Der bayrische Ministerpräsident versprach, dass am Standort der Kernkraftwerke Gundremmingen, die derzeit „zurückgebaut“, d.h. abgerissen werden, ein kommerzieller Fusionsreaktor entstehen soll. Ist dieses Versprechen realistisch?
Die Entwicklung von Fusionsenergie wird ja von dem Kalauer begleitet, dass sie in 30 Jahren zur Verfügung stehen wird – egal wann man fragt.
Fakt ist, dass derzeit ein Programm unter dem Namen „ITER“ läuft. Dieser „International Thermonuclear Experimental Reactor“ soll den „Proof of Concept“ liefern, den Nachweis, dass kontrollierte Kernfusion zur Gewinnung von Elektrizität in industriellem Umfang eingesetzt werden kann. Wird man diesen Beweis erbringen – oder beweist ITER vielleicht genau das Gegenteil?
Es gibt auf dem Gebiet der kontrollierten Kernfusion seit über 50 Jahren kontinuierlich große Anstrengungen. Man sperrte die Substanzen, die fusionieren sollen, in einen Torus, also eine im Kreis gebogene Röhre ein, und heizte den Inhalt auf gut 100 Millionen Grad auf. Diese Experimente führten zur Erkenntnis, dass man auf dem richtigen Weg war. Man müsste alles nur noch viel größer machen, dann würde das Ziel erreicht. ITER soll diesen Erfolg nun bringen.
Ich behaupte nun, dass ist ITER genau den gegenteiligen Beweis liefert, nämlich dass solch ein riesiges System viel zu komplex wird, um jemals zu funktionieren. ITER, seit 2010 im Bau, verhält sich wie das griechische Monster Hydra, dem für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue nachwachsen. Für jedes gelöste Problem bei ITER entstehen zwei neue. So soll die Anlage jetzt beispielweise mit Magnetspulen ausgerüstet werden, die 10.000 Tonnen auf die Waage bringen (so viel wiegt der ganze Eiffelturm). Und die müssen auf ein paar Grad über absolut Null abgekühlt werden. Da gibt es dann einige „Herausforderungen“, deren Lösung zu neuen Herausforderungen führt, die bis heute noch nie gelöst wurden.
Diese fatale Situation spiegelt sich in der Planung des Projektes wieder. Die wichtigsten Zwischenergebnisse, die Meilensteine, entweichen bei jeder neuen Planungsrunde unausweichlich in die Zukunft. Hatte man zu Beginn das Resultat des Vorhabens – nämlich die kontinuierliche Realisierung von Fusion mit 500 Megawatt Energiegewinn – für das Jahr 2027 geplant, so lautet die Aussage heute: „Nicht vor 2039“.
In der Tabelle geben die Zahlen in der obersten Zeile die Jahre wieder, in denen die Schätzungen abgegeben wurden. Die Zeilen geben die geplanten Termine wieder, zu denen diese Meilensteine erreicht würden. Was die einzelnen Meilensteine 1 bis 5 bedeuten, ist aus dem folgenden Kapitel „Etwas Physik“ ersichtlich.

Der erste Meilenstein, zu dem die Funktion der Anlage sichergestellt sein sollte, ist heute bereits von ursprünglich 2019 um 15 Jahre in die Zukunft gerutscht – nach 2034. Der letzte Meilenstein, also das Endziel des Projektes ITER, kann nach aktueller Planung erst nach 2039 erreicht werden. Da ist man übrigens noch weit vom funktionsfähigen Kraftwerk entfernt. Bei der Entwicklung eines Benzinmotors entspräche Meilenstein 5 der ersten Explosion eines Benzin-Luftgemisches im Labor, ausgelöst durch eine Zündkerze.
ITER ist die moderne Hydra: Kaum ist ein Problem gelöst, wachsen zwei neue nach. Sie sagen, auch die Hydra wäre schließlich von Herkules besiegt worden. Gut, aber der war immerhin ein Halbgott. Gibt es heute so etwas? Vielleicht Elon Musk. Aber der lässt sich aus gutem Grund nicht auf Fusion ein; er fliegt lieber zum Mars – das ist einfacher.
Etwas Physik
Wenn wir uns eine kleine Sonne auf der Erde halten könnten, wäre das schön. Sie würde uns im Winter wärmen und könnte uns immer Strom liefern, so viel wir bräuchten. Und unsere CO2-Sorgen könnten wir vergessen.
In der Kernfusion werden leichte Atomkerne, etwa die Kerne von Wasserstoff, einander ganz nahe gebracht. Dann kann die anziehende „starke Wechselwirkung“ die elektrische Abstoßung überwinden und die Kerne verschmelzen. Dabei wird enorm viel Energie frei, das Millionenfache von dem, was bei der herkömmlichen Verbrennung von Wasserstoff entsteht. Damit es so weit kommt, müssen die Kerne aber sehr vehement aufeinanderprallen, dann klappt es vielleicht.
In jedem Gas prallen Atome permanent aufeinander, und zwar umso heftiger, je heißer das Gas ist. Heizen wir also auf, so weit es geht, und warten, was passiert. Bei etwa 10.000 Grad Celsius sind die Kollisionen so stark, dass die Elektronen von den Atomen abgestreift werden – wir bekommen ein atomares Striptease. Das Ergebnis ist eine sehr heiße Suppe aus nackten Atomkernen und freien Elektronen. Diese Suppe wird „Plasma“ genannt.
Jetzt müssen wir unsere freien Atomkerne nur noch dazu bringen, dass sie ihre gegenseitige elektrische Abstoßung überwinden und verschmelzen. Dazu muss die Temperatur noch einmal erhöht werden, auf etwa 150 Millionen Grad.
