftliche transformiert
Solche dubios wirkenden Einrichtungen wurden von Ideologen der Kibbuz-Bewegung noch lange mit Entschiedenheit vertreten. Auch als die sozialistische Wirtschaft der Kibbuzim immer ineffizienter wurde und das genossenschaftliche Konzept im zunehmend kapitalistischen Israel ins Hintertreffen geriet, bewahrten sich ältere Kibbuz-Bewohner ihre sozialistischen Überzeugungen. Politische Intoleranz hinderte sie jedoch nicht, ihre Genossenschaften Schritt für Schritt ins Privatwirtschaftliche zu transformieren. Viele Kibbuzim gründeten touristische Einrichtungen wie Hotels und Freizeitparks, später freie Unternehmen, Fabriken und Fertigungsstätten. Im Kibbuz Zikim an der Gaza-Grenze, der lange auf den Anbau von Mangos und Avocados spezialisiert war, gründete man das international aktive Unternehmen Polyrit, das hochwertige Kunststoffe produziert, die für die Chip-Herstellung wichtig sind. Zugleich entstand dort eine der größten Molkereien Israels und 1971 die Matratzenfabrik Polyron.
International bekannt ist auch das 1965 im Kibbuz Chazerim gegründete Unternehmen Netafim, heute einer der weltweit größten Produzenten von Bewässerungsanlagen mit Fertigungsstätten in Kalifornien, Südafrika, Deutschland, Australien und anderswo. Im Kibbuz Sde Boqer mitten in der Negev-Wüste, wo Staatsgründer David Ben-Gurion seine letzten Lebensjahre verbrachte, gibt es heute eine Fabrik für Klebebänder und ein Luxus-Hotel, in dem 2022 die Außenminister Bahrains, Marokkos, der Vereinigten Arabischen Emirate und Israels die Abraham Accords genannten Verträge über Kooperation und diplomatische Beziehungen zwischen den genannten Staaten aushandelten.
Die Zahl der in Kibbuzim lebenden Israelis war 2014 gegenüber 1948 nur leicht gestiegen, obwohl die Zahl der Kibbuzim erheblich zugenommen hatte, was die gleichzeitige starke Abwanderung reflektiert. Auch bedeutete diese Zahl von ca. 90.000 Menschen nur noch etwa 1,5 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung. Die Kibbuzim und ihre Ideologie erlebten einen Bedeutungsverlust, der nur durch Öffnung und größere Toleranz aufzufangen war: Neben der Gründung kapitalistischer Unternehmen gewann man neue Einwohner durch Landverkäufe zum freien Häuserbau. Wie etwa im Kibbuz Givat Brenner, der de facto längst ein Vorort der Stadt Rechovot geworden war. Hier konnten ab 2005 Grundstücke zum Bau von Villen und Einfamilienhäusern erworben werden, ohne dass man dem Kibbuz beitreten musste, wodurch Stadtflüchtige, aber auch abgewanderte Kibbuz-Kinder angelockt wurden.
2020 zählte man 272 Kibbuzim, davon bereits 16 religiöse, meist von Einwanderern aus angelsächsischen Ländern gegründet, was gleichfalls eine Neuerung gegenüber der strikt sozialistischen Vergangenheit war. Befreit von früheren ideologischen Restriktionen, empfehlen sich die Kibbuzim heute als Alternative für ein Leben außerhalb der Metropolis, vor allem in der fast durchweg urbanisierten Zentralregion um Tel Aviv oder im Großraum Haifa. Insgesamt bieten Krise und Wiederauferstehung der Kibbuzim das ermutigende Bild israelischer Flexibilität: Ihre Metamorphose von sozialistischen Wehrdörfern zu Industriestandorten und vorstädtischen Siedlungen widerspiegelt die Beweglichkeit dieses kleinen, kreativen Landes, die immer wieder seine Freunde wie Feinde überrascht.
Der Beitrag erschien zuerst am 15.12.2025 in der NZZ.

