Henryk M. Broder / 14.06.2011 / 01:22 / 0 / Seite ausdrucken

Die Linke und der Morbus Judaicus

Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Dietmar Bartsch, hat die Kritiker in seiner Fraktion aufgefordert, die in der vorigen Woche verabschiedete Antisemitismus-Resolution zu akzeptieren. “Ich finde es vernünftig und richtig, dass die Fraktion so entschieden hat”, sagte er der in Halle erscheinenden “Mitteldeutschen Zeitung” (Mittwoch-Ausgabe). “Und es ist schlicht eine Lüge, dass Gregor Gysi mit Rücktritt oder Fraktionsmitglieder mit einem Übertritt zur SPD gedroht hätten.” http://www.presseportal.de/pm/47409/2062299/mitteldeutsche-zeitung-linkspartei-vizechef-der-linksfraktion-bartsch-nimmt-kritiker-der

Den Gipfel des vorgeblichen Antisemitismus in der Linkspartei erblicken sie etwa in der Forderung einiger Linke-Politiker, politische Gespräche auch mit der Hamas zu führen. Das hat zwar nichts mit einer Solidarisierung mit der Hamas und deren antisemitischen Programmatik zu tun, sondern folgt der schlichten Einsicht, dass die Hamas als relevante Konfliktpartei nun einmal nicht ignoriert werden kann. http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/die-sache-mit-dem-schal/

Seine Fraktionskollegin Sevim Dagdelen bezeichnete es als “bedauerlich, dass, getrieben von rechten Mainstreammedien und Politikern, die Linksfraktion der Meinung war, einen solchen Beschluss fassen zu müssen”. Es dränge sich “der Eindruck auf, dass bestimmte Leute in der Fraktion die Debatte ausschließlich führen, um innerparteiliche Geländegewinne zu erzielen”. Das sei “abstoßend”. http://www.sueddeutsche.de/politik/linke-genossen-attackieren-gysis-politik-hoechst-undemokratisch-1.1108043

In der LINKEN gebe es Leute »in höheren Ämtern«, die »auf Teufel komm raus nach Anschlussfähigkeit zu den etablierten Kräften dieser Republik suchen«. Antisemitismus bekämpfe man »nicht dadurch, dass man sich den offiziellen Standpunkt der israelischen Regierung zu eigen macht und vor ihren Sprachrohren und selbst ernannten Sittenwächtern hier zu Lande kuscht, sondern dadurch, dass man die Fehlentwicklungen im israelisch-palästinensischen Konflikt analysiert und nach politischen Wegen sucht, wie sie zu korrigieren sind.« http://www.neues-deutschland.de/artikel/199716.strutynski-kritisiert-linksfraktion.html

Am 21. November 2010 hielt Stefan Ziefle, Mitarbeiter in der Bundestagsfraktion, eine Rede auf einem Kongress des Netzwerkes marx21. Undementiert blieben bisher Veröffentlichungen im Internet – z.B. unter http://reflexion.blogsport.de –, in denen es u.a. heißt, dass der israelische Staat eine Konsequenz aus der Shoah sei, sei (für Ziefle) »Blödsinn«. Des Weiteren verglich Ziefle den Zionismus, der »eine völkische Ideologie« darstellen würde, mit dem Nationalsozialismus, der angeblich auf die gleichen Traditionslinien zurückblicken könne. Unglaublich seine Bemerkung – es sei wiederholt: ein Dementi ist nicht auffindbar –, die Forderung »alle Juden ins Meer zu schmeißen« sei kein Antisemitismus. Derartige Forderungen hielte er zwar für »verkürzt«, ohne ihnen allerdings die Berechtigung absprechen zu wollen, weil sie lediglich eine Konsequenz der (angeblichen) Unterdrückung durch den israelischen Staat darstellen würden.
http://www.scharf-links.de/90.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=16865&tx_ttnews[backPid]=3&cHash=48fc4f4b39

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