Wir machen uns das Leben leichter, wenn wir nicht mit alltäglichem Wasserstoff arbeiten, dessen Atomkern aus einem Proton besteht, sondern wir arbeiten mit Deuterium und Tritium. Die haben eine höhere Wahrscheinlichkeit zu verschmelzen. Deuterium und Tritium tragen im Gegensatz zur landläufigen Sorte des Wasserstoffs neben dem Proton noch ein bzw. zwei Neutronen in ihrem Kern herum.
Der Beitrag erschien zuerst bei think-again.org.
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Bayern wird Kernfusion, Weltall und noch irgendwas, aber ich habe schon vergessen, was.
In seinem Vortrag zum Sinn und den Grenzen der exakten Wissenschaft verwies der Physiker Max Planck spätestens vor bald einem Jahrhundert darauf, dass „das endgültig Reale metaphysischen Charakter trägt und sich daher einer vollständigen Erkenntnis durchaus entzieht“. Insofern ist das sich dadurch stets Entziehende das Positive. Auch nur der Versuch, das Vorzeichen umzukehren, bleibt damit von vornherein ausgeschlossen. Angesichts dessen sollte die Kritik erlaubt sein, dass nicht zuletzt die sogenannte Kernfusion lediglich fiktiv, aber niemals realiter von Bestand sein kann.
Die größten Geld- Energievernichtungsmaschinen der Welt.
Siehe z.B. nur der Kälteenergieverbauch wikipedia /wiki/ITER#Stromversorgung
„Der Energiebedarf für die Kühlanlagen, einschließlich der Umwälzpumpen für die Wasserkühlkreisläufe, macht etwa 80 % der etwa 110 MW aus, die die gesamte Anlage während der Betriebsphasen permanent benötigt. Während der Plasmapulse steigt der Bedarf für bis zu 30 Sekunden auf bis zu 620 MW.“
Bild der Wissenschaft Ausgabe: 8/1998, Seite 28, „KONFUSION UM KERNFUSION Das angeschlagene ITER-Projekt zeigt einmal mehr, wie weit die Forschung von ihrem Ziel entfernt ist, ein funktionierendes Fusionskraftwerk zu bauen.“
Der Fusionsreaktor for Dummys erklärt 17.10.2014 „Lockheed Martin meldet Durchbruch in der Kernfusion. Der Brennstoff stellt auch kein Problem dar, da Deuterium, welches für die Kernfusion benötigt wird, problemlos aus dem Meerwasser gewonnen werden kann.“
Dann 2019 YT „Sabine Hossenfelder: Was läuft falsch in der gegenwärtigen Physik? Öffentliche Vortragsreihe im Sommer 2019: “Physik die Wissenschaft„. Dr Sabine Hossenfelder zeigt jedoch, dass die Physik sich damit verrannt hat. Der Glaube an Schönheit ist so dogmatisch geworden, dass er nun in Konflikt mit wissenschaftlicher Objektivität gerät.“
Ideologie schlägt Physik.
Immer noch besser als die Regierung. Die löst nie ein Problem und produziert täglich für viel Geld neue.
Startups für Kernfusion gibt es genügend, sogar für die „kalte“, angeblich Edelmetall-katalytische. Man kann in sie investieren, wenn man verrückt genug ist. Immer wieder ist daher (!) von „Meilensteinen“ und „Durchbrüchen“ die Rede – dann hat die „Zündkerze“ das Plasma gezündet, für Bruchteile von Sekunden, in denen maximal soviel Energie aus der Maschine kommt, wie zuvor hereingesteckt wurde, vielleicht ein Tick mehr, der nicht einmal zum Betrieb der Steuerkonsole ausreicht; das nennt man dann stolz „Break Even“. Oder es ist ein bisschen Wärme aus der kalten katalytischen Suppe gekommen, aber Neutronen hat noch keiner dabei nachgewiesen, und die müssen da rauskommen, wenn die Geschichte stimmen soll. – Wenn dann Politiker davon schwadronieren, die nicht nur die Kernkraft, sondern das ganze Land seit Jahren ruinieren und nicht einmal die Schlaglöcher auf ihren Straßen gefüllt bekommen, dann macht es die Sache vollends unglaubwürdig. Wo sind denn die Scharen dankbarer Investoren und Kernfusions-Startups in Gundremmingen? Und wo die Milliardeninvestitionen des Staates in MINT-Fächer, Forschung und Hochtechnologie für Kernfusion in Best-Land? Diese ganze krude Mischung aus pseudowissenschaftlichen Spekulationen und Hochmut im freien Fall aus dem Munde der Politik ist vor allem eins: lächerlich.
Ich setze auf die kalte Fusion. Wenn sie mir aber einen kleinen Castor anbieten, den man die Kellertreppe runterbringt, dann nehme ich den. So krieg ich in meim Ashram, für tausend Jahr den Arsch warm.
Kernfusion, der Traum von der Realisierung. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts und auch später sprach man von einem Zeithorizont von 50zig Jahren, bis der erste Fusionsreaktor ans Netz gehen kann. Seitdem werden verschiedene Konzepte der Realisierung verfolgt, aber der 50 Jahre Horizont der möglichen Realisierung bleibt da konstant. Also ist es auf alle Fälle eine Beschäftigungsgarantie für jene, die in diesem Bereich arbeiten und ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Wo gibt es so etwas sonst noch? OK, die subventionierten Solar- und Windbarone kommen dem ziemlich nahe!