@Hallo, Herr Gerd Heinzelmann !
Ich zitiere Sie: „Die USA haben die besten Soldaten.“ Das stimmte schon im Vietnam-Krieg (Agent Orange) nicht mehr, und noch weniger bei ihrem erbärmlichen Abzug aus Afghanistan im Spätsommer 2021.
Dieses schwache Verhalten stellte eine Versuchung für Putin dar, der er nicht widerstehen konnte, im Februar 2022 die Ukraine zu überfallen.
Aktuell hat die Ukraine die besten Soldaten !
Mit freundlichen Grüssen
Danke für Ihren Bericht, Chaim Noll ! So gerne möchte ich für einige Zeit in einem Kibbuz in Israel leben. Wäre das möglich – auch wenn ich schon (durchaus rüstige ) 77 bin ?
@HJ Gille: Ihre Ausführungen finde ich subtil entlarvend.
Haben Sie sich je dafür interessiert, wie viele Juden in bitterer Armut in der Diaspora gelebt haben? (Ich habe darüber ziemlich viel von meinen Großeltern – geboren in den 1880ern- gehört.)
Können Sie sich vorstellen, wie bitter es auch für die erfolgreicheren unter ihnen gewesen ist, jedesmal wieder verjagt zu werden, wenn sie es zu etwas gebracht hatten und sie alles zurücklassen mussten?
Sicher wissen Sie, dass Juden die meisten Berufe verwehrt blieben, weshalb ihnen die Geldgeschäfte übertragen wurden. „Christen“ durften ja keine Zinsen erheben. Juden als Sündenböcke waren gerade recht. Von den von ihren „Gastländern“ vorgeschriebenen mickrigen Zinsen konnten die Juden aber auch nicht leben.
Unter den Juden gab es hervorragende Gold- und Silberschmiede und Diamantschleifer. Ihre Arbeiten wurden von den Auftraggebern aber oft nicht bezahlt. Karriere? Reichtum?
Irgendwann hat sich das Diamantgeschäft als praktisch erwiesen, weil Diamanten bei den immer neuen Pogromen auch in einem schäbigen kleinen Beutel „am Mann“ getragen werden können.
Reiche Juden sind und waren – ebenso wie reiche Nicht-Juden – eine Minderheit.
Dass auch die armen Juden bildungsbeflissen waren, ist die andere Seite der jüdischen Medaille.
Davon, dass diese Bildungsbeflissenheit den Geboten der Bibel zu verdanken ist, wollen Sie vermutlich nichts hören.
Dass das jüdische Volk seine Homogenität weit überwiegend bewahrt haben, hat ebenfalls mit dem Gott der Bibel und seiner Bündnistreue zu seinem Volk zu tun. Karriere? Nun ja…
Wissen Sie, wie abgerissen Teile des jüdischen Volkes aus der Babylonischen Gefangenschaft nach Jerusalem zurückgekehrt sind? (Lesen Sie die beiden Bibelbücher Esra und Nehemia, wenn Sie mehr erfahren möchten.)
Ein Jahr 2026 mit positiven Überraschungen wünscht i.g.
Fast nie ist ja an einem geschichtlich bewegenden Gedanken, einer Theorie darüber wie die Welt sich im Inneren natürlich oder gesellschaftlich zusammen oder auch nicht hällt , was zurecht und zu unrecht real ist oder sein solle, und was dringend ganz neu gestaltet gehörte, nicht immer auch ein Quäntchen, mindestens, Wahres und Gutes. Etwas was bleibt und bei allem Wandel sich erhält , aufbewahrt durch alle Wandlungen und Negationen hindurch. Und grade für die eminenten Menschheitsutopien, solche des Göttlichen und/oder Menschlichen -Erlöstwerdens, also wo es auch um echtes Zukunftversprechen, -Erahnen, um das was den Kern des Menschseins ausmachen kann in ferneren Seinszuständen geht, gilt, dass nie ganz alles an ihnen blanke Selbsttäuschung, schnöder Betrug und offenbartes Verderben war so es sich verwirklicht haben wollte, und dass immer auch ein berechtigtes menkind-Erhofftes durch und in ihnen gegeben und erhalten war. Was ich hier sagen will: Sooft jetzt das Menschheitsexperiment Sozialismus im Kubapauperismus, in Venezueladiktaturen, in Kim Jong-Kingkong-Adelstyranneien, in Pol-Pot Massengräber-Massakern, in Stalinismusheils-Leeren, in der eingemauerten DDR-Unrechtsstaats-Klassendiktatur des gesellschaftlich führenden unrechtsstaatslich erhabenen Spießer-iats, die himmelstürmenden Hippie-Utopisch-Sozialistischen Marschkolonnen durch die Institutionen als schamloses Grünes Totalitäres moralinsauertöpfisches Verwahrlostenpack sich entpuppt hat und dergleichen mehr, hat sich wohl das Restwahre am und im Sozialismus, am Glauben an ein Gemeinschaftsideales,, das lange schon verkündet war, ein eschatologisch durchaus nicht fehl-allokiertes Erwarten auf Zukunft, am ehesten wohl in den israelischen Kibuzzim verwirklicht, wie Sie sie hier als gegenwärtig beschreiben. Basta! Und zwar für die nächste 100 Jahre oder so. Dabei will ich nicht sagen, dass wir Menschen in fernren Zeiten u. Welten nicht frei und ohne jeden Dünkel auf Macht und Eigentum leben könnten mal.
Kafkas fragiles Seelenleben reibt sich daran, daß der Vater weitgehend die Beschäftigung mit seiner Herkunft eingestellt und sich weder mit den kleinen und großen Fragen nach Überlieferung, Herkunft und Identität stellen will, da er sich bloß allgemeinen Geschäftsordnungen unterwirft und zu dem wurde, was Alfred Kerr als den „Drei-Tage-Juden“ beschrieben hat: Ein weitgehend assimilierter säkularisierter Teil der jüdischen Gesellschaft, wie er in der bürgerlichen Sphäre vorherrschte, selbst dann, wenn sie auf der Couch von Freud platznahm. All das, was Kafka fasziniert, sein Erbe, der osteuropäische Jargon, die Schibboleths der Zugehörigkeit- all dies vermeidet sein Vater, begreift sie als ablegenswert, da er hierdurch befürchtet, sich allein nur Scherereien einzuhandeln. Alltag und Brauchtum sind in der Fremde nur schwer in Einklang zu bringen, Kafka sah seine Lebensaufgabe im Alltag darin, als gefürchteter Jurist zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen beizutragen, sicher hätte er als Gewerkschaftsfunktionär oder als politische Begabung ebenso Potential gehabt. Überall, wo sich Einwanderer assimilieren, fragen ihre begabteren Kinder nach der Geschichte und dem größeren Zusammenhang. Kafka selbst ist „gut integriert“, aber er leidet darunter, obwohl niemand ein Problem sieht. Selbst- und Fremdwahrnehmung fallen daduch auseinander, zuletzt wird er durch seine literarischen Ambitionen weltberühmt, während er im Beruf bloß als namenloser Angestellter galt und testamentarisch veranlasste, sein Werk zu verbrennen.
„widerspiegelt die Beweglichkeit dieses kleinen, kreativen Landes, die immer wieder seine Freunde wie Feinde überrascht.“
Da kann sich Deutschland einiges abschauen.
Ich kenne jeden Freund, der für mich gestorben ist. Manchmal denke ich, daß die USA nicht wissen, was sie für England und Deutschland getan haben. Ich frage mich, was es mit amerikanischen Soldaten getan hat, wenn sie auf Nationalsozialisten gestoßen sind. Die USA haben die besten Soldaten. Ich bin geduldet, das ist mir schon klar.